Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 2 (10.1.1930)
- Date
- 1930-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lntenr» po▼ otan* fljjjHi PJ*t * Wnfitot * BrttUlave 6*1» 41l724H-2t. Z«itu2eB vom Verlmr vereenJ*. Journal •xptdl• par l'edltor V.lkfc JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUNIS ^ndakiloti n. Adm'.nlifratioB» Wien,?*.,Leopolds* gaiie 26, 1. Stiege, 1. Stock. — tel.R 45-4-94. Ifsetaechoilowakelt Bratinlava, Postfach 140. gMGSneinf jeden Freitag. — Redaklion8schIuB8: Mittwoch Mittag. &b0QH8m!snt3pri£lse ז Öanzjäbrigi Für Oesterreich S 16 Tscbeciaosiowsfeei tschcch. K 80, Einzelnummer öst. Qr. 50, das öbrlsre Amtend 3 Dollar. i reich > Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post• Scheckkonto Berlin Nr. 1226)9; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nt. 40217; Polen : Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; tür die Tschechoslowakei: .Jüdische Presse״, Biatlstava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 2 Wien-Bratislava, 10. Jänner 1930 ב*ה דנא־פרעסבורג י׳ טבת תי־״ז 16. Jahrg. Relativierung der Jugendbewegung. Von Dr. Arnold Merzbach, Frankfurt a. M. Wird über orthodox#jüdische Jugend־־ er Ziehung nicht viel zu viel gesprochen? Denn überall in der Welt mag der Wille — und das Wort ist ja die Aeußerung des Willens — die Vorstufe und Vor# aussetzung des Tuns sein: in der Psychologie und Päd# agogik ist es aber gerade umgekehrt. Wenn da einer sagt: ich will, so heißt das: eigentlich will ich nicht, denn warum tut er nicht gleich?, warum kündigt er an?, und das Gewollte wird doch nicht getan. So scheint uns ein Wesentliches der Jugendbewegung, nämlich jenes Debat# tieren über sich selbst, all die Tagungen mit ihrer Be# geisterung, welche nur Anstoß von außen ist, letzten Endes ein Zeichen der Leistungsschwäche zu bedeuten. Diese Phase müssen wir überwinden! Denn prüfen wir doch an unseren eigenen Erfahrungen nach: was kommt praktisch dabei heraus? Zweitens: wenn wir vergleichen, was alles über Jugenderziehung und Jugendbewegung gesprochen und gedruckt wird, so erkennen wir: es wird von denselben Entwicklungsphasen immer wieder dasselbe gesagt. Die Achtzehnjährigen sagen, sie werden nicht verstanden zu Hause. Die Einundzwanzig jährigen laufen gegen die Ge# seilschaftsform ,Sturm. Die Fünfundzwanzigjährigen er# gehen sich in Grübeleien, ob der Erziehungsweg mehr milieubedingt oder mehr individualistisch sein soll, die Achtundzwanzigjährigen ironisieren bereits. So zeigen sich nicht nur Abhängigkeiten von Entwicklungsphasen, son# dem auch Milieubedingtheit: Stadttypen, Land# typen; und so weiter. Jeder sagt natürlich nur, was er in sich muß, was aus ihm heraus will, und es scheint ihm selber neu und ein Erlebnis, daß er spricht und was er spricht, und es bringt ihn wohl auch geistig weiter, ja es fördert die erzieherisch notwendige Gruppenbildung,—־ und, der tiefste Grund, es stärkt das Selbstwertgefühl — aber, um Himmels willen: dürfen wir denn diese Bewegt# heit frei treiben lassen? Wollen wir denn nur Be# wegung, sei es auch in falscher Richtung, und Kämpfer# tum, sei es auch irrend? Oder: muß! jene Generation, wenn sie ihre geistigen Entwicklungsphasen durchkämpft, ihre Tagesgötter jedesmal vor aller Augen als absolut preisen und in Weltverbesserung ihre und unsere Kraft in Anspruch nehmen? Von Zeit und Geld gar nicht zu reden! Ich meine, in dieser Zeit der Technisierung einerseits und des Zwanges zum ökonomischen Arbeiten (auch im Geistigen), andererseits werden wir über kurz oder lang sowieso wieder mit den altvertrauten Geleisen Vorlieb nehmen müssen und begeistert beschrittene neue Bahnen, wenn entwicklungsbedingt, wenn relativ, als möglichen Umweg ablehnen. Lieber ein sicheres Renten# papier als eine in Kurs und Dividende schwankende Aktie! Für Spekulationsgeschäfte im großen sind unsere Kinder als Einsatz zu kostbar. Das gilt besonders i n p o 1 i t i c i s! Drittens: Und wenn jetzt noch einer aufsteht und was zu verkünden hat, dann würde man sich auch seine personale Bedingtheit genauer durch den Kopf gehen lassen müssen. Es wäre zu überlegen: wie kam / dieser Mensch dazu, so zu denken? Was hat er erlebt, was ist also unbewußt, hineingetragen und nun für den Einzelfall gültig? Was ist an seinem Denken Affekt und was nicht, was Parteidoktrin, was Oppositionsgeist und was Herrschsucht, was in Anlage begründeter Optimis# mus oder Pessimismus — und was bleibt übrig? Und das prüfe! Man soll also nicht mehr die Ideen von den Personen loslösen und allein sprechen lassen, sondern: Meinung und Person sind eins! So könnte eine exakte Lehre der R e 1 a t i# vierung von Meinungsäußerungen entstehen. Am wichtigsten für das Gebiet des Politischen mit seinen Diskussionen und scheinbaren Differenzen, aber hier infolge der Tiefe der einmal eingefleischten Gegensätze und Vorurteile am schwersten durchzuführen. Auch wichtig, aber leichter durchführbar für die Kreise der Jugendbewegung, die, in vielem ein Abklatsch der großen Politik, durch ihren Willen zur Ehrlichkeit und Reinlichkeit und zur Sachlichkeit, welche wirklich eine ist, am ehesten aus der Gefahr, in die Hände romanti# scher Führer, unklarer Köpfe zu geraten, befreit werden kann. Gewiß, da könnte ein Heine#, ein Börne*Typ mit Relativierung gleich alles kaput machen? Und so wären wir noch negativer statt positiver geworden? Ich glaube: solcher Wille zur kritischen Zer# Setzung relativierte sich am ehesten selbst, verlöre bald allen Einfluß, wenn er auch ansonst zu blenden schien. Gewiß könnte man mich nun selber rela# tivieren, indem man einwendet: solche Forderung könne nur der Nervenarzt erheben, der Ereignisse ebensowenig wie Menschen ״voll“ nehme, und außerdem könne doch nicht jeder von außen an die Dinge herantreten. Jedoch, es will mir scheinen: מים ידברו*! Es sind genug An# Zeichen da, daß eine gesunde Entwicklung in dieser Rieh# tung geht: der Umbau wissenschaftlicher Ziele vom Lebensfremden ins Real#Praktische hinein, der Abbau der idealistischen Wertlehre im besonderen, die Konsoli# dierung der praktischen Psychologie, das Wachstum der Soziologie. Und deshalb sollten wir — meine ich — schon heute in unserer Jugendbewegung, die doch die Grund# läge der Zukunft sein will, mit solcher Relativierung dessen, was sich absolut gibt, beginnen: so sollten wir ein Ende machen, dem Wirrwarr der kleinen Autoritäten, der Ueberwertung irgendwo hergeholter Ideologien; .der Beeinflussung durch Stimmungen, dem Glauben an den ״Aelteren“, dem Scheinglanze der Beredsamkeit, der Meinung des Massengeistes und besonders der Begeiste# rung aufgezogener Tagungen und Versammlungen. Im Zeitalter der ״Sachlichkeit“ ehrt das neue Geschlecht seinen eigenen Ernst, wenn es aus seinen Wirklich# k eiten die Wahrheit■ her ■ausschält. Vielleicht sollten wir noch weitergehen: Prüfungen für die ver# langen, die sich in der Oeffentlichkeit betätigen, Erzieher# analysen anlegen, Entwicklungsgänge unserer Menschen aufzeichnen — und andererseits: Sperren literarischer Betätigung einführen, Organisationsformen und Vereins# meierei boykottieren, eine Bestandsaufnahme der Mittel und Menschen durchführen, die die öffentliche Meinung machen. Bedeutet dies alles eine'Ablehnurtg des ״Wer d en# d e n“, ein Nur#Anerkennen des ״Fertige n“? Also einen Rückfall im Sinne der allgemeinen Jugendbewegung? Nein und ja! Gewiß relativieren wir den in den Nachkriegs# jahren so verhimmlischten ״Suche r“, den ״ewig Wandernden“, den ״auf die Gesetze seiner Entwicklung Horchenden“, wir weisen den Stürmer in die Schranken seiner Lebenskreise zurück — aber ebenso entschieden lehnen wir die gefährliche Diktatur des ״reinen In# t e 11 e k t e s“ ab, die logische Zergliederung der Nur# Verstandesmenschen, den Witz der Geistreichen, die alles ״abfragen“ können, die in einer oft einseitigen Denk# ausbildung unserer jüdischen Jugend gar noch gezüchtet werden, die sich selber als die echten Juden, als den ruhenden Pol in der Erscheinungen Flucht bezeichnen und auf die weniger Wissenden von vornherein mit Hoch# mut herabblicken. Es ist dib praktische Vernunft, es ist die Erfahrung, es ist der Charakter, die wir in unserer Geisteserziehung mehr in den Vordergrund zu rücken haben! Der □חב ist nicht der Wissende, sondern der Weise! Der Jüngling Josef, der Traumdeuter, war klug, sehr klug, aber die praktische Vernunft fehlte ihm an# fangs, und so brachte er sich selbst durch sein Zuviel# reden in sein Schicksal hinein (im Sinne von Sforno zu Bereschis, 37, 21). Freihch kann man auch nie weise wer# den, ohne zu wissen, und so ist der dritte Gefahr# typ unserer Jugend jener Mittelmäßige, der — ohne zu lernen und ohne viel zu wissen — mit der nicht nachprüfbaren ״Erfahrung“, mit der Phrase vom ״Leben“, das so und so sei, mit den Erlebnissen des Vielgereisten alle Gegengründe des Verstandes zudeckt, wo er sie f (1 r 1U111U1U juwiiiuiiuumuiuuiig?'!!?wo Wien, II., Malzgasse 7 gegenwärtiger u. ehemaliger H eimschützlin ge, Dr. Krüger- Heim 1fr. Elisabeth ־ Heim) f ü r Sabbathaltende fördert die Sabbathaltenden! nicht aus dem Sattel heben kann. Diese alle muß die Jugend kennen, denn nur dann erkennt sie, was zum Fertigwerden im Sinne des Tauglichseins führt. Was aber das Fertige, was den Fertigen betrifft: wir müssen prüfen, was diesen Namen wirklich verdient, — und י so rollen wir das Problem der öffentlichen Meinung auf und zwingen den scheinbar Fertigen, also ins Einzelleben vordringend, zur Revision seiner ״ge# festigten“ Meinung, zum Nachdenken über das Ange# lernte und das Unwahre, über das nicht zu Ende Gedachte und über das Verdrängte in sich. Das ist das Gegen# teil von Geruhsamkeit. Aber es ist doch nicht das, was man bei uns schlechthin unter ״Jugendbewe# gung“ versteht. Es ist die zweite, die höhere Stufe der Jugendbewegung, ihre weitere Entwicklungsform, ihre Sinngebung: die Jugendverwirklichung! Kein Chronischwerden des Jünglingshaften im Mannesalter mehr, kein Beibehalten des ״ach so schönen“ Jungseins, wie man es bei den zu alt Gewordenen aus der deutschen Jugendbewegung oft sieht — sondern: die Jugend verwirklicht —, die Jugend verwirk# licht sich. Das scheint auch der letzte Sinn des Wortes חינוך zu sein, das mehr will als Jugendpflege, Jugendbildung, Jugendbewegung. Mit solchem חינוך, erfüllen wir den Gedanken des חנוכה »Festes. Lichter von eins bis sieben? Nein, acht! Ueber die erste Woche, die Woche der Schöpfung, die Woche des Werdenden hinaus, gleichmäßig weiterschreitend, aufsteigend in die zweite Woche, die Woche des לעשות des W eiter wirkens. Erez Jisroel und der Monat Teweth. Am 1. Tewetih ־war es, als■ die!nach Erez Jisroel Zurüdcgekiehrtien ׳unter ׳Bsras Füll rang eine 1Kommission aus den IAus erwählten des Volkes bildeten׳, die zu prüfen hatte, wie ׳viele!jüdische (Männer ׳mit 1nichtlj׳üdisohen Frauen verbunden, des Rechtes verlustig seien, auf heiligem Boden zu wohnen, •es sei denn, d!aß ׳sie wieder zu G-■tt und •seiner Thora zu nüclk״k ehren (Esra '10, 16). Es war am 8. Teweth, als 'zum ersten )Male die ׳G-tteistochter, die Thora, es sich ׳gefallen lassen mußte, mit fremdem Gewand bekleidet ■zuwerden. Am 8. Teweth wurde die Thora ins Griechische übersetzt und unsere Weisen s. A., weit davon entfernt, •etwa in der ersten 1Uebersetzung der ׳Bibel in die 'Landesspräche eine Etappe zur Judenemanzdpation ׳zu erblicken, registrieren’ diese Tage in der Chronik ׳als Tage, in denen ״die Welt verfinstert wurde“ ,(Traktat Megilla 9 a). Es war am 9. T e w e t!11, als Esr!a durch den Tod von seinem Volk!getrennt ,wurde. Jener Esra, der ivan ßabylonien die Armen des Volkes nach Jerusalem geführt hatte und der mit einer Deklaration der persischen Regierung, .ausgefertigt von König Cy-rus, das Land und den Tempel wieder auflbaute, in der ׳einen iHand die IBaukelle, in der anderen, das Schwert. Jener Esra, den die Weisheit unserer Weisen s. A. mit!Mosche (Raibenu vergleicht. Jener Esra, der in erschütternder Welse ׳es ,zum Ausdruck bringt, daß Jisroel auch unter seiner Führung nicht frei und selb- ׳ständig sein Land aulbaute. ״Noch sind wir Knechte, und auf dem Boden׳, den Du unseren Vätern gegeben ׳hast, um seine Frucht, sein Bestes zu!genießen, leben wir als Knechte. ,Seine Früchte bringt das Land in Menge hervor ׳für Herrscher, ■weiche Du unserer Sünden wegen über uns gesetzt hast und' die über unsere (Personen und unsere )Herden nach Willkür herrschen. ׳Aber d׳e ss e n u •n g׳e a ch t e t v e;r ,b ind e n wir ׳uns zu Dir, G־tt, in Treue, schreiben d i e s e s (Treuegelöbnis für alle' ׳Zeiten) n i e d er u n ׳d unsere Fürsten, Lev i t e n u,n ׳d •Priester 1111■ t e r z e i c ׳h 11 e n © s. ׳Um׳d ׳die übrigen ׳vom ׳Volke, jeder, der zu ׳begreifen verstand, hielt fest zusammen ׳mit den Führern und verpflichtete sich durch Eid und Schwur, nach dem >G־tteswort zu ׳wandeln, weiches durch Mo- ... ■■■1■ 1 י■ יי■ ׳"י■ m.n rr , Wissen gnädige Frau bereits f \ _ » £y j ^anSe der Vorrat reicht. vom Räumungsverkauf in KJthmar Ochitt Rabatt vom Originalpreis. 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