Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 26 (27.6.1930)
- Date
- 1930-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*•▼Iäot* ,׳ייfpUtat povolen* rladlt post a leliiralot .« Bratislava £ls. 41172-111-21. Zsmmgen vom Verlisar rerwnlet. Journal exp6dl« par 1‘edltaar, V. b. b. JÜDISCHE PRES ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. ftadaktlon n. AdmtaUtra'ion: Wien, FI.,Leopolds־ gute 86, 1. Stiege, i. Stock.-■ Tel.R 4594־4־.?ichechoilowakelt Bratislava, Postfach 140. erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementsprelie 1 Oanzjfihrigi Für Oesterreich S 16 Tschechoslowakei tichech. K. 80, Einzelnummer äst. Or. 50, das übrige Aalland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse", Wien für Oesterreich i Postsparkassciikonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen : Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; iür die Tschechoslowakei: ״JüdischePresse", Biatistava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr.53386 Nr. 26 Wien־Bratislava, 27. Juni 1930 •nn ביד, וינא־פדעסבורג א תמוז 16. Jahrg. GrandiosesThorafestinLublin. Dienstag, uni 3 U111* nachmittags, begannen die Eröffnungsfeierlichkeiten. Mehr als hunderttausend Juden aus allen Weltgegenden bei der Eröffnung. Der Zustrom der Gäste dauert noch immer an. Die ganze Stadt ist festlich geschmiickt. Polizei zu Pferd und zu Fuß in Festkleidern bewältigt mit Miihe den Ordnungsdienst. Petrikower Raw eröffnet mit grandioser Rede, hebräisch, polnisch und jüdisch, die Feierlichkeit. Segensworte von Czortkower, Gerrer Rebbe und Dr. P. Kohn in Anwesenheit der Vertreter aller Ministerien und Behörden. Außenininister Zalesky übermittelt die Begrüßung der Regierung und wünscht der Jesehiwa solche Schüler wie Rabbiner Meiseis (Lodz) und Rabbiner Perl- Die Eröffnung der Jeschiwas ״Chachme Lublin.44 Dieu.sUig, den 24. d. M., feierte die polnische Judenheit und mit ihr die traditionstroue, ja die ganze bewußte Jiicicnscluift in aller Welt ein Fest, wie es in unserer Geschichte wohl für Jahrhunderte vereinzelt dasteht. Die dank den Bemühungen des Petrikauer lUiws, Oberrabbiner Meier Sehapira, fertiggestellte große Jesehiwa in '.Lublin wurde unter Teilnahme von zirka 100.000 Festgästen aus allen 'Peilen des Landes eröffnet. Audi aus dem Auslände waren viele Gäste und!Delcgationeii, darunter der Czortkower Rebbe und Rabbiner Dr. Pinclias Kolm, erschienen und ein großer Teil der Teilnehmer an dem soeben in Warschau stattfindendeu Pen-Kongreß (Internationaler Schriftsteller-Kongreß) war nach Lublin gekommen, um diesen Jubeltag des jüdischen Geistes mitzuerleben. Die jüdischen, luimentlieh die orthodoxen Blätter Polens hatten Sonderausgaben, zum Teil reich illustriert, veranstaltet und so eilten in Sonderziigen und mit Autobussen aus, nah mul fern ungezählte Scharen herbei, zu deren Bclierbergung und Bewirtungsich alle Lublinei־ Judenfamiiien bereitwilligst erboten hatten. Die Feierlichmutter (Warsclmwa). Czortkower Rebbe schlägt mit goldenem Hammer die Mezusoth an. Das Haus wurde mit einem goldenen Schlüssel vom jüngsten Schüler der Jeschiwah geöffnet. Die ganze Nacht hindurch wurden in einem beispiellosen Freudens־‘ taumel in allen Straßen Lublins ehassidische Tänze aufgefiihrt. Mittwoch früh iiberbraclite die Gemeindeleitiing von Lublin Oberrabbiner Schapira die Kunde von seiner Wahl zum Lubliner Raw. Die Bundisten versuchten Gegendemonstrationen zu veranstalten, welche die Polizei unterdrückte. Mittwoch nachmittag hat der neue Lubliner Raw (Selmpira) den ersten Scbiur in dem großen Lclirsaal der Jeschiwah gelehrt. (Tcl.-Bericht von Donnerstag.) keit begann in dem mit der Thorafuhne (■schwarz-weiß) geschmückten neuen Gebäude Dienstag, 3 Uhr früh, und (lauerte bis Mittwoch, 3 Uhr nnc-11 mittags. Die polnisehen Eisenbahnen gewährten den Festgästen weitgehende Fahrtermäßigungen und auch sonst war seitens der Belürnleu alles zur Aufrechthaltung der Ordnung und Buhe vorgekehrt worden. Die auswärtigen Journalisten wurden beim Wojwoden von Lublin offiziell empfangen und so ׳verlief das schöne Fest zu allgemeiner Freude und Zufriedenheit Als interessantes Dokument für die Bedeutung, die der neuen Lubliner Hochschule auch in fernerstehenden Kreisen beigemessen wird, wird folgendes Geschichtchen erzählt: Als vor etwa drei Jahren die Gattin des bekannten Zionistenf'ührers Naltum Sokolow starl), schenkte sie letztwillig ihre silbernen Leuchter der damals erst im Bau begriffenen Lubliner Jesehiwa.!Diese Anordnung geriet in Vergessenheit und erst jetzt, anläßlich der Nachricht von der bestehenden Eröffnung, erinnerten sich die Angehörigen an diese testamentarisc-he Bestimmung. Die Festleitung war daher nicht wenigüberrascht, als sie am Freitag vor der Eröffnung ein Paket mit zwei Leuchtern und einem Begleitschreiben der Angehörigen der Frau Sokolow ethielt. ץ■ ersten rrmiegiiims an die Judenstadt von Lublin er- ׳ richtet Babbi Meir Schapira seine neue große Jesehiwa. Einst war Lublin ein wichtiges Handelszentrum und auch die Jndenstadt genoß im 16. und 17. Jahrhundert trotz aller Beschränkungen manchen Vorteil aus dieser Bliile. Im Jahre 1567 haute die Judengemoinde auf einem großen Grundstück eine tnlmiidische Hochschule und eine Synagoge, die nach dem Rektor der Hochschule B. •Salomo Lurin benannt wurde. Später wurde neben dieser großen noch eine kleinere Synagoge errichtet, die noch heute den Namen des ׳Maharani Lublin führt. Die, Juden von Lublin festigten allmählich ihre Stellung, wenn auch die Bürger immer wieder darauf pochen wollten, daß den Juden der Handel in dev Stadt verboten sei und sogar in der Jndenstadt gewisse Einschränkungen galten. Lublin nahm lange eine hervorragende Stellung innerhalb der polnischen Judenheit ein, so daß bereits sein Rabbiner R. Sehalom Schach na zum Großrabbiner des größten Teiles Polens ernannt wurde und während der Messe dort das Reichsjudengericht tagte. Auch B. Mordechaj Jaffa war Rektor und Rabbiner in Lublin und viele •hervorragende jüdische Aerzte finden wir in diesem polnischen Jerusalem. Schon im Jahre’1547 wurden hebräische Bücher in Lublin hergestcllt und so ist es denn kein Wunder, (laßder Vierländertag, eine Art Reichstag fiir die Juden des ganzen Reiches, seit 15SÜ alljährlich in Lublin zusammentrat. Mayer Wahl, der Sohn des sagenhaften •Eintagskönigs von Polen Saul Wald, war der erste ׳Vorsitzende und erst ein Jahrhundert später begann Lublin mit anderen Städten, vornehmlich Juroslau, als Sitz dieses Wand arba avazoth abzuwcchseln. Das religiöse und wirtschaftliche Leben der polnischen Judenheit wurde ׳fast■ zweihundert Jahre lang־, bis im Jahre 1764 der ׳Jude'»reich,sing erlosch, zum großen Teil von Lublin aus ׳geordnet und beherrscht. Freilich gab es auch hier oft traurige Tilge, wenn das Blutmärchen seine Opfer forderte, und •im Jahre 1656 wurde; die Judenstadt von Lublin und mit ihr auch die Ta Invud hoch sch ule von Feindeshand eingeäschert. Wenn sich von diesem furchtbaren Schlag׳ die, Gemeinde als solche auch langsam erholte, war es doch erst unserer Zeit ׳Vorbehalten, להחזיר עטרה ליושנה und der Thora wieder eine Heimstätte am Orte ,ihrer alten Herrlich־, keit zu errichten. Wold hat ein R. Jakob Jizchak Horowitz, der Lubliner Zaddik, in Lublin die neue ,Lehre des ׳Chassidismus heimisch gemacht, aber erst die Tat B. Meier Sciiapiras hat hier wieder Thora mit Awoda, ehassidische. ,Frömmigkeit mit der alten tnlmndisehen Gelehrsamkeit versöhnt, und so soll aus diesem Lublin mit seiner Wechsel reichen jüdischen Geschichte wieder das Wort G-ttes in alter Reinheit ausgehen. Irreführende Mitteilungen im Berichte der Jewish Agency an die Mandatskommission Wien, 22. Juni. Die palästinensische A g 11 d a s JisroeI*Zentrale hat unterm 15. Juni an die Man* dat־Kommission des Völkerbundes in Genf eine Eingabe gerichtet, worin die Angaben des Bericthes der Jewish Agency über die Zahl der aus der ״Kneses Israel“ aus religiösen Gründen ausgeschiedenen palästinensischen Juden berichtigt werden. Es heißt in der Eingabe wie folgt: § 55 in Kapitel S des Memorandums, das dem Ge* neralsekvctär des Völkerbundes durch die Jewish Agency über die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes im Jahre 1929 fiir die׳ Mandatskommission überreicht wor* ־ den ist, lautet: ״In Uebercinstimmung mit den Bestim* mungen des Gemeindegesetzes über die Erklärungen der* jenigen, die nicht zur Kneses Israel zu gehören wünschen, wurden aus der Liste der Kneses Israel 4657 Namen ge* strichen. Die Ausgetretenen bilden also 5,7 Prozent unge* fähr der Zahl der registrierten Wähler.“ Mit Bezug hierauf haben wir zu erklären, daß während des Monats vom 15. Sclnvat bis 16. Adar, in welchem nach dem Gesetze es möglich war, Erklärungen 1 wegen Streichung der Namen in den Listen der Kneses iMfltlÄite ״Ai-■- '? Heissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte Oth mar So lange der Vorrat reicht. 20°|0 Rabatt vom Originalpreis. Wien I, Kärntnerring 6 Verlangen gnädige Frau Gratis- (gegenüber Hotel Bristol) U-41-3T2 Katalog und Preisliste