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Jüdische Presse · 1930-05-02 · 18 (2.5.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Mai 1930 כיה וינא־פרעססדג ר״ אייר תר״<׳ 16. Jahrg- I I Am Montag, den 21. April, fand in Bombay eine Konferenz von Dele־ gierten der allindischen Liga der Moslems statt, in der der Vizepräsident der indischen gesetz־ gebenden Versammlung, Maulvi Mohamed Ya־ kub, die englische Politik in Palästina scharf kriti־ sierte und eine Abkehr von d e r P o 1 i t i k des Jüdischen Nationalheims in Pal äs s t i n a forderte. An Stelle dieser Politik, sagte er, müsse eine Politik treten, die die Selbstverwaltung durch Errichtung einer demokratischen Regierung fördert. Es wurde beschlossen, eine Abordnung indischer Mohammedaner nach London zu ent־ senden, die zugunsten der arabischen Politik in Palästina wirken soll. Der ’ arabischen Palästina־ Delegation, die gegenwärtig in London weilt, wurde eine Resolution übermittelt, in der es heißt: Das Heilige Land Palästina wurde der gesamten mo־ hammedanischen Welt gegeben; die indischen Mos־ lems forderin, die Zurückziehung der Bai־ four ־Deklaration, die Beendigung des Mandates' und die Einsetzung einer unabhängigen Regierung, die nach dem Prinzip des Selbstbestimmungsrechtes aus den ur־ spriinglichen Einwohnern Palästinas sich zusammen־ setzen solle. Die in Bombay abgehaltene allindische moslemi־ tische Konferenz hat sich in *einer Resolution für Aufrechterhaltung des Status quo an der Klage־ inauer in Jerusalem ausgesprochen und erklärt, daß die Entsendung einer Klagemauerkommission gemäß Beschluß des Völkerbundes unnötig und gefährlich sei. Eine Abordnung indischer Moslemiten soll sich nach Europa begeben, um die Moslemiten Palästinas ־ zu .unterstützen; auch soll ein ständiges Komitee r der indischen Moslemiten für Palästina zur Führung der Propaganda in islamischen Ländern gebildet werden. In der Resolution wird noch ausgedrückt, daß die britische Palästina־Kommission, obwohl sie das Vertrauen der moslemitischen Welt nicht be־ saß, dennoch zugegeben hat, daß die jüdische Pro־ ״־ . : vokation gegen die Araber, die Verhöhnung der moslemitischen Religion, Hauptursache der Un־ ruhen war; deshalb fordere die Konferenz um des weiteren Friedens und der Ruhe willen die Befrei־ ung jener moslemitischen Araber, die im Zu־ sammenhang mit den Unruhen verurteilt worden waren. Die Konferenz beschließt endlich, den 16. Mai als einen Palästina־Tag für ganz Indien, Birma und Ceylon zu proklamieren. Die Konferenz spricht der arabischen Delegation in London in ’ ihren Bemühungen, die berechtigten Ansprüche ihrer Landsleute und die Unverletzbarkeit der Heiligen Stätten in Palästina zu sichern, ihre Sympathien aus und sichert ihr die völlige Unterstützung der indi־ sehen Muselmanen bei der Durchführung ihrer Mission. Soweit eine Londoner Meldung der Jüdischen Te# legraphen־Agentur. Einsichtige Kenner der englischen Orientpolitik haben schon von jeher behauptet, daß an־ gesichts der Gärung in Indien, angesichts der Unab־ hängigkeitsbestrebungen der Inder England sicherlich in erhöhtem Maße seine Politik auf die Gewinnung der Mo־ hammedaner in Indien einstellen werde. Um die Moham־ medaner in Indien englapdfreundHch zu stimmen, heißt es aber die Mohammedaner in Palästina nicht zu reizen. England muß daher die jüdischen Interessen in Palästina und die jüdischen Ansprüche auf Palästina zurückdrän־ gen. Es liegt nun in der oben geschilderten politischen Linie, daß die Mohammedaner Indiens in der Form von "Resolutionen zu palästinensischen Angelegenheiten Stel? lung nehmen. Je größer die Fortschritte Gandhis in Indienxsind,N. desto größer müssen die Konzessionen sein, welche England den Mohammedanern in Indien und somit auch den Mohammedanern in Vorderasien und Palästina gewähren muß. Daher verfolgt jeder Jude, der das Schick־ sal Palästinas so mit der englischen Inferessenpolitik ver# knüpft sieht, den historischen Kampf Gandhis um die Un־ abhängigkeit Indiens mit gemischten Gefühlen. Ein unab־ hängiges Indien kann unter Umständen das Ende des jii־ dischen Palästina bedeuten, das seine Unabhängigkeit und Zukunft auf Englands Gnaden aufgebaut und aus Eng־ lands weltpolitischen Interessen hergeleitet hat. Wie wir schon öfters betont haben, bedeutet das Scheitern einer auf Englands Interessen basierten zionistischen Palästina־ Politik durchaus nicht das Ende der jüdischen Hoffnun־ gen auf Palästina, jener jüdischen Hoffnungen, die dem römischen Imperium gegenüber, die allen historischen Umwälzungen der letzten zwei Jahrtausende ungeachtet leben und das jüdische Volk in allen Ländern der Zer־ Streuung beleben. Aber ganz abgesehen von den Rückwirkungen auf palästinensische Dinge verfolgt das religiös orientierte jüdische Volk, das nicht ganz im Banne der englischen Interessen steht, den großen Kampf Gandhis nicht un־ sympathisch, denn 'die ■Bestrebungen Gandhis, seine Kampfmethode bedeuten eine große Lehre auch für das religiöse Judentum. Im Grunde kämpft Gandhi nicht gegen England, sondern für die Befreiung des indischen Volkes aus den Krallen einer die Seele ertötenden mo־ dernen Technik. Gandhi vollzieht seine Truppenbewegun־ gen im Zeitalter der Aviatik und des Automobilismus noch immer zu Fuß, weil er die moderne Technik in Grund und Boden verdammt. Selbstgewonnenes Salz, selbstgewonnene Stoffe, selbstbestellte Felder auf freier Scholle sind die Ideale, durch die Gandhi sein Volk zu Autonomie erziehen möchte. Die Parallele liegt offen auf der Hand. Der Verfall des religiösen jüdischen Volkes beginnt mit dem unwiderstehlichen Vordringen der modernen Technik. Diese neue Technik, welche die Gründung von Fabriken und den Vertrieb der Produkte im 19. Jahrhundert in ungeahnter Weise gefördert hat, hat Reichtum und Glanz auch sehr vielen Juden gebracht, ohne diese selbst jedoch glücklich zu machen. So. haben diese reichen Fabriks־ und Geldjuden ihren Glauben ver־ loren, sie haben sich ihrem Volke entfremdet und das ganze jüdische Volk wird durch diese moderne Technik in seiner innersten Seele getroffen. Die auf dieser moder־ nen Technik aufgebaute Wirtschaft kennt keinen Sabbat und ohne Sabbat ist das jüdische Volk dem Verderben überantwortet. Die Führer des religiösen Judentums könnten von Gandhi sehr viel lernen und endlich Mut fassen, auf den Kern des Verfallspro־ zesses des religiösen Judentums hinzuweisen. Sie soll־ ten das jüdische Volk belehren, sich der tödlichen Umklammerung durch die m 0־ derne Technik zu entwinden. Sie sollten den Mut besitzen, das religiöse jüdische Volk darauf aufmerksam, zu machen, daß Schuhe von sabbathaltenden Schuhmachern, Kleider von sabbathaltenden Arbeitern angefertigt, den jüdischen Menschen am besten kleiden. Sie sollten das Volk belehren, daß Luxus die Seele tötet und Einfachheit die Rein־ heit der Seele verbürgt. Und so hoffen wir, daß Gandhis Beispiel in Indien die religiösen Kräfte des in der fortgeschrittenen Technik Amerikas und Europas er־ sterbenden jüdischen Volkes wachrüttelt, daß dieses in seiner Religion wiedererstarkte jüdische Volk nun würdig wira, tue Grenzen Palästinas als Bnkelkindcr der Väter, denen Erez Israel als ewiger Besitz zugeschworen wurde, zu überschreiten. So baut das religiöse Judentum seine Heimat in Erez Israel, auch dann, wenn die nüchterne Berechnung der europäischen Politiker an dem Erwachen der Seele der orientalischen Völker zuschanden werden sollte. Die Heiligkeit des Alltagslebens, das Gepräge des Orientalismus, um mit Coudenhove zu sprechen, ist auf alle Fälle durch Gandhi wachgerüttelt. Und selbst wenn er unterliegen, und Mohammeds Kinder auf Be־ Zahlung der Rechnung von Delhi in Jerusalem drängen sollten, ist die Hoffnung nicht von der Hand zu weisen, daß einem in den Orientalismus sich einfühlenden jüdi־ sehen Volke Mohammeds Enkel selbst die Tore der Heimat öffnen werden. P. Wie die Palästina-Regierung entschädigt. (J. T. A.) Nachdem die Palästina־Regierung vor einigen Tagen mit der Zahlung von Entschädigungen an Araber in Safed fiir während der Unruhen im August erlittene Sachschäden begonnen hatte, wur־ den soeben auch Verfügungen über die Zahlung von Entschädigungen an jüdische Opfer der Un־ ruhen getroffen. Die Art, wie diese Entschädigungs־ aktion geführt wird, und die lächerlich geringe Höhe der Entschädigung haben unter den jüdi־ sehen Interessenten schwere Enttäuschung hervor־ gerufen, die sich in Aeußerungen der Erbitterung Luft macht. In der Regel werden etwa 8 Prozent des erlittenen Schadens ersetzt, in vielen Fällen aber ist die Höhe der Entschädigung noch weit ge־ ringer als dieses Ausmaß. So z. B. erhielt die Familie Rabbi Hassoun in Hebron, deren Haus vollkommen zerstört und ausgeplündert wurde, wobei der Schaden, gering geschätzt, die Höhe von 3000 Pfund erreicht, im ganzen 11 Pfund 8 Schilling als Ent־ Schädigung ausbezahlt. Die jüdische Gemeinde von Hebron, die für die Zerstörung ihrer Synagoge, ihres Greisen־ und Waisenasyls sowie anderer wohl־ fahrtsinstitutionen einen Schadenersatz von 2000 Pfund beanspruchte, erhielt 54 Pfund. Der Hebron« Jude Ascher Karlinsky, der durch die AuspKinde־ rung seines Hauses einen Schaden von 103 Pfund erlitten hat, erhielt 14 Schilling ausbezahlt. Die gleiche Empörung wie unter den Juden Hebrons herrscht über die Entschädigungspraxis der Regierung auch unter den Juden von Safed. Am 21. April abends fand in Safed eine jüdische Versammlung statt, in der siclf die Entrüstung gegen die Regie* rungspraxis sehr stürmisch äußerte. Es wurde eine Resolution angenommen, in der gegen die ,ischmach־ volle und beleidigende Haltung der Regierung ge־ genüber den Opfern der Unruhen“ protestiert wird. Es wurden Daten zur Sprache gebracht, aus denen hervorgeht, daß die Regierung, obwohl sie die Schäden sehr niedrig einschätzt, dennoch nur ein Drittel der Höhe ihrer eigenen Schätzungen als Entschädigung zahlt. Im Verlauf der Versammlung wurden auch Klagen gegen die Verwaltung des jüdischen Not־ hilfsfonds erhob.en. Es; wurde erklärt, daß der Fonds seine Versprechungen, den Juden von Safed beim Wiederaufbau ihres zerstörten Wohn־ und Geschäfts־ Viertels zu helfen, nicht in der wün־ sehenswerten Weise erfüllt. Die ״Jüdische Presse“ hat in den letzten Monaten öfters auf die ganz unglaubliche Tatsache hingewiesen, daß die Verwalter des jüdischen Hilfsfonds in Palästina das Vertrauen der Spender arg mißbrauchen. Juden in allen Weltteilen haben nach den Augustereignissen des vorigen Jahres in Palästina trotz der eigenen Not in wenigen Wochen über 600.000 Pfund d. i. über 20,000.000 österr. Schilling gesammelt. Die arme Wiener Kultusgemeinde, die kleinen jüdi־ Wissen gnädige Frau bereits f\ . C* T •ff S° lan2e der Vorrat reicht vom Räumungsverkauf in 20\ Rabatt vom Originalpreis. formation etc. der bekannten Wien!> Karntnemng 6 Verlangen gnädige Frau Gratis- Kunsiwerksiätte (gegenüber Hotel Bristol) Ä Katalog und Preisliste

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