Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 44 (7.11.1930)
- Date
- 1930-11-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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3lniflw?*?*tfata* povolen# tWAi peil ז»•!•! י•!•» w »fiilftav• ih. 4U724IK2•. Eimsen vom V«rltc«r ▼•!*♦ulet; Jnmal •xpidl• wr redltraf V. b. b. JÜDISCHE PRESSE ORCtlua IW INE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. üsdaktica a. Adm/alitrailom Wien,;).»Leopold!• <ra»e »6, 1. Stiege, 1. Stock.- tel.R 4584־4־. >^becbo110w#kel! Brätlslra*, Postfach 140. ftrsebdnt jeden Freitag. — Redaktfoniacblua!: Mittwoch Mittag. Äb0Bnem2ntsp?e83e 1 Ganzjährig 1 Für Oesterreich S!6?*dbecfaoslowafe«! tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Mailand 3 Dollar. reich: PostSparkassenkontoNr. D-93614; Deutschland: Post• scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.'Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; tür die Tschechoslowakei: ״JüdlschePresse“, Bratislava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr.53386 Nr. 44 Wien-Bratislava, 7. November 1930 .מ ויגא־פרעסבייג ט ז חשק תרצ׳א 16. Jahrg Berlin, du hast es besser! Die Berliner jüdischen Schulen. Es ist unseren Lesern nicht unbekannt, mit wclchen Schwierigkeiten unsere jüdischen Schulen in Wien zu'kämpfen haben. ׳Ein kurzer ,Auszug aus einem eingchenden Referat, das Dr. Max Kollenscher im Oktoberlieftdes ,,Gemeindeblattee der jüdischen Gemeinde zu Berlin“ veröffentlicht, zeigt, wie beneidenswert dagegen für das jüdische Schulwesen in Berlin gesorgt ist. Leben und Paragraphen. § 2 der Satzungen legt der Berliner Gemeinde die Verpflichtung auf, den Religionsunterricht der Jugend zu unterhalten.״In § 3 wird registriert, daß die Gemeinde ״ihre Fürsorge ihren bisher bestehenden Anstalten für Unterrichtszwecke widmet“. Aber ■sowohl der ״Religionsunterricht der Jugend“ als auch ״Fürsorge fiir die bestellenden Anstalten für Untcrrichtszweckc“ haben einen Umfang angenommen, an den man bei der Redaktion des Statuts nicht hat denken können. Die Anstalten für Unterrichtszwecke, drö sich damals auf ׳die beiden Mittel- ■schulen der Gemeinde erstreckten, sind um weitere allgemeine Lehranstalten vermehrt, Institutionen neuer Art sind geschaffen. Am l. Mai 1950 waren in Groß-Berlin in allen seinen Schulen insgesamt 15.625 jüdische Schüler vor- •hamlen. Diese verteilen sich auf die allgemeinen öffentliehen Schulen wie folgt: Jüdische Schüler in Volksschulen 6445. in Mittelschulen 275, in höheren Schulen 6192, insgesamt 12.910. Dagegen (iahen am gleichen Tage die jüdischen Ptofauscliuleü der Gemeinde besucht: Knabcnmittclschule 2/8, Madchenmittelschule 298, Volksschule״Rykestrafie 480, Knaben Volksschule 588, Mädchen volksschule 529. Außerdem haben die jüdische Schule der orthodoxen Gemeinde Adas Jisroel besucht etwa 800 und die Schule des jüdischen Schul Vereines Fasanenstraße etwa 200 Schüler. Von den jüdischen Schulkindern in Berlin •haben somit, wenn man alle vorhandenen jüdischen ■Schulen in!Betracht zieht, 2715 ■Schüler diese jüdischen Schulen ■besucht, während auf die allgemeinen Schulen 12.9.10 entfallen, ln!Berlin besucht also jeder sechste jüdisehe Schüler eine jüdische Schule. ( Alle diese 2715 jüdischen Schüler, die profane jiidisehe Schulen besuchen, sind mit jüdischem!Rcligionsunter rieht versorgt. Diese Versorgung ist eine unvergleiehlieh bessere als sie möglich wäre, wenn die Schüler n ich tj irdische Schulen besucht hätten. Die jüdische Unterweisung in den allgemeinen Schulen gliedert sich in den allgemeinen Unterricht örtlich und zeitlich ein, so daß den Teilnehmern besondere Wege erspart bleiben. Die jüdische Unterweisung unterliegt der gleichen Schuldisziplin wie der allgemeine Unterricht, eine große Verbcssenmg gegenüber der Trennung der Gewalten, die’ eine notwendige Folge des Besuches nichtjüclischcr Schulen bildet. Der konzentrierte Untcmcht in der gleichen Anstalt führt auch ■nach Art und Umfang eine intensivere und vermehrte Beschäftigung mit den jiidisehen und hebräischen Fächern herbei und schafft die Möglichkeit, jüdische Stimmung und jüdische Gesinnung auch in den allgemeinen Lehrfächern anzuregen und zu stärken. Von den allgemeinen SeluilanstaUen der Gemeinde haben die •beiden"!Mittelschulen öffentlichen Charakter. Trotzdem müssen die persönlichen Kosten auch dieser Schule von der Gemeinde getragen werden. .Die Gemoimle hat außerdem Beiträge zur Landcsmittelselnilklas.se zu leisten, wofür als Gegenleistung die Pension für das 1.0,11!׳personal vom Staat getragen wird. Die Gemeinde erhalt!'erner fiir jeden Schüler ein Besuchsgeld. Es ist in der letzten Zeit eine* wesentliche wirtschaftliche Entlastung der Gemeinde dadurch herbeigeführt worden, daß es eher Schulverwaltung gelungen ist, die Be-, schiiliingsgeldei־ auch für ausländische Kinder zu erlaugen. Die drei Volksschulen tragen einen privaten Charakter. Sie werden von der Gemeinde vollkommen .•unterluilten. Hierbei waren für die Schulverwaltung grundsätzliche Erwägungen maßgebend. Es wäre nach den gesetzlichen Bestimmungen möglich, die Volksschulen zu öffent liehe 11 jüdischen Volksschulen zu gestallen und damit die wesentlichsten Lasten der Stadtgemeinde aufzubUrdeu. Zwei ׳Erwägungen haben jedoch die Schulverwaltung hiervon abgeluilten. Die eine beruht auf dem strikt zu wahrenden Prinzip der Gewiseensfreiheit und der Anerkennung des!Elternrechtes. ־Es ist mit der Gefahr zu rechnen, daß bei der ■Einrichtung öffentlieber jüdischer Volkschulon die Schuljugend — wenigstens des betreffenden Bezirke» — gezwungen werden könnte, diese Öffentlichen jüdischen Schulen zu besuchen. Damit würde sich die öffentliche jiidißcho Schule als Zwangsanstalt auch denjenigen Erziehungsberechtigten und ihren Kindern aufdrängen, die nach ihrer freien Ueborzeugung jüdische Schulen nicht lieben. Dieser Zwang muß vermieden werden. Die zweite Erwägung beruht darauf, daß die Beibehaltung des Charakters als private jüdische Schule der Gemeinde einen größeren Einfluß auf ■die.,jüdischen und religiösen Lehrfächer g׳estattet. Trotzdem wird mit aller ,Energie der Versuch unternommen, die Kommune zu!Leistungen für die privaten Schulen der Gemeinde heratizuzielien, die ihre innere Rechtfertigung darin finden, daß die Stadt durch diese Schalen entsprechend entlastet wird. / Die Profansdiulen der Gemeinde, die gerade in der letzten Verwaltungsperiodc außerordentlich verstärkt worden sind, umfassen alle Vorteile einer jiidisehen Ausbildung. Sie vermitteln den jüdischen und hebräischen Lehrstoff in einem Ausmaße, der eine Ergänzung durch Religionsschulen erübrigt. ■Sie gewährleisten der jüdischen Jugend den Sabbat und die jüdisehen Festtage. Sie schaffen die Möglichkeit., unsere Jugend im Sinne jüdischer Lebens- und Weltauffassung zu erziehen, sic in dem gesamten Unterricht mit den Ideen jüdischer Kultur auf Grund der jüdischen ■Geschichte, der jüdischen Gegenwart und •Zukunftshofrnung vertraut zu machen, sie mit jüdischer Heiligkeit und jüdischer Weltlichkeit zu erfüllen. Die Berliner Gemeinde verfolgt seit mehr als hundert Jahren das!Prinzip der jüdischeu Schule. Bis zum Jahre 1927 hat sich die Betätigung dieses Prinzips allerdings nur auf die beiden Mittelschulen erstreckt. ■Es hat sich außerordentlich bewährt und ist von ■den!Mitgliedern der Gemeinde mit Freude hingenommen worden, daß die Gemeindeverwaltung auch zur Errichtung jüdischer Volksschulen übergegangen ist. Mehr als 1400 Kinder, die diese drei Volksschulen frequentieren, von denen zwei einstweilen nur in den untersten Klassen vorhanden sind, sind der beste Beweis für die Richtigkeit dieser neuen Schulpolitik. Zum. letzten Aufnalimetermin im April d. J. konnten unseren Volksschulen 330 Anfänger zugejuhrt werden, während trotz der Einrichtung von je drei Parallelklassen weit mehr als hundert Kindern wogen ■Mangels an Räumen die Aufnahme versagt werden mußte. Ein schönes neues Schulgebäude, das wir am 31. August d. J. seiner Zweckbestimmung־ übergeben durften, symbolisiert außerordentlich den Fortschritt der Idee der jüdisehen Schule. Wir wissen, daß dieser Bau •sächlich einem unabwendbaren Bedürfnis entsprochen hat. Lcbler müssen die Kinder der Volksschule in der Rykestraße einstweilen noch in weniger befriedigenden Räumen ihre Schulzeit verbringen. Auch ihnen einen zweckmäßigen^ Schulbau zu gewähren, wird die Aufgabe der nächsten Zukunft sein müssen. Berlin besitzt Volks- und Mittelschulen, die Ä־ sn&ejüöisdje Schule u.täauph(fiu&fürj%naDWs •יund ‘ßläddui mrtüfertlMI&ihrecfii u. Tilatzgasse 46 die Jüdische Gemeinde verwaltet. Es besitzt darüber hinaus die drei obersten Klassen einer höheren. Lehranstalt, die der Preußische Landesverband Jüdischer Gemeinden unterhält und die in enger personeller und räumlicher Fühlung mit der Gemeinde stehen. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde hat bereits den!Beschluß gefaßt, das vorhandene Schulsystem durch die Einrichtung einer höheren jüdischen Schule zu vervollständigen. Das Bedürfnis nach dieser höheren Schule kann in keinem Fall bestritten werden. Der Besuch, den ■die höheren Schulen der Adas-Jisrocl-Gcmeindc aus den Kreisen der Gemeindemitglieder haben, rechtfertigt diese Annahme ebenso wie der Andrang zu den Volksschulen. Es stellt auch fest, daß die Erziehung«- berechtigten, die ihre Kinder jüdischen Mittelschulen zu-!füllreu, dies zum großen Teil deshalb tun, weil sie in der Mittelschule das in der Gemeinde vorhandene höchste Schulsystem erblicken, daß sie ihre Schützlinge aber gern in einer höheren Schule unterbringeu würden, wenn eine solche in der Gemeinde vorhanden wäre. Die •Frage der Einrichtung höherer Schulen steht, auf der Tages- Ordnung und erheischt in nächster Zukunft eine Losung. Die Scii ul Verwaltung bemüht sich aber auch auf ׳anderen Gebieten um die allgemeine Fortbildung der Jugend. Am 1. April 1930, also zur selben Zeit, ■als die Kochschule im Wiener Krüger-LIeim gegründet wnrdc, ist die ״Haushaltungs- und Kochschule der Jüdisehen Gemeinde“ staatlich anerkannt worden, deren Anfange lange zurüclcreichen, und die jetzt die doppelte Aufgabe hat, einerseits junge Mädchen so vorzubereiten, daß sie in dem Seminar für J-faushaltiingslchrerinnen Aufnahme finden, und anderseits den Schülerinnen der öffentlichen Schulen und Fortbildungsschulen, die den notwendigen Kochunterricht in der rituellen ■Küche haben wollen, die Gelegenheit hiezu zu geben. Ebenso werden berufstätige Mädchen und Frauen im rituellen Kochen und!Backen •sowie in Putz, Schneidern und Plätten unterrichtet. Zur Lage in Erez Israel. Nur im Rahmen der großen Weltpolitik lassen sich die Wendungen in der Politik Englands erklären, selbstverständlich nicht entschuldigen. Es gehört fast zum A-B-C dieser Dinge, daß der Suezkanal, die Behauptung und Bewachung desselben im Mittelpunkt dieser Interessen steht. Nun, jetzt steht jedenfalls eine starke Garnison in einer bei den heutigen Verkehrs- Verhältnissen greifbaren Nähe des Suezkanals. Und England will das Hinterland, den Standort der Garnison, ruhig wissen. Deshalb hätte im gegebenen Augenblick keine andere Regierung anders gehandelt. Was aber uns Juden am meisten schmerzt, das ist die nun jedem klar gewordene Erkenntnis, daß das Land der Balfour-Deklaration die Juden schlechthin in das Getriebe seiner Politik einschaltet und so die Judenheit lediglieb zum Objekt dieser Politik macht, ohne derselben irgend eine reale Subjektivität einzuränmen. Das ist eine grauenerregende Perspektive, die Kammerknechtschaft des Mittelalters in grausamer, neuer Auflage. Da verschlägt es nichts ,wenn im Auf und Nieder, iin Hin and Her diplomatischer Verhandlungen auch jetzt wieder, wie cs scheint, in irgend einer Form eine A'bschwlichung des Weißbuches zugestanden wird. Tatsuche bleibt, daß Araber und Juden jetzt erkannt haben, um was es geht. Es ist die Wiederholung aller Völkergeschichtlichen Vorgänge: Eine erobernde Volkschaft, die andere Volkschaftenin den Dienst ihrer ße- Strebungen stellt, und •das Siclmufbäumen der Figuren auf dem Schachbrett des Weltgeschehens gegen willenloses Sicheiufügeu in dieses Geschehen. Oder im Sinne der Balfour-Deklaration — Bausteine, aber nicht Baumeister — das ist die neueste Interpretation. Wir aber, die wir alles Geschehen unter dem Gesichtswinkel des Psalmwunsches betrachten: Ich möchte verstehe)), was G-tt spricht, haben aufs neue Was bietet die führende Weltfirma ( Othmar Schiff^i**Q£Qz Pdrücken? Wien 1, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) Telephon U-41-3-62 L Modernste und individuellste Ausführung. 2. 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