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Jüdische Presse · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Marx 1930 ג׳ה וינא־סרעסבויג י״ד אדר תר״׳ז 16. Jahrs• Vor der Budgetberatung des Wiener Kultusvorstandes. Von Alfred Stroit, Vizepräsident der Aguda, -Wien. I. Anfangs nächster ■Woche finden die Budget- ,berahnigen des Wiener ■Kiiltusvorstandes statt. Obwohl der Vorstand sich in den letzten Jahren bemülrt hat, zu der jüdischen Presse eine innigere Be- Ziehung anzukniipfeu als es variier der Fall war, habet! die jüdischen Zeitungen es noch nicht so weit gebracht, daß ihnen, wie in allen parlamentarischen Körperschaften, ein Entwurf des Budgetvoranschlages rechtzeitig eingehäudigt würde. Es ist infolge dieses Umstandes unmöglich, zu dem in den öffentlichen Sitzungen des Kiiltusvorstandes Anfang nächster Woche zur Beratung stehenden Voranschlag kritisch Stellung zu nehmen lind die ()Öffentlichkeit über den Geist, der hinter den Zifferkolossen sich verbirgt, rechtzeitig aufzuklären. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als Wünsche vorzubringen und um ihre Berücksichtigung zu bitten. •Diese Wünsche richten wir selbstverständlich an unsere Vertreter, an die Vertreter der Wiener Orthodoxie im Wiener Kultusvorstand. Bedauerlicherweise unterlassen es diese Vertreter, ihre Wählerschaft fortlaufend zu informieren und so das Vertrauen ihrer Wählerschaft zu erhalten. Es wäre unklug, die Augen vor der Tat- Sache zu verschließen, daß dieses Vertrauen, dieses wertvolle moralische Kapital, das die orthodoxen Kultusvorsteher auf ihrem schweren Weg in die Kultus'Stube in reichem Maße mitbekommen haben, i m S c h w i n den b e g r i f f e 11 i s t. Die Orthodoxie in Wien weiß es wohl, daß sie, wenn sie auch zahlenmäßig mir einen Teil, so ideell doch den bedeutsamsten Teil der Wiener Judenschaft ׳bildet. Es wäre die erste Aufgabe der orthodoxen Kultusvorsteher gewesen, die Wiener Kultusgemeinde für die Beachtung dieser‘Tatsache zu gewinnen. Tatsache ist es aber, daß während einer nunmehr zehnjährigen Tätigkeit auf diesem Gebiete nur ganz g e r i n g- Tägige Resultate erzielt wurden. Welche Postulate hat die Wiener Orthodoxie? Wir wollen in diesem Zusammenhänge von dem festen Bollwerk der Wiener Orthodoxie, von der S c h i f f s c h u 1 g e m e i n d e, •nicht sprechen; sie besitzt erworbene und w 0 h 1 v e r b r i e f t e Rechte, die eine besondere Vertretung im Schoße SPEZIAL Gelb, geschmeidi- U e b e r a I I ges Pflanzenfett! /\ya erhältlich! 100 Prozent Fettgehalt תחת השגחת הרב הגאוי ר׳ ישעי׳ 5ירסט. שיסשיהל ßlaimscMis [atl VeielniBte Margarineaal Buflerfabrik!׳שיל פסח כשר des Kiiltusvorstandes nicht benötigen. Wir möchten vielmehr zunächst von den zahlreichen orthodoxen Bethausvereinen sprechen, in denen in wohltuendem Gegensätze zu dem prunkhafteil, aber seelenlosen Kultus in den großen Tempeln wirkliches, schlichtes, jüdisch-religiöses Leben herrscht, wo kleine Leute zu dem alltäglichen Gebet sicli ziisammenfinden, wo bescheide ne Lehrer unseres׳ Volkes, Rabbiner nach altern Schlage, das Volk belehren und in der religiösen Wüstenei der Großstadt köstliche Oasen uiiverfälschten jüdischen Volkslebens bilden. Diese Rabbiner und diese Bethäuser, also die wertvollsten Güter der Wiener Orthodoxie, werden bei der Kultusgemeinde als eine u n a n genehme Last emprunden, unsere Gemeindeväter blicken auf diese kleinen orthodoxen Bethäuser nicht etwa als auf wertvolle Aktivposten der •Wiener Judenschaft, sondem als Gespenster, die früher oder später mit einem Siibventionsgesuch an die Kiiltusgemeinde herantreten und so die Finanzen der Kiiltusgemeinde, die infolge eines ungeschriebenen Gesetzes, schon für andere Zwecke gebunden zu sein scheinen, belasten werden. Diese Auffassung überrascht uns selbstvei־- stündlich nicht, wenn sie von jenen vertreten, wird, die für das jüdisch-religiöse Leben zumeist infolge der Unkenntnis desselben, kein Verständnis haben. Aber Aufgabe der orthodoxen Kultus!vorsteher wäre es, die Aufmerksamkeit des Kiiltusvorstandes auf den Umstand zu lenken, daß in diesen wertvollen Zellen des jüdisch-religiösen Lebens in Wien, Männer wirken, welche die beste Tradition verwirklichen: Rabbiner und andere Funktionäre mit einem Monatsgehalt von S 80 bis 200. Nur mit Erbitterung können wir an diesen Umstand denken. Wie viele wertvolle Kräfte, die so dringend nötig wären um die religiöse ׳Beeinflussung des in dem schweren Wirtschaftskampfe zermürbten kleinen jüdischen Kaufmannes und Gewerbetreibenden, um die Betreuung der Heranwachsenden Jugend; wieviele wertvolle Kräfte, die nebst der religiösen auch eine soziale Fürsorge in echt jüdischem Sinne hätten leisten können, gebunden und verschüttet sind durch die lähmende Wirtschaftssorge, der ein Familienvater, auch ■wenn er ein Rabbiner ist, unterworfen ist, wenn der kleine Bethausverein mit bestem Willen nicht mehr als S 100 leisten kann und — die Wiener Kiiltusgemeinde in dem Subventionsansuchen eine unangebrachte Belästigung, eine Ausdehnung auf Kosten der Kiiltusgemeinde betrachtet. Im Namen dieser kleinen Bethäuser, im Namen ihrer unzulänglichen und unwürdig besoldeten Angestellten appellieren wir nochmals an das Gewissen der orthodoxen Kultusvorstehei, hie! dringend Abhilfe zu schaffen. Neue Sprachschule Montag den 3. März 1930 wurde die neue, vom Wiener Stadtschulrat konzessionierte Schule für die englische und französische Sprache für weibliche Personen im ,.Dr. Krfiger-Heim“, Wien, II., Malzgasse 7, ו Tel. R-43-5-40 (10 bis 12 Uhr und 3 bis 5 Uhr), eröffnet. Kurse flir 1 Anfänger und Vorgeschrittene, an Nachmittagen und Abenden. Spezielle Kinderkurse. Erprobte, erstklassige Lehrerinnen. Billige Kursbeitrag«. 11. Ein zweites Hauptkapitel orthodoxer Interessen in Wien ist d׳ i e jüdische S c 11 u I e. Es soll zunächst •bemerkt werden — dieser Umstand wurde in diesen Spalten; des öfteren hervorgehoben — daß alle Kapitel des Budgets der Wiener Kultus- | gemeinde, verglichen mit den betreffenden Posten der FriedenS'verhältnisse, nicht nur eine Vollvalorisierung, sondern noch überdies eine erhebliche Steigerung aufweisen. Eine Ausnahme bildet jene Summe, welche die Wiener Kiiltusgemeinde ■für Schulen und Unterrichtszwecke ausweist. Diese Posten haben bis zum heutigen Tage nicht einmal die Vollvalorisierung des Friedensaufwandes der. Wiener Kiiltusgemeinde für diesen Zweck erreicht. Ungeachtet dieser Riickent- .wicklmigsteiidenz nimmt das Schulwesen der Orthodoxie in Wien eine, man kann ruhig sagen geradezu günstige Entwicklung. Mit Stolz weisen wir hier auf die W i e n e r T a 1 m u d - T 11 ora-Sch ule hin, die sich gerade anschickt, die 80-Jahr-Feier ihres Bestandes zu begehen. Die Talnuid-Thora-Sehule hat in den letzten 10 Jahren an die ftinfklassige ,Knaben- Volksschule eine K naben- H a 11 p tu 11 d B ii rge rs ch ule angegliedert, in den letzten vier Jahren wurden die vier M ä d c h e n - V 0 1 k s- Schulklassen ausgebaut und diese Mädchenklassen können sich sehen lassen. Ausgezeichnete Lehrerinnen holet! da in alltäglicher ehrlicher erzieherischer Arbeit gar wunderbare Resultate aus jüdischen'Mädchen heraus. Hier wächst eine weibliehe Jugend mit aufrichtigem religiösem Gefühl und mit jüdischen Kenntnissen heran, um die — wir wollen im Bilde bleiben — so manche Kiiitusvor- Steher sie beneiden müßten. Der Talmud-Thora- Schul verein hat im verflossenen Jahre, um eine kiinftige Entwicklung vorzubereiten, unter ungeheuren Opfern das seinem alten Hause anschließende N a c 11bar ha us erworben. Um der Mädchenschule ein■ würdiges Heim zu sichern, wurde mit dem in der nächsten Nachbarschaft befindlichen Dr. Krüger- Heim ein Uebereinkominen getroffen, das einer achtklassigen Mädchenschule eine würdige und allen Schulerfordernissen entsprechende U n te r b r i 11ßung sichert, (m Zuge dieses Uebereiukomuieus wird das •Dr. Krüger-Heim selbst zu einer Z e 11t r a 1 e f ii r j ii d i s c h e M ä d 0 11׳ e n c r z i e h 11 n g u n d F 0 r t b i 1 d u 11 g umgestaltet. Eine S c h u 1 e f ii r mode r 11 e S p r a c 11 e n ist bereits in bester Wirksamkeit. Die erste rituelle Koch- und Haush a 1111 n g s s e 11 u 1 e wird im April d. J. eröffnet. Die in dem Dr. Krüger-Heim befindliche einzige jüdische G e w e r b e s c 11 ule . für Weißnähen und Kleidermachen erhält solcherart einen organischen Unterbau. Also geradezu eine gigantische Entwichlung, die neben den großen Leistungen, welche die Budapester und die Berliner Kiiltusgemeinde auf dem JlllllllllllllllllUIIIIIIIIIIIIIIIIlIUllIIlIlllllIIIIIIIIIIIliillJlilin, Btfjüfcfcve KUß* möiejüöisclje.S^iule ©otks u.ißauphcäu&föir^mSeji■ ■und fflädden, mdOfenlüdÜQdsrafii ' n. fflcrfzgasse.!6!11ווו1וווווו!1ווווווווווווווווו11וווווווווו1וו1ו1ו11ווווו11וו1ווו111וו111» Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Wien I, Kärntnerring 6 Kunstwerkstätte (gegenüber Hotel Bristol) Othmar Schiff Telephon U-41-3 62 So lange der Vorrat reicht. 20% Rabatt vom Originalpreis. Verlangen gnädige Frau Gratis* Katalog und Preisliste

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