Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 15 (1929)
- Issue
- 1 (4.1.1929)
- Date
- 1929-01-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NovlnovG vyplatn6 povoienö riadit post a telegrafov ▼ Bratislave öis. 41572-11120־. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expödie par 1‘editeur. DIE INTERESSE* DES ORTHODOXER JUDENTUMS. Redaktion a. Administration! Wien, H..LeopoldsfM8e 26, i. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 45*4-94.?achechoslowakei t Bratislava, Postfach 140. Sficheint jeden Freitag — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. Abonnementspreise» Ganzjährig; Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen auf Konto «Jüdische Presse",Wie«! für’Oesterreich: Postspaikassenkonto Nr. D43614; Deutschland: Post- Scheckkonto Beiiin Nr,.1619י״; Jugoslawien: Postspk.־Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Amt Warsch « u Nr. 190409; { Ungarn: Costspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״Jü - נ dische Presse“, Biatislava, P0Stspk.-Amt Prag Konto Nr.53186 Nr. fl Wien-Bratislava, 4. Jänner 1929 וינה־פרעםבויג ב״ב טבת תיפ׳ט v3 fl5. Jahrg« Die religiösen Verhältnisse in Sowjetrußland. Die materielle Lage der Rabbiner — Ismar Freund über die religiöse Lage. Die materielle Luge der Rabbiner in Rußland war seit jeher von dem wirtschaftlichen Zustand der Gemeinden bedingt; da die Rabbiner keine selbständigen Einkommenquellen besitzen und auf die Einnahme und das Gehalt, welches sie von den Gemeinden beziehen, angewiesen sind. Es ist daher verständlich, daß zu einer Zeit, wo die ganze jüdische Bevölkerung von den politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen schwer betroffen wurde, der jüdische Lehrstaud in erster Reihe darunter gelitten hat: so sind die Rabbiner in Rußland ebenso brotlos wie ihre Gemeinden. Aber außer der allgemeinen Armut leiden «.die Rabbiner in dieser schweren Zeit noch doppelt unter der negativen Beziehung des Sowjetstaates überhaupt, uiid insbesondere der jüdischen Sektion der kommunistischen Partei; zu der religi- Ösen Führerschaft des Volkes. Infolgedessen sind die Rabbiner ökonomischen Maßregelungen ausgesetzt und haben unter einem besonders schweren ökonomischen Druck zu leiden. Die weiter gebrachten Ausführungen basieren auf Beobachtungen, die in Rußland während längerer Zeit gemacht worden sind und auch auf den Angaben, die aus den Briefen aus russischen Rabbinerkreisen entnommen sind. Diese Briefe schildern die Lage in verschiedenen Kreisen Weißrußlands, der Ukraine und der zentralen Republik; sie sind aber charakteristisch für die Lage in allen mittleren und kleinen Städten, denn die Ursachen des Mißstandes sind überall die gleichen. i. Wie leben die Rabbiner? Aus allen Briefen der Rabbiner atmet die unerträgliche Schwere ihrer Lage; man ersieht aus denselben, welch schweren wirtschaftlichen Kampf um das tägliche trockene Brot diese Leute auszustehen haben. Kein einziger von ihnen weiß, auf welche Weise er am nächsten Tage Brot für seine Familie verdienen wird. Trotz ihrer großen Anspruchslosigkeit, gelingt es ihnen doch nicht, das Notwendigste aufzubringen. Auszüge aus diesen Briefen sprechen eine deutliche Sprache: ״Es handelt sich um die Rettung unseres Lebens, es ist einfach unbeschreiblich, welche Qualen der Armut wir und unsere Familien auszustehen haben.“ Es fehlen Worte, um die traurige Lage der Rabbiner und die moralischen und materiellen Unterdrückungen, denen dieselben ausgesetzt sind, zu schildern. ״Ich habe bisher noch nie, seitdem ich als Rabbiuer einer jüdischen Gemeinde vorstehe, versucht, um Hilfe zu bitten.“ ״Die Einwohner meiner Gemeinde befinden sich in einer derartig traurigen Lage, daß sie, ungeachtet ihres guten Willens, mir zu helfen, einfach nicht imstände sind, es zu tun.“ Diese soeben genannten Auszüge beziehen sich nicht nur auf diejenigen Rabbiner, die diese Briefe geschrieben haben, sondern sie sind maßgebend für die traurige Lage des ganzen Standes: ״Alle Rabbiner sind den schwersten Leiden und dem Hunger ausgesetzt.“ ״Infolge der großen Teuerung insbesondere leiden alle Rabbiner Hunger und Mangel am Allernotwendigsten.“ Die Leiden der Reste unserer Gelehrten, der Talmide Hachomim, die ihre ganze Jugend dem Studium gewidmet haben, sind unsäglich. ln einem Briefe lesen wir: ״Ich bin keine Ausnähme, alle Rabbiner leiden, der Rabbiner in Sch. hungert, der Rabbiner von K., der ein großer Gelehrter und ein gottesfiirehtiger Mann isjt,־ hat gar keine materiellc Stütze, ebenso der Rabbiner aus B.“ Ein früherer Rosch-Jesclmvja aus S1 — — k erzählt von dem traurigen Los der l|esten Zöglinge dieser Jeschiwa, die alle von Armut 1|nd Mangel am Allernotwendigsten geplagt werden. | 2. Die Teuerung. Die Verpflegungsverhältnisse sind in diesem Jahr in Rußland ..besonders ungünstig: Brot und andere Lebensmittel sind nur in ganz kleinen Mengen in den Städten vorrätig. Im Zusammenhänge damit'herrscht eine allgemeine Teuerung, die allernotwendigsten Waren sind nur dann erhältlich, wenn man darnach stundenlang in der Reihe stellt']pnd wartet; und dann '־erhält' jeder aucli uiiF ei'h'evRegr'?1izte Ration.'״Dic-*-Rabv biuer, für welche die Türen der Arbeiterkorporative geschlossen sind, leiden besonders . unter den schweren Verhältnissen. Wir entnehmen einem Briefe aus Weißrußland folgendes: ״Bis zu diesem Sommer hat man gelebt und die Möglichkeit gehabt, sich satt zu essen, jetzt jedoch müsseit wir, infolge der Teuerung, das Allernotwendigste entbehren.“ Das gleiche Motiv wiederholt sich in allen Briefen. Das Einkommen. Das normale Einkommen eines Rabbiners in den mittelgroßen und kleinen Städten Weißrußlands und der Ukraine variiert zwischen nichts und 50 Rubel. Früher hatten die Rabbiner verschiedene Einkommenquellen: die Hauptquellc war das Gehalt und verschiedene Monopole, wie z. ß. Licht und Hefe und außerdem noch das Einkommen von der ״Scliechita.“ Was ist jetzt aus diesen Einkommenquellen geworden? Daß die früheren Monopole nicht mehr bestehen, ist klar, da in jedem Städtchen halbstaatliche Arbeiter-Kooperative bestehen, die es sich a l s Verdienst anrechne 11, wenn sie de in R a b b i n e 1׳ die Quellen zum Lebensunterhalt seiner F a in i l i e entziehen könne n. Auch der frühere Hauptposten des . Einkommens — das Gehalt — hat versagt, denn es existieren keine שומז כשי (תחת השגחת הרב ד ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlich! Gemeinden■ mehr im früheren Sinne, die den Rabbinern־ Gehalt zahlen können. Diese Gemeinden sind von der Sowjetgesetzgebung gänzlich aufgelöst; das, was als religiöse Gemeinschaft von der Sowjetgesetzgebung noch geduldet wird, ist ein mittel- und rechtloses Gebilde. Zum Unterschiede von privaten Gesellschaften besitzt die Religionsgesellschaft weder das Recht einer juridischen Person, noch das Recht der Benutzung eines eigenen Siegels. Diese Gesellschaft hat kein Eigentumsrecht; alles Eigentum, das den früheren, Religionsgemeinden gehört hat. ist jetzt als Volksbesitz'.enteignet! Es ist verständlich, daß keine Gemeinde unter diesen Umständen ihren Rabbiner erhalten kann und derselbe ganz auf die opferwillige״ Beiträge der Gemeindcmitglieder angewiesen ist. Auch mit der Schechita ist es anders geworden: Die Schechita war früher einer strengen Kontrolle der Gemeinde und des Rabbinats unterworfen, die sich insbesondere auf die rituelle Seite bezogen hat. Jetzt, mit der Entrechtung der Gemeinden und des Rabbinats, herrscht eine gewisse Unordnung in den Schechita-Verhältnissen. Wandernde Schochtim kommen in eine Stadt und ״Schächten“ ohne das Rabbinat ’ um Erlaubnis zu fragen; es ״Schächten“ auch solche Personen, die als unzuverlässig bekannt sind. Schochtim dieser Art erfreuen sich selbstverständlich der weitgehendsten Unterstützungseitens•‘■der Jowsektion: sie; werden mit Koscherfleischliefcrungen für die Arbeiterkooperative, betraut.• Alles dieses macht auch das Schechita-Einkommen der Rabbiner illusorisch. Bezeichnend für die Zustände in Rußland ist, daß ein früher allerorts übliebes Einkommen — die Belohnung für die Ausübung der Trauungszeremonie — jetzt allmählich verschwindet, denn die Rabbiner nehmen •hierfür keine Bezahlung mehr, um nicht einen Vorwand für das Ueberhand- ־nehmen der Zivilehen zu liefern. Schließlich ist der grüßte Teil der Rabbiner, um sich selbst und ihre Familie am Leben erhalten zu’ können, darauf angewiesen, eine freiwillige Unter-1• Stützung in der Form einer wöchentlichen Gabe, : die unter den Gemeindemitgliedern gesammelt wird, entgegenzunehinen. Es wird eine Liste der Personen, die sich diese freiwillige Steuer auferlegt haben, zusammengestellt und jede Woche gehen zwei Leute in der Stadt umher und kassieren das Geld ein. Die Liste schrumpft, infolge der wachsenden wirtschaftlichen Armut, allmählich zusammen und auf dem Rabbinerheim lastet der Hunger schwer. 5. Die Steuerlasten. Das Sowjet-Besteuerung.ssystem rechnet die Kultusdiener, und darunter auch die Rabbiner, zu den feinden der Sowjetrepublik, die man möglichst hoch besteuern muß. In kleinen Städtchen führen die Be- Steuerung größtenteils die jüdischen jewsekisch orientierten Beamten, die überall den Rabbiner zehnmal so hoch, als es seinem wirklichen Einkommen entspricht, besteuern, und falls er nicht imstande ist zu zahlen, so wird ihm das Letzte aus dem Hause weggeführt. Es existiert in Rußland außerdem eine sogenannte individuelle Steuer, die eigens dazu dienen soll, die der örtlichen Macht unliebsamen Personen wirtschaftlich zu ruinieren. 4. Die Lage der Rabbiner in den Kolonien. In den Kolonien ist die jüdische Bevölkerung zu arm, um ihre Rabbiner unterstützen zu können. Dazu kommt noch der Umstand, daß die Jewsektion sich alle י* ־Was bietet die führende Weltfirma Othmar Schiff, Wien, I., KärntnerringÖ SlsloS Tei.*«■■”!-3?62) in Damenperücben? B Im Modevn&t© und individuell© Ausführung^ 11י Tadellosen, mustergültigen Sitz? III« Nur erste Qualität in Material u. 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