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Jüdische Presse · 1930-03-28 · 13 (28.3.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
13 (28.3.1930)
Date
1930-03-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Zurück zum Kultus! Fort mit der Bürokratie! — Modernisieret den Apparat! Von Alfred Stroh, Vizepräsident der Aguda. Die Budgetdebatte in der Wiener Kultusgemeinde wurde rasch und für alle Beteiligten schmerzlos abge־ führt. Nach den üblichen Reden der einzelnen Partei־ fiihrer wurde wieder der alte Schlendrian in Amt und Würden eingesetzt. Es ist ja auch nur zu begreiflich. Die Herren sind seit den Tagen der Wahl des Kampfes müde und wollen Ruhe haben. Die Zionisten haben getreu der Parole Herzls ״Erobert die Kultusgemcindei“ genügendes Streit־ material angehäuft. Sie sehen in der Kultusgemeinde bloß eine ergiebige Geldquelle für zionistische Partei־ zwecke. Kultus, Religion ist für ihre Begriffe Privatsache. Die Unionisten bekennen sich wohl zu einem losen Zusammenhang mit der Religion, doch dominiert bei ihnen allen die Sehnsucht nach Ruhe und sie war ent־ scheidend, als man unbekümmert um Zweck und Ziel der K u l t u s g e m e i n d e neuerlich R i e# sensummen schwer zukam mengcraffter Steuergelder für Keren H a j e s s o d, j ü d i־ sch es (sage; zionistisches) Gymnasium und andere u n j ü d i s c h c (sage: jüdisch־ n a t i o n a l e) I n st i t u t i o n e n votierte. Es wäre eine mehrfach bezaubernde Aufgabe der Kehilla, endlich einmal von Amts wegen zu zeigen, was ihre gesetzliche Bestimmung ist. Sie hat kein Recht, ihre Gelder . für «religiöse Belange zu verwenden. Die polnische Regierung hat beispielsweise die Subventionierung des Keren Hajes־ sod mit Steuergeldern glatt untersagt. Polen kann überhaupt als Exempel in Kehilla־ führung herangezogen werden. Es ist überaus lehrreich, Vergleiche anzusteüen. Auch hier hatten sich die Zio־ nisten mit Löwenmut um die Kultusstuben bemüht. Da die Aguda aber durchschnittlich 60 Prozent der Mandate in Händen hatte, ward es ihnen mancherorts nicht leicht gemacht. Sie verstanden es aber durch die gewagtesten Versprechungen andere religiös orientierte Gruppen und clie Sozialisten an sich zu fesseln und so wurden 10 Jahve lang Kompromisse ohne Ende geschlossen. Vor kaum drei Monaten nahm der unermüdliche Chofez Chajim שי׳ die Führung in die Hand und cs gelang ihm, der Aguda in ganz Polen einen Sieg־ zu erringen, dessen historische Bedeutung' wir kaum ahnen können. Sämtliche religiös orientierten Gruppen — die verschiedenen chassidischen Schattierungen schlossen mit Ausnahme des ohnehin ganz unbedeutenden Misrachi einen Bund. Unter diesem Zeichen konnten die Budget־ bevatungen ein ganz neues Gesicht erhalten. So e r־ achteten die Zionisten in Lodz oder Bend־ ׳/in es gar nicht mehr für nötig, ihre Anträge u m S u b v e n t i 0 n i e r 11 n g i h rer V e r e i n e, S c hule n und Theater e i n z u b r i n g e 11, da sie der Ablehnung gewiß w a r e n. Die derart ersparten Sum m e n wurden für J e s c h i w o t h sowie zum Neubau von M i k w oauth b e? s t i m m t. Aehnliche Berichte liegen auch von anderen Städten vor. Lodz ist eine Gemeinde mit ungefähr der gleichen Anzahl Juden wie Wien. Es erhält sämtliche Talmud« Thora*Schulen, subventioniert eine Reihe von Jeschiwoth mit großen Summen und es bleibt noch genug Geld, um trotz der Ungunst der finanziellen Verhältnisse den Bau weiterer zwei modern ausgestatteter Mikwoauth zu be־ schließen. In Wien gibt es .nur ein einziges rituelles Bad, uns zureichend ausgestattet, klein und ärmlich. Fiir die äußeren Bezirke ist überhaupt nicht gesorgt. Nicht einmal in diesen primitivsten Erfordernissen des Kultus. UebcraU die gleiche Lethargie. Auch, in Wien wird die Orthodoxie die Richtung geben müssen, um die Verwirklichung der Parole Zurück zum Kultus! vorzubereiten. Schon jetzt kann sie für eine vernünftige Subventionierung der auf streng orthodoxer Basis stehenden Schulen und Bethäuser sor־ gen. Sie muß aber auch die Herren mit dem Gedanken der Ausgestaltung der bestehenden sowie des Baues neuer Mikwoauth vertraut machen. Wenn sie die Geschäfts־ Periode 1930 zu dieser großzügigen Umwälzung ausnützen wird, hat sie ihre Zeit nicht nutzlos verbracht. Hand in Hand müßte allerdings auch noch eine Modernisierung des V e r w a 11 u n g s a p p a r a־ t e s vorgenommen werden. Die Bezüge der Beamten müßten so gestellt werden, daß die Schaffensfreude wesentlich erhöht und der alte Amtsschimmel end־ gültig begraben werde. Welche Fülle von segenspendender Arbeit konnte ׳/. B. geleistet werden, wenn die soziale Fürsorge der Kultusgemeinde, für welche ein Drittel aller Ausgaben verwendet wird, nach den neuesten Er fall־ rungen unter einheitlichen Gesichtspunkten modern orga־ nisiert würde. Heute ist es aber so, daß dieser praktisch größte Aufgabenkreis der Kultusgemeinde ohne leitenden Gedan־ ken und ohne leitenden Beamten steht. Infolge dieses Umstandes ist zwischen den Wiener Juden, die noch heute gerne und viel ״geben“, und den Wiener jüdischen sozialen Institutionen und Wohlfahrtswerken gar kein innerer Zusammenhang. Es gibt tausende und tausende Gemeindemitglieder, die von der Existenz des muster־ gültigen jüdischen . Altersversorgungshauses, der verschiedenen Waisenhäuser und noch vieler wert־ voller sozialer Institutionen keine Kenntnis haben. Es genügt eben nicht, den Gemeindemitglicdcrn Erlagscheine und Zahlungsaufträge zuzustellen. Der moderne Groß־ stadtjude muß erst erfaßt und mit den modernen Mitteln der Propaganda bearbeitet werden. Schon vor Jahren wurde in den Spalten der ״Jüdischen Presse“ der Vor« schlag gemacht, den של פסח כשר ZIAL Gelb, geschmeidiges Pflanzenfett! U e b e r a I I erhältlich? Prozent Fettgehalt תחת השבחח הרב הגאר ר׳ ישעי, סידסט. שיפשיהל BlaHeins Carl Vereinigle Margarineand Butterlalrrih Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte Othmar Schiff Wien I, Kärntne'rring 6 (gegenüber Hotel Bristol) u-41-tZ Laurana «tauen) streng orth. כשף streng orth. כשר Vorzügliche Küche Mäßige Preise Referenzen und Prospekte zur Verfügung ״Wiener jüdischen Sammeltag“ wiedereinzuführen. Als vor sieben Jahren zum ersten Male dieser geniale Gedanke von unserem unvergeßlichen Moses P o r g e s s. A. ausgesprochen wurde, schüttelten viele ungläubig den Kopf. Doch der Schöpfer dieses Gedankens hat auch die organisatorische Kraft gehabt, seine Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Der Erfolg des ersten Jahres war überraschend gut. Aber allmählich ging der ״Wiener jüdische Sammeltag“ infolge der Rivali« tät der Parteien und Institutionen zugrunde. Es wäre jammerschade, diesen Gedanken auf im־ mer fallen zu lassen. Der jüdische Sammeltag muß viel־ mehr eine ständige Institution werden. Eine ständige Institution, deren Vcrwaltungs־ und Propagända־Apparat das ganze Jahre hindurch in Funktion ist. Wer nur ein־ mal Gelegenheit gehabt hat, die Funktion der großen amerikanischen Werbeapparate für wohltätige Zwecke oder gar für •den Aufbau von Palästina zu studieren, der wird es für unerklärlich finden, warum man nicht• in Wien mit den modernsten Mitteln der Werbekunst an jeden Juden herantritt und von ihm den freiwilligen Beitrag für die Wohlfahrtszwecke der Wiener .Juden־ schuft einhebt. Wir sind sicher, daß auf diesem Wege Beiträge einfließen dürften, die das Wohlfahrtsbudget der Kultusgemeinde wesentlich entlasten und namhafte Zuwendungen für Kultus־ und Kultur zwecke er־ möglichen würden. Als wertvolles Nebenprodukt des jüdischen Sammel־ tages könnte dann die Tatsache gebucht werden, daß die Wiener endlich die wertvollen und. segensreichen Wohl־ fahrtsinstitutionen ihrer Gemeinde kennenlernen würden. Abschluß der Budgetdebatte in der Wiener Kultusgemeinde. Montag den 24, d. ging man in die Spezialdebatte ein. Das vorgelegte Budget wurde mit den Stimmen der Zionisten und der Union angenommen. Ebenso wurde die Subventionierung der Palästinafonde (Keren Hajessod 20.000 S, Keren Hajischuw 5000 S, Chaluzim 12.000 S, Palästinaarbeiterfond 1500 S, welche auf 3000 S erhöht werden dürften) beschlossen. Es sprach Viktor B a tt m i n g e r über die Frage der Besetzung der Rabbinerstellen, speziell über die ße־ Setzung des Oberrabbinerpostens, und kritisierte clie gegenwärtigen Zustände im Rabbinat. Börsenrat Glück (Union) führte die Vakanz der Oberrabbinevstelle auf die Unmöglichkeit zurück, einen würdigen Nachfolger für Dr. Chajes. zu finden. Lieber Schulfragen debattierten Moses Rath, Dr, T i c h o und Prof. B. Geiger, Aus der Budgetrede des orthodoxen Vertreters Herrn Wolf Pappen heim. Mocbgeeihrtes iKoilcghint! Wir!sitzen ׳hier nicht als Vertreter der!Adass Jisroel oder der Agu das JIsrael, sondem als Vertreter der religiösen!Interessen aller arthodoxe.11 Juden'Wiens. Ein geehrter Zwischenredner hat von dein gesprochen, was Moses sagte: Meine Herren, nach unserer ׳Ueber zeit gang!hat Moses nur das gesagt, \v׳as ihm geoffenbart wurde. 'Wir haben fiir diesen ׳Glauben!zwei triftige .Gründe: Vorerst besitzen wir in .unserem ׳Schrift- So lange der Vorrat reicht. 2O°\0 Rabatt vom Originalpreis. או Verlangen gnädige Frau Gratis- Katalog und Preisliste

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