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Jüdische Presse · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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InlUTi vfplatM povoleai flftdh post « (eitgrafot v Bratislava 61a. 41I72-IU-2«. Zsitsngtu vom Verltzer vsriaiitoi. Journal •xptdl• Dar 1‘oditaat V.b.b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. JÜDISCHE PRESSE *•daktlon u. Administration 1 Wien, IL, Leopolds- ,me 16, 1. Stiege, 1. Stock. - Tel. R 45-4-M.?•cbechoiiowakd! Bratislava, Postfach 140. Sricheint laden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementspreli« 1 Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 16 Tschechoslowakei tichech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Anstand 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ,Jü* dische Presse*, Biatislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53366 Nr. 21 Wien-Bratislava, 23. Hai 1230 .ב״ה וינא־פרעסבויג כ״ה אייו תח 16. Jahrg. schehen ist, weiß, wie aus einer Volksbewegung ein bureaukratischer Beamten־Conimonwealth geworden ist, weiß, welchen Preis an innerer, historisch unbegreiflicher Zerrissenheit, an Leerlauf der Seele man für die Erhab tung dieses Zustandes gefordert.und gezahlt hat. Was wird geschehen? Es ist möglich, daß man jetzt wieder einmal einen großen Entrüstungsrummel inszeniert, mit Protestversammlungen, Resolutionen usw. Davor!sollte .man warnen. Denn das wäre wieder einmal der Versuch eines Leerlaufes, einer Aufpeitschung der Massen, der nichts entspricht. Es kann ja sein, daß in einer solchen Erregung wieder einmal Geld geopfert wird, ohne daß man mehr damit erreicht, als eine momen« tan leerlaufende Organisation galvanisieren. Es ist möglich, daß der nun in Palästina wirkungs» los gewordene Zionismus sich wieder einmal auf die Gassen im Golus wirft, um dort Eroberungen zu machen. Es könnte sich dabei derselbe Kampf gegen die Tradition entspinnen, der alle Autoritäten zu entwurzeln versucht, wie wir es bisher so leidvoll erleben mußten. Dann würde aber der Orthodoxie eine neue Aufgabe erwachsen, schmerzlich und gigantisch. Dann müßte man die Parallele zu dem Verklingen der Sabbatai»Ze\vi»Periode klar ziehen und unterstreichen. Dann müßte man aber endlich sich entschließen, auf diesen Leerlauf klar hinzuweisen und zu zeigen, wie all der in diese Maschinerie hineingeschlea» derte Betriebsstoff an ideellem und materiellem Gut zwecklos und verderblich ist. Notwendig ist folgendes: In der Desperadostimmung der jüngsten Periode hat Dr. Wcizmann in seinen Kund־־ gebungen öfters einen Akkord anklingen lassen, der an den Lenker der Geschicke von Menschen und Völkern erinnerte, d. h. also der Versuch, die mit der absoluten Linkswendung erfolgte jähe Unterbrechung der histori־־ sehen Kontinuität wieder irgendwie gutzumachen. Not־ wendig ist, daß dieser Akkord zur vollen Melodie aus־־ gebaut wird und man mit der Interpretation Ernst macht, die G»tt und seine Thora einer jüdischen Heimstätte in Palästina gibt. Notwendig ist, daß man die im Golus harrenden Juden so ertüchtigt, daß sie sich zu Voll־־ Streckern des Willens G־ttes auf dem von G»tt gezeich־־ neten Weg ertüchtigen, als solche sich begreifen. Wenn dies nicht geschieht, so ist es die Schuld der Orthodoxie, welche glaubte, zu so vielem Stillschweigen zu müssen in Verkennung des wirklichen Wesens der Wege und der Erscheinungen. ' Klar wie der Tag sind Wege und Absichten der Mandatsmacht, dunkel wie die Nacht sind die Wege Judas.* Und man fragt: Wächter, was wird aus dem Tag, Wächter, was wird aus der Nacht? Jesaia aber fand dies ser Frage folgende Antwort: Auch wenn ihr meintet, es wäre der Morgen gekommen, es war doch Nacht. Fraget, doch kommet! P. K. Die Einwanderung nach Palästina gesperrt. Die Lösung der Palästinafrage im arabischen Sinn beschlossen. Leerlauf. Und wieder׳ einmal bangt man, wieder einmal hat sich katastrophenartig die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß es ein Galut gibt. In allen Tonarten hallt die Frage des Jesaia wider: Wächter, was wird werden aus diesem Tag, Wächter, was wird werden aus dieser Nacht? Klingt es ab, wie in Sabbatai Zewis unseligen Zeiten. Eines ist uns sicher gemeinsam mit dieser Periode: es wollte das Volk den Wächter nicht hören und bezeichnete die als Volksverräter, welche den Rausch des Augenblicks zu bc» kämpfen versuchten. Was ist geschehen: Die Zweideutigkeiten in der Erklärung des Mandats vom Balfour»Brief bis zum white paper Churchills 3922 haben sich um eine vermehrt. Während es — rein objektiv — selbstverständlich ge־־ wesen wäre, daß eine positive Förderung der Errichtung einer jüdischen bürgerlichen Gemeinschaft (das etwa ist der Sinn des von Churchill erklärend geprägten Wortes Commonwealth) die Einwanderung jüdischer Individuen erleichtern solle, ist das Gegenteil erfolgt und für den Augenblick eine Einwanderung unmöglich gemacht. Drei» zehn Jahre nun hatte die jüdische Gesamtheit die Zeit und die Pflicht, zu zeigen, wie sich nun eigentlich die Judenheit zu dem Problem stelle. Im wesentlichen ist ein Fehler gemacht worden: man berief sich auf historische Ansprüche, ohne der Prämissen dieser Ansprüche zu gedenken. Es ist geschichtsphilosophisch aufgefaßt der Grundfehler des modernen Zionismus, daß er die histö# rische Kontinuität im Verhältnis der Judenheit zu Palä» stina unterbrochen hat. Während früher das Geschick des einzelnen jüdischen Individuums wesentlich von der Po» litik seines Heimatlandes beeinflußt wurde, in tragischer Wahrheit desQi^n 11ווזיית' למשל ולשנינה כעיני^ man ver־ sucht, die jüdische Gesamtheit in das Getriebe der großen Weltpolitik einzuschalten. England sollte und wollte der Exponent dieses Versuches sein. England, dem — wir• sagen mit Unrecht — ein Teil der Judenheit dieses Mandat übergeben hatte, England handelt also voll!־ kommen korrekt, wenn es verlangt, daß dieses Mandat nur in genauer Anpassung an den Pendelschlag der Welt» Politik ausgeübt werden kann. Man könnte sogar sagen, es meint es gut mit seinem Mandanten, wenn es seinen Mandatar vor allen in weltpolitischen Unmöglichkeiten liegenden Gefahren bewahrt und ergo das Tempo der Mandatserfüllung mit Aveiser Einsicht zu regeln versucht. Darum ist wohl — abgesehen von dem pygmäenhaften Charakter einer leerlaufenden Entrüstungsgeste seitens nur politisch orientierter Judenheit — mit England nicht zu rechten. Die Judenheit hatte England nicht das Man» dat gegeben, die Rolle eines Cyrus zu spielen und statt eines Commonwealths ein Haus G»ttes in Palästina er# stehen zu lassen — es Avar nur eine politische Trans» aktion und die muß es sich eben gefallen lassen, auf Ge» deih und Verderb mit politischen Erwägungen sich ver» knüpft! zu ׳ sehen. Wir möchten Avahrhaftig auch den Führern der zionistischen BeAvegung gerecht Averden. Sie hatten sich nun einmal so eingestellt, daß sie blinder Ge» folgschaft der Massen bedurften, die ihnen die materiellen Mittel zur Verfügung stellen sollte. Und deshalb konnte man ihnen, Avie es scheint, die SchAvierigkeiten nicht klar zeigen, Avollte man nicht ihre Begeisterung ersticken, ihre Begeisterungsfähigkeiten unterbinden. Nur AVer ganz, ganz aufmerksam den Gang der Begebenheiten und den Tenor der Begleiterscheinungen in denselben verfolgte, nur AVer ganz, ganz genau die Methoden verfolgte, mit denen immer aufs neue der Sclnvebezustand der geistigen Verfassung der Masse erhalten AAmrde, Aveiß, Avas ge» ■Schon!der von uns veröffentlichte Bericht, der SIiuav-Kommission ließ ,erkennen, daß in 'der Haltung der englischen Regierung den jüdischen •Forderungen gegenüber eine entschiedene Verschlechterung zu!befürchten sei. Wenn mich die Entsendirng des Speizialkommiissärs Simpson noch einige Hofifniimg offen zu lassen schien, zeigen die nachstehenden neuesten!Nachrichten eine katastrophale Verschlechterung der!jüdischen!Position. Beendigung der Unterhaltungen mit der palästinensisch-arabischen Delegation. (J. T. 1A.) In Bea׳mt1Avor!taiug einer Anfrage von Colonel iloAvard Bairy erklärte der Premierminister, Herr Ramsay MacDonafd, im!Unterhaus: Die Unterhancllungen mit der palästinensischen Delegation sind jetzt beendet,!aber ich möchte nicht den!Ausdruck ,,abbrochen“ gebraudien. Die Delegation hat vor Mitgliedern der!Regierung ihre Ansichten in einer freundsdiuftlidien und förderlichen Weise dargelegt. Die Regierung ist jetzt dabei, 1sich!über die Meinungen der interessierten Parteien!zu informieren, bevor sie sich ,über die Wahl der ßdiritte, die getan!Averden sollen, entscheidet. Colomel Howard Bury führte ans, er wolle den Premierminister darauf liimweisen, daß 100 Millionen Mohammedaner in der ganzen Welt die Lage in Palästina mit wachsendem Interesse verfolgen. Es sei durchaus möglich, dem Ersuchen der arabisdien Delegation im Rahmen des Mandates ■zu willfahren. MacDanald erwiderte: Ich kann Colonel •Howard Bury versichern, daß ich ein gut Teil der!Unterhaltungen selbst führte und daß alle Punkte zur Sprache kamen. England sperrt Palästina für die jiidisehe Einwanderung. Aus Jerusalem uncl London wird belichtet, daß der Kolonialminister der Regierung Mac Donald über Palästina die Eimvanderungssperre für Arbeiter ver־׳ hängt hat. Ueber Verlangen der Leitung der zionistisehen Organisation hatte die britische Palästina- Verwaltung 3300 Einwanderungszertifikate für die Monate Mai bis Oktober zur Verfügung gestellt. ' Der Kolonialminister der englischen Arbeiterregierung Lorcl Passfield hat die Zurücknahme der 3500 Zertifikate verfügt. Aus London Avird gemeldet: Vor der Verhängung der Einwanderungssperre fand eine dreistündige Konferenz beim Ministerpräsidenten Mac Donald statt, an welcher Präsident Weizmann, Lord R e a d נ n g, früherer Vizekönig von Indien, Lord M e 1 c h e 11, James Rothschild und Herr Ruthenb e r g beteiligt waren. Die britische Regierung belarrte auf dem Standpunkte, die jüdische Einwanderung erst nach Vorlage und dann nur nach Maßgabe des Gutachtens des nach Palästina > entsendeten Prüfungskommissävs Simpson freizugeben. Neue Verhandlungen Englands mit den Arabern Palästinas.. Die ״Kölnische Zeitung“ meldet aus London; Das Kolonialministerium hat der Araberabordnung aus Paliistina mitgeteilt, daß keine Vorschläge in Erwägung gezogen Averdeu könnten, die mit den Voraussetzungen dos Mandats unvereinbar seien. Die Abordnung hatte gefordert, die Einwanderung־ nach Palästina und den Verkauf von Land, das Arabern gehöre, zu verbieten. Ferner verlangte sie, daß eine demokratische Regierung in Palästina eingesetzt werde, in der alle!Bewohner im Verhältnis zu ihrer Zahl vertreten seien. Das würde bei der großen zahlenmäßigen Ueberlegenheit der Araber eine arabische Regierung in Palästina zur Folge haben. Aus Jerusalem meldet das Blatt, daß• nach Bekanntwerden gewisser englischer Zugeständnisse die Wiederaufnahme der abgebrochenen Verhandlungen in London Avahrscheinlich sei. Diese Zugeständnisse umfassen nach den Meldungen des geAvöhnlich gut unterrichteten Londoner Vertreters der Kairoer Zeitung ״Mokattam“ die Bildung eines gesetzgebenden Rates (Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in I Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte mar So lange der Vorrat reicht. 2O°\0 Rabatt vom Originalpreis. Wien I, Kärntnerring 6 Verlangen gnädige Frau Gratis- (gegenüber Hotel Bristol) Katalog und Preisliste \ 0

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