Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 3 jBffiSCHE PRESSE «v.<. Nr. 8 ■ _ £ LTschechoslo wakei \ ■ü9iia«iMaiKPi11BUiaaBaH9aap11iR1||H0»a1aRn1111Ra11afi1aHBBKaaaaHHBBnaBaBBaiSBBa«aa{fti An die Abonnenten! Die p. 4. Abonnenten in der Tschechoslowakei werden gebeten, die Bezugsgebühr mittels der ihnen zugegangenpn Posterlagscheine einzuzahlen. Das Gewerbegesetz dar Slowakei. II. , ffeher (st diese Minorität aber nur ad persppam> V] peF'je&mungssumme sind die Juden manchmal jn der Majorität. Deshalb und auch im Falle wertvoller Mitarbeit begegnen wir oft ehrender Würdigung. Es ist alpo apch eiri öffentliches Interesse, daß wir bei den Korporationen tätig mitarbeiten. , Die Erfahrung lehrt aber, daß diejenigen Juden, welche Präsidenteijstellen annahmen, damit ejnen Fehler begingen) denn das bietet unseren Gegnern zuviel Angriffsmögiiehkeiten und stört die ruhige Arbeit. Hingegen als Vizepresidenten (es können ja mehrere Vizepräsidenten sein) irnd AijsschuBmitglieder haben sich Juden zur allgemeinen 2t|friedenheit sehr gut bewährt. Denn dort bietet sich aucji v,n) Arbeitsgelegenheit ohne zuviel Exponiertheit. Ueherhaupt bei Bezirkskorporationen, wo der Präses in anderem Ort wohnt als dessen Stellvertreter, kann jeder in seinem Kreise genügend selbständige Arbeit leisten. Es ist ja eine historische Tatsache, daß Juden auch in der Geschichte oft entscheidenden, wohltätigen Einfluß ausübten, aber meistens bescheiden im Hintergrund blieben, Die Angelegenheiten, welche bei den Korporationen zur Behaj|tjlurig kommen» lind sq mannigfaltig, daß deren Erwähnung weit über den Nähmen eines kleinen Artikel? gehen würde, Das bescheidene Gesetz hat?53 Pa!Cgraphgn. Diq vielfach gehegten Bedenken» daß die zwei- bis dreijährige Lehrlingsuiid dreijährige Gehilfenzeit der Handwerker und Cjeftiisclitwarenhändler die Jescjiiwohzeit beeinträchtigen kaiffi, sind begründet. (Alle anderen Handeisbrancheii brauchen auch weiterhin! wie bisher, keinen Lehrlings- und Gehiifennachvveis.) Die Hoffnung, daß ranalog der Fachschule laut § 16 — vielleicht auch Jeschiwohvofbildung einen Ersatz der Lehrlings^ oder teilweise der Gehilfenzeit bilden könnte, hat wenig Aussicht auf Erfüllung. {Schon deshalb, weil die geplante Aenderpng und Unifizierung des Gewerbegescizes 'voraussichtlich noch mehrere Jahre Vorarbeit (Enqueten, Gutachten usw.) erfordern wird. Eine wichtige Konsequenz müssen wir aber schon jetzt sehr energisch aus den Nachteilen des Gewerbegesetzes für unsere Jeschiwa-Bachuriin ziehen. Und zwar die, daß wir uns nun entschließen sollten, unsere Töchter gewgrb.ljclip 1j»d geschäftliche Befähigung erwerben z(4 lassen. Es besteht keinerlei Hindernis fjjr Damen! so manche der im Gesetz statuierten 67erlei Handwerks- oder Gemischtwarehhandelsr’echte zu erlangen. (Zum Beispiel: Siebmäpher, Goldarbeiter, Graveure, Feinmechaniketr, Uhrrriacher, ’ Korbflechter, Holzschnitzer, Pfeifen- Schneider, Kammacher, Täschner, Bürstenbinder, Seiler,' Posamentierer,' Bandniacher, Goldsticker, Färber» Tapezierer, BettdeckenerzÖuger, Kleider!• maelier, Schunmacher? Handschuhmacher, Schirmmacber, Kürschner, Hutmacher, Modisten, KiinstblumPnerzeugef, Friseurinnen, Buchbinder, Zuckerbäcker, Lebzelter, 'Am Streicher, Weber, Wirkwarenerzeuger, Juteerzeuger, Photographen, Similiseure usw.). § 19 gewährt überdies den spezic||en Fnjueugewerbeu a»ph' Erleichterungen. Es ist zu erwarten, daß bald Gewerbe- oder Gemischtwarepreefrte yo» ׳Mädchen viel wertvoller sein werden als so njancjip Mitgift. Dies wäre a»ch teilweise eine Lösjjng des orthodox-jüdischen ‘ Mädchenerziehtiugsprpblerne^. (Wjevielc lRpn|^ne Weniger würden p(a gelesen werden() Scjjpji SchlotuQ-|]emelcch verherrlicht die geschjpkte Flandfertigkeit der pra». A»ch bei Eltern kann man als Lehrling und Gehilfe angemqldet gei». Dje zweijährige Lehrllngsschulpfliclit dürfte kein Hindernis 'sein, wef| ״ Mädchen nßr (VItid<נenIe|Vp11 ^gssph 1 jlen 'besuchen müssen. (Nur bei 30 Lehrlingen wird eine Schule gegründet. Vqji c}P!1?nküfiffig־ zu lösenden Problemen seien noch folgende erwähnt; Bekanntlich gibt es ' mir ' i» B r a t i s ia v a und K 6 sieg separate Handelskqrpqra■! tioneii.‘ pie anderen 69 Korporationen in der Slowakei sind gemischte, dns־ heißt, daß alle Gewerbetreibende und Kapfleutq in zwangsweise y’efeipigt sind- Muß beginn! Neiitra eine Bewegung, düß überall separate gewerbliehe und separate Haiidelskorporationen geschaffen werden (eventuell auf größeren Gebieten als bisher), weil in den gemischten Korporationen die Kaufleute zwar an Beiträgen viel befahlen, aber wenig gelten. Nun ist es fraglich» wie cjie jüdischen Handwerker daran wären, wenn sie ohne die Kaufleute noch als kleinere Minderheit dem Antisemitismus ausgesetzt waren. Öder würde sich dieser den Handwerkern gegenüber weniger äußern als den Kaufleuten gegenüber? Den Gemischuvarenhändlern will man nun den Verkauf von Spirituosen in geschlossenen Flaschen teilweise entziehen. Die Sonntagsruhe, die Sperrstunde (besonders an ,Samstag Abenden), die Oeffnungsstunde (spe* ziell Sonntag früh) sollen geregelt werden. Es soll festgestellt werden» was ״unlauterer Wettbewerb“ ist, was also nach dem neuen Gesetze strafbar ist. Ueber diese und vjele andere Ange'egenheiten wurden bereits die Korporaticmeu um ihre Meinung befragt. Auch von HaiidcIsKammer», Bezirksämtern, Gerichtshöfen usw. wurden Fachgufachten über die Preise und diverse Angelegenheiten, sowie Vorschläge für viele Ernennungen verlangt. Die Steuerbehörde wju1§c|1|: ejne kpiitinuieVjiche Mitarbeit der Gewerbekorporationen' Sehr komisch sind manchmal die Antworten! So wurden zum Beispiel die behördlichen Kprporatioqskommissäre vom Ministerium befragt, wie das prözentuelie Verhältnis der Mitglieder' der Korpörätionevi nach Nationaiitäten ist, und wurden dabei unter .den Nationalitäten auch Juden als Nationalität aufgezählt. Eine solche Statistik gibt es aber n|cht. Auch aus den Namen kann man auf die djversen Nationalitäten nicht schließen. Nim half sich sp mancher so, daß er dps Resultat 1|er letzten Volkszählung vpu 1920 zur ITa»d nahm und das dortige prozentuelle Verhältnis der Einwohner auch bei den Mitgliedern der Korporation annainn. Bei den Juden aber merkte man sofort, daß ihr Nationalitaienprozentsatz ■der Bevölkerung viel kleiner ist als bei den Mitgliedern der Korporation״ Man gab daher etwas mehr an. Eine solche Rundfrage wird gewiß nur zu wichtigem Zwecke veranstaltet. Wer weiß, welch wichtige Schlußfolgerungen und Entschlüsse aus den ■derart gesammelten Daten "bereits erfolgt sind! Kaum ein Nichtjucle wußte aber, daß die meisten Juden sic!! bei der Volkszählung nicht als jüdischer Nationalität bezejehnetei!, daher man" aus dieser Statistik diesbeziigliph gm nichts schließen kann. So wurde denn auch ein unrichtiger, viel zu kleiner Prozentsatz Juden und dementsprechend größerer Prozentsatz anderer angegeben. Ein Beweis mehr, .daß die Beurteilung der komplizierten Verhältnisse unserer Juden eben auch bei ehrlichem Wqhl\yol|en — ohne sie nicht richtig* erfolgen kann. Interessant sind auch die an und für sich lobenswerten Be'sthej)i1ng611, für die Korporationen eigene Heimgebaude aufzuführen. Diese sollen natürlich zu ernsten Amts־! und Versammlungslokalen diesen. Flugs gesellt sich aber dq der •Leichtsinn hinzu und map wjll die Lokalitäten gleichzeitig oder hauptsächlich als Vergniiguij'gslokale mit Bühnen ausstatten'. Besonders in kleinen Städtchen', wo es noch keine Theatersäle gibt, will man sp auf Kosten der Korporation zugleich..auch dieses Bedürfnis befriedigen. So werden du!ch Generfilversammhings-Majpritätäbescliiüsse die Beiträge der vielen kleinen Leute der weiteutlegcneii' Dörfer ohne deren Wissen auch zu'diesem Zwecke erhöht. sjch auch diese vorteilhaft bedienen können. Dies ist die Gewcrbe-Kredit-Genossenschaft. Der Staat bietet soleben viele Vorteile :. Bavsubveritionen, Steuer- und Gebübrenfrejheit auch bei Intabulationen usw. Es gibt eine eigene amtliche Zentralstelle ziir Gründung und Ueberwachung von solchen. In' den Gew'erbekorporatiönskanzleiert wirken auch! schon bereits viele solche Kredithassen mit Erfolg. Mitglieder der Gewerbekorporationen! Die Lasten derselben müsset ihr doch ohnedies tragen, beteiligt euch ajso auch an den eventuellen Vorteilen derselben 1t» Gesamtinteressc! B. K. Die rückständigen Gebühren werden in den nächsten Tagen per Postauftrag erhoben. Wir bitten jedoch, uns die unnützen Kosten zu ersparen und das Abonnement noch vorher durch Erlagschein zu bezahlen. Heln|&inweihung des״,,Mewaksche-Thora“-Verelnes in Bratislava, Eine Feier besonderer Art versammelte am Kosch Chodesch Adar das Rabbi na t unserer Kehillah, eine ansehnliche Zahl Baa|e Battf»rn wie auch einen Großteil der orthodoxen werktätigen Jugend im neuerbauten Gemeindehaus Schreibe1'gass׳e. Galt es •doch, das neue Heim des Jugendiernverefnes ״M e w a k s c 41 e h Thor a‘V ■das die Keiii'Hah-Leitung in dankenswerter Weise diesem Zweck gewidmet hatte, in festlicher Weise seiner Bestimmung zu übergeben. Ein künstlerisch erstrangiger Chqrgesang, vom Ober- , kantor Stern und seiner sangesfreudi.gen Schar vor ge.- tragen, eröffnete •den Reigen der Veranstaltungen, nachdem tags'zuvor die Lerngemeinde der ״M. Th.“ in würdiger Wejse, rückblickend auf den bisher zurückgelegten Weg, von ihrem alten Keim Abschied genommen hatte. Der Präses» ij®s VeTclnes Herr Josef Weiß begrüßt ׳die Versammelteri und bittet Sc. Ehrw. Herrn' Öberrabbiner Schreiber durch eine Ansprache, der Feier ihre Würde z!u verleihen. Der ehrw. Redner hielt eine programmatische Rede, die weit über den Rahmen der Festversammlung hinaus an die weitesten Kreise gerichtet war. Von .der B׳edciitung der Feier ausgehend, betont Ehrwürden in wirkiuigsvoller A!rt ■die Wichtigkeit unserer Stadt als VV e 11- Zentrum des Thorastiidiums. Dieser Ruf lögt jedem einzelnep dje hocbwichtige und auglejcii yprnehtne Pfljcht auf, mit unibeirrbarer Geradheit, niaht achtend auf —■die Einz e 1- und N a t i 0 ת as si!m i 1 a ti p ti a n s t r •e b e nd'e n — Schlagworte unserer Zeit, der Thora in ,unsieirer Kehillah die würdige Heimstätte zu schaffen. —!־ Kulüisvorste-her Herr Simon Neu m a n 11 übergibt sodann namens der Genrcindelcitiiuig die Lokalitäten dem Verein, worauf Herr Max Frommer in wohlgesetzter Rede über das künftige Arbeitsprogramm referiert. Der rührige, verdienstvolle pädagogische Leiter des Vereines Herr Rabb. Unsd. orfer entwirft in klarer Gegenüberstellung des bisher Erreichten und des noch Anzustrebenden ein plastisches Bild der Aufgäbe unserer orthodoxen Jugend. Ein trefflicher Gesangsvortrag des Obe-rkaiitprs ■beschloß cjpti erstpn Teil •cl׳er Feier, Am Abend desselben Tages versammelten sich ׳die Festteilne.11 mer im Turnsaal■ •der Volksschule zu einer Sijiunfeier über die Traktate Bezah und Sanbedrijon. Auch hier gab es — nebst vorzüglichen kulinarischen Genüssen — eine Reihe anregender geistiger Darbietungen. Der eihrw. Rabb• David Wessely bot den andächtig Lau ״eilenden ein Fülle geistreicher Cbarjfuss. I-lerr Rabbiner Lebowitsch bei euch t!e׳|e in ersohöpfender Rede an Hand zahlreicher Agada-Stcljcn die Feier ^©s. Tages. Sodann behandelte Herr Rabb. Hirsch} er in seiner bekannt faszinierenden, geistspriilienden. Weisu ■das Seelenleben des jungen, Iieranwachsenden Jeliudi und seinen Weg ׳zum allein wahren. Thorazi.el. Nochmals erntete Herr Rabb. Unsd orfer mit e.|ner inhaltsvollen Rede verdienten Beifall. Auch die Schwestcrvereine der jubilierenden Ghewrah hatten ihre Vertreter entsandt. Namens dieser sprachen Herr Rabb. Simon Schreiber (Trnava) und Herr Du x ] e r (Navy Zamky). — In später Nachtstunde endete die eindrucksvolle Feier, die allen Anwesenden die segensvolle Tät׳ig׳k׳eJ; ■d.■'׳ ״Meiwakscbe-Tiiora“-Vereines deutlich vor Augen führte. Die Mitarbeit aller — der Jungen rnd der Baale Bätcim wird hoffentlich die Aufgabe de? ,M.-T!h.‘-Verein׳es,■ ׳a e Treffpunkt der ihres Wesens bewußten orthodoxen Jugend zum Zwecke ׳der V egb r e i t u n g v 0 n T horakennt n i s zu bilden, stets weitßpstrebend fördern. Vortrag ln 0er Agußas Jisroel-Jugeiidgruppe In Topolcany. A1|׳f Einladung dqr A'Sb'das Jisrpe!-Jugendgraßpe Schwiegervater des Herausgebers, Öberrabbiner Brach in Kosjce, nach eiijer Handschriift ׳de:s Ralbbi Sajmap Bonyhad זצ״ל apgefertigt hat, hier $qr׳g1{ältig ediert. Diese חיחשיס zclgeq u!1s c|qn ך|״ק ■in seiper noch jrigepcli{ciieu ßl(i|eze|t in Dresnitz und Mattersdorf, die aber schon den גאון ישארל von Preßhufg der vollen Reifezeit ahnen lassen. Ein Wort iibqi: diese חיהשים selbst wäre ein Wagnis. Von allgemeinem Interesse dürfte auch die auf ■Blatt 25 b abgedruckte Ahbandlutig über die holacliische Bedeutung •der vergleichenden Müuzwähriuig seiner Zeit (speziell ׳die von Frankfurt a. M.) sein. Diese Abhandlung stützt sich auf den Lehfer des ח״ם זצ״ל Rabbi Nathan A d 1 e r ז״ל und wird ■mit folgenden Worten eingejeltet: דע כי כל הטטבעוח אשר נזכיך ונשער כר,ם הו# עפ״י מה שקור אין הראנקפווט ווערט שהוא טטבע של ריור כי אוהו שבמדינות קיסר היא ככרה. משל רייך עשרים הר^צעבט ר״ל חמישית מלגו, ואמנם עחה אחר מלחמ-ח צרמת היא'נרועה הרבה מאוחה של רייר, והיינו הנקראת קמפענט יאהן מינע ר״ל איתק הנטבע עס״י הסכמת הקינטפענט כרעגנצבארג ראש נזמלכת המרינה ההיא ונמצא טבוע עליהם כך וכך יש ספיינע מארק ר״ל בזקוס במזוקק וכל זקוק ט״ז לויט כסף צחף• So spiegelt selbst in den □חיחשי wie in den שו״ח die Zeitgeschichte im Lichte der Halaclia ab. Zu bedmiern ist nur — wie bei vielen rabbjnischen Werken der letzten Jahre —daß der Herausgeber!licht auch darauf bedacht war, oder, vermutlich aus finanziellen Gründen nicht darauf bedapht sein konnte, ejnein ■solch wertvollen Werke eine entsprechende bessere Ausstattung jn Papier und Druck zu geben. Möge es ihm ermöglicht werden, recht bald weitere Handschriften des זצ״ל p״n der Qeffontliclvkeit gängjich zu machen! Das Werk ist beim Herausgeber erhältljpli zum Prejfie vpn Hch. K!5 für •da׳s geheftete und tseß. je 2Q f'ür das gebundene Exemplar. 8. Eine hebräische Monumentalbibel. Es darf wdhl 4fs ef-p erfreuliches Zeichen betrachtet werde», daß die verscliiedcnsten geistigen und literarischen Irr.•jressenteugruppeii im Judemuin allmäliiich beginnen, vcniiitiels 0■ r*11 ö t e•r Publikationen auf die Öffentlichkeit zu wirken. Die solchergestalt ins Leben •gerufenen neuen jüdischen Verlagsanstalten und Publikaticnsgesellscilvaften werden mit der Zeit sehr wesentlich dazu ■beitragen, ■die F r e 11 d■e a m jüdischen Buche als solchein zu wecke» und zu »hebe», Hier soll einmal von der Hauptsac'he, nämlich vom Inhalt, ■dem Wahrheitsgehalt oder dem relativen wissenschaftlicii-en Wert des Buches, n׳ic׳hi gespräche» werden. Gerade wir Juden haben tausendfach die Erfahrung gemacht» daß ein ״gesunder Geist“, was das Buch •anbetrifft, picht immer in einem ״■gesunden Körper“ haust, daß Werke von unschätzbarer Geistesfülle, die das jüdische Geistesleben jahrhundertelang za befruchten vermögen, g»r z׳u oft sich in Sprache und Gewandung darbieten‘, als ob sie zu ׳den wertlosesten Eintagsersclieiiiungen gehörten, dazu bestimmt, morgen wieder unbenutzt ein- •gestampft ׳zu werden. Diese Tatsache steht fest; ■in Orduung ist sie trotzdem nicht. Hier soll einmal darauf hingewiesen werden, daß. es wahrlich an der Zeit wäre, •darin Wandel zu sohafieu und die technischen Errungenschaften der Buc'lidrucikerkii'Ust unserer Tage endlich auch' in <ien Dienst des jüdischen Buches dermaßen zu steilem daß die Minderwertigkeit der äußeren Ausstattung, der Drucktypen, des Papiers und ai׳| dessen, was der ästhetische Ges oh mack fordert, die Freude des Bem'itzers an dem Buche nicht vergällt. Vergleichen wir die Ausstattung mancher »hebräischer Bücher aus der ersten Zelt nach der Erfindung Oes Buch druck es mit den Neuerscheinungen der letzten .lahrzdhnte, so fällt ■der Vergleich sehr zuungunsten der Bueh'kultur ׳unter uns Juden d׳cr Gegenwart aus. Das ״Volk des Buches“ hat in der äußeren Ausstattung seines Buches nicht Schritt ׳gehalten mit der Zeit ,und scheint den Sinn für Schönheit in der äußeren Erscheinung selbst der Dinge, mit denen es ..lieben und vertrauten Umgang“ pflegt, bis z»r vollständigen Anspruchslosigkeit eingebitßt zu haben. Um so mehr muß es begrüßt werden, daß nunmehr eigene jüdische ■bibliophile Gesellschaften und Vereine am Werke sind, ■die sich die Aufgabe stellen, das jüdische Buc'h als Buch zu »heben und die Heraus-! gäbe oder Neuherausgabe von älteren und uwen Werken zu ״veranlassen, die in buclUßcImischer und ästhetischer Beziehung den Anforderungen auch des ver feinten Ge־ schmaclces der ■Buch:liebh,ah׳er gut} Sammlet entsprechen 5>pilen. Von ■diesen Gesel|scha|te׳n, ■c|je naturgemäß — schon \yegen ■des hohen Mitgüedsbeitrages, den sie verlange» — awi einen sehr engen Kreis beschränkt sind, wird indirekt auch auf die allgemeine Buchkatlar ■unter de» Jude» eju wohltuender Einfluß ausgeiibt werden. Das wird »hoffentlich dazu führen, d׳aß wir über »kurz oder lang sowohl inhaltlicih hochstehenden als auch dem Aeußeru nach wohlgefällige jüdische Bücher in d׳i׳e Hand bekommen, die den vr־ liklischen Begriffen des, ואנו ה ן »und des ה י 11 ר מצו ה völlig entsprechen. Eine solche jiidische »bibliophile Gesellschaft ist die seit drei Jahren bestellende ״S 0 n c i n 0 ־ Q e s e 1 j s c h a f t der Freunde des jüdischen Buches E. V.“ in Berlin, Sie zählt nach dem Stande vom Juni 1928 662 Mitglieder und gab außer ■ihrer Zeitschrift ״Sonci.no־ B l ä 11 e r! Beiträge zpr Kunde des jüdischen Buches“ »auch schon einige bibliophile Glanzstücke »heraus, die für die lyjitelieder der Gesellschaft bestimmt sind. * Soeben verteilt die SQnc׳i1no-G׳ese׳Wsc!haft an ihre Mitglleder den Probedruck der von ihr vorbereiteten Mouumentala1jsga.be der »hebräischen Bibel. Der Druck erscheint in Großfolio in einer für die Gesellschaft von Markus B ■e 11 m e r nach allen Vorlagen neu geschah fenen »hebräischen Drucktype. Die Herstellung des Druckes erfolgt auf der Handpresse der Officina Serpentis zu Berlin. Seit vielen Jahrhunderten ■ist dies der erste Versuch, der von jüdischer Seite zur Herausgabe einer ästhetisch und inhaltlich einwandfreien hebiluscben T»ext1blbe| unternomnreu wird. Es dürfte weitere Kreise interessieren, was die Gesellschaft über ■diese neue Ausgabe der ׳hebräischen Bibel als Geleitwort ׳zum vorliegenden zweiseitigen Probedruck mitteiilt: ״Die Spncino-Gesellschaft plant die Fierausgabe einer hebräischen monumentale» Pibe|, Sie will mit dieser Publ!!kntio»n, ׳bei deren innerer und äußerer Gestaltung alle Mittel und Erfahrungen moderner Buchkunst Beriioksichtigung finden, dem heute leider nur wenig gepflegten hebräischen Buchdruck ein anspornendes Beispiel geben. Für eine solche Veröffentlichung, die zugleich d׳en wahren Geist des Judentums dokumentarisch erweist u!1d drucktechnisch als Vorbild wirke» soll, kommt allein die Bibel ip Betracht, das׳ Buch der Bücher, einzigartig und alles Überragend für ■uns Juden, sej es. daß wir auf die religiösen Gesetze, sei es, daß wir auf die Geschichte unseres Volkes blicken. Ist doch die Bibel das Werk, du»rch d.as das Judentum seine» stärkste» Einfluß auf die sittlichen Grund- ׳lagen der. Kulturmensclrheit ausgeiibt hat, zugleich aber,