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Jüdische Presse · 1930-08-08 · 32 (8.8.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
32 (8.8.1930)
Date
1930-08-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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August 1930 .rw ב׳ד; וינא־פ־־עסבורג י׳ר אב 16. Jahrg- Stellt!, 91 tat Bim 911M klttt Ein sensationeller Bericlitigungsprozeß gegen die ״Jüdische Presse“. — Unser verantwortlieber Redakteur freigesprochen. ״Blut und Fluch klebt an den hebräischen Büchern, die man heute aus Sowjetrußland ausführt. Diese Tatsache durch irgend eine von dem österreichischen Preßgesetz zugelassene, aber unwahre und dem größtem Teil der Leser unverstündliche Berichtigung zu verdunkeln habe ich für moralisch unzulässig gehalten, daher hatte ich die' Berichtigung der klägerisdien Partei abgelehnt.“ Diese sensationelle Erklärung unseres verantwortlicheu Redakteurs hat einem an und für sich bedeutungslosen Bericht] gungsprozeß eine w e 11 p o 1 i t 1׳ s c h e Wendung gegeben. Die tausend Wunden, aus denen unsere jüdischen Brüder in Rußland bluten, wurden in einem Wiener Gerichtssaal auf einmal in das Licht der großen Oeffentlichkeit gerückt. Der große ungestillte Schmerz der arg verfolgten russischen Juden klang aus der schlichten, aber um so eindrucksvolleren Rede unseres angeklagten Redakteurs, die etwa wie folgt lautete: ״Blut und Fluch klebt an den hebräischen Büchern, die man heute aus Sowjetrußland ausführt.“ Angenommen, aber nicht zugegeben, daß die Ursprungszertifikate der Sowjethandelsgesellschäften über diese hebräischen Bücher echt, freiwillig, mit gutem Willen gegebene Zeugnisse der einstigen Besitzer sind, auch dann kleben noch Blut und Fluch an diesen aus Sowjetrußland ausgeführten jüdischen Büchern. Was würde man sagen, wenn ans einem Lande, in welchem die notwendigsten. Lebensmittel nur sehr knapp bemessen sind, wo tausende Kinder nach Brot und Milch schmachten, gewissenlose Händler diese notwendigsten Nahrungsmittel außer Land ,bringen würden. In Rußland darf mail seit mehr als zehn Jahren kein hebräisches Buch drucken, kein Gebetbuch kann in Rußland liergestelit werden, kein Gebetbuch darf in das Land eingeführt werden, selbst die hebräischen Kalender, Luach genannt, sind untersagt. Verzeichnisse der jüdischen Feste und Jahreszeiten, werden, wie einst vor Erfindung der Buclidrnckerkunst, von einzelnen Gelehrten handschriftlich hergestellt und im geheimen der Gemeinde mitgeteilt. A n d e r A u s f u h r der in e i n e m s o 1 c h e 11 Lande 110c h von f r ii her vorha n d e n e n h e b r ä i scheu B ii eher d a 1־ f unseres E racht e n s k e i n J u d e mit Ge ׳w i s s e n 11 n d E h 1* g e f ü h i weder a 1 s 11־ ä n cl 1 e 1־ n och als Käufer sich beteilige n. Dies ist unser Bollinger-Eiskasten ' sind seit 1S70 die besten Fabrik: Wien, XV., SfagBgasse 101 (bei Mariahilferstr. 148) Tel. R-35-8-47 und R-30-5-38 8 Filiale: Wien, VII., Burggasse 17, Tel. B 32-3-808 Urteil, im Falle, daß che von der ■sowjetischen Handelsgesellschaft produzierten Urspruugszeugnisse echt wären. Ihre Echtheit muß aber nach der ganzen Sachlage entschieden bezweifelt werden. Es ist anzunehmen, daß nach der sattsam bekannten Methode der Sowjets solche Zertifikate von den einstigen Besitzern nicht frehv.il]ig gegeben werden. Im Frühjahr, als die ganze gesittete Welt durch die in Sowjetrußland wütende Religionsverfolgung in Aufruhr gebracht war, als Hiobsbotschaften über verhaftete, deportierte, abgeurteilte Rabbiner und Religionsdiener in die jüdischen Zentren der europäischen und amerikanischen Großstädte gelangten, als unter dem Druck der Protestkundgebungen die Sowjetbofschaften an ihre Heimatregierung unangenehme Berichte sandten, was geschah da? Der Sowjet-Pressedienst veröffentlichte Erklärungen von Rabbinern und jüdischen Führern in Sowjetrußlaud, die besagten, daß in Sowjetrußland keine Spur von einer Religionsverfolgung vorhanden sei, daß in Sowjetrußland die größte Freiheit herrsche, daß Sowjetrufiland der schönste Fleck auf .Erden wäre. Diese Erklärungen waren die Ursprungszertifikate für die Schließung der Synagogen, für die Umwandlung der Bote Midraschim in Volksliäuser, für die Konfiszierung der großen Bibliotheken, die in diesen*1 Lehrhäusern vorhanden waren. Man will von gewisser Seite der kauflustigen jüdischen Kundschaft in Amerika und Europa einreden, daß der “bekannte Issur von Chofez Chaim lediglich gegen die aus Sowjetrußland stammenden, von den Bolschwiken geraubten Bücher Lebensversioliernngs - Gesellschaft 1 Gegründet 1882 ו!וווווווו!ווו!ווו!וווווו Gegründet 1882 MdmgsMaii Ende Juni 1931) 2450 innen Stlling I I üarantiemittel Ende 1929 . 300 Millionen Shilling 1 PrämißR- und Zinseneinnatiraen im Jahre 1929 . 125% i Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polenjugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten sich richtet, daß hingegen die Sowjethandels־ gesellschaften ehrlich erworbene, mit Ursprungs- Zertifikaten versehene Ware auf den Markt bringen. Man will u״s weismacheu, als ob dies zweierlei Dinge wären. Nein, es muß mit aller Entschiedenheit behauptet werden, daß diese Fest- Stellungen 1fUr zwei Vorgänge innerhalb ein und derselben Tatbandlung betreffen. Die hebräischen Bücher werden in Sowjetrußlaud geraubt, enteignet, konfisziert und — mit braven, frommen Ur- Sprungszertifikaten versehen — mittels der ■Sowjetrussischen Handelsgesellschaften überall in der Welt der nichtsahnenden jüdischen Kundschaft präsentiert. Jüdische Bücher, an denen Blut und Fluch kleben — mit echten, braven Ursprungszertifikaten. Es wird bezeugt, daß Sowjetrußland der friedsamste, sicherste, ■schönste Rechtsstaat auf Erden ist, wo an jüdischen Büchern ein solcher Ueberfluß herrscht, ■daß sie nach dem Ausland exportiert werden können — im Wege der russischeu Handelsgesellschaften — äusgestattet mit Ursprungszertifikaten. Man würde lachen, wenn es nicht so grausam wäre. Gegen das Wüten einer blinden Macht in Sowjetrußlaud, gegen die Unterdrückung des hebräischen Buches, gegen das Verbot des hebräisehen Unterrichts, gegen die Verfolgung der Rabbiner und Lehrer unseres Volkes, gegen die Schließung der Synagogen und Lehrhäuser• können wir,leider fast nichts tun, unsere Proteste verhallen an den chinesischen Mauern, mit denen Sowjetrußlaud sich abschließt. Aber eines können wir da draußen in der europäischen und amerikanischen jüdischen Welt tun und unsere journalistische Pflicht, unseren arg bedrängten russischen Brüdern gegenüber erfüllen. Wir können mit allem Nachdruck auf den von der unter Vorsitz von Chofez Chaim und C11. O. Grodzensky in Wilna stattgefundeneh Rabbinerkonferenz erlassenen schweren Issur nochmals und nachdrücklichst aufmerksam machen. Dieser schwere Issur und unser jüdisches Ehrgefühl sagen uns: Kaufet kein jüdisches Buch, das aus Rußland stammt, denn ob mit Ursprungszertifikaten versehen oder nicht — Blut und Fluch unserer jüdischen Brüder in Rußland kleben daran. Wie es zum Prozeß kam. Der Chofez Chaim braucht unseren Lesern, nicht erst vorgestellt zu werden. Jeder kennt diesen Heiligen Greis, der noch heute, trotz seines hohen Alters, uner# müdlich für d;1s Wohl des Judentums arbeitet. Er hat als Flüchtling in Rußland den Aufstieg des Bolschewis» raus erlebt und seither bildet es seine Hauptsorge, wie »» ^!otßts ■u.y5aupk(fiufe./urJwaSm, ■und fflödden, mdOßentßdUQitsrafit 1 .// י.Tkdzaasse /6 * - ״, - , | - ־ , - Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte Oth C? 1 ^anSe der Vorrat reicht. mar Ocniff 20% Rabatt vom Originalpreis. 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