Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 29 (18.7.1930)
- Date
- 1930-07-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Juli 1930 •rin וינא־םרעסבורג רב״ תפוז כ*ה 16. Jahrs ■ Antisemitischer Terror in Rumänien Die Tragödie von Borscha. Zu der von der Jüdischen Telegraphenagcntur verbreiteten .Meldung über antisemitische Terrorakte in dem sicibcnbürgisehen Städtchen Borscha, . die in der jNiederbrennung dieses Städtchens durch Cuzisten gipfelten, teilt die Pressestelle der Berliner rumänisehen Gesandtschaft dem ״Berliner Tageblatt“ und anderen Zeitungen, die diese Ita-Meldung gebracht haben, mit, daß der .Ausbruch des Brandes in Borscha nicht auf terroristische Akte von Antisemiten zurückgehe, sondorn daß es sich um ein zufälliges Brandunglück handle. Hiezu ist bemerken, daß diese von der rumänisehen Regierung durch ihre Agenturen in Rumänien selbst verbreitete Version von jüdischen wie von nichtjüdischen Politikern sowie auch von der Tagespresse in Bukarest mul in der Provinz scharf angegriffen wird. Siebenbürgisclic Zeitungen veröffentlichen ein Telegramm des Deputierten Dr. Josef ■Fischer an den Innenminister, das folgenden Wortlaut hat; ״Tn Borscha bat der katastrophale ׳Brand mehr als 200 von Juden bewohnte Häuser vernichtet. Die jüdische Bevölkerung ist ohne Obdach, ohne Subsistenz und dem größten Elend preisgege.ben. Der Verdacht, daß antisemitische Agitatoren die Hand im Spiele gehabt haben, wird durch die uuwklersprochene Tatsache bestärkt, daß das Feuer zu gleicher Zeit an drei Stellen ausbrach. Veraulassen Sie eine strenge Untersuchung, Bestrafung der Schuldigen sowie Sicherheitsmaßnahmen für Leben und Eigentum der Bevölkerung.“ Die große Bukarester Tageszeitung ״Adeverul“ vom 8. Juli schreibt: ״Die Behörde hat ein Kommunique veröffentlicht, daß der Brand in Borscha infolge Nachlässigkeit eines Einwohners entstanden'ist; das Kommunique!stützt sich auf eine Erklärung des Arztes Dr. Solomon. Dr. Solomon leugnet aber gegenüber unserem Redakteur, Herrn Muntianu, eine solche Erklürung je abgegeben zu haben. Es kann gar keine Rede davon sein, daß der .Brand auf Nachlässigkeit zuriiokzuf Uhren ist; Dr. Solomon, seine Dienerin Mar ja Mureschan und Herr Stern schilderten die Umstände des Ausbruches des Brandes in einer Weise, daß nur eine Brandlegung in Frage käme. Während das Stacltvierteil, in dem Dr. Solomon wohnt, in hellen Flammen stand, brach in einem anderen Stadtteil, der von dem brennenden durch eine Bodenerliohung getrennt ist, Feuer aus. Es wäre kurios, anzunehmen, daß das Feuer über einen Fluß und einen Berg hinübergesprungen ist und einen neuen Stadtteil in Brand gesetzt hat. Gleichzeitig entstand an einer dritten Stelle ein Brand, wobei es eigentümlich ist, daß die dem Antisemiten Anderko gehörenden Häuser von demselben verschont wurden. Im ganzen brannten 351 Häuser ab, ■die alle Juden ge* hörten. Von der Inneneinrichtung und den Waren konnte nichts gerettet werden. Während des Brandes herrschte Windstille, so daß die rasche und kata- .strophale Ausbreitung nicht anders denn auf verbrecherische Hände zurückgeführt werden könne. Jüdische Bürger von Borscha haben noch vor einigen Wochen der Staatsanwaltschaft an sie gerichtete Drohbriefe (übergeben, in denen die Niederbrennung des Städtchens augekündigt wurde. ,Diese Tatsache ist in dem Bericht des Präfekten an den Innenminister linerwähnt geblieben. Die Behörden sind verpflichtet, der Sache mit Energie auf den Grund zu gehen. Die israelitische Kultusgemeinde von Dorna- Vatra in der Südbukowina hat von der Leitung der jüdischen Gemeinde von Borscha einen von der gesamten jüdischen Bevölkerung Borschas unterzeichneten Appell erhalten, in dem 11. a. ausgeführt wird: Seit dem 7. Juni (930 haben hier die beiden Pfarrer Berindei und Dumitrescu zusammen mit vier Schullehrern und einigen Postbeamten eine ununterbrochene antisemitische Hetze betrieben; sie bildeten ein Komitee, das fortwährend geheime Sitzungen in der Kirche abhiclt. Sie luden den Cuza-Studenten Konstantin Danila nach Borscha ein, unter seiner Leitung wurden die arbeitslosen Bauern und überhaupt alle unverant* wörtlichen und gefährlichen Elemente organisiert. Die Behörden schritten nicht ein. Wir haben die Regierung informiert, aber die Autoritäten blieben passiv und lachten uns aus. Nach dem Osterfest schritt ein Zug von 3000 Bauern mit Kirchenfahnen durch die Straßen von Borscha und rief fortwährend: ״Zündet, tötet, treibt sie hinaus!“ An der Spitze des Zuges schritten Danila und die genannten Pfarrer. Das dauerte so den ganzen Tag. Am Abend wurden von den Anführern zehn Juden fürchterlich geschlagen und drei ins Wasser geworfen. Am nächsten Tage waren schon 6000 bis 7000 Bauern in der Stadt. Der Gemlarmeriekapitän ließ einen Pfarrer verhaften. Danila stellte ein - Ultimatum und forderte die sofortige Freilassung des •Pfarrers, ansonsten würde die Bauernschaft Gewalt 'anwenden. 111 Gegenwart 'der ganzen johlenden Menge wurde der Pfarrer aus der Haft entlassen. Der Gendarmeriekapitän wurde von .seinem Amte suspendiert. Am Donnerstag, den 3. Juli hatte die Hetze ihr gefährlichstes Stadium erreicht, wir fühlten uns preisgegeben. 6000 bis 7000 Bauern, mit Bomben, Knüppeln und anderen Waffen versehen, weilten in der Stadt, es wurde bekannt, daß sie auch Benzin mit sich führten. Aber noch schritten sie nicht zur Ausführung ihres Werkes. In der Nacht von Donnerstag zum Freitag fliichtete der größte Teil der jüdischen Bevölkerung aus Borscha. Freitag früh war Militär eingetroffen, welches aber gegen die angesammelten Bauern nicht einschritt. Die Behörden setzten es nur durch, daß Danila abreiste. Die übrigen Agitatoren blieben im Orte und hetzten öffentlich zu Brandstiftungen und Mord. Alle unsere Bitten und Tränen gegenüber den Autoritäten halfen nicht, die Hetzer durften ungestört ihre gefälirliehe Arbeit" tun. Wir schickten immer wieder Ab- Ordnungen zu den übergeordneten Behörden, man wollte sie aber nicht •anhören. Die übergeordneten Behörden in Sziget gaben die Instruktion, keinen der .Hetzer zu verhaften. Die , Kirche!war beflaggt, drinnen hatten sich die verhetzten Bauern angesammelt. Die Juden wagten nicht, die Straßen zu betreten. Das war am Freitag, den 4. Juli. Plötzlich schlugen an drei ganz *i.lßaupkcAuAfurJwaße/L ■and fflädcfa/i miiOfenl&Mdhrecfi u. WlaUzgassz yg ־ Sr ölejütoselje S$ule Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte Othmar Schiff Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) verschiedenen Ecken der Stadt auf einmal Flammen empor, Benzingeruch verbreitete sich. Bald stand der ganze Ort in Flammen. 132 Wohnhäuser, 199 Neben* gebäude brannten innerhalb zwei Stunden bis auf den Grund ab. Mehr als 2500 jüdische Seelen sind ohne Ob* dach und ohne Nahrung. Die Agitatoren aber hetzen ungehindert weiter, wir wissen nicht, was weiter unser Los sein wird. Seit drei Monaten zahlen die verhetzten Bauern der Umgebung ihre Schulden an die Geschäftsleutc und an die Banken nicht ab; die Armift in Borscha ist darum unbeschreiblich. Ganz Borscha ist ohne Bargeld. Wir bitten unsere Mitbrüder 11m Hilfe und um Schutz des nackten Lebens. Wir sind genötigt, wenn sich eine Möglichkeit bietet, nuszuwandern, denn unser weiteres Verbleiben hier ist sinn- und hoffnungslos. . Der antisemitische Terror in der Bukowina wird bedrohlich. ׳Die von antisemitischen Agitatoren geführte Bauernbewegung in der Bukowina nimmt immer schwerere Formen an und gibt Grund zu äußerster Besorgnis um das Schicksal der Juden. Der Katastrophe von!Borscha, sind am 10. d. •M. Ereignisse in der über* wiegend von Juden bewohnten Stadt Suczawa gefolgt, die den Juden schweren Schaden an Gesundheit und Besitz verursacht haben und besonders dadurch zu schweren Besorgnissen für die Zukunft Anlaß geben, weil sich bei ihnen die Unzulänglichkeit der Schutz* maßnalunen erwies, die die rumänischen Behörden zur Anwendung bringen. Oberst Nic-ulcea, ein berüchtigter Hetzapostel der antisemitischen Bewegung, berief für den 10. •d. M. eine Bauernversammlung mit der Losung ״Bekämpfung des Wuchers“ ein. Der jüdischen Bevölkerung bemächtigte sich große Besorgnis, sie teilte diese der Behörde mit, woraufhin die Behörde, die die Gefährlichkeit der geplanten Versammlung einsehen mußte, ein Verbot für die Versammlung erließ und die Verhaftung von Oberst Niculcea veranlaßte. Trotz des Versammlungsverbotes zogen Bauern in einer Anzahl von 3000 bis 4000 aus den umliegenden Dörfern gegen die Stadt. Die Sicherheitsabteilungen waren dem Andrang nicht gewachsen. Die Bauern durchbrachen den Sicherheitskordon und strömten in die Stadt, wo sie zu* erst einen ruhigen Aufmarsch veranstalteten. Als sie erfahren hatten, daß Oberst Niculcea verhaftet ist, zogen sie vor die Präfektur. Die Tür des Präfekturgebäudes wurde gewaltsam erbrochen, das Präfekturgebäude besetzt und vom Balkon herab wurden Reden gehalten. Die Bauern zogen erst aib, nachdem ihnen der Präfekt schriftlich die Erlaubnis zur Abhaltung einer Versammlung am nächsten Donnerstag zugesichert hatte. Daraufhin zerstreuten sich die Bauern in den Straßen der Stadt, überfielen jüdische Passanten und mißhandelten sie. Zwei Juden namens Großmann und Schätzberg wurden durch Stockhiebe schwere Schädel Verletzungen beigebracht. Die Antisemiten drangen dann in zahlreiche jüdische Häuser ein und plünderten sie. Läden wurden demoliert und die Waren auf der Straße verstreut. In dem der jüdischen Familie Nußrauch gehörenden Wirtshaus versuchten die Exzedenten, nachdem sie die ganzen Alkoholvorräte hinausgeschafft hatten, die Familie zu ermorden und das Haus anzuzünden. Eine Militärabteilung rettete die Ueberfallenen im letzten Augenblick. Am Abend konnte schließlich Militär die Ruhe wieder herstellen. Die Regierung hat mijtgeteilt, daß sie die an den euzistischen Auschreitungen Schuldigen strenger Bestrafung Zufuhren werde. 60 Bauern aus den Dörfern Bosancea, St. Ilie, Ipotesti usw. sind am Freitag verhaftet worden, 25 mußten wegen Mangels an Beweisen wieder freigelassen werden, während 35 in Haft behalten wurden. Ein Communique der Regierung. -- Die Gegenerklärung des Jüdischen Parlaiuentsklubs and der Kultusgemeinde Suczawa. ״Die für Donnerstag in Suczawa angekündigte Versammlung gegen den Wucher wurde von den Behörden verboten. 2000 Bauern protestierten gegen dieses Versammiungsverbot, indem sie einen Demonstrationzug durch die Stadt veranstalteten und verschiedene Rufe ausstiefien. Schließlich zerstreuten sich die Bauern unter vollster Aufrechterhaltung der Ruhe und Ord- So lange der Vorrat reicht. 20% Rabatt vom Originalpreis. Verlangen gnädige Frau Gratis- Katalog und Preisliste