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Jüdische Presse · 1929-09-27 · 40 (27.9.1929) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
40 (27.9.1929)
Date
1929-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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HovImov* vtfplatnä povolen6 rladlt post * telegralo? t Bratislava öls. 41872-10-2•. mm Zeltangea vom Verlesar versandet. Joarnal oxpddia par 1‘edltear CHEPRE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion n. Administration: Wien, 1!., Leopolds• g&iie 86, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel.R 45-494־. i'sehechosiowake{; Bratislava, Postfach 140. erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Aboanemenispreise 1 Ganzjährig ז Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei isch&ch. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, d&s übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse", Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״JÜdlsche Presse", BiaUslava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 «r. 40 . | «ien-BpaUiian, 27. September 1923 כ*ח וינה־פי־עסכויג כ״ב אלול תיפ״ם 15. Jahrg* Oberrabbiner Koppel Reich זצ״ל Im Patriarebenaller von 91 Jahren ist R. Koppel Reich, Oberrabbiner der Budapester orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde und Vertreter der orthodoxen Juden Ungarns im Magnatenhaus, nach .kurzem Krankenlager sanft verschieden. Oberrabbiner Koppel Reich war nahezu 40 Jahre Rabbiner der Budapester orthodoxen Gemeinde, wohin er aus Verbo als Nachfolger von Rabbi Chain! Sofer kam. Dank seiner großen Gelehrsamkeit, seines durchdringenden Verstandes und seiner großen Anpassungsfähigkeit gelang es ihm, in jeder Situation das Richtige zu finden und die Führung nicht nur über seine Gemeinde in Budapest,!reiche in den letzten Dezennien zu einer Mustergemeinde im ungarischen Israel emporgewachsen war, sondern auch über die ganze ungariseke Orthodoxie, in seine sichere Hand zu nehmen. Als vor zwei Jahren die ungarische Judenheit in dem neu geschaffenen ungarischen Magnatenkaus zwei Platze eingeräumt bekam, wurde Oberrabbiner Koppel Reich, trotz seines hohen Alters, als der würdigste und beste Vertreter der ungarischen Orthodoxie in das ׳Magnatenhaus entsendet. Allerdings war der Umstand,, daß er das ältestes Mitglied des Oberhauses!rar, schuld daran daß er zunächst an der Eröffnungssitzung nicht teilnehmen konnte. Als ältestes Oberhausmitglied hatte Oberrabbiner Koppel Reich beim feierlichen Empfang der ungarischen Magnaten durch den Reichsverweser den letzteren zu begrüßen. Desgleichen wäre ihm in der ersten Sitzung die Rolle des Alterspräsidenten zugefallen. Der Liberalismus war in Ungarn zu jener Zeit noch nicht so gefestigt, daß das Hervortreten eines orthodoxen• Rabbiners in so exponierter Weise ratsam erschienen wäre, deshalb blieb Oberrabb. Koppel Reich von der Eröffnungssitziing fern. Ansonsten hinderte sein hohes Alter ihn nicht, die Interessen clei■ Judenheit, teils durch persönliche Intervention, teils auf schriftlichem Woge eifrig und erfolgreich zu vertreten. Den letzten Sommer verbrachte Oberrabb. Koppel Reich wie alljährlich im-orthodoxen Sanatorium in der Umgebung von Budapest, wo er vor 14 Tagen an einer Lungenentzündung erkrankte. Obwohl noch Mittwoch voriger Woche die Aerzte hofften, daß seine starke Konstitution auch diese Krankheit überstehen werde, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, und Sonntag war Oberrabb. Koppel Reich sanft entschlafen. Oberrabb. Koppel Reich entstammte . einer berühmten Rabbinerfamalie in Oberüngarn. Sein Großvater, bekannt unter dem Namen Koppel Charif, dessen Namen er trug, war Oberrabbiner in Verbo. Sein Vater Jecheskel Reich war Rabbiner in Banovic. Die hervorragenden geistigen und moralischen Qualitäten des Verblichenen, der ein Schüler des Ksaw Sofer war, haben frühzeitig die Aufmerksamkeit der jüdischen Öeffentlichkeit auf ihn gelenkt, und so wurde er von Verbo aus, aüf die heißumstrittene Stelle eines Oberrabbiners der orthodoxen Gemeinde in Budapest berufen. Oberrabbiner Koppel Reich hat die auf ihn gesetzten Hoffnungen vollauf gerechtfertigt. Die jüngere Generatiön blickte auf ihn wie auf ein Wahrzeichen einer besseren, leider im Schwinden begriffenen Zeit , empor. Seine überragende Persönlichkeit wuchs über den Organisationsrahmeu der ungarisehen Orthodoxie hinaus und gerne suchten ihn die Führer der neoiogen Judenheit in Ungarn auf, um bei ihm Rat zu holen und ihn der Sympathien der gesamten Judenheit zu versichern. Die Bestattung, Bei der Bestattung die Montag stattfand, haben sich die Liebe und Verehrung, die man allerorts Oberrabbiner Koppel Reich cntgcgengebraclit hat, in geradezu überwältigender Weise dokumentiert. Eine Abord- 'liung des ungarischen Magnatenhauses, des Kultusministeriums, der Budapester Stadtgemeinde, Dclcgationen aus allen jüdischen. Gemeinden des Landes, wie Abgesandte vieler Auslandsgemeinden (die Wiener Kultusgemeinde war durch Rabb. Dr. Feuchtwang־, die Wiener Schiffschul durch die Vorsteher Wolf Pappen- 11 e i m und Herrn Leopold Richter vertreten) eilten herbei, um an der Trauer der Familie des Verblichenen, an der Trauer der Budapester orthodoxen Gemeinde und der gesamten ungarischen Judenheit teilzunchmen. Unter riesiger Beteiligung aller Schichten der jüdischen Bevölkerung Budapests und Ungarns wurde Montag die sterbliche Hülle des Oberhauptes der Budapester jüdisehen Orthodoxie Koppel Reich zu Grabe getragen. Die Trauerzerenionie nahm in der Hauptsynagoge der orthodoxen Judenschaft in der Kazinczy-ucca ihren Anfang, wo zunächst der Schwiegersohn des Verblichenen, Rabbiner Viktor Süßmann, dem"•.Verewigten einen tiefschürfenden Nachruf hielt, in dem er das Leben und Wirken des großen Toten in ergreifenden Worten schilderte. Nach ihm betrat der einzige überlebende Bruder Koppel Reichs, Oberrabbiner Reich aus Banovic, die Kanzel und verlieh dem Schmerze der Familie in erschlitternder Form Ausdruck. Nach seiner Rede 11111kreisten nach althergebrachter Weise die, die dem Verbliclienen nahe gestanden den Sarg, der hierauf auf den großen Synagogenhof hinausgetragen wurde. Der älteste Solin Koppel Reichs, Oberrabbiner Salomon Reich aus Battaszek, stattete in ergreifenden Worten den Tribut der Pietät airder Bahre des Vaters ab. Nach ihm sprach der Landespräsident der Israelitischen Orthodoxen Landeskanzlei Adolf Frankl, der in formvollendeter Rede den großen Verlust aufzeigte, der nicht nur das ungarische Judentum, sondern auch die gesamte Judenheit durch das Hinsclieidcn des großen jüdischen Gelehrten betroffen hat. Zu Üpsch-Hagchanafi wünschen Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Kunden, Gästen u. Bekannten כתיבה וחתימה טובה in der JÜDISCHEN PREISE Ifi 99 Sie ersparen Mühe, Porto und Zeitaufwand! Das Inserat laut nebenstehendem Muster kostet einschließlich aller Steuern nur $ 5*— resp. SCc 25»— Bestellungen sind zu richten: Für die Slowakei an die Adresse: ״Jttdische Presse“, Bratislava,Turnergas8e14 Für Wien: ״Jüdische Presse1*, Wien II, Leopoldsgasse 26 Kleine Pfarrgasse 1 הלא ידעתם אם לא שמעתם כי שר וגדול נפל היום בישראל י• Einen Großen in Jisroel haben wir zu Grabe getragen. Rabbi Koppel Reich זצ״ל der 40 Jahre seine Gemeinde, die Budapester orthodoxe Gemeinde, von Aufstieg zu Aufstieg führte, ist im hohen Alter von 91 Jahren verblichen. Seine hohe Weisheit, seine ungewöhnliche Herzensgute, sein gewaltiges Wissen und seine besondere Liebenswürdigkeit, brach teil ihm nicht nur Vercliruug, sondern auch die Liebe aller, die das Glück hatten, ihm näher zu treten. Mich persönlich verband eine 65jährige Freund- Schaft mit diesem Edlen in Jisroel. Die vielen Stunden, die ich mit ihm verbringen durfte, waren mir ein seelischer Hochgenuß. Sein Tun und Wirken nach Gebühr zu würdigen, muß ich berufeneren Federn überlassen. Mir wird sein Andenken immer vorschweben als die Erinnerung an einen Mann, der durch drei Generationen das Muster eines antiken Führers und eines Fviedensengels war. Der letzte überlebende der hervorragenden Manncr, die den schweren Kampf der ungarischen Ortho■: doxie um ihre Unabhängigkeit vor 60 Jahren ausfochtenj war er trotz seiner Friedensliebe bis sechs Dezennien einer der kräftigsten Vertreter der selbständigen Orthodoxie. Aiis gepreßtem Herzen entringt sich mir der Ausruf:תנצב״ה מי יהי לני תסירהו Wolf Pap peil heim. Bevor sich der Trauerzug in Bewegung; setzte, vollzog cler derzeitige Kantor der orthodoxen Gemeinde Holser — Oberkantor Hartmann ist erst in der verflosseiien Woche aus dem Leben geschieden — den kantoralcn Teil der Tranerfeier. Kein Auge blieb trocken, als der Name des Verewigten im ergreifenden Traiicrgesange des Kantors ertönte. Den Ordnern gelang es, unter Leitung Karl Freudigers von Obuda, nur unter außerordentlicher Anstrengung, dem gewaltigen Trauerzug die entsprechende Richtung zu weisen und, getragen von den Honoratioren der Gemeinde und der Cliewra Kadischa, begleitet von den hervorragendsten Mitgliedern der Budapester jüdischen Bevölkerung und auch anderer Konfessionen, schwebte der Sarg über den Häuptern cler nach Zelintausenden zählenden Trauergemeinde, die nach cler früheren Stätte der Wirksamkeit Koppel Reichs schritt: nach cler alten Orcyschen Sy 11agoge. Dort wurde cler Sarg abgestellt,• und neue ve1,;- diente Mitglieder cler orthodoxen Gemeinde hoben ihn auf die Schultern, um ihn nach dem alten orthodoxen jüdischen Friedhof auf der Nemetvölgyi-ut zu tragen. In den Straßen, die der Zug durchschritt, hätten alle jüdischen Kaufläden zum Zeichen der Trauer geschlossen. Der Zeremoniensaal des Friedhofes erwies sich als zu eng, um die gewaltigen Massen der Leidtragenden zu fassen, unter denen man in Vertretung des Kultusministeriums den stellvertretenden Staatssekretär ׳Stephan Toth und den Ministerialrat Dr. Karl Gerloezy, von seiten des Oberhauses Dr. Samuel Glückthal und Dr. Immanuel Löw, ferner die Abgeordneten. Paul Sandor und Dr. Geza Desi, von seiten der Hauptstadt Vizebürgermeister Dr. Johann v. Buzäth bemerkte. So wurden denn clie Leichenreden unter freiem Himmel gehalten. Es bot ein eigenartiges Bild, als clie Leidtragenden auf einem zufällig in der Nähe aufgewor■1 feilen Erdhügel amphithcatralisch Aufstellung nahmen. Am Grabe sprachen die Söhne des Verblichenen aus Oszläny, Medgyes und der jüngste Sohn,«, Oberrabbiner Samuel Reich■ aus Verbo. Im Namen des Rabbinerkollegiums der Orthodoxen . Ländeszehtrale verabschiedete sich Oberrabbiner Straßcr aus Debrecen von dem Verewigten. Rabbiner Jonathan Steif sprach - im Namen der Budapester orthodoxen Gemeiude. Den Reigen der Redner schloß• Tn tief , ergreifender Weise cler Enkel Koppel Reichs, der Kaufmann Siißiminn aus Galänta. Es war schon dunkel•, als die letzten Schollen auf das Grab des illusfren Patriarchen dev ungarischen jüdischen Orthodoxie fielen, cler in den letzten Jahrzehnten der gesamten ungarischen Öeffentlichkeit als Repräsentant talmudischer Gelehrsamkeit, abgeklärter• Weisheit und 11011er jüdischer Sittlichkeit erschien. Die ungarische Orthodoxie hat durch das Ableben von Oberrabbiner Koppel Reich einen unersetz- Was bietet die führende Weltfirma Othmar Schiff, Wien, I., Kärntnerring Nr, 6 in Damenperücken? I. Modernste und individuelle Ausführung II. Tadellosen, mustergültigen Silz III. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäBigen Preisen!gegenüber dem Hotel Bristol - Tel. 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