Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 36 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 36 Seite 4 . .. JÜDISCHE PRESSE it 1) ÜPl -• .* ׳י ־•**ג־*\יע «.ג $&3.£־:י;»$3 SS§f| -י. •; ml'tm . י^י^. Wmf ift§li b«4£i:■ ’sS£r/״ für Herbst und Winter Für die Dame: Mäntel und Kleider Blusen, Schlafröcke, gestrickte Westen Fürs Kind: Kleidchen und Manie rl, Pyjamas und Schürzerl Knabe n-Anzüg e Am Lag!Boomer 5684 (1924) .wurde in Gegenwart von 50.000 Metisdien, in .Airwesenheit des Präsidiums des Rabbinisdien!Rates ,und ׳vieler staatlicher lind städtischer Behörden der ׳Grundstein •fiir die ..Josdiiwas Ciiadmie Lhblin“ gelegt. Auf ■Initiative des Piotbkowcr Raw. Rabbi Meir Schapira, von der ersten!KeHessin ׳Gedaulo /beschlossen, war damit ein Werlk bc,gönnen, an dessen Ausführbarkeit ■in dem von der Kcnes!sio vorgestellten!Ausmaße auch noch bei der Grundsteinlegung die meisten ׳zweiifelten. ׳Diese Zweifel waren nicht ׳unbegründet und ׳stützten sich einerseits auf die schwere wirtschaftliche!Krise, die eben begann, als die große 1Werbeaktion ׳des!Piotrkovver Raw einsetzte — andererseits auf die inneren Widerstände, welche ׳wir, ohne sachlich;zu ihnen 1Stellung 7.11 ■ nehmen, der sachlichen ׳Berichterstatturig •wegen nicht übergehen!können: Man bezweifelte ■im Hinblick auf die ׳unbeschreibliche Not in den schon bestehenden Jeschiwoth in (weiten Kreisen die 'Notwendiglkeit dieser neuen Gründling. Aber beide Hemmnisse hat, um das gleich vorwegzunehmen, Olbcrrabibiner Meir Schapira in einer wohl beis׳piellos dastehenden Werbetätigkeit!besiegt. ׳Er!begann seine Werbearbeit in Deutschland, bereiste!dann mit ׳dem Delegierten 'der Keren ׳Hathora-iZentrale Frankreich, Holland, Belgien und England, weilte über ein Jahr in Amerika, bereiste schließlich Polen selbst und hielt während ׳dieser Zeit 800 'Referate!(׳davon 242;in!Amerika), gründete 600 Filialen, ließ 35.000!Sammelbüchsen!zur Aufstellung bringen und brachte tatsächlich •den gewaltigen Betrag von 100.000 Dollar ..au׳f.2) Vor dem Ergebnis dieser unerhörten Arbeitsleistung steht heute bewundernd die gesamte Judenbeit o'hne '׳Unter- ׳schied der •politischen Richtamg. Ein!gewaltiges :sechs« stockiges Gebäude, nach!den!modernsten 'hygienischen ,und technische^!Grundsätzen errichtet, birgt׳ neben den Lehrräumen ׳die!Intertiatsräiime!für 500 Hörer mit den iziigehörigen Küchen, ׳Spei'sesälen, Bädern ׳und' anderen Nebenräumen; ,die ׳Bibliothek, die ׳die größte!jüdisch-halaehische Büc'hersammliing der Welt ׳werden soll, :zählt schon!heute 10.000 Bände. ׳Herr Eichenbaum (Lublin) spendete hochherzig erweise den׳ IBanpllatz, den pollnische Minister D1\ Moraezewslky!zeigte erst׳!jüngst durch Besichtigung des Baues!das außerordentliche Interesse ׳der Regierung an dem großen Werke. Die größte künstlerische 'Sehenswürdiglkeit wird wohl das ׳Modell ׳des Beth HamikdasCh werden, welches ׳das ’ •Heiligtum in allen Einzelheiten getreu nach den Angaben •des Talmud, Joscpbus u. a. ׳darsteilt und die entsprechenden Teile •in Gold,!Silber ׳und :Marmor ׳wiedergilbt, wie sie an •dem ׳wirklichen!Prachtbau gearbeitet waren. Fiir ׳das über sechs Meter lauge Modell wurde ein eigener großer Saal errichtet. In!Kürze soll die ״Jesc'hiwas Chachme!׳Lublin“ feierlieh eröffnet werden; mögen ׳die großen Erwartungen, ׳die ף Anläßlich ׳der!zweiten iKencssioiGedaulo erscheint im Verlag der iKercn-Uathora-iZentrale W.ien, eine ׳Schrift, ״Das Erziehungswerk der gesetzestreuen Judenbeit“ von Dr. Leo ID e u t s c h 1 ä u d e r , Wien (104 Oktavs eiten stark),!zu ,beziehen bei der Keren-IHathora-Zeiitrale, Wien, 2. ■Bez., iLeopoldsgassc 26, oder im Uerm011־Verlag,!Frankfurt, ׳zum!Preise ,von S 3.— fiir Oe׳ster1׳eich und 1Rm• 2.— für Deutschland. Wir ׳veröffentlichen ein Kapitel aus ׳der interessanten!Schrift, welche den!Stand!des Erziehuiigswesens und der!Erziehungsarbeit des gesetzestreuen Judentums darsteilt und •mit reichem;statistischen Material versehen ist. 2) Nachstehend die Eitvzelergebnisse der Aktionen in ׳den einzelnen Ländern (in Dollar):!Deutschland 6000.—, Frankreich 700.—,!Holland 2500—, Belgien 1100.—, England '3000.—, •Amerika 53.000.—, 'Polen 30.000.—. Gründliche Ausbildung in Sprachen, Wissenschäften und Haushalt; sorgfältige Erziehung. Streng rituell. Referenzen und Prospekte zur Verfügung die gesamte judenhdt an die neue Jeschiwah knüpft, in Erfüllung gehen und möge die Wirkung ihrer Tätigkeit bald in Erscheinung treten! Es ist zu erwarten, •daß die pädagogischen iPrinzipicu, nach ׳denen Olberrabibiner Schapira ■den Unterricht an der iLubiiner Jeschiwah leiten ׳will, die besten Erfolge erzielen wird. Die Lehranstalt führt ihre Zöglinge nach einem theoretischen, systematisch aufgebauteu Lehrgang ׳zu einer Zwischenprüfung und nach!zweijährigen ׳praktischen Kursei! zur!Rabbinatsprüfung. Zur Bekämpfung des auch im Osten •sich vordrängenden Bildungsprivilegs der Bemittelteu ■dient das Internat, in welchem die Zöglinge unterhalten und auch mit sonstigen Zuschüssen bedacht •werden. Auf diese Weise ■soll hier •das jüdische ׳Geisteszentrum entstehen, ׳von ׳dem aus der ■Osten mit!Lehrkräften lind ׳der Westen ׳mit anderen Thoralehrinethoden und jiidi« sehen geistigen Anregungen versorgt werden :soll, wie ja Lublin schon seit 400 Jahren einen 'Mittelpunkt des Thora- Stadiums darstellt. ׳Da der ׳Initiator ׳des Werkes, der Vollstrecker des Willens der Ketiessio Gedaulo. Oberrabbiner ‘Schapira, auf prima Qualitäten Billigste Preise Ernst BRILL Wien, II., Taborsirafje 20 Jeder Teilnehmer des Kongresses erhält 100/0 Rabatt vom ungeschriebenen Preise! der ׳diesjährigen Tagung selbst ausführlich über seine Ar- ׳beit berichten wird, bleibt uns an dieser Stelle nur die Pflicht zu Worten des Dankes und der Anerkennung. Freilieh sind unsere Worte zu schwach, um die ganze Größe des Geici-teten zu zeigen. Würdigere werden auf der zweiten Ketiessio Gedaulo dazu •berufen sein! Rückblick und Ausschau / von Universitätsprofessor Dr. Max Eisler Nachstehenden Aufsatz entnehmen wir dem Luach 5690 der Wiener Talmud-Thora-Volks- und .Hauptschule. — Der H o 1 z s ch n i 11 des neuen Schulhauses ist die Arbeit des bekannten jungen Künstlers Arthur Weis, eines ehemaligen Zöglings der T. T.-Schule. vielfältigen Seit beinahe achtzig Jahren besteht in Wien die Schule der ״Talmud-Thora“, gleichgestellt den öffentlichen Volks-, Haupt- und Bürgerschulen, denen sie nach Aufbau und Lehrziel angepaßt ist — und doch einzig in ihrer Art. Denn diese Schule allein gewährt ihren Zöglingen — Knaben und Mädchen vom sedisten bis zum vierzehnten Lebensjahr, also innerhalb ihres ganzen schulpflichtigen Alters — eine jüdische Erziehung. Hier allein wird zwischen jüdisdiem Haus und jüdischer Sdiule der reine Einklang verwirklicht. Der außerordentliche Lehrerfolg der Schule ist von den Behörden wiederholt anerkannt worden. Dazu tritt, bewirkt durch einen sorgfältigen Unterricht im Hebräischen, die religiöse und, gefördert von dem regelmäßigen Mittagstisch und der gelegentlichen Bekleidung der armen Kinder, die soziale Bedeutung der Anstalt. Sie verkörpert im kleinen eine edel gedachte, folgerecht organisierte, echt jüdische Gemeinschaft. Demgemäß hat ihr schon seit den weit zurückliegenden Anfängen das allgemeine Interesse der Wiener Judenschaft niemals gefehlt. Begründet 1851 durch den frommen und mildtätigen Sinn des I. L. Freistadt und in zwei Stuben eines Miethauses an der Ecke Antons- und Große Ankergasse (heute Hammerpurgstallgasse und Hollandstraße) notdürftig untergebracht, übersiedelte die Schule 1861 in die Rosmarin-, später in die Sterngasse. Hier war es auch, daß sie, ohne ihren religiösen Grundzweck zu verlassen, das Statut der weltlichen Schulen annahm und 1867 vom Ministerium fiir Unterricht das Recht der Oeffentlichkeit erwarb. 1874 ersteht sie an der Malzgasse 16 ein ihrer stattlich lierangewachsenen Schülerzahl entsprechendes Haus, das 1904 niedergelegt und in moderner, mustergültiger Form erneuert wird. Dieses Haus ist auch heute ihr Heim. Seine Erwerbung, Neuaufrichtung und Erhaltung war nur durch höchst ansehnliche Opfer möglieh. Sie wurden in jener Zeit freigebig und willig gebracht. Aus allen Kreisen. Es fehlten nicht die jährlichen Spenden aus den großen Gemeindetempeln, es fehlten nicht clie kleinen Gaben der Namenlosen in den Sammelbüchsen. Aber das meiste kam von Wohltätern großen Stils, von den Häusern Rothschild, Guttmann, Reizes, Thorsch und Springer. Selbst Juden von ausgesprochen ״fortschrittlieber“Gesinnung־, wie die Professoren Gomperz und Schnitzler, hielten es fiir eine Pflicht der Ehre und des Gewissens, dieses Schulwerk zu stützen. Und mit den Spendern wetteiferten clie Verwalter, allen voran Markus Bondi, Dr. Gustav Kolm und der unermüdliche Maler David Kohn. Der Erfolg ihrer vielfältigen Bemühungen war der schönste Segen, den Menschenwerk erreichen kann. In den 25 Jahren seines Bestandes hat das neue Haus eine Generation von vollfähigen und tatkräftigen Männern herangezogen. Eine ' Generation aufrechter Juden, von denen keiner clie Fahne seines Stammes verlassen und verraten hat. Mit ihrer Tüchtigkeit und ihrem Bekenntnis zum Judentum verwirklichen sie im Leben, was sie in der Lehre der Sdiule unvergeßlich empfangen haben. Der Weltkrieg hat auch die ״Talmud-Thora“ mit seinen Unbilden überschüttet! Aber sie ist aus dieser schwersten Heimsudiung nur nodi kräftiger hervorgegangen. 1922 erfolgte, im Zuge der Zeit, die Angliederung einer Bürgerschule und einer Volksschule für Mädchen, die Fürsorge des Hauses Altmann ermöglichte den Aiisbau des Mittagstisches für 100 bedürftige Kinder, ihre Ausstattung mit Winterwäsdie und Bekleidung wurde organisiert — das Jahr 1929 brachte als Vollendung des umfassenden Schulwerkes den A nkauf des Nachbarhauses, das nun seiner Einrichtung und Benützung entgegensieht. Diese notwendigen und planmäßigen Entwirklungen haben aber den ohnehin stark belasteten, nur zum Teil durch reguläre Subventionen gededcten Haushalt der Schule ungemein gesteigert. Das jährliche Bedürfnis der Schule beträgt 90.000, des Mittagstisches 10.000 Schilling; dazu treten jetzt der Kaufpreis und clie Einrichtung des neuen Hauses. J u d e n von Wien! Erfüllet Eure Pflicht! Die Geschichte und das Werk der ״Talmud-Thora44 liegen vor Euch. Tut, was Eure Vorfahren getan, damit diese Anstalt in ihrer neuen Blüte erhalten bleibe und auch in Zukunft sei, was sie stets gewesens ein Segen für die gesamte Judenbeit! SGHUrjLHAUS TALMUD^THORA