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Jüdische Presse · 1930-07-10 · 28 (10.7.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
28 (10.7.1930)
Date
1930-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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povote*»# ritdH post *!•!•fratov t Bratislava «ft. 41872*11128־. frituiftn vom Vorleger veroeiiiet« Jtarnal expedi• per!‘©dlUir, V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. «IRR JÜDISCHE PRE Redaktion n. Administration! Wien, H., Leopolds* gasia 86, 1. Stiege, 1. Stock. - Tel, R 45-4-8*.?«ehechotlowakei! Bratislava, Postfach 1*0. Smhelnt jeden Freitag. — Redaktionsschluss; Mittwoch Mittag. ÄboansmcntaprHseו Ganzjährig! Fßr Oesterreich S 16 Tachochoslovrakel ischech. K. 80, Einzelnummer öst Gr. 50, das übrige ANihsnd 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jödische Presse*, Wien für Oesterreich! PostsparkasaenkontoNr. D-93614; Deutschland!Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen»Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t .J8dische Presse״, Biatlslava, Postspk.*Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 28 Wien-Bratislava, 10. Juli 1930 .ב*ה רנא־פרעסבומ 2»ו״ תטו: תי׳״י 16. Jahrg. Die Trauer um (erusalem. 1. Kommenden Sonntag, mit dem Fasttag atu 17. Ta# mus, beginnt unsere dreiwöchige Trauer um die Zer־ Störung Jerusalems, um das Verschwinden des jüdischen Staates, um die Einäscherung des Beth־Hamikdasch. Drei Trauerwoclftn, in welchen das in alle Winde zer־J streute jüdische Volk in mitternächtlicher Stunde um die verflossene Herrlichkeit seiner geistigen und materiellen Selbständigkeit weint. Diese Tränen gelten selbstver־ stündlich nicht nur dem Gottesheiligtum allein. Der ganze grenzenlose Schmerz, den ein Jude im Galuth empfindet, die unerträgliche Pein, die man einem Juden überall in der Welt seit Jahrtausenden zufiigt, kommen in der Trauer dieser drei Wochen zum Ausdruck. Was zu leugnen? Im letzten Jahrzehnt, seit Balfour־ Deklaration, seit Palästinamandat, begann man sich die־ ser Galuthtränen zu schämen. Man glaubte, Jerusalem und Palästina mit einem lachenden, einer besseren Zu־ kunft zugeAvandten Antlitz besser dienen zu können, als mit einem in vergangene Pracht schauenden vergrämten Gesicht. Die alte Trauer wich vielfach auch in ortho? doxen Kreisen vor der freudigen Hingebung an den Wiederaufbau Palästinas zurück. In dem Zwiekampf dieser zwei Richtungen scheint sich seit den August־ unruhen des Vorjahres eine Wendung vorzubereiten. Die freudige Hoffnung auf das Gelingen des modern zioni־ sitisch erdachten Palästinaaufbaues verflüchtigt sich immer mehr. Die Weltpresse bringt aus Genf, wo jüngst die Mandatskommission getagt hat, alarmierende Nachrich־ ten. Wir bringen hier die diesbezüglichen Berichte aus der ansonsten zionistenfreundlichen Wiener ״Neuen Freien Presse“, zum Abdruck: Da heißt es in der Morgen? ausgabe vom 8. Juli: Die Mandatskommission für den Standpunkt der Araber. Wie Ihr Korrespondent in Völkerbundkreisen erfährt, hat die Mandatskommission, die mit der Untersuchung der Unruhen in Palästina beauftragt ist, den Entwurf für ihren Abschlußbericht fertiggestellt. Die Kommission stellt sich in ihrem ]Bericht im wesentlichen auf den Standpunkt der Ara* her, spricht allerdings einen gewissen Tadel ge* gen die Engländer aus, die versäumt hätten, die Autorität der Regierung mit der erforderlichen Ent־ schiedenheit einzusetzen, sowohl während der Un# ruhen wie auch in der politischen Direktive während der Zeit, die den Unruhen vorausging. In den Beratungen der Kommission zeigte sich der Vertreter Hollands, Van 4R e e s, mehr geneigt, den Arabern recht zu geben, während der Vertreter der Schweiz, Professor R a p p a r d, sich mehr auf Seite der Zionisten stellte, was ihm die Mißbilligung des Vertreters Englands, des Unterstaatssekretärs S h i e 1 d, zuzog. Ueber die Fragen der jüdischen Einwan־ derung in Palästina und der jüdischen Siedlung lehnt die Mandatskommission ab, sich zu äußern, ehe nicht der nach Palästina entsandte englische Kommis־ sär, Sir John Hope Simpson, seine Untersuchungen über die Frage abgeschlossen haben wird. Englands Rücksichtnahme au? die indischen Moslims. Man hat in Völkerbundkreisen den Eindruck, daß England in Palästina zwar eine neutrale Hai־ tung zwischen Arabern und Juden einzunehmen be־ strebt ist, es aber doch auch auf keinen Fall mit den Arabern verderben möchte. Die Araber, die überzeugt sind, daß England Avegen der M o h a m# medaner in Indien große Rücksichten auf sie zu nehmen geneigt sind, fühlen sich in dieser Ueber־ zeugung sehr sicher, und die arabische Exekutive hat vor einiger Zeit an alle auswärtigen Aemter der in Palästina interessierten Staaten ein Rundtelegramm gesendet, in dem sie droht,, die Araber Aviirden, wenn ihnen in Palästina ihr Recht verweigert würde, andere Mittel ergreifen. Italien und der Vatikan gegen die Zionisten. Während, wie gesagt, England neutral zu blei־ ben bemüht ist, zeigt Italien offen eGegn er־ schaft gegen.die Zionisten. Italien vertritt in seiner Palästinapolitik auch den Standpunkt des Vatikans, der den zionistischen Bestrebungen abgeneigt ist. So fiel es beispielsweise in Jerusalem auf, daß während der Hinrichtung der drei Araber, die Avegen Ermordung von Juden Avährend der letzten Unruhen zum Tode verurteilt Avorden waren, die Glocken der katholischen Kircheläuteten. II. Unter dem Eindruck solcher Nachrichten wird man in manchen orthodoxen Kreisen etAva so sprechen: ״Haben Avir es nicht gesagt, daß das ganze zionistische Projekt eine Illusion, Avcnn nicht Volksbetrug ist? Jetzt weiß es die ganze Welt. Wir Avollcn um Jerusalem trauern, Avie Avir einst getrauert haben, Avir Avollen auf seinen Wiederaufbau hoffen, Avie Avir •einst gehofft haben. Aber praktische Arbeit,'die lehnen wir als unerheblich, als überflüssig, ja schädlich ab.“ Wir Avollen vor sol־ chen und ähnlichen Redensarten Avarnen. Sicherlich, die ״Jüdische Presse“ hat von jeher die zionistische areligiöse Ideologie rücksichtslos bekämpft, sie als verderblich für das jüdische Volk und ihrem inneren Wesen wider? sprechend abgelehnt. Wir haben die zionistischen Me? thoden schärfstens kritisiert, aber es Aväre eine Verleug? nung der elementarsten Wahrheit, wenn wir es, nicht zu־ geben würden, daß die Orthodoxie, ganz einerlei ob unter zionistischem Einfluß oder nicht, in den letzten Jahr־ zehnten eine Aktivität für Erez Israel entfaltet hatte, die trotz ihrer bescheidenen Kapazität viel Segensreiches schuf. Diese Aktivität Avar nicht hinreichend genug, um den heiligen Charakter des Heiligen Landes in altherge־ brachter Weise zu beschützen, aber selbst diese schAvache Arbeit hat Avichtige Positionen für die Orthodoxie in Jerusalem verteidigt und manche Errungenschaften für das thoratreue Judentum heimgebracht. An dieser praktischen Arbeit muß die Orthodoxie festhalten. Sie muß ihre Anstrengungen trotz Wirt־ schaftskrise, trotz Elend in ihren Siedlungsländern ver# vielfachen, um in Erez Israel das orthodoxe Schul־ werk zu erhalten und auszudehnen. Sie־ muß ihre Anstrengungen vervielfachen, um die Avirtschaft# liehen Positionen im Heiligen Lande zu verstärken. Denn das haben wir im letzten Jahrzehnt gelernt, daß die geistige und materielle Kraft der Orthodoxie nicht nur in ihrer Idee allein, sondern auch in den Institutionen liegt, welche in einer gesunden Wechsehvirkung von dieser Idee geschaffen, der Idee am besten dienen. III. Sonntag am 17. Tamus beginnt unsere dreiwöchige Trauer um Jerusalem. Wir wollen diese so begehen, wie es einst unsere Väter begangen haben. In Weinen und Wehklagen um die zerstörte Stadt, um das eingeäscherte Heiligtum, um die verschwundene Selbständigkeit des jüdischen Landes. Unsere Tränen mögen aber nicht nur der Ausdruck eines ziellosen Schmerzes, sondern Zeugnis unseres Willens sein, in harter, alltäglicher Kleinarbeit für unsere Idee, für unsere Menschen, für unsere Institu? tionen in Jerusalem und in Erez Israel zu arbeiten. Zu arbeitentrotz aller drückenden Alltagssorgen, die uns überall in unserer Zerstreuung in der Welt zu verschlin? gen drohen. Sie Averdcn uns nicht verschlingen können, wenn über unserer Alltagsarbeit, Avenn über unseren All־ tagssorgen und über unseren Alltagsschmerzen ein hohes Ziel sclnvebt. Dieses Ziel ist: Immer und überall auch für das Erblühen unseres Erez Israels und für unser Jerusalem zu arbeiten. P. Rektor L. Wagenaar זצ״ל♦ Das holländische Judentum betrauert seinen Groß# ten. Nach Tal, Dünner, van Loen 1צ״ל ist nun auch der letzte Vertreter jener Generation von uns geschieden, die in einer schweren Uebergangszeit dazu berufen war, dem immer Aveitergehenden Verfall, der, nicht gehemmt von im Volke wurzelnder Taurohkenntnis und darauf unver־ rückbar fundierter Taurohtreue, einen Damm entgegen־ zuwerfen; den gesetzestreuen Charakter der Gemeinden, auch auf ihrem ״administrativen“ Arbeitsgebiete, zu Avahren und für die Zukunft zu sichern; eine siegver־ heißende, für MizAvotat und Taurohgedanken begeisterte Jugend in eine, der religiösen Entfaltung günstigere Zeit hinüberzuretten. 1886, 31jährig, wurde er als Oberrabbiner nach LeeuAvarden berufen. Hier, in einer an alten Traditionen hängenden Gemeinde, als Nachfolger eines jeder moder־ nistischen Tendenz abholden חלמיר חבם und צדיק alten Schlages, verstand er es, an der Seite seiner gleichge־ sinnten Gattin ן{״ןן ,einer Tochter des Hauses Baruch Wormser 1ייזצ״ל Karlsruhe, das alte, von seinem geliebten und verehrten Amtsvorgänger gelebte und gehütete Juden» tarn, sei es auch im Gewände des Jahrhunderts, unge!־ schmälert und unverfälscht zu erhalten. In Arnheim, avo er 23 Jahre Avirkte, hat ihm bereits sein Schwager Tal זצ״ל vorgearbeitet. Hier konnte er zum Führer des holländischen Judentums als Ganzes heranreifen; in dieser Eigenschaft gründete er u. a. den holländischen Rabbinerverband׳, den er, so lange er im praktischen Rab# binatsamte verblieb, energisch leitete. Aber picht nur seinen Schülern und seinen Gemein# den des engeren Kreises wurde er zum Segen: er ent» faltete eine reiche schriftstellerische Tätigkeit. Der Kom# mentar, den er seiner Siddurübersetzung beigab, spendete, durchleuchtet von seinem reichen Wissen, durchglutet von seiner יאמונה dem jüdischen ׳ Hause reichen Segen; seine Uebersetzung der נביאים ראש׳ leistete dem über das allzu niedrige Minimum hinausgebenden Religionsunter־ rieht wichtige Dienste; sein, nach dem Vorbilde der עמודי חנולה bearbeitetes ־ דינים*Buch ראשית חכמה bat vielen Geist und Gemüt für unser heiliges Religionsgesetz ge# öffnet; als von ״theologischer“, des׳ talmudischen Schrift# tums unkundiger Seite die sittliche Hoheit des Juden«; tums angegriffen wurde, stand er bereit, die Blöße des Angreifers aufzudecken und mit einem Schulbeispiel von ״vergleichender Religionswissenschaft“מקרש שם שמים ברב׳ zu sein; als auch im leidenschaftslosen, toleranten Hol־ land ein vereinzeltes Mal der Antisemitismus sich der ־ שחיטהKritik“ bediente, war er es, der mit dem ganzen wissenschaftlichen Material gerüstet, wie Hirsch Hildes# heimer זצ״ל *n Deutschland, dem Gegner das Schweigen, auferlegte; als, in den Anfangsjah'ren des Zionismus, von dieser Seite eine halachische Begründung des misrachi# stischen Verhaltens versucht wurde, widerlegte er die Scheinargumente in einer aufsehenerregenden Er־ Aviderung. Aber bei all dem blieb er der treue Hirte seiner Gemeinden, denen er mit seiner sprichwörtlichen oratori# sehen Fähigkeit, mit seiner reichen Begabung von Kopf und Herz väterlich zur Seite stand. Seine Beliebtheit war denn auch beispiellos. Als dann im Jahre 1917 das Rektorat des Seminare besetzt Averden mußte, war die Wahl nicht schwierig. Und mit derselben jugendlichen Frische und Kraft be# trat er, ein Sechziger, die Hallen, wo er als Jüngling ge# strebt, als junger Mann bereits gearbeitet hatte und fand hier die richtige Vollendung seines Lebenswerkes: hier konnte er ganz deT תודח leben, hier wirkte sich die vor# nehmste Seite seiner reichen, vielseitigen Persönlichkeit aus, hier kam eigentlich erst der תלמיד חבם Wagenaar zur gebührenden Geltung. ,So lange der Vorrat reicht 20% Rabatt vom Originalpreis, Wissen gnädige Frau bereits _ * O . . - - vom Räumungsverkauf in XJxhilflQT hJCfllft Perücken, Scheiteln, Trans- . , ״ formation etc. der bekannten ™*en יי Karntnerring 0 Verlangen gnädige Frau Gratis- Kunstwerkstätte (gegenüber Hotel Bristol) 53t?£«2 Katalog und Preisliste

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