Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE PRESSE Nr. 15 GRAMOPHONFREUNDE! voa/ 7929. ״WiMnäclmham WIEN, IV. W/EDNER HAUPWRJ9;. ..־־.. ‘ TEL. U ^8-2-52 gk-tlSSMA'i AUCH TEILZAHLUNG! Wir liefern 10 neue Platten mit S 10.— Anzahlung und S 2.— Wochenrate ohne Preiserhöhung r e s 1111׳ i e!r t aus der Pos t .,,K 1111׳ u;s s t e u e r“, well che m!i,t S 2,000.000 p r ä׳I i uni? 11׳ i e r t war, jedoch d a n >k der s t ä r k c r e <n E i in .b r i 11 g 11׳ c hmach ׳u11 g ׳von R ii c k s t ä!1 d e 11 e ׳i n Ergo!13 n i s von S 2,1279.79 1.24 am f weist. Gegenüber den Ergebnissen des Jaihres 1927, welche an Gesamteinnahmen S 5,415.109.69, an ׳Gesamtausgaben S 5,633.361.93 verzcichnen, sind sohin diie!Einnahmen im Jahre 1923 mim׳ •S 562.447.29 und die Ausgaben um S 413.918.47 angewachsen. Auszug aus dem Voranschläge für das Verwaltungsjahr 1929. Die von der 1״Finanzkommission“ und dem Vertreterkollegium genehmigte und nunmehr vom ׳Plenum des 'Kultusvorstandes zu!behandelnde Vorlage des Voran•:!Schlages der Einnahmen und Ausgaben für das ,Verwalrtungsjahr 1929 verzeichnet an Einnahmen insgesamt S 5,650.450, an Ausgaben insgesamt S 5,839.785, so daß auf Grund dieses Präliminares •für das Verwal tu n-g.sjahr 1929 ein Defizit von S 189.336 zu gewärtigen ist. 1Die G e ׳s a m t z i f f c r n des Voranschlages verteilen sich auf. die einzelnen •BudgefkapiteJ. wie folgt: 1. Kultus- und rituelle A n g e 1 e g e n h e 1ten (umfaßt die Abschnitte: Bethausverwaltung, Stadt, Leopoidstadt, Fünfhaus, Ottakring, Währing,!Floridsdorf, die temporären Bethämser, das Rabbinat, die Fleischregie, das rituelle Bad, rituelle besondere Angelegenheiten, rituelle Verköstigung und Pessachunterstiitzungen und die ׳Subventionen an Bethausvereinen), Einnahmen S 649.115, Ausgaben S 988.760• 2. Unterrichts- und B i b 1 i 0 t h e k s a n g e- 1 e g e nh e i t e n ׳(umfaßt die Abschnitte:!Religionsunterrieht, Jugendgottesdienst, Konfirmation, ׳Gemeimdebibliothek, Historische Kommission, Beiträge und׳ Subventionen fiir Unterrlchtszwecke), Einnahmen S 27.658, Ausgaben S 391.035. 3. F r ׳i e d h 0 fu n d B e e r d i g u n g s w e s e n (umfaßt die!Abschnitte: Beerdigungswesen, Israelitische Abteilung des Zentralfriedhofes, ׳Neuer israelitischer Friedhof, Friedhof Floridsdorf, Alte!Friedhöfe), ׳Einnahmen S 1,505.004, Ausgaben S 1,048.549. 4. F ii r s 01r g e w e s e n (umfaßt die Abschnitte: Israelitische Versorgungisanstalt, Spital der Israelitischen Kultusgemeinde, Kinderspitals-Ambulanz und ״Sonnentagesheim“ im Augarten, Fürsorgeamt, Unterstützungswesen, Subventionen an Vereine und Fürsorgeaktiouen), Einnahmen S 1,108.013, Ausgaben S 1,929.959. 5.. G e m e i n״d e v e r w ä 11 u n g (umfaßt die Abschnitte: Gehalte, Pensionen und Gnadengaben, Kanzleierifordernisse, Porti, ׳Drucksachen, Teilephon, Kontoikarrentspesen ׳und׳ Zinsen, Aufwendungen für das Steueramt), Einnahmen S 218.100, Ausgaben 'S 1,229.190. 6. G c b äu de e r h a 11 u n g (umfaßt die Hausadministrationen), Einnahmen S 17.550, Ausgaben S S 62.460. 7. 1K m ■11 u s 8 •t e u ׳e r: ׳Einnahmen S 2,100.000. . .. 8. M a t r i ׳k e n.we s ö u: Einnahmen S 25.000, Ausgaben S 39.833. 9. R e s e ׳r v e f ii r a a ß e r 0 r ,d e in t 11 c 1h e. n i c h tp r ä 1 i m i n i e r t e Ausgaben: S 150.000. Die Mazzoth-Versorpng der russischen Juden. Mazzoth-Aktion Rußland. Infolge der vorgerückten Zeit können nunmehr für die Mazzoth-Aktion nur noch Geldüberweisungen vorgenommen werden. Die letzte Ueberweisung erfolgt Mittwoch, den 17. d. Es wird dringend gebeten, die für die Mazzoth- Aktion für Rußland zugedachten Spenden spätestens bis zu diesem Termin an uns gelangen zu lassen. Einzahlungen auf Postscheckkonto Nr. D. 143.056 Keren Hathora der Agudas JisroeJ oder Zentraleuro־ päische Länderbank auf Konto Keren Hathora. Das österreichische MazzotHkomitee beim Keren Hathora. Die Aktion zur Versorgung der russisehen Juden mit Mazzoth. ׳Lectem. oni!heißt das ungesäuerte Brot .iij der Bibel.!Ueber den eigentlichen Sinn des hebräischen Ausdruckes wird im Talmud eifrig disputiert. Der eine sagt: Lectem oni. das ist das Brot der Armut, der andere sagt: lectem oni, das!Brot, darüber viel gesprochen!wind. Diese Disputation ׳bekommt in Anbetracht der Sowjetrussischen Zollschikanen einen aktuellen Sinn. Mazzoth ist heuer in Rußland ein Brot ׳des Elends, wenn auch die russischen ׳Zollbeamten es als Biskuit behandeln. Ueber Mazzoth ׳wird ,heuer in Rußland!viel debattiert. Vor einiger Zeit konnte die J. T. A. mitteilen, daß die russische Sowjetregierung dem!Berliner!Zentralkomitee für ׳die Versorgung der russischen Judenheit mit!Mazzoth zu den!kommenden Pessachfeiertagen die Einfuhr von 50 Waggons 'Mazzoth gestattet ׳hat. Kurz darauf teilte ׳die Regierung einem Komitee von Rabbinern ijn Moskau mit, sie. gestatte ׳die Einfuhr von!Mazzoth aus dem Auslande ׳in jedem Umfange, man sei an ein bestimmtes!Quantum ׳nicht gebunden.!Hauptbeding'ung!wäre nur, daß die Einfuhr auf der Basis der Wohltätigkeit und nicht des Geschäftes ׳vor sich ■gehe. Diese Mitteilungen haben unter •der Judenheit der ganzen Welt große Genugtuung ausgelöst, um so!mehr als man wußte, daß infolge der Getreide not ln Rußland und der dadurch bcdingten Rationierung sowie durch •die!Propaganda der ,kommunistischen jüdischen Presse, kein Mehl fiir!Mazzoth freizugeben, die Gefahr besteht, daß ׳die Juden in Rußland während der Pessachtage ohne!Mazzoth bleiben werden, was fiir 1den religiösen Juden achttägiges!Hungern ׳bedeutet.!Als nun aber an der lettländischen Grenze •die ersten fünf Waggons mit Mazzoth anlangten, um in •das ,Innere Rußlands geführt zu werden, wurden von den Sowjetrussischen Zollbehörden so hohe Zollforderungen •gestellt, daß die ganze Aktion ins Wasser zu fallen drohte. Die Zollbehörden deklarierten!Mazzoth 111 c h t als Br 0 t, s 0 11 d e r n a 1 s ß i s k u i t s u 11 d f 0 r d e r t e n statt eines B r 0 t z 011 e s von 5!Kopeken per •K i 1 0 g r a rn m e i n e n :L11' x u s z 011 v 0 n 220 K 0 •p e k e 11׳ (M. 4.40) per K i 1 0 g r a m m.!Prominente jüdische ׳Persönlichkeiten!Berlins wandten sich durch Vermittlung •der Berliner russischen!Botschaft und direkt an die!Moskauer Regierung mit■ der!Bitte, für Mazzoth den gewöhnlichen Brotzoll gelten zu lassen. Daraufhin wurde der Mazzotbzoll auf SO Kopeken per Kilogram in festgesetzt. Auch ,dieser Zollsatz übersteigt die Kosten der ,Mazzothherstellung um das Doppelte und machte die Weiterführung der Aktion ,unmöglich. Ein neuerliches Gesuch, den Zoll auf ein ertragliches Maß herabzusetzeii oder doch wenigstens die * Einfuhr von Mehl zum normalen Zoll zu gewähren, wurde damit beantwortet, daß der Mazzothzoll endgültig auf 80 Kopeken per Kilogramm festgesetzt und die Mehleinfuhr nicht gewährt wurde. Inzwischen war viel kostbare Zeit verstrichen. So entschloß sich denn, wie die J. T. ־A. erfährt, das Mazzoth- Komitee, sofort 13 Waggons Mazzoth teils nach Moskau für Zentralrußland, teils in die Ukraine abzuschicken (die Transporte sind bereits unterwegs) ־und im übrigen •die •Gelder, die in verschiedenen Ländern für die Mazzothaktion gesammelt wurden, in Barbeträgen nach Rußland!zu schicken, wodurch •die ärmere!Bevölkerung in die Lage versetzt werde, siic׳h an Ort •und Stelle ׳Mazzoth ,.zu beschaffen, wofür, wie inan erfährt, immerhin die Möglichkeit besteht. Mitteilungen, •die der J. T. A. aus verschiedenen Ländern zugehen, ist. zu entnehmen, daß die Verzögerung und ׳schließliehe Behinderung der Durchführung der gesamten Mazzoth- Versorgungsaktion infolge •der ungeheuerlichen Zollforder׳ung unter •den jüdischen Gemeinden einen niederdrtickenden Eindruck gemacht hat. Auch aus Moskau ׳wird der J. T. A. •mitgeteilt, daß!in den ,Kreisen der Moskauer jtidisehen Gemeinde große 1Niedergeschlagenheit herrscht. Infolge der Aussicht einer Mazzotheihfuhr aus dem!Auslande wurde in Rußland die;Herstellung von Mazzoth entweder ganz, verboten oder nur, in sehr geringem Ausmaße gestattet. Die sibirische Sowjetregierung hat •die Erlaubnis zur Ausfuhr von!Mehl in den übrigen Ländern der Sowjetunion zwecks )Herstellung ׳von!Mazzoth verweigert. 'Diese Zurückhaltung der Söwjetbehörden:.rührt von der Befürchtung her,' die nichbjüdische Bevölkerung könnte den Eindruck gewinnen, •daß •die Juden bevorzugt werden; es würden •dann Forderungen •nach 'Erhöhung ׳der iMehlratiofi •für die Osterzeit auch •für:.die mcht!jüdische׳Bevöl׳kerung-׳erhoben/werden.; 1 ׳Inzwischen sind dio ’;ersten 5׳ Waggons (5000 .!Pud) Mazzoth, die •auf!Initiative des Berliner (Komitees• abgesandt wurden, bereits eingetroffen. Das Berliner Mazzoth-Koinitee sendet 30 Waggonladungen Mazzoth in das Innere Rußlands. Berlin. (J. T. A.) Das Berliner Zentralkomitee zur Versorgung der russischen ־ Juden ׳mit Mazzoth zu •den kommenden iPessachtagen bat sich angesichts des ungeheuren ־ Mazzothmangelis in iRußland ent schl0ssen, •nic׳bt, •wie beabsichtigt, nur 13 WaggonladUingen, sondern rund 30 'W!a!ggo׳nlad׳ung׳en iMiazzoth ׳in!!das Innere!Rußlands zu senden. 1Nachrichten, ׳die dem Komitee aus' Rußland zu- 'gingen, besagen, daß der Mangel an Mazzoth in Rußland ungeheuer •ist. Der Preis fiir Mazzoth an Ort und Stelle stellt sich auf 1.5 Rubel :(3;׳Mark) •da!3 ,Kilo. Da sich nun fiir aus •dem Auslände gesandte Mazzoth •trotz der ׳hohen Zollgebühr ׳von!50!Kopeken׳ pro Kilo, der Transport- und!anderer ׳Kosten• der 1P!reis: •pro!Kilo!auf •insgesamt1 1.10 stellt,!30 sind!Mazzothsendungen ׳aus dem Ausland viel vorteilhafter als• Bargeldsendungen. Das Mazzofh-Komitee hat •die Transporte an die ,folgenden Orte gehen lassen!: vier Waggonlladungen ,nach Moskau, vier mach Wolhynien, zwei •nach:!Leningrad, je zwei nach •den Gouvernements ■Kiew, Charkow, Witebsk, Minsk und je eine Waggonladung nach den Städten •Odessa, Cherson,!Nikolajew, Jekaterinoslaw״ Krementsebug, Berdi'tschew, Zitomir,!Hornel, Bobruisk,. ׳Rostow- Don. Kamenez-Podolsk. Wahrscheinlich •werden weitere zwei Waggonladungen nach anderen jüdischen Zentren gehen. Außerdem versendet das Komitee ungefähr •tausend Postpakete. Es •ist dafür ׳gesorgt, ׳daß •die Transporte überall rechtzeitig anlangen und zur Verteilung gelangen •können; wo es!sich als notwendig erweist, gehen die Transporte mit!Eilfrächt. ' Ein ansehnlicher Geldbetrag, der aus den!Geld- Sammlungen in verschiedenen Ländern übrig bleibt, wird HBBIHBaBBBiaillBBIIllllBaDBHIIIIlBIMIlfla Telephon 319 Streng rituell! Telephon 319 nos in Im Hotel-Restaurant Schey Baden bei Wien! Annagasse 23 Unter persönlicher Leitung des Besitzers Dawid Schey Ganze Verpflegung: Frühstück: Kaffee, Mazzes Mittagmahl: Suppe, Braten nach Wahl (eventuell Geflügel), Beilage, Mehlspeise Jause: Kaffee, Mazzes Nachtmahl: Fleischspeise (nach Wahl), Beilage per Tag S 9.״ GroBe Portionen_ FAnerkannt beste Küche Zimmer: einbettig von S 4.-, zweibettig von S 6.— HHBHHMUHaufwütisgBBBNBHHHHl Anmeldungen werden bis 24. April entgegengenommen כשר שלפסח KERNSEIFE Marke: ALEFBETH mit הכשר des orth. Rabbinatsassessors, Koäice, erzeugt ״POLIO“ FRIEDMANN & Co. SEIFEN- UND KERZENFABRIK, KOSICE nach Rußland zwecks Anschaffung von Lebensmitteln zu Pessach fü׳r arme Juden in bar überwiesen. Da infolge •der fortgeschrittenen ,Zeit nicht mehr anzunehmen sei, daß im Postwege gesandte Liebesgaben- Pakete rechtzeitig zu ■den Pessachtagen eintreffeu, •und da ein Fünf-Kilo-Paket an!Zoll und!Portogebühren mindestens 5 Rubel koistet, empfiehlt das Komitee solchen Personen, diie Verwandte oder Bekannte zu den!Pessachtagen unterstützen wollen, statt Mazzoth Bargeld zu senden. Propaganda gegen die Mazzotheinfuhr. Die!Zeitung ״Emcss“ tadelt die russischen Regierungsbehörden, ■die die Erlaubnis zur Einfuhr von 'Mazzoth aus dem Auslande erteilt haben, und attackiert besonders die Führer der!jüdischen Gemeinden in Moskau und Leningrad, wie Braude. Klemens, Ginsberg und ׳Lazareth, •denen vorgeworfen wird, daß sie ihre Verbindung mit ausländischen Bankiers, ,Rabbinern und gelben Sozialisten ausnutzen, um Aufrufe in die Weit!zu schicken, daß •das jüdische Volk in Rußland Hungers stirbt. Die Einfuhr!von Mazzoth diene der Konterrevolution. Während die gesamte Bevölkerung Brot nur rationiert erhält, rollen aus dem Ausland waggonweise Mazzoth heran. Juden aus dem Fernen Osten für die Mazzothaktion. Das Berliner Komitee zur Versorgung der russischen Juden mit Mazzoth erhielt heute aus Charbin auf telegraphischem Wege einen größeren Betrag fiir die Mazzotha'ktion überwiesen. Die Charbiner Gemeinde erhielt durch den J. T. A.-Dienst die Kenntnis ׳von •der Mazzothaktion. Die Juden in den russischen Kleinstädten ohne Brot. (J. T. A.) Die in Moskau erscheinende jiddische kommunistische ׳Zeitung ׳״Emess“ teilt mit, daß ihr aus der Provinz ständig Briefe über die ,schwere!Notlage der jüdischen Bevölkerung zugehen. Die Juden der russischen ׳Klein- Städte ersuchen flehentlich, sie mit Brot •zu versorgen, da •sie am Verhungern seien. •Nur sehr wenige kleinstädtische Juden gehören den Gewerkschaiftsverbänden an, •die anderen halben als ״nichtwerlktätige Elemente‘ keinen ■Anspruch au׳f eine Brotkarte. Oie freien Brotpreise seien aber so hoch, daß, wie die Briefschreiber erklären, die!jüdische Bevölkerung sie nicht bezahlen!könne. Max Warburg über jüdische Hilfsbereitschaü. (J. T. A.) ׳Im Mittelpunkt der. vor kurzem ln׳ •Berlin abgehalten׳en Jahresversammlung des iHiMsverelimeis!der Deutiscihen Juden׳ ׳stand ■e!in׳e׳!Ansprache •des Herrn!Max W. Wiarburig,!Hamburg, der unter gespanntem• Interesse der Zuhörer das Ethos!des Wohltuns. eine Art Philo- , s o p h i e des Geben s, •entwickelte. ,, DiejLieibje׳ :zu den, Armen und!Bedirän®ten׳, flülhrte.•Herr Max M. •Wiarburg aus, der 'Wunsch, ihre!Not!zu 'lindern, ■ist eline alte•!jüdische!Rfliiciht, ist eine Auiswirkulmg ides!jüdischen Gedankens: ״Liebe deinen!Nächsten“, und wir tun umr das, was unsere Vorfahren getan!haben, ׳wenn. w!ir, •in •diesem Falle durch Iden! ,Hiilfsveirein der!Deutschen •Juden,;versuchen, •der 1N!ot •zu •steuern.!Heute ist es• viel schwerer, man kann sagen, 'ko'mplizliert'e'r, Gutes zu tun, als früiher. Miit Almosen von iPierisom zu!Person Hst es nicht getan. Der Kreis, dem wir ׳angehöiren, ist ein größerer geiworden •durch d׳ie Entwicklung des Verkehrs1 ״d׳u׳rch die Nachbarschaft, die heute ׳die!Bewohner •der Erde ׳verbindet. Wir■ glaubten früher, unsere •Schuldigkeit!zu tun, wenn w1i׳r das Elend unserer •nächsten NIachbarn!stillten׳. iHeute!liegt es iso, daß die Not Irgend!eines 1Menschen, mag er auch fern sein, uns mehr oder weniger: •ebenso!berührt. *W-iir müssen ve׳rsuchen; diesem!Eilenid׳ in der ganzen W׳e׳lt, wie •früher ׳dem i׳n unserer nächsten Umgebung, entgegenzutreten, und müssen den zehnten Teil unseres Einkommens dazu 1he!rg׳e1ben, wie!früher den Maa:sise!r. Viele versuchen, mit dem lieben G-tt ein Geschäft zu machen, indem sie vorrechn׳en, Idaß sie so!und so viel Steuern■ entrichten, daß der Staat, daß die Gemeinde• so ׳viel ׳Wohltätigkeit übt, und daß, wenn man alles dies zusammenaddiere. sehr viel mehr als zehn Prozent herairäkomime. Diesen!möchte ich die Gutgläubigkeit nehmen. Es ist nie ׳der Gedanke gewesein׳, zehn Prozent vom Bruttoertrag •zu nehmen, aber von dem. was einem nach lallen Ausgaben übrig bleibt, sind noch zehn Prozent zu geben. Wenn wir:!diese׳ Weltveribundenheit .vor. •Augen haben,!so gilt ebenso ׳wie in!politischer!und .i׳n Wirtschaftiidlier!Beziehung auch i׳n clharitativer ,Hinsicht der) •Satz, daß kaum auf .einem Punkt!der Erde etwas geschehen!kann, da׳s nicht indirekt auch• uns betrifft. Je weiter aber der Sitz der!Hilfsbedürftigen •von uns •entfernt ist, desto mehr!drängt sich die Frage auf: Wi׳e gelangen wir zur Erkenntnis der Verhältnisse, damit■ wir!in •der richtigen Weise: gelben können? ,Was. will״ brauchen׳, ■ist ein!bewußtes, überlegtes Handeln der Geldgeber: wer Geld gibt, muß sich!die Mühe nehmen, gründlich z!u studieren, wie er am!besten mit den Mitteln, die schließlich beschränkt sind, .wirtschaftet. Nur wenn die rein finanzielle ׳Leistung verbunden wird!mit der persönlichen ,Hiugäbe •׳an ׳den Dienst des Wohltuns, wird sie!in höherem Sinne zu dem, was'man unter Mizwoh in jüdischem •Sinne!versteht. Diese׳ Aufgabe können׳ wir aber nur •erfüllen׳ ,׳wenn •wir uus׳ einen!Apparat schlaffen, wie er hier vor ungefähr 28 Jahren von verdienstvollen Männern geschaffen worden ist, um Juden zu helfen׳, von denen Elend man hörte,!aber ׳dererr Verhältnisse •der!Elnzelae nicht!genügend ׳kannte, um •selbst eingreifen zu können. :Man soll nicht glauben, ,wenn man Gutes tut, daß es •nur!des Guten! halber •geschehe. Sehen wir ganz ׳davon ab, daß in letzter!Linie Wohltiia gegen •andere ׳fiir ׳den sittlichen!Menschen ein Wohltun gegen sich selbst •ist, weil es den ׳Drang der eigenen!Seele, di|g!zum Gütigen hinneigt, stillt.!Auch rein ׳materiell gesehen, ist •die‘ Wohltätigkeit, die ׳di׳e Juden gegen!ihre Glaubensgenossen ausiüben, ein Hiifsiakt für i&ile selbst. Wenn ein ׳Pogrom i-n Rußland sich ereignet oder ׳ein Buch erscheint, wie ״!Die Weisen vo׳n Zion“, oder ein Numerus clausus eingeführt •wird in Rumänien ׳und׳ Ungarn, so wirkt es!mit •einer •u׳ngl׳aublichlen Schnelligkeit auf uns zurück; ׳wenn auch nicht gleich ׳die gleichen ׳Dinge!hier stattfinden, haben!wir in anderer Form hierunter zu leiden.!Wir!müssen uns also fragen: wie rüsten wir uns •am besten, um charitativ unseren .Glaubens-