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Jüdische Presse · 1929-03-01 · 9 (1.3.1929) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
9 (1.3.1929)
Date
1929-03-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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ftwriaevt ▼$pl*ta£ povötenö r! post a telegrafov r Brtttelave JBs. 41572451-2׳•. <*<«• Zeitungen vom Verleger versendet. Journal exptdie par l'edltear. DIE IRTIRESSIR DES ©RTHO»D*EU JUDERTUHI8, S?fidsWi{m *w A41mlnfouati©«3 Wien, ii..Leopolds* <jäb4« £6, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45-4-94. I?«ebecit061c rwakel: Bratislava, Postfach 140. Slmfecint je den Freitag. — Redaktionsschluss‘. Mittwoch Mittag. AbomaementspreiSK > Osmzjfihrigi Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnu mmer Öst Gr. 40, das übrige Ausland 8 Dol lar. Zahlungen auf Konto ״J״dische Presse*, Wie»! für Oesterretch t Pos:spa»kassenkonto Nr. D-V3614; Deutschland! Postscheckkomo Beitin Nr. 12;6l*>; Jugoslawien1 Post•pk.•Amt ZaetebNr.40217; Polen! Postspk.-Am! Warschau Nt. Ifc0409; Ungarn! Hostspk.-Amt Budapest Ni.5017t); Schweiz: Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; iS! dh Tschechosl wakel: .Jtdische Presse“, Qiatis ava, Posispk,*Amt Prag Konto Nr. f!3 •86 Sir. 9 SHen-BratisBiava, l. öRär* 1929 ג״ה דנדדסרעסמיג־י״מיאדר תדם״מ 15. Jahrg. Tohu ■Vabohu. :Wir glaubten :kaum, daß es in Jetaisalem selbst sehr viele Menschen gibt,, die die jetzige Situation klar überschauen. Wir verweisen unsere Leser zunächst auf unseren Artikel ,,Kämpfe in Jerusalem“ in der vorvorigen Nummer. . Die J. T. A. berichtet, tdaß die beiden offiziellen Öbernaßbiner ■Kufr und Jakob 'M-eir sich für die Knesses jisroel, d.' h. für. die von der Gemeindeverfassung anet>- kannte jüdische Gemeinde, ausgesprochen .hatten und damit also vor dem Austritt warnten. Die Erklärungen der beiden Herren offiziellen .Oberrabbiner liegen uns im Wortlaut nicht vor, wir können also deshalb noch nicht dazu; Stellung ,־nehmen. Uns ist nur bekannt, daß Herr Jakoti Meir noch im Vorjahr sowohl in einem offiziellen Schriftstück an :den scheidenden High Commissioner: Lord Plutner , iiachdmCkHchst .auf die durch die Knesses Jisroel dro- , hende , Vergewaltigung aufmerksam .machte, als rauch gegen- •über einwandfreien Gewährsmännern erklärte, daiß die sämtlichen scphardischen Kreise zur Knesses Jisroel eine negative Stellung nehmen Würden, solange dieselbe nicht da9 Fraueii Wahlrecht .ausgeschaltet haben würde. Auf Griitnd der J.־T.-A.־McIdüng sind wir wohl zu der Abnahme* berechtigt, daß in dieser .Beziehung!irgendwie ein;Kompromiß geschaffen worden :sein muß; andersertö :bringt die J. T• A• folgende ,Mitteilung: . , ־ Eine Misraclii-Delegatiön. war b|i1 dem neuen High ■Commissioser, uni .Beschwerde über die separatistische .Tätigkeit der- Agtidas Jisroel, zu führen; (Wir gestattert uns die bescheidene Anfrage, ob Misrachi, wie es doch eigentlich seinem Programm entspräche, sich jemals bei ,irgend einer offiziellen Stelle darüber ■beschwert hat, daß sich an ,t i:ri,e 1 ig i ö s e! un d bi.b ej.f e i ti d 1 i c he Strömungen :in Palästina geil end; zu m a chen versuchte׳n; sicher nicht, und mit ,Recht nicht. Aber was würde man sagen» oder vielmehr .was wird man sagen, wenn die Aguda, um die Lebensm^glicHkeit der Orthodoxie zu erkämpfen, an irgend eine offizielle Stelle geht,—?) . Sir John Chancellor hat nach der betreffenden J.-T.-A.-Meldung geantwortet, daß ׳es nicht;in seiner und der englischen Regierung Absicht liegt, die ״Separatisten zu unterstützen“. Auch dies mit Recht, denn wir wüßten nicht, wann jemals die Örthodoxie die englische Regieritng um'dne besondere ״Unterstützung“ gebeten' habe. Was wir von der englischen Regierung erbeten haben,, bestand einzig‘und allein darijrii, das ■freie Spiel der. Kräfte( tm 'jüdischen Lager, wie es in jeden? freiheitlichen Staate geschieht, sich selbst zü .überlassen und nicht mittelalterlkh-inquisitorischen Gewissenszwang zur Herrschaft ge* langen ru lassen. Insofern stimmt auch die Antwort Sir* Chancellors an Mnsrachi genau überein mit der Antwort Sir Chancellors an die Aguda, die er vor wenigen Wochen gegeben hat!, in der er ausfuhrte, daß England jedem Gewissenszwang femstehe. V Unterdessen ist nach eingetroffenen v Nachrichten Sorgfältigste Lleferunn In plombierten Säcken von i Sack cs SO kg angefangen franko Haus, ebonso in Fuhren und Waggone! aus IPalästma die Anzahl der Austretenden riesig gewachsen und die Aguda hat es verstanden, einer mrüsten Agitation, zum Trotz ihre Position■ zu behaupten. 'Es widerstrebt uns, Einzelheiten aus dieser Phase des Kampfes wiederzugeben; ׳und *zu .erläutern. Die Berichte im Ko! ' Jisroel geben; darüber ausführlich Auskunft. Sie sind ein trauriges Kapitel in der Geschichte des Gewissenskampfes innerhalb der Juden beit. Wir können unseren Gesinnungsgenossen in Palästina nur unsere Bewunderung ob ihres Heroismus aüssprechen. P. K. des Berliner Gemeindefriedens. Kehle*- und Koksgroßbandlung Nartottttohnratech« Wien, II., Ob. Donaustr. 107 . Fernsprecher R-47-1-8B Anläßlich des Friedomsedhlüsees unter den Parteien der Wiener Gemeindestube hat die ״jütische Presse“ darauf hingewiesen, um wieviel ehrenhafter und anständiger dieser Friede sei als jenter Pakt, den die ßer- 1 in e r Liberalen und Zionisten in der Gemeinde ge- ■schlossen haben. Rascher als maii «s ahnen konnte, sind auch schon die Folgen des Berliner Friedens ■in ^Erscheinung getreten. In der' jüngsten Repräsentanten- ] Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde sind Beschlösse gefaßt worden, die, vom :Standpunkt des thoratreuen Judentums aus beurteilt, ebenso ju n j ü d i sch w Le verhängnisvoll für die Gemeinde sich auswirkeo!• müssen. ..Zunächst wurden - in־ .dieser;Repräsentantenvep- .. Sammlung jene Punkte des Paktes beschlossen» : welche die Zionisten •befriedigen sollen.• Die vom zionistischen jüdischen Schulverdn gegründete Volksschule wurde auf das, Gemeindetat übernommen,, wobei.. ausdrücklich her- . vorgehoben wurde., daß ■ die Eigenart der Schule gewahrt bleiben solle und daß durch den. Schulvorstand für selbe ein besonder«s Kuratorium geschaffen wird. Wenn wir diesen Beschluß richtig verstehen» so bedeutet er, daß die Gemeinde als solche wohl die Schule er;־ halten,.aber auf ihren Geist keinen Einfluß nehmen darf, vielmehr soll die jüdisch-natioinale Eigenart der Schule gewahrt bleiben. Man muß zugestehen,, daß dies einen großen Sieg der Berliner Zionisten darstellt. Weniger eklatant ist ihr Erfolg in der Angelegenheit der Errichtung eines Lehrstuhls ,der Berliner Jüdischen Geme in de an der hebräischen Universität in Jerusalem. Da wurde zunächst eine Kommission gewählt, die erst über die Modalitäten der Errichtung dieses Lehrstuhles beraten soll. Nachdem > nun die zionistischen Forcierungen erfüllt waren, kam der liberale Wunschzettel zur Erledigung. Bekanntlich ging eine liberale Förderung dahiiij in der Berliner Synagoge Rrinzregentstraße die Aufhebung der Trennung der Geschlechter m der Synagoge durchzüsetzen. Die Gemeinde hat nun zunächst rabbtni-! sehe Gutachten in dieser - Frage eingeholt. Selbstverstündlich nur bei liberalen Rabbinern und nun kommt das Merkwürdige; Von den acht liberalen Rabbinern, die befragt wurden, haben bloß drei sich für die) | Erfüllung dieser Forderung ausgesprochen. Drei andere waren entschieden dagegen und zwei haben einen Mittelweg vorgeschlagen. Dieser Mittelweg besteht darin, daß es nicht ohneweiters gestattet sei, daß Männer und Frauei( nebeneinander sitzen, sondern daß bloß die weiblichen Famüsnangehörigen von Sitzmie'.ern in de: Synagoge neben diesen Plätze erhalten. In diesem Sinne hat denn auch die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde einen Beschluß gefaßt Wohlgemerkt, die Berliner jüdische Gemeinde. Wohl wurden von privater Seite .aus •>chon .des öfteren Reformen in Berlin eingeführt(,, wo ■es, wie in manch anderen deutschen Großstädte!*, Sonntagsg-ttesdienst gibt, aber keine jüdische Gemeinde in Mitteleuropa hat es bisher über sich gebracht, :die Synagogenordnung, die eine Trennung der Geschlechter vorsieht, in solch ent• scheidender Welse zu durchbrechen. Diese Reform wird das religiöse Leben ebensowenig; föirdejm und die liberalen Synagogen ebensowenig füllen*, wie es die O r g e I vermochte, von der man ebenfalls‘ ein^e, Neubelebung der! Synagoge erhoffte. Nach ungefährer Schätzung leben in Berlin 50.000. erwachsene . Mit״ י glieder; der jüdischem Gemeinschaft, die niemals einen G-titesdlenst besuchen, ■;weitere 80.000 kommen bloß an den hohen Feiertagen in ejfre Synagoge. Nun hoffen die׳Berliner! Liberalen,' daß durch die Aufhebung der Trennung der, Geschlechter in der Syiiagoge der Mentalität dieser synagogertentfremdeten Judeta besser entsprochen wird * und daß diese nun eher in die Synagoge kommen werden/ Wir sind immer überrascht, wenn wir von Männern, die angeblich nicht so weltfremd wie wir. Orthodoxen sind, solche Argumente hören. Nie kann es Aufgabe der Religion und religiöser Institutionen sein, sich, der Mentalität der Gewohnheit der Menschen anzupassen. Man hat hur Respekt vor einer Religion, zu der ' man sich erheben mußt, nicht aber zu einer solche!!,, die man beliebig formen und den momentanen Bedürfnissen anpassen kann. Man hat nur Vertrauen zu jenen religiösen Institutionen, die nicht den Stempel der Mode und der Moderne trägen. Der Beschluß der Berliner israelitischen Gemeinde, durch welchen in einer Gemeindesynagoge die jüdische Tradition so gröblich verletzt wird, ist nicht nur an tireligiös, sondern auch verfehlt, weil durc« diesen . Beschluß nicht einmal jeher Zweck erreicht wird^ den die Liberalen aus der Aufhebung der Trennung deh, Geschlechter erhoffen. Der Beschluß der Berliner Gemeinde istfe ber auch vom jü-disch-politischen!'־ Standpunkte aus hochinteressant. Der Vertreter der G emeindeorthodoxie, Herr M. A. Loeb, hat sich der Abstimmung enthalten, wahrscheinlich um durch dieses Verhalten zu dokumentären, daß er an dieser ganzen Angelegenheit desinteressiert sei. Dem ist aber, unseres! Erachtens, nicht so. Die Gemeindeorthodoxie ist bestreb^ in Gemeinden, deren große Majorität nicht mehr orthodox ist, zunächst durch die Errichtung und Erhaltung einwandfreier orthodoxer Synagogen und Institutionen die religiösen Elemente zu befriedigen. So löblich auch/diese» gemeindeorthodoxe Bestreben sei, so liegt in der Linie' die. ses Bestrebens, daß die Gemeindeverwaltung dfen verschiedenen religiösen Bestrebungen gegenüber Ae u fr a l zu sein hat. Die Gemeindeverwaltung hat huV 'iü’sörgepi ist der Räümurigsverkauf in eit. Wien, L Kärntnerring ßj gegenüber Hotel Bristol. Tel. Ür41 -3-62 Tief reduzierte Preise Solange der Vorrat reicht׳ ־4 ״ \'Cir::3»־\f vji!•'/•; ׳ '•־

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