Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 35 (30.8.1929)
- Date
- 1929-08-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ן Novtsovt v£p!a<06 povolenä rlzdit post tetefrafov v Brstlslave Cie. 41872-01-21. Zeitungen vom Verleger versandet. Journal oxpddl• par l'edltear, T.lkb JUBBCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Kidaktion c. Adrainletretlon: Wien, 1!.,Leopolds* »ne 36, 1. Stiege, i. Stock. - Tel. R 45*4*84. Tschechoslowakei! Bratislava, Postfach 140. Ärccheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Afconnementsprelse 1 Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 8 Dollar. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse“, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: .Jüdische Presse“, Btatlstava, Postspk,*Amt Prag Konto Nr. 53386 Np, 35 J Wien-Bratislava, 30. August 1929 .ניד, וינדדפרעססדג 3״ד אב תיפ״ט 15. Jahrg• Schreckenstage in Erez Israel. Die grausigen Vorgänge in Palästina sind ein geschichtliches Ereignis von unabsehbarer Tragweite, weltpolitisch eine furchtbare Quittung auf die Mandatspolitik überhaupt, aber der heiße Schmerz läßt auch heute noch nicht alle Fäden erkennen, Tränen blenden die Augen und man kann nicht sehen, man möchte sich wie einst bei der Zerstörung des Tempels im stummen Weh zu Boden setzen und nichts wie weinen. Aber es gibt kein Wort, das der Größe des Augenblickes einigermaßen würdigen Ausdruck verleihen kann. Tragisch der jähe Tod der Jünglinge in den Hallen der Thora; das Bild gemahnt an die Zer- Störung des zweiten Tempels, da im Heiligtum unter des Feindes Schwert Priester, dienende Priester, ihr Leben aushauchten. Tragisch der Tod stiller Bürger, die heilig Land mit heiliger Liebe umfaßten und ihm nun ihr Leben gaben. Tragisch aber auch der Tod nichtjüdischer Mensehen, die von irgend einem, in unheimlicher Stille wirkenden Politiker aufgehetzt, zu Wort und Weg und Waffe griffen und nun als Beute chauvinistischer Leidenschaft gefallen sind. Tragisch im höchsten Sinne, daß die Westmauer nun zu einer wirklichen Klagemauer, ja zu einer Anklagemauer geworden ist. Es ist der Tag nicht fern, da auf des Propheten Wort, der Stein aus der Mauer reden wird, und künden wird, wer an diesem Ereignis die Schuld trägt. ־ Wer nicht selbst eine Weihestunde an diesem Ort erlebt hat, ׳kann ja den Schmerz dieser Tage gar nicht erfassen und nicht ermessen. Was aber sagen wir zu den Toten? Erhebt euer Haupt und trinket aus dem Born des ewigen Lebens, auch im Gedächtnis der Menschen. Klaget und redet Zeugnis, was Euch in den Tod getrieben. Was aber sagen die Toten zu uns? Weinet, daß wir sterben mußten.in der Blüte der Jahre, weinet, daß wir sterben mußten um euretwegen. Ihr wollt unser Angedenken ehren? Nun wohlan f So sorget, daß heilig Land heilig und rein werde und dann werden alle Völker ihres sich selbst mit Schmach bedeckenden •Hasses vergessen und euch laden, im heiligen Lande Hüter unserer Gräber zu sein. Für euch sind wir gestorben und für uns sollt ihr leben. Betet für das Beten an der westlichen Mauer auf Moriah. _ p. k. Kundgebung der Wiener Agudaleitung •Der gesclniitsiülirende Ausschuß der Ae;udas Jisroel ist angesichts der katastrophalen ׳Ereignisse in dein Heitigen Lande zu einer Permanenztagung zusammengetreten. Die auswärtigen Mitglieder sind telegraphisch aufgefordert worden, au der Beratung ceilzunehmen. Das o׳rthod o x e Judentum steht erschüttert da vor den Ereignissen, die in Erez-Jisroel here'ingebroc h e n s •i n ■d. ■M i t der g a n z e 11 J u d e 11־ heit hatte auch das orthodoxe Judentum g e!h 0 ׳f i t. d a ß nute 1־ d e 111 'Schutze einer der größten Mächte der Welt eine Periode der Ruhe 1111 d des Friedens i •ii r unsere ׳Brüder beginnt, welche i!1. d e n Jahrhunderten der Verga n g e n h e i t a ti ß e r 0 r d e 111 i i c h e Le i d e 11 e r d 1111 d e t hatte :11. Daß diese ׳Ho f f 11 u 11 g so grausam e 1111׳ ä 11 s c h t werde, hat a u c h d e r trübste P e s s i 111 i s 11111 s nicht z 11 fürchten g e w a g t. Angesichts dieser Lage .richtet die Oberste Leitung der Agudas Jisroel an die Mächte, vor allem au die M a n d a t a r m a c h t und •den V ö!1 :k e r ׳b u n •d, das dringende Ersuchen, alle ׳Mittel anzuwenden, um den Bewohnern des Heiligen Landes wieder Sicherheit •z׳u verschaffen und •die Schuldigen mit der Strenge des Gesetzes zur Rechenschaft ■zu •ziehen. Von dieser Resolution wurde dem Auswärtigen Amte wie auch dein •Völkerbund!Mitteilung gemacht. Im Einverständnis mit •der Exekutive des Rabbinisehen •Rates wurde beschlossen, am ער״ח אלול einen allgemeinen ׳Fasttag •zu •verkünden. •Gleichzeitig sollen Maßnahmen getroffen werden, um eine großzügige!Hilfsaktion einzuleiten, um vor allem die י erste!Not zu lindern,!besonders für die!Familien, denen ׳die Schreckenstage den Ernährer geraubt. Entsprechende telegraphische!Aufforderungen sind ergangen. _ Der Rabbinische Rat der Agudas Jisroel setzt ער ח אלול als Fasttag ein. Der Geschäftsführenele Ausschuß cler Agudas Jisroel in Wien hat sich mit der Exekutive des Rabbinischen Rates, und zwar mit Sr. Ehrw. Herrn Großrabbiner Israel Friedmann (Czortkow), Abraham Mordechai A ] t e r (Gora Kalvaria) und Oberrabbiner I. F ü r s t#(Wie11), in Verbindung gesetzt, die nun auf diesem Wege die jüdische Oeffentlichkeit zu einem Fast- und Bußtag für ער״ח אלול Mittwoch den 4. September d. J. aufrufen. Schwache und Greise, die nicht fasten können, wie alle jene, die diesen Fast- und Bußtag zii wohltätigem Werke benützen wollen,״ mögen ihre Spenden zugunsten der betroffenen Brüder und Schwestern in Erez Jisroel an die Adresse Hilfskomitee für die Opfer der Ausschreitungen in Erez Jisroel per Adresse Agudas Jisroel, Wien, II., Leopoldsgasse 26, senden. Die Herren Rabbiner und Gemeindevorsteher werden gebeten, in ihren Synagogen ו!םפ1״ם ahzuhalten. _ Der Pogrom in Hebron. Fürchterliches Blutbad unter den Bachurim der Jeschi wall. — Rabbi M. M. Ebstein gerettet. Erschütternd sind die Nachrichten aus Hebron. Dort haben die Araber die kleine jüdische Gemeinde und die große Jeschiwa (Thora-Lehranstalt), die in Hebron vor einigen Jahren als der Hauptzweig der berühmten Slabodkaer Jeschiwah in Litauen errichtet worden ist, überfaillen und ein Blutbad ange• richtet. Man zählt 45 Tote, unter ihnen zwei Rabbiner, die an der Jeschiwah aik Lehrer wirken, ferner etwa 50 Verletzte. Die Nachrichten aus Hebron haben die Jerusalemer Judenheit furchtbar erschüttert. Letzte Meldungen besagen, daß“ der Ueberrest der jüdischen Einwohnerschaft Hebrons und dos Bestandes der Jeschiwah im Polizeigebäude eingeschlossen ist. Aus Jerusalem haben sich Militär und bewaffnete Juden nach Hebron begeben. Nach neueren Meldungen wurden bei dem Ueberfall auf die Jeschiwa in Hebron von den Jeschiwah-Jüngern 42 getötet und 47 verletzt. Unter den Getöteten sollen sich 12 Amerikaner befunden haben. Es heißt, daß sich die Bachurim zur Wehr gesetzt haken und daß auf arabischer Seite 40 Personen gefallen sind. Das Problem der Klagemaner vor der Mandatskommission desVölkerbundes (J. T. A.) Das Protokoll der Sitzungen ■der 15. Session der Mandatskommission •des!Völkerbundes gibt ausfiihrlich ,die Verhandlungen wieder, die das •Problem der Klagemauer izum!Gegenstand '11a׳ben. Sir Jo'1111 Chancellor, der die!britische 1Regierung vor •der Mandatskommission vertrat,!besprach eingehend •den;Komplex der ׳Fragen, die mit der!Klagemauer ■verbunden sind. Vor etwa sechs Monaten, sagte er, hat •die :britische Regierung ein ״Weißbuch“ ׳über ׳die Geschehnisse an der iKlagemauer am ■jtidi־» sehen Versöhnt!ngstag!herausgege'ben, •das •die Zufriedenheit der iMosiemiten gefunden 'hat, indem •diese ׳die Darlegung in •dem Sinne deuteten, •daß •die Juden nicht das Recht ,haben, •Bänke und andere Gegenstände!vor der Klagemauer aufzustellen. Auf ihre 'Forderung, ans •dieser Schlußfolgerung ■die Konsequenzen ׳zu ziehen, hatte ■der Oib'erkommissar i'hnen erklärt, •daß er ohne •die ׳besondere Erlaubnis des iKoionienministeriums ihren ׳Wunsch nicht erfüllen!könne. Sir John Chancellor legte den Kommissionsmitgliedern einen!Plan der;Klagemauer vor und setzte auseinander, daß die Juden eigentlich nur •der ,Platz vor •der Mauer interessiert lind daß die Mauer selbst eine Stütze des •Komplexes ■des iHaram asti Sharif (Heiliger Bezirk der!Araber)!bildet.!Das ganze ־Geibiet vor ■der Mauer gehört den Arabern. Der Oherikommissar berichtete dann über die Bauarbeiten, ׳die in unmittelbarer Nähe •der Mauer durch die Moslemiten aufgeführt •werden, und gegen •welche die Juden •protestieren. Der Staatssekretär für die Kolonien hat!beschlossen, nur solche!Bau arbeiten zu verbieten, die den Status quo verletzen könnten,!z. '•B. eines Gebäudes, in ׳welchem rauschende Feste gefeiert werden. Von diesem ׳־Standpunkt aus wurde dem Groß-Mufti erlaubt, eine Wand aufzuführen, die die!Frauen seines •Haitses vor zudringlichen!Blicken;von außerhalb!schützen soll. •In Uebereinstinimung mit ■dem Staatssekretär!wurden ihm auch' andere iBauarbeiten in der Nachbarschaft der Klagemauer gestattet, in der!Annahme, daß diese Bauten •das Recht der Juden auf!Ausübung ihres Kultus an •der Mauer nicht schmälern werden. Sir Chancellor erklärte, er habe sich ,bemüht, die im vergangenen Jahre von •der!Kommission ausg ©drückte Hoffnung, •daß es möglich •sein wird, 1beide Parteien zu einer Uebereinstimmung zu!bringen,!zu verwirklichen. Er war sich darüber klar, 'daß von einer Expropriierung des Platzes vor der Mauer keine!Rede sein könne. Die ׳Araber wachen darüber, •daß keinerlei Erweiterung der!Rechte der Juden an der Mauer stattfindet, und der!Mufti behauptete,, daß, wenn •die Araber ■den Juden irgendwelche Konzes-! sionen gewähren sollten, die Juden sofort auf dem!Platz eine Synagoge erbauen würden. Diese arabische Meinung, fügte Chancellor hinzu, ist zwar absurd, aber sie ist!bezeichnend für die Stimmung unter den Arabern. Der!Platz, vor der Mauer ■dient den marokkanischen ׳Arabern, die in der Nachbarschaft der Mauer wohnen, als!Durchgangs- Straße; •dies stört die. Juden oft in ihren Gebeten.!Die Schwierigkeiten würden behoben ,sein, ׳wenn die Araber zustimmen würden, den Platz an die Juden zu verkaufen,, so daß es möglich sein würde, ihn zu 1umzäunen, damit •die Juden in Ruhe und in gebotener Würde ihre Gebete verrichten könnten. Die jüdischen!Führer in Palästina 'haben diesen Vorschlag" 1sympathisch aufgenommen, ׳sie haben auch schon eine gewisse Summe zur ׳Leistung des Kauf- Preises bereitsgestellt. Er, Chancellor, habe ׳bereits dem Mufti den Kaufvorschlag unterbreitet. Seine Haltung aber ist eine negative; der Boden ist Vakuf (Kirchengut) und: darf nicht verkauft werden. Der Oberkommissar machte dein Mufti den Vorschlag, daß die Juden den marok'kanisehen!Arabern bessere Wohnungen, als sie jetzt ׳haben, an einer arideren Stelle beschaffen, und ■daß der Platz vor der Mauer der ■Regierung zur Verfügung gestellt werde, die ihn •dann ihrerseits den Juden überlassen würde. Der Mufti erwiderte,, die Stimmung sei •jetzt eine solche, •daß auch nur •die!Bekanntgabe eines solchen Vorschlages einö'‘ tiefe religiöse ׳Unzufriedenheit und sogar •Unruhen hervorrufen’ würde. Der Oberkornmissar hielt ■dafür, zu warten, bis günstigere Umstände eintreten. Er, Sir John C'hancellor, habe den jüdischen Führern •die Lage auseinandergesetzt und ihnen geraten, dafür zu sorgen, daß •die Ruhe bewahrt und keine Anklagen und •Zeitungsangriffe gegen Was bietet die führende Wellfirma Othmar Schiff, Wien, i., KSrntnerrfng Nr. 6 in Damenperücken? i - I. Modernste und individuelle Ausführung" II. Tadellosen, mustergültigen Sitz III. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen im 11 (gegenüber dem Hotel Bristol - Tel. U-41-3’62) Die Firma Othmar Schiff legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen in Ihreip ureigensten Interesse mit der Firma Othmar Schill in Verbindung 1