Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 20 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 20 Dieses Jahr nach INTERLAKEN לשר Hotel de la PalX (Schweiz) כשר 45 Betten / Prima Verpflegung / Herrliche Touren Neues Strandbad / Juni und September re- י duzierte Pensionspreise Zweiggeschäft Berlin! Rest. Vienna, Kantstraße 132 Unter Aufsicht Adas Jisroel von überirdischer Größe, die unter all dieser Pein sieh und ihren Kindern eins Ideal zu erhalten versuchen. Und wenn es .schon eine Schande für die ganze Kulturwclt .ist; daß sie Millionen von Menschen ungerührt und im Tunern des Herzens uninteressiert so leiden läßt, die Juden wenigstens sollten ihr letztes Stückchcn Brot mit diesen ,Helden teilen. Das ist der Ruf der Federation und wir ,hoffen, daß er;nicht mrgehürt verhallt. Daß die Federation sich der Sympathien aller Kreise erfreut, beweist folgende Tatsache: Sie hat in den Svuagogcn Londons ein» Kollekte veranstaltet: den größten Lrtrag haben die beiden Synagogen aufzuweisen. welche die Extreme vertreten. Auf der einen Seite die Adas-Jisroel-Synagoge. die Verkörperung der bewußten Orthodoxie, auf der anderen Seite die. Liberal Jewish-Synagoge. die Vorkiimpferin der Reform in L11 gl and. Aber gerade weil wir wünschen, daß orthodoxe Kreise an dem Werk der •Federation mitarbeiten. möch7 ten wir die Federation auf folgende Unstimmigkeit aufmerk sinn machen. Ob es überhaupt angezeigt ist. daß sich die hederation in die •kulturelle Differenzierung einmischt, möchten wir dahingestellt sein lassen. Aber es geht wirklich nicht an. daß auf der einen Seite die rlnrbiiihschiilen mit ihrem bekannten areligiöscti ('11arakter bei 30.()()() Schülern mit OSO Pfund, die Retli Jakob- Linriclitimg mit 24.000 Zöglingen 30 Pfund im Jahre, eine Talmud Thora in einer russischen Stadt, welche eiitsprccheud den Normen der in Sowjetrußland geltenden Be- .Stimmungen für Menschen über 18 Jahre errichtet worden ist. 3 Pfund erhält. Wir •sind überzeugt, daß die Federation dies(' Fest- Stellung verstehen ■und berücksichtigen wird. Ls wird uns deshalb zur großen Genugtuung gereichen,!wenn unsere Gesinnungsgenossen dazu beitragen, daß die Federation ihren Abmachungen mit Sowjetrußlaiul gerecht werden kann. I l!lllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllll!lllll]|lllll!l||||| i Bewegte Unterhansdebatte Ober die Korrespondenz zwisebenMae Mabon nnd Bus sein. (J. T. A.) Der Atitizionist Colonel Howard#Bury richtete im Unterhaus an clen Unterstaatssekretär für die Kolonien Dr. Drutmnond Shiels die Frage, welche zwischen Mac Malion und dem einstmaligen Sheriff Hus» sein gewechselten Briefe bezüglich der staatlichen Selb« ständigkeit der Araber veröffentlicht und welche nicht veröffentlicht wurden, ob er im Hinblick auf die bezüglich dieser •Korrespondenz herrschenden verschiedenen Auf» fassungen veranlassen wolle, daß die gesamte Korrc# spondenz veröffentlicht wird. •Dr. Drümmond Shiels erwiderte: Ich habe bei vielen Anlässen bereits auf die Gründe hingewiesen, warum wir die Veröffentlichung dieser Briefe für uner» wünscht und unnötig halten. Offiziell ist bisher keiner dieser Briefe veröffentlicht worden. Der Deputierte für Walsall J. J. Mac Shane (Ar» beiterpartei) fragte, was Dr. Shiels mit der Bemerkung meine, daß die Briefe offiziell nicht veröffentlicht worden seien; sind sie inoffiziell bereits veröffentlicht worden? Wenn ja, warum sollten die Mitglieder dieses Hauses nicht über deren Inhalt informiert werden? Dr. Shiels erwiderte: Es ist mir nicht bekannt, daß die Briefe inoffiziell ganz veröffentlicht worden sind; es mögen wohl Auszüge aus denselben zu verschiedenen Zeiten veröffentlicht worden sein. Als ein Antrag auf Vertagung der Sitzung gestellt wurde, erhob sich das Mitglied des Unterhauses Cocks und forderte in temperamentvollen Ausführungen die Veröffentlichung der Mac Mahon־}Hussein»Korrespon» denz. Er •führte aus, die Veröffentlichung müßte ge» schehen, bevor noch das• Haus zu einem Beschluß über den Bericht der Palästina?Untersuchuhgskommission ge# kommen ist. Dr. Drummond Shiels erwiderte: Die britische Re» gierung befaßt sich jetzt eingehend mit der Palästina» Frage und hofft, daß Cs ihr gelingen wird, eine für alle Beteiligten annehmbare Lösung zu finden. Die Regierung gebe sich keineswegs einem oberflächlichen Optimismus hin, aber sie ist entschlossen, nach Kräften einer Lösung zuzusteuern. Die Regierung appelliert an das Unterhaus, Vertrauen in ihre guten Ab» sichten zu setzen. Nicht durch Aufwühlen von Kontro» versen aus der Vergangenheit, sondern durch Inangriff» nähme einer Lösung der Schwierigkeiten jetzt und in Zukunft wird ein befriedigendes Ende erreicht werden. Dr. Shiels erinnerte an die Erklärung Winston Chur» chills im Unterhaus im Jahre 1922, in der Churchill darauf hinwies, daß die• Korrespondenz mit dem Sheriff’ von Mekka nicht endgültigen Charakters sei und daß sie mit dem Eintritt des Sheriffs in den Krieg endete, bevor noch irgend ein endgültiges oder auch nur formell auf» gesetztes Abkommen erreicht worden war. Churchill fügte damals noch hinzu, daß, welches Versprechen Groß» kritannien immer auch gegeben habe, dieses Versprechen dem Sheriff von Mekka, nicht aber den Arabern Palästinas gegeben worden sei. Durch die Wiedereröffnung einer Diskussion über dieses Thema, fuhr Dr. Shiels fort, wird keinem ersichtlichen Zweck gedient. Die Regierung vertritt die Ansicht, daß diese Korrespondenz keine faktische Beziehung zu den konstitutionellen und politischen Aspekten der Palästina» Frage habe. Fenner Brockway unterstützte Cocks Appell auf Veröffentlichung der Mac Mahon»Korrespondenz und führte aus, im Gefängnis zu Jerusalem seien 39 politische Häftlinge in den Hungerstreik getreten; sie fordern Auf» hebung der im Zusammenhang mit den August»Unruhen ausgesprochenen Todesurteile, Abschaffung der Geißelung in den Gefängnissen sowie der Händefesselung und der Zwangsarbeit für politische Gefangene. Sie fordern ferner dringend •eine, ■besondere Abstufung im Strafvollzug für politische und kriminelle Häftlinge. Fenner Brockway schließt, eine verbesserte Behandlung der politischen Häftlinge werde zu einer Besserung der politischen Atmosphäre in Palästina beitragen. Dr. Drummond Shiels erwiderte, die Gefängnisse seien zwar alt, aber die Regierung sei bestrebt, die Ver# hältnisse fortlaufend za verbessern, sie scheut keine An» strcngung, um die Gcfängnisvcrwaltung so zu gestalten, daß sic jeder Kritik .standhält. Dr, Shiels erklärte weiter, er besitze keine Informationen über einen Hungerstreik in dem Jerusalemer Gefängnis, aber er werde hierüber Erkundigungen' einziehen. Im Verlauf der Debatte ergriffen mehrere andere Mitglieder des Unterhauses das Wort, so u. a. Mac'Shane, Hudson, Mander, Gordon Lang, die erklärten, die Ant» wort von Dr. Shiels habe sie nicht befriedigt, die Re» gierung möge die Veröffentlichung der Korrespondenz zwischen Mac Mahon und Sheriff Hussein nochmals ernstlich in Erwägung ziehen. Die Not im polnischen Judentum. (J. T. A.) Herr Dr. Bernhard Kahn, Direktor des Joint Distribution Committee in Europa, der seit einigen Tagen in Polen Aveilt, um die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Hilfs» und Aufbauwerk des Joint Distribution Committee zu er» forschen, erklärte Vertretern der׳ Presse, auf an ihn ge» richtete Fragen 11. a. folgendes: Meine Polenrcise bildet einen Teil meiner Reise durch die Länder Osteuropas. Ini Herbst dieses Jahres begehe ich mich nach Amerika, um den Führern des American Joint Distribution Committee über die Lage der Juden in den osteuropäischen Ländern zu berichten. In Amerika ist man sich über den Ernst der Lage der Juden in Polen durch Berichte des europäischen Joint» Büros im klaren. Ueber die zukünftige Hilfsarbeit in Ost» europa sind wohl Pläne ausgearbeit'et, aber es wäre zu früh, über dieselben zu sprechen, da ja deren Realisierung von dem Erfolg des Joint־D1־ive in den Vereinigten Staaten und auch von den Ergebnissen meiner Osteuropa» Reise abhängt. Ein endgültiger Hilfs» und Aufbauplan wird erst aufgestellt werden können, wenn ich die Lage erforscht und in Amerika persönlich hierüber Bericht er» stattet haben werde. Ueber die Beziehungen der American Joint Recon» struction Foundation zu der Bank der Kooperativen in Polen befragt, erklärte Dr. Bernhard Kahn: Wir haben zu der Bank der Kooperativen, die alle ihre Schwierig» keiten überwunden hat, auch hinsichtlich' ihrer Zukunft vollstes Vertrauen, haben wir doch dieser Bank erst vor kurzem einen weiteren Kredit von rund 70.000 Dollar ein» geräumt. Auf die Frage, oh in den Beziehungen des Joint Distribution Committee zu dem kulturellen Werke des polnischen Judentums eine Aendcrung cingctreten ist, erwiderte Dr. Bernhard Kahn, Joint wird die höheren Lehranstalten, wie Gymnasien und Lehrerseminare auch weiterhin unterstützen. Auf die Frage nach seinen allgemeinen Eindrücken in Polen, erklärte Dr. Kulm: Ich habe sehr viel Not und Elend im polnischen Judentum angetroffen, ich werde viel darüber in Amerika zu erzählen haben. Ich gebe mich aber dennoch nicht einem endgültigen Pessimismus hin. Ich halte die Wirtschaftskrise zwar,für eine langdauernde, aber letzten Endes doch vorübergehende. Alle Länder leiden unter einer Wirtschaftskrise, Polen freilich 'mehr als andere Länder. Dieses Land wird darum auch <;inen längeren Weg zur Ueberwindung der Krisis zurücklegen müssen, aber schließlich wird dieser Weg in bessere Zeiten führen. * •X* Zu der obigen Notiz geht uns aus wohlinformicrten Kreisen nachfolgende Bemerkung zu. Es ist seltsam, wie auch diese Tätigkeit politisch ausartet. Kein Mensch zweifelt daran, daß die Majorität der polnisch»jüdiscl1en Bevölkerung orthodox in Gesinnung und Lebensführung ist. Kein Mensch zweifelt daran, daß dieser Bevölkerungs» teil nach Beruf ,und religiöser Bindung durch die wirt» schaftlichc Lage doppelt schwer getroffen ist. Nach einer Eingabe des Vereines der jüdischen kaufmännischen Kooperativgesellschaften und ihrer ZentrabGenossen» schaftsbank in Warschau an den Joint sind gerade diese Kreise von dem von der Foundation oder Joint so stark subventionierten jüdischen Revision s#Genosscnschaften» Verein (Kywarskab, Warschau) außerordentlich schlecht behandelt worden. Nichtsdestoweniger hat Herr Dr. Kahn es für richtig befunden, keinen einzigen Herrn aus diesem Kreise zu den Beratungen in Warschau beizuziehen. Das Spendet für den Lebensrersiohernngs ־ Gesellschaft 1 Gegründet 1882 Gegründet 1882 1 i VersitaogsUnUnde Mai 1923 ZQOO Millionen SdiilliDg i Garantiemittel Ende 1920 . 238 Millionen Shilling i Prämien-und Zinseneinnalmn im labre 1928 •...... 97va Millionen Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten entspricht ganz den Tendenzen, die Herr Dr. Kahn einer Delegation der obgenannten Kooperativgesellschaften gegenüber an den Tag gelegt hat. Im Konzern dieser Kooperativgesellschaften arbeiten 289 Kooperativen mit über 40.000 Mitgliedern. Hoffentlich gelingt es einer un» parteiischen Berichterstattung, in Amerika ein richtiges Bild der Situation zu geben. Die Orthodoxie in Amerika!müßte e i n m a 1 richtig informiert werden. Wir sind überzeugt, daß auch in liberalen Kreisen Objektivität möglich ist. Der erste Jahresbericht der ״Bnos Agudas Jisroel“ in Polen. Dem soeben erschienenen ersten Jahresbericht ■der ״Bnos Agudas Jisroel“ entnehmen wir folgende Daten: Während dos Sommers, fand ein zweimonatlicher Führerinnenkurs statt, an dem sich 30 Führerinnen beteiligten. Es folgte die Organisierung des Anteils an dem Weltkongreß der orthodoxen Frauen in Wien. Zwei Vertreterinnen der Organisation hielten Referate über die Arbeit der ״Bnos“ und wußten den Kongreß für diese Landesgruppe zu interessieren. Nach den Feiertagen wurde die Broschüre ״Die Organisierung der ״Bnos Agudas Jisroel“ (48 Seiten) hcrausgegeben, die zum ersten Male einen genauen Arbeitsplan der Organisation veröffentlichte. Der Monat Clieschwan wurde als Werbemonat proklamiert und während des Winters konnten zahlreiche Gruppen neu gegründet, andere reorganisiert werden. In Poltusk und Belcluitow fanden Kreiskonferenzeu statt und in Lodz wurde ein Waisenhaus erworben, das demnächst eröffnet •1werden soll. Für den Bau einer Ferienkolonie wurde■ der Organisation ein Platz in Bendin gespendet. Auch Sammlungen für Bekleidung armer Kinder und für die Opfer der Unruhen in Palästina wurden erfolgreich durchgeführt. Der Bericht verweist auch noch auf. das Erscheinen des der Organisation nahestehenden ״Bes Jakob“, der ״Kinderbibliothek“ und der ״Propagandabibliothek für Bes Jakob und Bnos Agudas Jisroel“. Die Herausgabe eines ״Almanach“ und eines 500 Seiten umfassenden ״Literarischen Bes-Jakob-Kalender“ wird vorbereitet. flflCBRlCffTEfl I@l der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Wien. תורח IDD חינוך. Eine erhebende Feier liebevollster Elternverehrung wurde Donnerstag 0 אייר im Festsaale der Agudas- Jisroel-Jugendgruppe begangen. Söhne und Töchter des allgemein beliebten und geachteten' Ehepaares Hermann und Julie Herzka nahmen Gelegenheit, durch Widmung eines ספר תורה den Nameu ihrer Eltern zu ehren. An reich gedeckter Tafel ergriff Herr Rabbiner S. Fürst das Wort, um in treffenden Aus- Führungen die hohen Eigenschaften der von ihren Kindem in solenuer Weise geehrten Eltern zu schildern und solch idealer Auffassung von כבור אב ואם seine Anerkemumg zu zollen. Im. besonderen hob dev Redner die fromme Gesinnung der Kinder hervor, die getreu ihrer Erziehung ihre Eltern in solcher Art geehrt haben, wie sie nur wahrhaft religiösem Wollen und Fühlen entspricht. Sodann wurde das neu geschriebene n״D von Vorstehern der Schiffscliul unter einer Chuppoh und mit ספרי תוריח in den Annen eingeholt, von einer großen Schar von Festgästen in die Synagoge begleitet und dort unter Festgesängen bei dreimaligen הקפות der Chinuch vollzogen. II. Sp. Rabbi Eleosor Deutsch ןצ״ל* An Stelle des infolge des Monates Nisson unterblieben Hesped für Reb Eleosor Deutsch ן״ל, suchte Rabb. Josef Baumgarten שליט״א bet der ersten passenden Gelegenheit, das An» denken des Dahingegangenen entsprechend zu würdigen. In der Schaß־Chewr011, dem Kreise, welcher Reb Eleosor Deutsch viele Jahre hindurch als treues Mitglied ange» hörte, knüpfte Rabb. Jos. Baumgarten an eine Gemoroh» stelle an und schilderte das Wesen und Wirken dieses Mannes in warmen Worten. Reb Eleosor Deutsch, der noch der Schülergeneration des Ksav Soufer angehörte, war Jahrzehnte Hindurch eine der führenden Persönlich» keiten Mattersburgs, ein warmer Freund des Chaßan Soffer זציל und seiner Jeschiwoh. Wien. Am 11. d. venschied im Alter van 42 Jahren Frau Golde!Babad, die Gattin des!Zentralratsmitgliedes der Agudas Jisroel und Kultuspräsidenten van Przemysl Samuel!Babad, au den Folgen einer Operation. Die Verblichene erfreute sich durch ihre vielseitige humanitäre!Betätigung des größten Ansehens. In einem ergreifenden Nachiuif 110b ihr Vater, Herr J. J. Thumien, ihre He r ze ns e Lge n schaften hervor, die sie die seltene Tugend des מתן בסתר in selbstlosester Weise ausüben ließen. Der Verlust!der Wohlfahrtseiuricbtungen ihrer Heimatstadt ist unersetzlich. חנצב״ה