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Jüdische Presse · 1929-02-15 · 7 (15.2.1929) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
15 (1929)
Issue
7 (15.2.1929)
Date
1929-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novterr* t*plata4 povolenfe riadlt post a telezralov * 4>“ v Geltungen vom Verleger verbildet ▼ BratteJave tfs. 4187240-211. Journal expMie par l‘odH«*r. .:*.8.« ■ ■י’ :. JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. NmaictioD ta. Administration > Wien, 11..Leopoldsfasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45-4-94. Tschechoslowakei 1 Bratislava, Postfach 140. ftitcheint jeden Freitag — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementspreise) Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst Gr. 40, das Übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse*, Wien für Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-f-3614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Post-pk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.*Amt Warschau Ni. »90409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50!70; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; tür die Tschechosl wakel: ״Jüdische Presse“, Biatls'ava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.•86• 3ל Nr. 7 Wien-Bratislava, 15. Februar 1929 ,ב״ה וינה־פרעסבויג ה, אור תי־פ׳ט 15• Jahrg» Neue Kämpfe in Jerusalem. Soweit das jüdische Publikum!sich überhaupt für jüdische Dinge interessiert, ־weiß mau allenthalben, um was es sich in den jüngsten• Jahren in Jerusalem in Bezug auf innenpolitische Angelegenheiten handelt, wir wollen es deshalb nur kurz wiederholen: Die Mandatsmacht England hatte!beschlossen, der jüdischen!Gemeinschaft in Palästina eine Gemeindeurdnung zu ׳geben. (Die ursprünglichen Entwürfe wiesen geradezu mittelalterliche 1Bestimmungen auf, die den schlimmsten■ Gewissenszwang involvierten. Es gelang schließlich, der Verfassung eine Form zu geben, die zwar die Orthodoxie zu ׳zum Teil rechtlosen Juden ,zweiter Klasse prägt, aber ihnen immerhin die teuer erkaufte G e wi ssen sfr ei heit bewahrte; diejenigen Juden, die sich nicht in die Zwangsorganisation der vom zionistischen Wiaad Leumi beherrschten sogenannten ,,!Kenesses Jisroel“ einfügen wollten, mußten dies durch ■Unterschrift!bekunden. Die Liste der Ausgetretenen;!wurde bereits vor Jahresfrist dem Waad Leumi und der Mandatsmacht überreicht, so wie es die umständliche Prozedur erfordert. Es waren über •13.000 erwachsene!jüdische Menschen, die ihrer Ueberzeugang ■dieses ׳mühevolle und ׳kostspielige Oipfer!brachten. Andererseits hatte Waad!Leupii die Pflicht, eine Liste der jüdischen :Seelen! in Palästina anzulegen.. Es ist natürlich ׳begreiflich,, daß Waad Leumi nichts unversucht! ließ,, urh die Liste der ׳Ausgetretenen!zu• annullieren und ׳ wirkungs־• los zu machen. Jetzt erst, d.‘. h. 15!Monate nach Erlaß der Verfassung, publizierte- Waad Leumi seine Liste, in die er sämtliche Ausgetretenen wieder aufnahm, so, daß!bei einer nicht sehr wdhiwdllenden Interpretation׳ der!Bestimmungen ein nochmaliger Austritt sich als notwendig erweist. Fiür diese ganze Arbeit ist eine Frist von vier Wochen gegeben. Es. war am erwarten, daß Waad Leumi dabei es an rigoroser Interpretation nicht fehlen ließ. So berichtet wKol Jisro e l“,.daß ein Teil der. Listen ■nicht alphabetisch gehalten ist, bei einen) Teil der :Namen ein inzwischen eingetretener Wohnungswechsel nicht berücksichtigt ist, die Listen nicht an genügend sichtbarer. Stelle und nicht in genügend ״großer Zahl aufgelegt wären «sw. usw. Man ■fragt sich eigentlich vergeblich, was will Waad Leumi? Daß die Absicht vorliegt, die an und für sich’ wohl-־ wollende Haltung der englischen •׳Regierung ׳wirkungslos zu machen, ist ja klar. Es ist ja ätich •־möglich, daß die Folgen der öbdn bezeichneten Schritte und der zweifellos geplante Versuch, den Austritt zu erschweren, sich in einer geiin־ geren Zahl der Austretenden auswdnken ׳kann. Die Orthodoxie, die «ach den Anstrengungen des Vorjahres an ■einem gewissen 'Zielpunkt ihrer Bestrebungen angelangt zu sein glauben durfte, die ferner!nicht über die reichen■, für den Aufbau in Palästina in allen Ländern der Welt gesammelten Mittel verfügt, kann gewiß innerhalb 14 Tägen die Arbeit .nicht leisten, zu der Waad Leuh1i 14׳ Monate ■brauchte. Aber dessen mag sich Waag Leürni versichert halten, daß diese Kriegserklärung verstanden wird, Wiif zweifeln keinen Augenblick daran, daß nun eine geschickte journalistische Macht wieder toben, rasen und darüber zetern wird, daß die Aguda wieder an nichtjüdische Kreise herantritt. Man kennt diese Methode, aber' was bleibt denn den armen Orthodoxen in Palästina anderes übrig, als angesichts dieser Vergewaltigung wieder einmal an alle diejenigen Stellen heranzutreten, die ׳mit der Ausübung und Ueberwachung des Mandates betraut sind. Man möge ferner nicht vergessen, daß, wenn auch diese Ueberrumpelung seitens des Waad Leumi irn ersten Augenblick vielleicht faule Früchte trägt,, ־ja doch uach dem •Wortlaut der!Bestimmungen im Laufe jedes Jahres eine neue ׳Möglichkeit geboten!wird, auszutreten, und man mag überzeugt sein, daß die Orthodoxie, gegen die man diesen neuen Versuch dieser Knebelung gewagt hat, es allmählich lernen wird, sich ihrer Haut zu wehren.!Allein angesichts dieser Situation ist noch ein Wort zu sagen. Es hatten sich im Vorjahre' ■bedenkliche Unst'immigkeiten innerhalb ■der zum •Austritt •bereiten orthodoxen Kreise gezeigt. ■Es erübrigt sich heute, über die Motive dieses ׳Grundübels zu sprechen. Wir möchten der Hoffnung Ausdruck •geben, daß a 11 g e s i c h t s׳d e r a ׳11׳ g c n blickliehen Lage diese Zwistigkeiten a tempo b׳e!gelegt werde•11 und sich alle s, was sich n i c h t 1 n ,.K e 11 c s s 'e s J i s r 0 e 1“ e i 11 f ii g C n will,: a 11 f e in •er Plattform e i 11 i g t. Wir bedauern diese Vorgänge um so mehr, als sich gerade in der!jüngsten Zeit, anläßlich der ■Frage der Wiest-* mauer, vielversprechende Anfänge gezeigt haben, die dar-•• tun sollten und konnten, daß in wirklich gemeinsamen Dingen die Aguda bereit und gewillt ist, mit Waad Leumi zusarnmen jüdische Interessen zu vertreten. Es ist außerordentlich z u b e d a 11 e r n, d a ß d i!e s e zarte F r ii h 1 •i 11 g s b 1 ׳ii t e von dem jähen Frost p 0 1 i t isehen ■Eigenwillens erstickt w i r d. Das müßte nicht sein, denn schließlich wird ׳ja doch über kurz oder lang ein friedliches Nebeneinander in Jerusalem platzgreifen. P.. K. Jüdisches Schicksal. Ein zweiter Artikel des Anonymus. Sehr geehrter ׳Herr ׳Redakteur! Sie ■teilen mir freundliehst :׳mit., daß ׳meine ״S t׳r׳e׳i flieh te r“ von Ihrem Leserkreise überaus beifällig aufgenommen wurden. Sie ersuchen mich;um weitere Aufsätze. Soweit •es •meine Zeit •erlaubt, erfülle ich gerne Ihre Bitte, ohne mich •aber dauernd hiezu verpflichten zu können. , I. Habe •ich vorige Woche •die Tagesereignisse durch weine orthodoxe ׳Brille betrachtet, so ׳möchte •ich diese Woche jüdische Schicksale in ihrer A11 gerne in- ■hei t registrieren. Da ist ׳es nun vor allem ■das Schicksal von Leon Trotz k i. das schlechthin als ׳jüdisches Schicksal bezeichnet werden muß. Sicherlich, Herr Trotzki hat dem jüdischen Glauben schon längst Ade gesagt.. Es wird von ihm erzählt, daß er ׳in seiner Jugend — damals ׳hieß er noch brav - kleinbürgerlich ׳Bornsteim ׳und studierte in Wien — einmal dringend von seinem •Ouartiergeber als Minjanmann ׳(•als Zehnter) •aufgefordert wurde. Es kommt unter Juden selten vor, daß man diesen Liebesdienst Glaubensgenossen ׳gegenüber verweigern würde; Herr Trofczki-Bornstein war ׳aber schon damals!nur äußerst schwer zu dieser Gefälligkeit, die implizite ein ׳Bekenntnis zum Judentum!bedeutet.‘ au haben. Was der klembüfger־ liehe Böirisidii versprach, das hat der!revolutionäre Trotzki in noch: erhöhtem Maße 'gehalten. Der große Held der russischen Revolution, •der geschickte •Organisator dei Roten Armee und der!treue Mitarbeiter Lenins glaubte, das Judentum seiner Väter und seine jüdische Abstammung ganz verleugnen׳ zu! können. Nun muß der oppositionelle T rotzki exilieren, •das Sowjet ruß] and, das er mit schaffen half, kann ihn nicht mehr •innerhalb seiner Grenzen ׳dulden׳. •Herr Trotzki muß in Gö!l׳us ziehen und da erlebt und erleidet er das :jüdische Schicksal, das wir seit unserer Zerstreuung immer in vers chie denen Formen, ׳aber im Wesen immer gleichartig •erfahren!. :Im Mittelalter hat •man die großen jüdischen Geldherren ausgeraubt und׳ vertrieben, wenn •nicht •abgeschlachtet. Und noch immer, wenn •die Juden ihr bestes Wissen und Können1 ׳in den• Dienst der Völker •und Staaten gestellt, die sie ׳zu Blüte und Größe gebrächt haben, ■kam. die Reaktion, die nach ihrem Lehen trachtete oder ihnen den Wandersta-b •in die ‘Hand drückte. Die modernen Völker und Staaten haben im Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 60 kg angefangen franko Haus, ebenso In Fuhren und Waggons 5* JULIUS HABER Kohlen- und KoksgroBhandlung Nordwestbahnrutsche Wien, II., Ob. Donaustr. 107 Fernsprecher R-VM-88 Laufe der Zeit noch etwas zugeiernt. Sie wolle« keine •Märtyrer •mehr schaffen, sie begnügen sich mit •dem Wand er stab, den der Jude in die Hand .!nehmen muß;• Leider, wir Juden haben׳ nicht einmal׳ soviel gelernt, wir glauben noch immer, ׳unseren׳ Geist, unser Wissen •und •Können׳ •besser anzuwenden, wenn ,wir sie statt in! de׳n Dienst des Judentums in de« Dienst der Allgemeinheit stellen,• und zwar in den •Dienst der'■Allgemeinheit mit Aus-- Schaltung des׳ Judentums, ja oft sogar gegen dasselbe.. Aber darauf folgt immer die gleiche Reaktion, סיס ■in dem mittelalterlichen Ständestaat, ob in der modernen׳ Sowjet•:■ republik. Herr Trotzki wird sicherlich in seiner unfreiwilligen Verbannurl.g über dieses Problem nachdenken־ müssen׳ und am Ende in seinem Alter als Herr Bornsteim־ gerne sich zu der ■jüdischen Gemeinde, wenn es nötig •auch als ׳Minjanmann, zählen. II. Das jüdische Schicksal bringt es mit sich, daß die Juden in Europa unter den Voliksrassen vor oder mach,, aber immer in unmittelbarer Nähe der. Zigeun e r aufgezählt werden. Infolge einer — ׳ich gestehe selber: straf-, liehen —. Assoziation denke ich immer,!wenn ■ich von Zigeunern lese, im geheimen■ an uns Juden. Da׳ fällt •es!mir auf, daß ׳zurzeit in Trencin. (in der Slowakei) ein ganz merkwürdiger iBlutprozeß geführt wird. •In■ einem Weihen slowakischen Dorf nächst Trencin namens Pobedim •haben sich die Ortsbewohner• zusammengetan und unter Musikbegleitung das Z i g e u «•e r v 1 e x t e 1 aus g erottet, also einen regelrechten Pogrom ׳durchgeführt, dem •Frauen, Männer ׳und Kinder auf grausamste Weise zum Opfer fielen׳ und• ׳bei dem viele Menschen• zu dauern^ den Krüppeln geschlagen wurden. loh sage viele Menschen, in •Pobedin gesteht man bloß zu, viele Zigeuner und' Zigeurierinnen. Die Tschechoslowakei Ist aber ein Rträfif&i Staat und den ׳mutmaßlichen׳ Mördern wird der Prozeß gemacht. Der ganze Gerichtshof und alle belastenden Zeugen sind ohnmächtig dem solidarischen Leugnen der Pobediner gegenüber. Drei Kilometer weit hörte man das Wehklagen der Gefolterten, nur in Pobedin, 150־ Schritt entfernt von dem grausigen Schauplatz des Pogroms, ■hörte man nichts. Dem Ausgang des Prozesses sieht ■man mit großer Spannung entgegen. Für uns Juden wird er keine große Ueberv raschung ׳bringen. Man hat Pogromhelden noch nie ber straft. Insolange der Rassenhaß ein Instrument der Staats- Politik oder der Gesellschaftsordnung •bildet, •ist man gegenüber dem organisierten Mord geschlossener und entschlossener Menschengruppen wehrlos. Das lehrt «ns das z wei tausendjährige jüdische Schicksal, III. Es könnte selbstverständlich auch sein, daß in einem geordneten Staatswesen die Macht des Staates derartige organisierte Verbrecherorgien hintanhalten kann. Wenn •jemand aber unbedingt auf die Gewalt dieser Staatsmacht pochen ׳möchte, der sei auf die grausamen Schlachten zwischen Hindus ■und Mohammedanern, die zurzeit ■in Indien wüten, verwiesen. Diese Schlachten werden in der_ ׳europäischen■, vielfach auch in der Wiener Presse als R i t u a 1 m 0 r d e bezeichnet. Der Durchschnittsleser denkt wiederum an das jüdische Schicksal, unter der Was bietet die führende Weltfirma OthmarS chifff. Wien, I., ELärntnerringB £?565ל1.3"ו1.™ - ״> in Damenperücken? 1■ ►׳ödemste und individuelle Ausflihrur.g II. Tadellosen* tnusterglilt gen Sitz 111. Hur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen Die Firma Othmar Schiff legt aber* größten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzüstelieh. *־■ _ Setzen S i e sich daf׳er bevor 3 e eine Perücke kaufen In Ihrem ureigensten Imeresse m׳t der Finna Othmar SshiJf in Verbindung!

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