Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 5 (31.1.1930)
- Date
- 1930-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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$rtitevi t^plattit pov 01604 tltdH post » tete*r*tot Zeltansen vom Verlecer vertenSet. * Bratislava 61s. 41*72-111-24. Journal expddi« par Tedlttir f.k* ORGAH FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS SUdnktion n. AdEnlnhdmtlon! Wien,!!.,Leopolds- SBBic 86, 1. Stiege, i. Stock.-־־ Tel. R 45-4-94. Tschechoslowakei! Bratislava, Postfach 140. gmhefut Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. &bo!3Dsme!1f8pre!381 Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 16 Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige üssland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse״, Wien für Oesterreich: PostspaikassenkontoNr.D-93614; Deutschland:Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ,Jüdische Presse*, Biatlslava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 Nr. 5 Wien-Bratislava, 31. Jänner 1930 ב*ח וינא־פרעסבורג־ב״ שבט תר״,!־ 16. Jahrg. Die Apda als Richtung eine gewaltige Kraft... Im New Yorker ״Jewish Morning Journal“ verüffeutlicht El'raim Kaplan eine Serie von Artikeln ,,Meine Reise durch Polen und Litauen 1929“. Kaplan, ein hervorragender Schriftsteller, stand in der ersten Reihe der Kämpfer gege sv die Agiula. Umso interessanter ist es für uns, seinen jetzigen Standpunkt kennenzulernen. Wir geben deshalb seine Ausführungen von Nummer 7 des ״Jewisli Morning Journal“ im Wortlaut wieder: ״Die Erfahrungen, die ich auf meiner Ixeise durch Polen und Litauen machte, überzeugten mich, daß die Agudu.s Jisroel eine gewaltige Kraft ist, mit der man hoi Erwägungen über die Zukunft der jüdischen Dinge rechnen muß. Sie ist vielleicht nicht stark als Orgnnisation, aber als Richtung eine gewaltige Kraft. Wenn sic ihre Kräfte in allgemeinen politischen Waiden anderer Richtungen mißt, mag sie manchmal oder oft unter liegen, aber ihr Einfluß auf die breiten orthodoxen Massen bleibt immer clirimicrend. Derselbe Fromme, der nicht für sie stimmt als organisierte Macht, bleibt loyal ihr gegenüber, um bei ihr Direktiven für die meisten Hauptpunkte des traditionellen Lebens zu holen; bei ihr erfragt er, was rituell, was man soll und nicht soll; gewiß, er folgt ihr nicht immer, aber dann fühlt er sich sündig, genau so, wie wenn er eia ausdrückliches Gebot der Thora übertreten hätte oder eine klare Vorschrift des Schulchaii Aruch infolge seiner sittlichen Schwäche. Man trifft deshalb fromme Menschen, die sich eng dem Zionismus angesehlosscn haben, Schckelzahlcr und Unterstützei׳ ־zionistischer Fonds; aber sic tun es gegen ihre frommen Lleberzcuguugcn, die agudistisdi sind. Da ist eia Konflikt zwischen Herz und Kopf, zwischen Gefühl uncl Verstand. Der Verstand sagt, was die Aguda sagt, daß der Zionismus eine linke Bewegung ist, von deren Bereich man sich fcrnhalten muß; aber das Gefühl treibt ihn zu der Bewegung, in der er eine Erlösung aus der Juden not sicht. Da sie sich aber als sündig betrach־ teil, kann man trotz des Ucbcrwiegens des Gefühls auf sie nicht rechnen. Ihr Gewissen cpiält sie und früher oder später werden sie bußfertig und werfen wie bei einem Taschlich ihre zionistischen Sünden in die Fluten agudistischcr Opposition. Denn nach Zahl und Bedeutung ist die überwältigende Majorität der Thoragrößen Polens mul Litauens für Aguda. Sowohl die großen berühmten jeschiwos wie auch die kleineren gehören in die Einflnßsphiire der Aguda: Jeschiwoh-Leitcr betrachten die zionistische Arbeit mißtrauisch. Folglich sind die Jesehiwoh-Menschcn ausgesprochene und tief überzeugte Gegner des Zionismus in seiner jetzigen Organisationsform, obwohl ihr Sentiment stark für den Aufbau Palästinas spricht, bei ihnen und bei ihren geistigen Führern. Es hat also die Aguda die geistige Hegemonie über das jüdisch-orthodoxe Lehen in Polen und Litauen und es >♦♦♦♦♦♦♦♦* gegenwärtiger u. ehemaliger ♦ Heimschützlinge, Dr. Krüger- | Heim i ü r 5Än Wien, II, t Sabbathaltende fördert die Sabbathaitenden! liegt die ganze gehobene jüdische Erziehung in ihrer Hand; es genügtnicht, das zu ignorieren oder zu tadeln. Man muß die!־ein oppositionelle Taktik aufgeben, maß ihren Standpunkt zu verstellen suchen, ihre Behauptungen anhören, ihre Forderungen analysieren und versuchen, mit ihr zu einer Verständigung zu kommen. Es gibt bei uns Pazifisten,'die es als besonders heilig unternehmen, Frieden zwischen uns und den Arabern zu machen, und bereit sind, Balfour-Deklaralion, Mandat und den ganzen Zionismus auf den Altar dieses Friedens zu bringen. Aber es gibt keinen, der auch nur den Versuch machen wollte, Frieden zwischen den Zionisten und einem so bedeutenden Teil des jüdischen Volkes zu machen, obwohl hiebei von einem Verzicht auf die politischeu Grundlagen des Zionismus keine Rede ist. Die Aguda hat im wesentlichen au der Balfour-Dcklaration nichts auszusetzen, im Gegenteil, sie ist vielleicht mit Ausnahme einiger extremer Fanatiker gleich uns allen mit der Deklaration zufrieden und wäre gewiß f 1*011, bald eine jüdische Majorität in Palästina zu sehen. Aber sie ist gegen das Majorisicrcn der jüdischen Reli- } gion. Die Linie ihrer Opposition gegen den Zionismus bewegt sich in kulturellen Fragen im Bereich geistiger Differenzen. Ich halte auf meiner Reise eine ganze Reihe von Unterredungen mit Rabbinern, Jesehiwoh-Leitern und Jcsehiwoh-Mcnschen, in denen ich über die Ideologie der Aguda Klarheit und den Eindruck von der Möglichkeit einer Verständigung gewann. Kurz gesagt, ist die agudistischc Teleologie folgende: Thora und die jüdische Religion haben die Priorität vor Israel, denn ohne Thora und jüdische Tradition gibt es kein jüdisches Volk und keine Notwendigkeit für die Existenz desselben. Juden sind geboren, um ein eigenartiges Volk nach den Vorschriften der Thora zu sein. Hören sic auf, zu sein, was sie nach dem Willen, der Thora sein sollen, so sollen sie nicht sein, verlieren ihre Daseinsberechtigung. Eine der drei Fragen, für die sicü das jüdische Individuum uncl die jüdische Gesamtheit opfern muß, ist Abgötterei, darunter ist nicht nur direkter Religionswcchsel gemeint, auch die Aendcmng eines Schuhriemens mit cler Tendenz der Entfremdung von der Religion ist Abgötterei und verlangt dieselben Kon- Sequenzen. Es liegt also die wesentliche Bedeutung in cler Seele des Juden, nicht in seinem Körper. Kann die Seele der Juden ihr Leben führen, so mag auch sein materielles Leben gedeihen, sonst hat dieses keinen Wert. Auch Palästina ist eine ideelle Frage; es wurde, so heißt es, den jüdischen Menschen gegeben, daß sie sich dort entsprechend den Sinai-Forderungen geistig auslebon können, nicht aber, um nur ein physisches Leben dort zu führen, iliefür gebe es andere und so vielleicht bessere Landstriche. Selbstverständlich ist ein ideelles Lehen ohne materielle Grundlage undenkbar, deshalb müßte Palästina ein fruchtbares Land sein, da bequemere materielle Bedingungen auch dem Ideellen mehr Ent wickln ngsmügUchkeiten bieten. Die Nationalisten uncl Zionisten aber haben das Verhältnis verkehrt, den ganzen Inhalt des Judentums verdreht, indem sie Thora und die ganze jüdische Geschichte unrichtig au { fassen, mit cler Behauptung, daß der Hauptwort der Juden in ihrer materiellen Existenz läge, nicht in ihrer ideellen. Das, was der orthodoxe Jude beinhaltet, sei seine Abstammung; sein physisches Dasein, seine Seele mag eine barbarische sein, seine Gpsin- Wissen gnädige Frau bereits vom Räumungsverkauf in Perücken, Scheiteln, Transformation etc. der bekannten Kunstwerkstätte Othmar Schiff Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) S-e4h3°62 mmg religionsfremd, er bleibt ein Mitglied der jüdischen Nation. Einem solchen Nationalismus aber steht die Orthodoxie abweisend gegenüber. In dieser Form etwa haben es mir meine Gesprächspartner erklärt. Daraufhin verwies ich sie auf den Ausspruch; Auch wenn ein Mann aus Israel sündigt, bleibe er ein Mann aus Israel, der doch auf die Abstammung großen W'ert lege. Das gestand man mir zu und wies es weit von sich, die Bedeutung dieses Wortes zu unterschätzen. In! Gegenteil, sie seien im Wesen viel stärkere Nationalisten als die sogenannten Nationalisten. Aber der Wert des jüdischen Stammes liege nach ihrem Stand- Punkt in seinem engen Zusammenhang mit der jüdischen Seele. Das Blut, das in ihren Adern strömt, komme ans einer heiligen Quelle und besäße die Möglichkeit der Heiligkeit, wenn auch die Handlung unheilig sei. Das ist der Sinn des obigen Ausspruches, weil auch ein äugenblicklieh schlechter Jude einmal den Weg zum wahren Judentum znriiekfinden könne. Ganz anders aber verhält es sich, wenn der Rassennationalismus zu einer Ideologie, zu einer Theorie würde. Soweit diese Theorie die jüdische Religion negiert, negiert sie auch die Heiligkeit des Quelles dos jüdischen Blutes, den spezifischen Inhalt der jüdischen Abstammung in ihrem Zusammenhang mit der Thora. Folglich bedeute diese Theorie Reiigionsabwehr, Abgötterei. Derjenige, dev sich dieser Theorie ganz hingabc, schließe sich aus cler jüdischen Nation selbst aus. Wer, so sagte man, in Anlehnung an ein Wort cler Weisen, sagt: ich habe nichts wie Nationalismus, der habe auch den Nationalismus nicht Deshalb könne ein Jude, der auf dem Standpunkt der alten Tradition stehe, die Hand dem Zionismus nicht bieten, solange wenigstens nicht, als diesei• den Gedanken aufoktroyieren will, daß Palästina lediglich die Stätte für einen modernen Nationalismus sei, nicht aber vom Judentum nach der Definition dev Thora uncl der alten Schriften und wie es von Moses an durch alle Generationen hindurch aufgefaßt wurde. Weiter sagten mir meine agudistischen Gewührsmnnnev, cs sei jedenfalls ein unerhörter Gewaltakt, neue Götter zu schaffen, von denen unsere Almen nichts gewüßt, das Verhältnis umzukehren und diejenigen als Leugner zu brandmarken, die hei dein alten jüdischen G-tt bleiben und die neuen Götter anzunehmen sich weigern. Man hat z. B. ein neues Schlagwort gegeben: Belebung der Sprache. Einer hat diesem Sehlagwovt den Wert eines Dogmas gegeben, berufen, die alte Religion ab/.ulösen. Das sei doch sicher die größte Leugnung, die man sich denken könne. Hätten doch wenigstens die Prediger und Propagatorcn dieser Idee eine gewisse Scheu gehabt, den Faden allzu straff anzuzielien, aber im Gegenteil, sic sind rücksichtslos und terrorisieren jeden, der ihren neuen Glaubensartikel nicht annimmt. So lange der Vorrat reicht. 20°\p Rabatt vom Originalpreis. Verlangen gnädige Frau Gratis- , Katalog und Preisliste ׳!!P@!?"