Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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t Nr. 56 JÜDlSGfelE ■ PftESSE Seife 7 Die letzte Mitteilung des Kolonialamtes: Ruhe in Palästina. , Das britische Kolonialnnit hat soeben die folgende Mitteilung veröffentlicht: Die letzten Berichte ans Palästina besagen, daß im ganzen Lande Rahe herrscht und daß auch an der irnnsjordamschen Grenze eine endgültige Wendung zum Bessern eingetreten ist. Der französische Oberkommissär für Syrien trifft Vorbereitungen zur Rcorgnnisicrung und Verstärkung der französischen militarisehen Positionen an der Südgrenze von Syrien, um zu verhindern, daß. bewaffnete Banden von Arabern nach Palästina eindringen. Der am Sonnabend abend ausgegebene offizielle Bericht des Kolonialn'mtes lautete: Unsere militärischen. Kräfte halten alle wichtigen Zentren in Palästina, von Safed im Norden bis Beer Sheba im Süden, besetzt; aus diesem Gebiet cintrcffcnde Nachrichten bezeichnen die Lage als ruhig. Es wird ferner gemeldet, daß Beduinenstännne aus dem Sinai, aus Syrien und Transjordanien auf Palästina zu in Bewegung sind, und daß einige derselben bereits die Grenze nach Palästina überschritten haben. Die königliche Luftarmee und bewaffnete Panzerautos wurden abgeschickt, um dieser Situation zu begegnen. __ Der britische Kriegsmmister kann nichts tun ... .' (J. T. A.) Der Präsident der Jewisli Agency, Professor Cliaim We׳izmann, Jiat sich im Hinblick auf die von der Jerusalemer zionistischen!Exekutive ihm übermittelten Mitteilungen, denen zufoilge der Jischuw in Palästina der Gefahr der Vernichtung preisgegeben ist״ zu. denn!britischen Kriegsiminister Toni Shaw begeben und ihn ersucht, von London aus die nötigen Anordnungen zum Schutze des palästinensischen J^dehfuims'zu treffen. ';־׳־׳׳ ׳.׳ ־ .. Kriegsmihister Totn;,;Sha\y erklärte Weizmann, eis sei ihm nicht möglich, sich in die Verhältnisse Palästinas einzumischen, da die militärischen Streitkräfte dieses Landes dem Befehl des Oberkommissärs unterstellt sind. Man!ist in allen jüdischen Kreisen Londons tief enttäuscht und!beunruhigt darüber, daß das iKoloniakumt bisher nicht ׳eine kategorische Er- Klärung darüber herausgegeiben hat, daß die Regleruing entschlossen ist, den Jischuw zu schützen und daß angesichts der tiefernsten Lage!in Palästina nicht die erwarteten energischen ׳Schritte unternommen wurden, die von den Zionisten in London und Jerusalem als notwendig erachtet worden Sind. Das Kolonialamt kann eine Entschädigung nicht in Aussicht stellen ... (J. T. A.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, ist das Koiomalamt nicht bereit, eine materielle Entschädigung für die Opfer der Unruhen Kritische Tage in Jerusalem. Aufzeichnungen einer Wienerin. Donnerstag kam ich nach Jerusalem. Vormittags stand ich in einem mir bekannten Touristengeschäft und beobachtete ein Gespräch mit einem Araber und dem Geschäftsführer. Er trug dem Herrn Waffen an mit der Begründung: ״Ich will, die Juden sollen gerüstet sein, ich bin auf Seite der Juden.“ Was aber absolut Unwahrheit war. Der Haß sprühte nur so aus seinen Augen. Wie ich dann hörte, kam er nur, das Geschäft auszukundschaften. (Zur späteren Plünderung.) , Freitag früh. Um A12 Uhr kam ich ins Geschäft,, als wir!von Unruhen hörten. Schon sah ich Menschen laufen. Ein großer hünenhafter Jude kam mit blutendem Gesicht aus der Altstadt gelaufen. Sofort zogen wir den Rollbalken herunter und postierten uns in ein benachbartes Christ־־ liches Geschäft, welches im Falle der Not sofort ge־־ schlossen werden konnte. Die widersprechendsten Ge•־ riiehte liefen um. Nach dem einen sollten die Araber einen ganzen Stadtteil geplündert und angezündet haben, nach dem anderen hörten wir von der schrecklichen Roheit, die sich die mordenden Araber leisteten. Da kam auf einmal außer Atem Dr. Wolfgang Weisl gelaufen und erzählte uns von dem tatenlosen Zusehen der englischen Polizei und Regierung, die lachend dabei« standen. ״Man schießt,“ sagte er, ״in wehrlose Juden hinein, die völlig ohne Waffen sind.“ Fünf Minuten später kam er in ein wüstes Geschläge und liegt jetzt noch schwer krank mit zwei Stichen im Rücken darnieder. Wer nach Hause, laufen könnte, lief. Wir mußten zweimal aus dem Auto steigen und es für Verwundetentransport frei« lassen. Es wird langsam Abend. Die Sonne verläßt uns mit wundervoller Klarheit und lange bleiben noch ihre Grüße am Himmel sichtbar. — Geschrei und Geschieße bald nah, bald fern. Mit Stöcken bewaffnete junge Leute, die tatenlos, ohne Führung, aber von einem wunderbaren, opferbereiten Willen beseelt, herumdiskutieren. Allgemein ist die Empörung der Juden groß. Sie schieben, ob mit Recht oder Unrecht, alles den Engländern in die Schuhe• Diese verhalten sich leider wirklich gänzlich passiv. Vor fünf oder sechs Jahren waren dieselben Zustände. In einem halben Tag war alles niedergedrückt, obwohl die Zahl der Feinde (Araber) viel größer war. Und trotz dieser schon einmal dagewesenen Zustände erlaubten sie jetzt Versammlungen in Moscheen und Kirchen abzu« halten und ließen sie mit Stöcken durch die Jaffastraße in ganzen Schwärmen ziehen, und wer sich nicht seiner Haut selber wehren konnte, mußte eben daran glauben. Es ist auch zu wenig Militär da. Um 2 Uhr nachts wurde mit Flugzeug Militär erwartet. Jetzt ist’s 4 Uhr. Nichts auf das mal 1'n Palästina!in Aussicht zii stellen. Seitens des Koloniailamtes wird aber angedeutet, daß die Palästinaregierung ihrerseits vieleicht die Notwendigkeit einer Entschädigung anerkennen wird. ׳ . In der Frage der Entwaffnung nimmt das Kolonialamt den Standpunkt ein, daß, wenn die Juden nicht entwaffnet worden wären, es vielleicht zu noch mehr Blutvergießen gekommen wäre. Das Kolonialaimt sieht es als nicht zeitgemäß an, ein Statement über eine Neuorientierung der britisehen Politik zu erlassen. Das KoJonialamt ist ferner nicht bereit, irgend welche!Beamte der Palästinaregierung zu entlassen, solange die Untersuchung!über deren Schuld oder Unschuld nicht abgeschlos-; sen ׳ist. ‘ __J_ Chancellor und Luke geben keine Zusicherungen ... Soeben wird aus Jerusalem der folgende Bericht über eine Zusammenkunft zwischen den Vertretern der : Jewisli Agency in Palästina, Herrn Iloofien und Advokat Horowitz mit dem britischen High Commissioncr Sir John Chancellor und dem ChcLsekretür der Palästina- , Regierung Herrn Luke telephonisch nach Cuiro durchgegeben. . Die Unterredung verlief sehr bewegt und hatte; einen geradezu tragischen C h a r a k t e r. Iloofien und Ilorowitz erklärten nach dem Verlassen des Regicrungsliauses, sie seien über das Ergebnis dieser Zu-! saminenlcunft in höchstem Grade enttäuscht. Sie hegen als Ergebnis der Unterredung die schwersten Befurchtungen .hinsichtlich der Haltung der Regierung gegen- ( über dem jüdischen Jischuw in dieser Zeit der Gefahr.; Der Oberkommissar wie der Chcfsekretär der! Palästina-Regierung־ wichen in ihrer Erwiderung auf die;; an sie seitens von Iloofien und Horowitz gestellten! Fragen geradezu den brennendsten Problemen aus und verrieten in ihren Aeußerungen eine vollkommen falsche! Auffassung ihrer Pflichten angesichts der jetzigen Katastrophe. AuSi der Unterredung sind die folgenden Tatsachen bemerkenswert: Horowitz legte Protest ein gegen die von Herrn; Luke getroffene Maßnahme der Entwaffnung der jiidisehen Polizisten, die im Moment der Gefahr von der Regierung selbst bewaffnet worden waren, und erklärte, die Gefahr sei nicht vorüber und die Entwaffnung der jüdischen Polizisten — unter ihnen sogar britische; Staatsangehörige, während gleichzeitig nichtjüdische britische Staatsangehörige die Waffen behalten dürfen — sei als •ein offizielles Mißtrauen gegenüber den Juden aufzufassen. . . י Oberkommissar Chancellor fand die Aktion von Luke־ gegenüber den Juden dadurch gerechtfertigt, daß die moslemitisclien Führer gedroht haben, sie seien nicht in der Lage, die erregten Massen zu meistern, bevor nicht die Juden entwaffnet sind. Darauf entgegnete Iloofien, dies bedeute, daß man sich dem Terror beuge. Die Regierung vergegenwärtige sich offenbar nicht die Tatsache, daß die Juden die Angegriffenen, während die Araber die Angreifenden sind. Sie sieht nur zwei Schlachtlager und sucht sich gerade die jüdische Minderheit heraus, um sie zu entwaffnen. ist zu hören als das nahe Brüllen der angeketteten Esel und das ferne Feuergefecht. Die Polizei verteilt jetzt endlich Waffen. Die aber solche erhalten, müssen bei der Wache bleiben, so daß wir z. B. gänzlich ohne Waffen sind, da mein Gastgeber uns nicht allein lassen will. .Auf den Balkon darf man sich nicht wagen. Die Kugeln pfeifen in nächster 1Nähe ums Haus. ,, Samstag früh. Militär ist nicht gekommen. Ich stehe auf dem Dach eines Hauses vis«ä«vis der Polizeistation. In voller Fghrt rast ein Auto eines arabischen Zigarettenhändlers die Straße herauf, verfolgt von einem englischen Privatauto, und strebt zu entkommen. Es wird von einem Hagel von Steinen empfangen und zum Halten gezwungen. Stein« geschoße spielen im gelobten Land überhaupt eine große Rolle. Der Araber wurde unter Stockhieben aus dem Auto geholt, gefesselt und der englischen Polizei überstellt. Wie ich dann hörte, war ’ er durch die ganze Stadt gefahren, hatte an seine Landsleute Waffen verteilt ,und aus dem fahrenden Auto auf Juden geschossen. Dies alles geschieht unter ununterbrochenem Gewehr'geknatter. Mit einem guten Fernglas sieht man genau das Gemetzel in der Siedlung Romema. — Sonst hat sich nichts geändert. Die Stadt ist stundenlang ohne Wasser; Die Erbitterung der Juden über das passive Zusehen der englischen Regie* rung ist groß. -. ״. , Sonntag, früh. ׳ Die Nacht verlief unter fortwährendem großem Feuer, so daß ein Schlafen ausgeschlossen war. Die Be« richte in der Früh übertrafen sich an fürchterlichen Mit« teilungen. In Hebron ist eine Hochschule für jüdische junge Leute. (Jeschiba.) Da sind 40 junge Leute erschlagen worden; weitere 30 liegen schwer verwundet. Ein junger, mir gut bekannter reizender. Mensch, sehr lustigs Vater eines VA jährigen Kindes, ist bei der Verteidigung der Jeschiba erschossen worden. Essen ist gar keines mehr zu haben; Wasser läuft G«ttseidank wieder aus den Röhren. Jetzt sieht man endlich ejn zeitweises Eingreifen der englischen Regierung. f Drei Flugzeuge kreisen über Palästina und schießen aus'Maschinengewehren. Wenn sie drei Bomben abgeworfen hätten, und ein oder zwei arabische. Dörfer fertiggemacht hätten, wäre gänzlich Ruhe geworden. Das Malheur ist, daß nur auf unserer Seite Tote zu beklagen sind, auf Feindesseite sehr, sehr wenig. Sie haben eine viel bessere La0e• Eine kleine Kon« servepfabrik auf dem Wege nach Jaffe, die ich noch Freitag früh besichtigt habe, ist vollständig vernichtet. Die Eltern zerschnitten und erschossen, die Kinder wur« den vom Dach geworfen. Schreckliche Dinge hört man. — Ein Stadtteil wie unserer von (50 bis 70" Häusern, ist von .15 Polizisten bewacht. Also gänzlich , unzulänglich. Was wird da werden??? . ׳' %;:.׳••'• ־־־*'׳' , ־“ V p; *־ ** . י*.V - >•״׳־־־־ Darauf erwiderte Chancellor, er habe einen Berieht aus Safed bekommen, der dahin laufet, daß der Aufruhr in dieser Stadt davon 11 er rührt, daß die Juden zweimal in arabische Gruppen feuerten. Iloofien wies diese Behauptung als v e rlc u m d e r i s c 11 e s 1\1 a c 11werk entrüstet zurück und führte als Beispiel das grauenvolle Gemetzel in Hebron und das in Moza an, die ohne die geringste Ursache veranstaltet wurden, da nicht ein einziges arabisches Dorf irgendwie belästigt worden war. Wir wollen nicht wie die Schafe abgeschlachtet werden, rief Hoofien. und eine solche Ab- Schlachtung geschah in Safed. Chancellor bemerkte, er habe Safed . jetzt unter seiner Kontrolle. Darauf erwiderte Hoofien, die augenblickliche Lage könne nicht maßgebend Sein, die Gefahr neuer Metzeleien bestellt noch immer. Nun ist auch Tiberias bedroht. Wenn wir schon sterben müssen, schloß Hoofien, sö wollen wir mit den Waffen in den Händen dem Tod eutgcgenblicken. Warum wird den Juden, statt daß man ihnen ausreicl1.cnden Schutz gibt, auch noch die Möglichkeit genommen, sich selbst zu wehren. Ihre Selbstwehrtruppe wird verboten, in den jüdischen Häusern wird nach Waffen gesucht, obwohl die Juden docli für ihr nacktes Leben kämpfen. Die Angreifer aber werden nicht augetastet, sie dürfen die Waffen behalten. Als Beispiel führte Hoofien die Kolonie Gederah an: Dort haben die jiidisehen Kolonisten mit den Waffen in den Händen alle Angriffe der Araber abgewehrt. Als der Angriff schon zurückgeschlagen war, erschien die Polizei und beschlagnahmte dieselben Waffen, die die Kolonie eben gerettet hatten. Diesen Worten Hoofiens folgte ein Schweigen, das mehrere Minuten andauerte. Schließlich■ nahmen־ die Vertreter der Jewisli Agency wieder das Wort und stellten an die Chefs der Regierung die bündige Frage, was gegen die Behörden der Stadt Hebron unternommen wird, die die jüdische Gemeinde, die um Schutz gebeten hat, verführt, durch falsche Zusicherungen vertröstet haben und dann, als das Gemetzel anfing, keinerlei Anstaltcn trafen, die Angegriffenen zu schützen. Auch darauf erfolgte keine Antwort. Schließlich erklärte Chancellor, es müsse überlegt werden, wie man den in Not geratenen Juden Hilfe bringen könnte. Dazu bemerkte Luke, es sei ihm bekannt, daß die Juden große Fonds aufbringen. Auf Verlangen der Vertreter der Jewisli Agency erkürte sicli schließlich Chancellor bereit, ein Statement an den Jischuw zu erlassen. Die Metzelei in Hebron. Jerusalem, 29.!August. (J. T. A.) Die Juden aus H׳e- . bron׳, denen es!gelang, :naeih Jerusalem zu ,flüciiiten, geben. ' Schilderungen der ׳entsetzenerregenden Vorgänge!in ■Hebron am ׳vergangenen ׳Freitag und Sonnabend Den■ Schilderungeni!ist iin einzelnen!zu ׳entnehmen: Am, F:reitagmorgen ׳bemächtigte sich der Judenheit in ׳Hebron ■angesichts des Verhaltens des Pöbels ■schwere Sorge. .Rabbiner Castcl-Franco, eine der angesehensten. . Persönlichkeiten der palästinensischen Judenheit, begab sich z>um Distr.iiktschef, um von ihm den Schutz der jiidi-• sehen׳ Gemeinde ■zu erbitten׳. Der Distriktschef erwiderte, man, ■möge ruhig .׳sein, zu Befürchtungen liege •kein Anlaß vor.' Am Freitag um halb 4 Uhr nachmittags begannen die Tumulte. Eine arabische Menge zog durch die Straßen, schling in!jüdisc'hen .iHäusem d’ie Fernster ein. und!griff die jüdischen Einwohner au. Während der Tumulte •wurde ,Sa- ■ muel Rosenbo'lz getötet, ein zweiter Jude wurde schwer ■BMMBaBMBB—BaBBBM■—I—MW——H—B————BW Nacht von Sonntag auf Montag. Bericht eines mir bekannten, jungen Mannes, den ich auf Kundschaft ausgeschickt und zum Teil begleitet habe. In Hebron ist bestialisch gewütet worden. 70 Tote. Die erdenklichsten Qualen wurden angewendet, bevor sie 1 die armen Menschen sterben ließen. Die Feder weigert sich, genaue Details, die auf völliger Wahrheit beruhen, niederzuschreiben. Herr Wiener, der junge Mann, und auch ich leiteten persönlich einige Verwundetentrans« porte, und ich sah so fürchterlich zugerichtete Menschen, daß es ausgeschlossen sein wird, sie am Leben zu erhalten. Hebron ist,' trotzdem monatelang von bevorstehenden Unruhen gesprochen wurde, von der Regierung völlig beruhigt worden und es wurde versprochen, daß die Ruhe aufrechterhalten bleibt. So trafen die Araber Hebron gänzlich unvorbereitet. Ohne Waffen. Das Getümmel und Gemetzel war demgemäß um so größer. Nicht ein englischer Offizier war in Hebron zu sehen. Nicht eine Waffe war aufzufinden. Mit bloßen Händen mußten fried« liehe Menschen sich an die ungewohnte, mordende Vertei« digung wagen. Natürlich umsonst. Die größten, schwersten Opfer lieferte Hebron. G«tt strafe die Schuldtragenden. 700 Mann Militär sind endlich gekommen. Ein Kriegsschiff aus Malta wird noch erwartet. Fragt man einen englischen Offizier, was mit den Bestien von Arabern geschehen wird, erhält man die Antwort: ״Nun, es ist doch Ruhe, sie haben sich verlaufen!“ Von einer ganz begreiflichen Rache oder Strafe ist nichts z u. h ö r en. Auf Seite der Araber 15 Tote, der Engländer 2 Tote und auf jüdischer Seite 120 bis 140 Tote ' Kein Geschützfeuer stört mehr die wundervolle klare Nacht. Nur das Tosen des Windes ist zu hören Voll Sterne steht der ganze Himmel. Dei’ Mond beleuch« tet strahlend die gequälte Stadt. Trauer in ganz Jerusalem. Ein zweiter Tischebeow. Mehr Tischebeow, da selbst er« lebt. Junge, unschuldige Menschen, Leute, die sich mit־ heiligem Eifer dem Thorastudium gewidmet haben, der Sproß, liebender, verzweifelter Eltern, mußten es mit dem Leben bezahlen. Groß, sehr groß, gewaltig schreit die Trauer zum Himmel. Verzweiflung in allen Herzen. Jeder stellt die bange Frage: ״Was wird geschehen, damit in Zukunft solch’ Gemetzel verhindert werden kann??? Wer antworte t?? Hoffen. wir zu ״G«tt“, dem ״All־ mächtigen“, daß er in . seiner Gnade halcl dem jüdischen־ Golus ein Ende machen wird und wir mit Freude und Wonne sein an Abraham, Jitzchak und Jakob geleistetes Versprechen erfüllt sehen werden, das aufruft ganz Jerusalem Amen. Amen. Fleute Montag mittag. ׳ Dementi..Von den 700 Mann sind 600 abzust'reichen Im ganzen 100 Mann gekommen. Das Gerücht von 700' wurde zur Beruhigung der Bevölkerung verbreitet und ist aus der Luft gegriffen. Derweil überall Ruhe.