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Jüdische Presse · 1929-12-06 · 47 (6.12.1929) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
47 (6.12.1929)
Date
1929-12-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE PRESSE Nr. 47 Residenz־ Atelier fürmoilerBe Photonraphie Wien, 1. Fleiseiimaritt l, Tel.79-280־;_׳_ . Jr Aufnahmen tätlich von 9 bis B Uhr. an Sonntagen von 9 bis 6 Um Wortes bestem Sinne, eine feinsinnige jüdische Frau und Mutter, eine gewissenhafte Lehrerin und Erzieherin und eine gefühlvolle Wohltäterin der Armen und Schwachen. Ihr früher Tod rief allgemeine Trauer hervor, die sich in der ungewöhnlich großen Beteiligung an der 'ך,לןי kund; gab. Aus den Kreisen der Lehrerschaft geht uns fol; gerider warmempfundener Nachruf zu: ״In tiefe Trauer versetzt wurde der Lehrkörper der orth. isr. Volksschulen durch das plötzliche Hinscheiden der Lehrerin Frau Elsa FuchsAVeincr. Nach 27jähriger segensreicher Tätigkeit, da sie mit erneuter Kraft und verjüngtem Berufseifer sich ihrer hehren Auf; gäbe widmete, entriß sie ein tückisches Leiden ihrer heiß; geliebten Familie, ihrem aufopfernden Gatten, mit dem sie zwei Jahrzehnte in überaus glücklicher Ehe verlebte. Die verehrende Liebe, treue Anhänglichkeit und Wert; Schätzung, welche die Verewigte bei Kollegen, Schülerin; nen und Eltern und bei allen, die mit ihr in Berührung kamen, genoß, offenbarte sich in grandioser Weise an dem Montag nachmittags stattgefundenen Leichenbegängnisse. Der Vorstand, die Schulkommission und Repräsentanz und die Lehrkörper und Schuljugend der orth. isr. Kultus; gemeinde, Vertreter der Schulbehörde, der hiesigen Lehrer; vereine und eine unübersehbare Menge von Trauergästen folgten ihrer Bahre. ״Ein Großer wird gewiß zu Grabe getragen“, ertönte aus dem dichten Spalier der Neu; gierigen. Ihr einfachen Leute aus dem Volke, wie wahr und treffend war euere Bemerkung! Denn groß war sie auf dem Felde ihrer Tätigkeit, groß in ihrer Bescheiden; heit und groß in Betätigung von Mildtätigkeit und Men; schcnliebe. An ihrer Bahre hielten die Rabbiner Uns; dorfer, Hirschler und F1 e s c h (Wien) tief; empfundene, zu Tränen rührende Nachrufe. Mit treffen; den Worten entwarfen sie das Idealbild der Jugend; bildnerin, der besten Gattin, der treuesten Mutter und der zärtlichsten Tochter und Schwester. Ihre Kollegen werden im Rahmen einer Gedenkfeier ihr Andenken ehren.“ Aus der Feder einer jüdischen Mutter erhalten wir die nachfolgende spontane Kundgebung, die am besten zeigt, welchen Schmerz das Ableben der verdienstvollen Lehrerin in Elternkreisen auslöste: Ein Opfer ihrer Pflicht und unserer Nachlässigkeit. Meine Zeilen sollen heute ein Nachruf sein für eine Frau, deren Leben der Pflicht galt und deren Leben der Pflicht ein Opfer wurde; deren liebevolles Walten unseren Kindern Geleit war beim ersten Schritt ins Leben und deren gütige Worte ihnen den Grundbegriff des ersten Verstehens gab, die Grundlage für ihr späteres Werden, und sie lehrte, was das Leben einst von ihnen fordern wird, in feste Begriffe zu fassen, durch: Lesen, Rechnen, Schreiben. Mein Kind, ein kleiner, blonder Wildfang, kehrt, kaum zur Schule gebracht, von dort ganz bestürzt zurück. Blaß und zitternd fällt sie mir in die Arme und ihre Tränen kennen keinen Halt: ״Mutti, Mutti, weißt du, was man gesagt hat, Mutti, die Weiner;Neni...“ und schluch; zend erstickt ihre Stimme . . . ״Mutti, kannst du das glauben? Ich war doch brav, ich hab’ sie nie geärgert, warum, Mutti, warum hat das der liebe G;tt getan? Und der erste wahre Schmerz, der dem jungen Kinde, dessen Sein und Denken der goldene Lebensoptimismus noch rosig färbt, die Härte des Lebens zum ersten Male zeigt, will nicht schweigen. ״Warum, Mutti, hat der liebe G;tt das getan?“ Und wie mir diese Frage aus dem Kindermunde ent; gegenklingt, da frage auch ich: Warum? Aber nicht als Kritik gegenüber G;ttes Allmacht, nicht als Kritik seinem unerforschlichexr Ratschlüsse gegenüber, sondern als harte, vorwurfsvolle Frage an jene, die mit Schuld tragen 1 an diesem Geschehen. Sie, die heute von uns ging, sie war nicht das erste Opfer, aber sie soll das letzte gewesen sein. Eine Frau, die Jahrzehnte ihrem aufreibenden Berufe opferte, bis eine böse, tückische Krankheit als Lohn für ihre Arbeit harrt, wird bemüssigt, weiter in ihren! schweren Dienst zu ver; harren, weiter, weiter, bis sie es nicht mehr abwarten kann, daß ihr die langverdiente Ruhe wird, bis ein höherer Gebieter ihr die Ruhe bringt, die den irdischen Herren noch zu unverdient schien, weil: — zu wenig Dienstjahre. Ihr großen Herren, die ihr da oben in mehr oder minder wichtigen Diskursen Beschlüsse fast, um sie zu verwerfen oder zu bekämpfen, könnt ihr, die ihr Leiter einer jüdischen Gemeinde seid, das Wort ״jüdisch“ auch ganz erfassen? Ihr konntet Zusehen, wie sich auf; opferungsvolle Menschen zu Tode arbeiten? Ist es denn nicht endlich Zeit, in die skandalösen Schulverhältnisse einzugreifen? Soll es uns denn ganz unmöglich!verden, unsere Kinder jüdische Schulen besuchen zu lassen? Wollt ihr Schulen. erhalten, dann dürft ihr auch die Mittel zu deren Erhaltung nicht scheuen. Wollt ihr unseren Kin; dem Lehrer geben, so scheut nicht die Mittel, die es den Lehrern möglich machen, Lehrer zu sein, ohne Sorge, ohne Angst vor dem tragischen Ende derer, die heute die Erde decken muß, weil die Gemeinde, die sich eine jüdische nennt, Dienstjahre nur nach Jahren zählt und nicht auch nach Verdiensten. Weil sie Ausharren ver; langt, bis zum letzten, vollen Tag der Bedingungsjahre, oder — bis zum letzten Atemzug. Hier gilt nicht Fähig; keit, nicht Leistung, nicht Herz und Gefühl spricht hier, nein, nur Zahlen, Tage, Monate, Jahre. Vielleicht ist mein Wort Weckruf des eingeschlum; merten Verantwortungsgefühles unserer administrativen Häupter. Vielleicht wird die ״Weinerncni“ die letzte ge; wesen sein in der Reihe derer, deren Tod ein Verschulden unserer unkultivierten Schulverhältnisse ist. Dann möge es sie als ein Trostwort in jene andere Welt begleiten, daß ihr Tod das war, was ihr Leben ge; wesen: Ein Dienst dem allgemeinen Wohl. Wir aber wollen ihr ein Andenken bewahren, voll inniger Dankbarkeit, wir Mütter alle, deren Kindern sie den ersten Schritt gelehrt, den ersten Schritt im geistigen Leben. T. D. Die allgemeine Teilnahme wendet sich dem tiefgc; beugten Gatten und den trauernden Kinder zu. Möge ihnen ח?זי״ת Trost gewähren in dem Gedanken, daß das An; denken der Verblichenen in der ganzen Gemeinde fort; dauern und ihr Wirken ein Segen bleiben wird תנצ״בח. דאבייש פייער , מנחם פירסט פ -ע ר ל א ב ט ע חיוען II MANCZI FISCHER LEO SCHOTTEN WIEN-GUTA WIEN-MATTERSBURG VERLOBTE Wollen Sie Ihre G es u n d h e 11 heben, essen Sie nur die feinste holländische Spezialerzeugt unter Aufsicht des Rabbinates (Adas Isroel Schiffschul, Wien). Ueberall erhältlich. Alleinverkauf S. 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