Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 8 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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!feri*ml r?pl*M pdvbfetä rladÜ porf « ־־'■". ▼, Bratislava äs. 41S7a4n>2t. SeHnstfe» wnf Verleger versende!^. Journal expödie par l'editeir• j tu ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion n. Administration! Wien,11״ Leopolds* taue 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45-494־. Tiehechosiowakei! Bratislava, Postfach 140. Snchdtat jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementsprelse 1 Ganzjährig1 Fßr Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer Ost Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse“, Wien für Oester* reich t Postsparkassenkonto Nt• D-P3614; Deutschland: Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.־Amt Warschau Nr. 1S040Ü; Ungarn: Postspk.*Amt Budapest Nr.S0l70; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 41t7; für die Tschechoslowakei: ״Jüdische Presse“, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Mi*. 8 Wien-Bratislava, 22» Februar 8929 ב״ה וינדדפרעסבורג י״ב אדר תיפ״ט 15« Jahrg! Würde und Schönheit. In eine Künstlerwerkstatt werden wir geführt; da wirkten und webten, da schmiedeten und schlugen, da lösten und fügten Menschen mit weisem Herzen. Sie fertigten Gewand für die Priester, Gewänder, in denen Menschen am Heiligen und Allcrhciligsten ihren Dienst wahrnehmen sollten. Weisheit des Herzens ist ein Begriff, der uns sonst ferne liegt. Wir pflegen die Weisheit als eine Domäne des Geistes zu betrachten. Tatsächlich zuerkennt auch unser heiliges Schrifttum diese Eigenschaft der Weisheit des Herzens fast nur dem Künstler. Das ist ein Fingerzeig. Zwar decken sich die Begriffe nicht ganz, aber so ungefähr ist Weisheit des Herzens das, was wir mit Taktgefühl bezeichnen, Uebertragung der Erkenntnis von der Seelenverfassung anderer auf das Empfindungslebcn und derartige Aeußerung der Empfindungen in einer Form, welche der Seelenverl'assung des anderen entspricht, also Grenzgebiete der Welten des Denkens und Fiihlens. Weisheit des Herzens ist die Quelle dessen, was Avir derech crez nennen. Wenn nun einem Menschen die Kraft innewohnt, solche Formen der Lebensäußerung zu finden, welche allgemein in der Seele der Menschen harmonisehe Empfindungen auslösen und mittels der hiedurch erzeugten Gefühle die Lebenskraft erhöhen, so ist ein solcher Mensch ein chaham lev, ein Weiser des Herzens. Solch־ begnadete Menschen mußten es sein, welche den Priestern die Kleidung fertigten. All ihre Gedanken, all ihre Empfindungen sollten sie hineinweben, damit das Kleid seinem Zweck gerecht werde, zu be- Inhalten ״Würde und Schönheit“. ״Kleiderorclnungen“ gibt es in Hülle und Fülle, solche, die dem Luxus zustcuern, solche auch, die den ästhetischen Grundanschauungen jeweiliger Zeitströmungen Ausdruck zu geben versuchen. Es wäre verlockend, diesen kulturgeschichtlichen Kuriosen nach zuspüren. Allein wir kennen keine, die eine so allgemeinwertige üeberschrift trägt, wie sie unsere Thora in diesen lapidaren Worten: ״Würde und Schönheit“ aufweist. Wie weit ist der Abstand dieser Zweckbestimmung und dem banalen ״Schutz und Schmuck“, welches die Wissenschaft' der Gewandkunst als Bedeutung und Inhalt der Kleidung nennt. Als die .ersten Menschen sich irrend und fehlend ihrer überirdischen .Würde begeben hatten, verlieh ihnen der Allmächtige als Symbol ständiger Mahnung und Aufstiegs zu neuen Werten die Kleidung ״daß ein Mensch nur du bist“ dem bedrückenden Gefühle, das aus dieser Erkenntnis fließt, soll die Kleidung ebenso gerecht werden, wie entgegenwirken. Abhängig von allen Unbilden einer feindlichen Natur und in seiner שרמז כשר (חחת השגחת הרב ר׳ ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia F.ürst (Adas Jisroelj Ueberall erhältlich! robusten Empfindung verletzt durch .Tierähnlichkeit, schafft sich der Mensch iu der Kleidung Abwehr gegen beides, daß er der Kleidung bedarf, mahnt ihn an seine Schwäche, daß ci־ die Kleidung sich schaffen kann, erhebt ihn aus den Niederungen widriger Kämpfe. ״Doch daß ein Mensch du bist“, duß er in die Not- Wendigkeit Gesetze der Schönheit einweben kann, daß er in Formen und Farben den Sieg über die Harte der Notwendigkeiten zu denn erhöhten Lebensbewußtscin führen kanu, das ist ihm ein Triumph der Weisheit des Herzens. Die verschiedenen Zeiten haben dieses Problem der Kleidung in seiner Doppelgestalt verschiedenfach zu lösen versucht. Will aber der Mensch mit seinem Gewancl in das Allerheiligste seines Lebens vordringen, oder will er im Alltag seinem Kleicl die Geheim- ׳ nissc des Lebens ablausehen, so mag und muß er darin. Würde und Schönheit leben und. erleben. P. K. .Eigentlich sollte es u n jüdische Kuriositäten heißen, sicher ist jedoch, daß .es Kuriositäten sind, ,die hier verzeichnet werden sollen. Kuriositäten, die Juden begehen, wenn sie anfangen unjüdisch zu werden. In der jüngsten Zeit hat ein Abgeordneter im ungarischen Parlament lebltaft für die Hebung des Fremdenverkehrs plädiert und gegen jene gewettert, die ähren -Urlaub außerhalb Ungarns verbringen und somit die Fremdetiitidustrie anderer Staaten fördern. Besonders an den Juden ließ er kein gutes Haar, da diese nicht nur die. Sommerfrische außerhalb Ungarns verbringen, sondern auch׳ ׳ihre Wiintererholung außerhalb des Landes besorgen. Als Beileg führte er' Mariazell an, wo die Besucher der Mitternachtsinessen zu Weihnachten nahezu 80 Prozent aus Jucjen sich zusammensetzten. Der Abgeordnete erklärte ausdrücklich, daß er kein Antisemit sei, und den hohen'' jüdischen “׳Prozentsatz■ an den M׳itt e r 11 a ch ts messen in Mariazell bloß als Kurios 1 tat liervqrgehoben, habev Wik .wissen' selbstverständlich nicht, ob die Besucher von " Mariazell noch Juden oder schon Taufjuden waren, eine Kuriosität bleibt es. immer-, hin, daß Juden oder Judenstä.mm'linge ,kein anderes Ver-' gnfigen haben, denn als Messebesucher in Mariazell auf- Zufällen. ־1: Daß Taufjude.» übrigens dringender Erholung bedürfen, braucht nicht weiter wunderzmiehmeii. Es geht ihnen in der letzten Zeit, besonders in Ungarn, schlecht. Da ist gleich der Fall der Gräfin Keglevich, die in der jüdischen Welt unter ihrem Mädchennamen Alice K oh n er bekannt ist. Schon ihre Großeltern, die adten Kohners, wurden baronisiert, desungeachtet aber hielten sic sich treu zur jüdischen Tradition und nahmen trotzdem einen raschen Aufstieg. G־tt segnete ihrer Hände Arbeit und sie wurden reich, so reich sogar, daß ihre Kinder bereits einen wirklichen hochfeudalen Grafen als Schwiegersohn einsetzen konnten, selbstverständlich, nachdem die Tochter sich nicht nur durch viele Milliarden, sondern auch ׳durch di׳e Taufe als ־würdige Ehehälfte eines Grafen präsentieren konnte, eben jenes Grafen Keglevich. der dieser Tage durch ein Budapester Gericht entmündigt werden mußte, nachdem er die Mitgift, die er von der Komteß Kohner mitbekam, verpraßt ׳hat. Eine Kuriosität, ׳die aber nach zehnjähriger Taufseuchc in Ungarn keine Rarität mehr ist, denn so manch edelgcborener jüdischer Komteß ist ein ähnliches Schicksal widerfahren. Die Reichtümer, die die braven jüdischen Väter gesammelt und durch die BaronlS'ierung mi't einer siebenzackigen Adclskrone geschmückt haben, sind in der Hand der gräflichen Schwiegersöhne verlorengegangen, zusammen mit dem alten Glauben, der die Väter groß und stark gemacht hat. Es ist kein Wunder, daß unter dein Eindruck solcher Kuriositäten der Abscheu vor den Täuflingen nicht nur in jüdischen, sondern auch in gut christlichen Kreisen Ungarns wächst. Dieses Gefühl der Verachtung hat bei den jüngsten Wahlen der Budapester A d v o k a t e 11 k a 111 m c r eine ganz merkwürdige Rolle gespielt und ׳bot eine Kuriosität ganz besonderer Färbung. Zwei Parteien standen in bitterster Fehde einander gegenüber. Zwei Parteien getrennt durch . weltanschauliche, durch soziale und wärtschaftüche Differenzen. Beide Parteien hatten einige Juden, aber noch •mehr Täuflinge in ihrer Kandidatenliste, da verfiel ein wackerer jüdischer Advokat auf die Idee, bei beiden Parteien dafür ei 11zutreten, daß kein Täufling in die Repräsentanz der Budapester Advokatenkammer komme. Geleitet von der Erwägung, daß der Beruf eines Advokaten Vertrauen erheische, wie aber könnte man einen! Individuum Vertrauen, schenken, das ‘treulos gegen den Glauben seiner Väter ׳handelt. Die Idee hatte hei beiden Parteien eine überraschend günstige Aufnahme gefuiiden, und die erbitterten Gegner vereinigten sich auf die gemeinsame Streichung aller j ii d i s c h c 11 Täuflinge aus der Kandidatenliste. Sie würden tatsächlieh nicht gewählt und der Kamrnervorstand der Budapester Advokaten weist jetzt achtbare christliche und. jii׳clisehe Persönlichkeiten auf, aber —■ und ■das ist bei den Budapester Verhältnissen eine Kuriosität ersten Ranges —: keinen einzigen׳׳ Täufling.׳ ■ :1: Ein ganz anderes, aber nicht minder ׳kurioses Ges'idit hat das T a u f l ä n g s p roh 1 e׳m i.11 Oesterr'c-ich. Eigentlich äst es nicht richtig,!in dem republika-!tischen Oesterreich von einem Täiiifliiigsproblem m sprechen. Man hat es heute nicht mehr nötig, sich taufen zu fassen. Früher im O'brigkcitss.taat wohl noch, aber in der Republik begnügt man sich mit dem Austritt aus■ dem Judentum und wird konfessionslos. 111 dem fein abgetönten ruhigen Oesterreich nimmt man leider — und das äst die österreichische Kuriosität — diese alb-gefallenen Juden nicht so bitter ernst, wie man es eigentlich tun sollte. Erst unlängst!begegnete ich' im Büro eines hohen staatlichen Funktionärs einem österreichischen Minister und!beide waren — Täuflinge. Ich hätte ׳dies nie erfahren, wenn der eine nach unserem Bekannfcwerdcti mir nicht beteuert hätte, daß er durchaus nicht in einen Topf mit anderen Renegaten zu werfen sei. Er sei weit davon entförri't, Antisemit zu sein, er sei sogar ein eingefleischter Philosemit. Ich ׳mußte diese Beteuerung — ich bin ja auch ein richtig gehender Oesterreicher — mit süßsauerer Miene zur Kenntnis nehmen, ohne daß ich mir den Mut gcncmmcii hätte, dem Täufling meinen Standpunkt gebührend klarzumacben. Es ist dies eben eine österreichische Kuriosität, daß wir Juden unsere Täuflinge mit derselben höflichen Liebenswürdigkeit behandeiln, als ob sie *die Charaktervollsten Menschen wären. Nicht anders ׳benehmen \v׳ir uns gegen jene, däe sich wohl nicht taufen lassen, aber stolz 111 ihrer Konfessionslosigkeit einhergeheti; auch diese sind Renegaten, die am eines besesren Vorwärtskommens willen ihr altes Judentum im Stiche lassen. Das österreichische Judentum nimmt dies in' stiller Resignation mit verstand-! n'isvo'llem Einfühlen in die Situation des anderen zur Kenntnis, dies ist eben auch eine — Kuriosität, die dem österreiohisclien Judentum durchaus nicht zur Ehre gereicht ־“i‘• Wenn wir Oesterreicher uns auch zu einer konseq-uenten Schärfe nicht a׳uiraffen; können, so ,lustig und leichtfertig, wäe man weiter im Westen die Tragödie des Abfalles hin nimmt, behandeln wir die Sache denn doch mmum Sorgfältigste Lisferuno in plombierten Säcken van 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons?ל Kohlen■ und Koksgroßhandlung Nordwectbahnrutsche Wien, ii., Qb.Donaustr. 107 Fernsprecher R-47-1-88 Was bietet die führende _ Othmap Schiff, Wien, 1., HlärninerringS in Damenperücken? I. Modernste und Individuelle Ausführung 11■ Tadellosen, mustergültigen Silz Hl- Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen (gegenüber dem Hotel Bristol — Tel. 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