Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 4 (24.1.1930)
- Date
- 1930-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ftrrl■«▼• Yfplfttat povolen* rladit post telesr*10♦ * Bratislava Sit. 41172*111-2•. idcitanKCD von» Verleger versanatt. Journal exDÖdie pur 1‘ediUar. ORGAN FÜR OIF IYTIRIS6F» Oft ORTHODOXER JUDERTURRS Redaktion a. Admlnttrat >n Wien,!».,Lcopuidigaste 16, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45*494־. Tschechoslowakei t Bratislava, Postfach 140. Sneheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. ÄbonnementBprvise uanziihng! Für Oesterreich S 16 Tschechoslowakei ischech. K 89, Einzelnummer öst. Or. 50, de# flhrtpe 4u«t»»nd 3 Dollar Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien fUr Oester• reich: Postsparkassenkonto Nr. D-K5614; Deutschland» Post• Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post־ scheckk. Zürich VIII. 4117; fflr die Tschechoslowakei! .Jfi־ dlsche Presse*, Biatlsiava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53<86 Nr. 4 Wien-Bratislava, 24. Jänner 1930 ■כד וינא־פרעסבויג כד טבת תי״ת 16. Jahrg. Jüdische Frauen geben Schmuck und Sabbatleuchter für das Sowjet-Industrialisierungswerk (J. T. A.) Die jüdischen Kommunisten ■Weißrußlands gaben die Losung aus: Jüdische Frauen, gebt eure Sabbat leucht er für das Sow- ׳ jet־fndu!strialisierungswerk! Dieser Losung wurden in verschiedenen Städten Weißrußlands entsprochen.. Es wurden — wie die Sow'jet- Matter melden — Frauenversammhingen abgehalten, in denen beschlossen wurde, die Sabbatleuchtcr dem staatlichen Industrialisierungswerk zur Verfügung zu steilem. iln allem 'Städten der!Ukraine werden bei den (jüdischen Frauen ihre Schmuckgcgenstände, wie (Ringe, Ohrringe usw., zugunsten des Industrialisierumgsfonds abgesammelt. In Tsoherkas, Schpolije, Korsun und in anderen Städten der Kiewer Rayons haben ■die jüdischen Frauen Schmucikgegenstände im Werte von zehn tausenden Rubeln zur Verfügung gestellt. In der ganzen Sowjetunion wird unter den jüdisclien Frauen eine Kampagne ■für Hergabe ihres gesamten Schmuckes zugunsten ■des Industriafisieru.ngsfands durchge'führt. Die Trag'ödie des Judentums in Rußland hat ihren Höhepunkt, trotz des Grauenhaften, das ihm bisher widerfuhr, noch nicht erreicht. ׳Im allgemeinen war die bisherige Politik der Sowjets, besonders aber!der!jüdischen Kornmunisten darauf gerichtet, dem Juden, die Existenz schwerer zu machen Und ihnen ■durch Steuervorschriften, die gegen sogenannte unproduktive Elemente geradezu grausam sind, Gegenwart, am unseren Brüdern und Schwestern ab, und wir alle — mun wir alle lesen diese Nachrichten, ■wie man | in der bunten Fülle der Zeitungen hundert andere liest, Heiteres und Ernstes, (Kunst u.nd Musik, Politik und Finanzwesen, eine ibunte Fülle von■ Neuem, ohne aber eine persönliche Beziehung zu den Nachrichten anzuknüpfen, ohne daß unser ‘Blut im ■unseren Adern erstarrt und ohne zu bedenken, daß ■ein Volk von drei 'Millionen Seelen stiribt, vor unseren Augen, mit unserem Wissen, stirbt, unter unsagbarem seelischen Qualen, gemartert von den eigenen Söhnen und Töchtern, und überdies noch ■die!MarterWerkzeuge selbst liefern ■muß, indem es!Geld umd Gut, Schmuck und Sabbatl׳elichter den Bluthunden ausfolgt, die an seinem Lebensmark zehren. Was ■nützt es-־aber, so wendet der (kühle europäische Zuschauer dieser grauenhaften- Vorgänge ein, was nützt es, wenn wir uns auf regen, wenn wir tausend Eide zu׳r Ret־! tung unserer. Brüder in Rußland schwüren, wa!s nützt es?. Den eisernen Ring der Saw je!grenzen kann ■kein Protest, keine moralische oder materielle Hilfe überschreiten. Mag sein, daß dem so ist, wir möchten aber doch■ sagen, daß es unsere Pflicht wäre, ■aus •den russischen Ereignissen■ zu lernen. Wer gibt ums die Bürgschaft, daß morgen nicht in unserer Mitte Jüdische!Menschen erstehen werden, denen das jüdische Leiben, wie es sich, seit Jahrtausenden in ■jüdi־ d-en letzten Groschen aus der Tasche zu ziehen. In einer zweiten■ Phase hat man• ihre G-tteshäuser und ihre öffentliehen Institutionen׳ in Arbeiterheime, Klubs und Sportlokale umgewandelt. Es blieb aber noch immer als letzte Zuflucht das ׳eigene!Heim zurück. Nun hat die Jewsektia, diese Gesellschaft fanatischer Verräter am eigenen Volke, eine neue Parole herausgegeben. Für d׳en ״Industrialisierungsfonds“, also für einen!patriotischen Zweck, sollen die Sabbatleuchter und der Schmuck der Frauen gesammelt werden. Sie dringen in die Privatwahnungen ein und zwingen mit ׳ihren!mehr als ׳Drohung, denn als!Bitte klingenden Worten die jüdischen Frauen, ihre letzte (Habe ,und den heiligsten 'Schmuck einer jüdischen Frau, ihre Sabbatleuchter, herzugeben. Es gibt selbstverständlich ,jüdische Frauen in Rußland, die :selbst am der Spitze dieser grausamen Propaganda stehen. Denn so ׳wie es eine kommunistische jüdische Männersektion gibt, welche die aufdringliehe Propaganda für den 'Kommunismus in der ■jüdischen Gasse und ׳im ׳Beth-׳Hamidrasöh betreibt, so gibt es auch• von der Idee der Sowjets!besessene jüdische Weibei, ■die es für ihre, ׳man möchte fast sagen, heilige Aufgabe halten, die jüdischen Frauen mit ihren Ideen zu beglücken, sie gegen die!Heiligkeit der jüdischen Ehe, gegen die Heiligkeit jüdischer Frauenpfliohten und nicht zuletzt gegen ׳die (Heiligkeit des Sabbats aufzuwiegeln. Die Siegestrophäen sind dann, die Sabbatlouchter, die so eine kommunistische Agitatorin als Beute ■aus dem jüdischen ,Heim unter dem Titel ,,ludnstriahisierungs;fonds“ an irgend eine kommunistische Stelle ■ablieiert. Wenn solche Geschehnisse, wenn solche grausame Eingriffe in das jüdische Leben aus dem Altertum oder aus dem Mittelalter berichtet werden, so pflegt der Jude, der Nachfahr •heiliger und mit der iMärtyrerkrone geschmückter Ahnen, zu weinen, zu fasten und im heiligen Zorn gegen die grausamen Tyrannen seine Fäuste zu ballen. ׳In unserem Falle heißt es aber, nicht von ■längst vergangenen Zeiten zu erzählen. Die Ereignisse in Rußland spielen sich׳ in unserer sehen Häusern vollzieht, ein Greuel ist? Wer versichert uns, daß von irregeleiteten Schwestern nicht auch die Sabbatleuchter unserer Frauen für irgend einen umheiligen Zweck abverlangt werden? Verschwinden ■denn nicht genug Sabbatlenchter auch ,hier in unserer Mitte aus den Wahr nungen jüdischer Familien, aus ׳denen die Sabbatseele entwichen ist? ■Ist es nicht ein Industrialisierungsfonds, der bei uns wohl nicht so gewaltsam wie der russische, aber ebenso grausam zusammen gefügt wird? Bei uns heißen sie nur ״ökonomische Gesetze“, diese haben ׳bei uns die Rolle der Schergen übernommen, die mehr drohend als bittend von dem Juden ׳seinen letzten Scliwuck, seine jüdische Seele •und seine SabbatleuchtCr als Opfer verlangen. Wie wäre es, wenn• jüdische Frauen hier bei uns im heiligen Zorn über die Schmach, die ihren Schwestern in Rußland zugefügt wird, ihren Schmuck hergeben würden, um Existenzen, die den Sabbat halten wollen, ׳zu stützen? Aber wer verlangt denn ihren Schmuck? Es würde schon genügen, wenn sie ein bißchen mehr Umsicht und Einsicht dabei walten ließen, bei ihren Einkäufen und Besorgungen zu allererst jüdische!Quellen, Kaufleute und Gewerbetrelbende, die Sa'b'bat haltern, aufsuc'hten. Die sind angeblich nacht so billig, so leistungsfähig wie die anderen. Es mag \m\mm gegenwärtiger u. ehemaliger Heimschützlinge, Dr. Krüger- Heim (fr. Elisabeth ־ Heim) R.Än Wien, II., Malzgasse 7 H'gtZ I ü r Sabbathaltende fördert die Sabbathaltenden! schon sein.!Aber da heißt es eben, Opfer zu bringen, ebenso wie jene Gewerbetreibenden und Kaufleute Opfer bringen, um den Sabbat zu ■halten. Aber leider auch zu diesen geringen Opfern sind wir nicht zu •haben. Jeder von uns verkriecht in eine uufcantroiiicrbare Anonymität, man verkennt ׳die große volkswirtschaftliche und ■religiöse Bedeutung des jüdischen Kansums, •der bei sabbathaltenden Juden gedeckt werden soll. Und wenn schon von uns eine, jüdische ■Leistung verlangt wird, so vergießen wir lieber Tränen über Katastrophen in Palästina und über Tragödien in Rußland׳, wir spenden sogar ab und zu zugunsten dieser Opfer, aber davon׳, daß wir unter dem 'Druck dieser Katastrophen nur die geringste Unbequemlichkeit, nur die geringste!Belastung auf uns nehmen würden, geschweige denn, daß wir unser ganzes Leben neu׳ gestalten wollten׳, davon wird bei uns nirgends gesprochen. Und so kommt cs, •daß unsere jüdischen Institutionen verdorren, ׳daß unsere jüdischen Schulen einschrumpfen, daß die ■sabbathaltenden Existenzen brüchig werden und ■daß unser jüdisches Volk auch hier, freiwillig oder unter dem Druck unsichtbarer Hände, seinen Schmuck ablegt, seine Sa1bba׳tl׳euchter ausliefert, so w!ie in Rußland unter ■dem Druck der grobschrötigen Fäuste kommunistischer Agitatoren, p. Schomre Schabbos. Wiehl eines der fundamentalsten Probleme des orthodoxen Großstadtlebens ׳ist ■die 'Sohabbosfrage. Gleichgültig, 0!b für den Kaufmann׳, Industriellen, ■den Angestellten oder ׳Arbeiter, für jeden geistig oder materiell •schaffenden, M׳ensehen, ist es ein Problem von ungeheurer Schwierigkeit und Bedeutung, sich in den Wirtschaftsapparat ׳der Großstadt ׳einzufügen ■und ׳dabei sich von der Umwelt durch strenge Einhaltung der Gahiba-tgebote abzuheben. Wer diesen Wiirtsahaftsapparat kennt, weiß■, was es heißt, ein Fünftel der Arbeitswoche aus der ׳Konkurrenz der Kräfte und dem Wettbewerb ausgeschaltet zu sein. Um so •begrüßenswerter ist es, wenn dieser Kreis, von 'Schabbos-' haltenden seine gefährdeten Interessen durch engen Zusammenschluß zu׳ wahren versucht. Der Gedanke ist in Wien nicht neu. ln der Vorkriegszeit waren die ersten Versuche, getragen von den besten Kräften der Wiener Orthodoxie, gemacht worden. Soweit der ■Organisations• gedauke in der damaligen Zeit überhaupt Fuß fassen konnte, ׳hat er es dm־ Zeichen des Schomre-Sohabbos-Gedankens erreicht. Dem Ausbau der Organisation kam der Krieg zuvor. Die Nachkriegszeit hat die politische Idee zur Organisationsgruindlage gemacht, und erst die wirtschaftliche Not ׳der jüngsten Vergangenheit hat wieder (Männer des öffentlichen Lebens, die die Verantwortung für die'' Gestallung der Dinge tragen,!auf die Notwendigkeit der w׳ir׳tschaftliohen Organisation verwiesen. Daß die ■Idee sich in ganz Europa fast zur gleichen Zeit durchgesetzt hat, ist bezeichnend (für ihre organisatorische Tragfähigkeit, und wenn heute der Weltveriband der Schomre- Schiaibbos schon konkrete Formen amnimmt und das Schabbosproblem in allen jüdischen Zeitungen ohne Unterschied der Partetriohtung — und natürlich ganz besonders in den orthodoxen — ein ständiger Diskussionstitel ist, so ist die Hoffnung nicht unberechtigt, daß der Sache des schwerbedrohten Seitabbas in den neuen Sachwaltern, die in der nach■ langer Zeit wieder stattgefundenen Generalversammlung des Vereines ״Schomre Schabbos“ für Wien bestellt wurden, edai uuschätzbarer Dienst geleistet wurde. Die Sympathien der gesamten jüdischen Oeffentliohkeit sind mit diesen Männern■, die — und׳ das konnte in der ׳Generalversammlung uiischwer ersehen werden — gewillt sind, ׳das Problem in seiner Gänze aufzurollen und nicht früher von der Tages-!Wissen gnädige Frau bereits ן CT 1 o ^an^e ^er Forraf reicht. vom Räumungsverkauf in \Jth1TlCLY kJCtlltj 20% Rabatt vom Originalpreis. I Perücken, Scheiteln, Trans- Ä I formation etc. der bekannten W,en יז Karntnerring 6 Verlangen gnädige Frau Gratis- I Kunstwerkstätte (gegenüber Hotel Bristol) u-4vs°62 Katalog und Preisliste 75