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Jüdische Presse · 1928-11-02 · 42 (2.11.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
42 (2.11.1928)
Date
1928-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Noviaovd v^platnö povolen6 riadlt post a telegrafov v Bratlslave Öls. 41572-111-20. Zeitungen vom Verleger versendet Journal expOdle par 1‘edlteuf. V.h* JÜDISCHE PRESSE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion n. Administration 1 Wien,!!.,Leopoldsfasse 26,1. Stiege, 1. Stock, — Tel. R 45-4-94. Tschechoslowakei > Bratislava, Postfach 140. Brscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: pftr Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland! 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreichs PostsparkaesenamtWIen, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! 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Die Aufmerksamkeit der orthodoxen Welt ist derzeit nach Warschau gerichtet, wo die Führer der Agudabewegung versammelt sind, um formell an der dritten Landeskonferenz der ׳Landesorganisation der Agudas Jisroeil in Polen teikunehmen, tatsächlich aiber ׳um über Wege und Mittel zu beraten, die geeignet wären, die Reorganisation des Weltverbandes zu sichern und die Einberufung der zweiten Kenessio zu ermöglichen. ׳Die Vorbereitungen der Konferenz ׳vollzogen!sich in diesem Bewußtsein und ist der Rahmen der Konferenz so groß geworden, daß man das Gefühl hat, nicht an einer Landes- ׳konferenz, sondern bereits an einer Weltkonferenz tei'lzunehmen. Die!Führer der Agudas Jisroel, Ja'ko'b iRosenheim und Dr. Pinchas iKo'hn wurden ׳am Bahnhof ׳von vielen Zehn tausenden mit großem Enthusiasmus 1begrüßt, und schon diese Aeußerlichkeit hat (bei den Agudi'sten eine Stimmung hervorgerufen, die hoffen läßt, daß die Konferenz die Mittel schafft, die zu einer ersprießlichen systematischen Reorganisierungsarbeit führen werden. Der eigentlichen Konferenz, die am Montag ׳den 15. Cheschwan begann, ging ... die Landeskonferenz der agudistisclieh Ärbeiterorganisation Poale Agudas Jisroel voran, die Donnerstag in Anwesenheit von HO Delegierten, welche 100 Ortsgruppen vertraten, mit großem Gepränge eröffnet wurde. Den Teilnehmern!bot sich das in Anibetracht von europäischen Arbeitenkonferenzen seltene Bild, ׳daß ehrwürdige ׳und bejahrte Rabbiner mit großem Interesse und ׳mit offen zur Schau getragenen’ Sympathien an ׳den ׳Beratungen• der Arbeiter, die allerdings nebst ihren sozialen ׳Forderungen auch' ׳die unverbrüchliehe Treue zur Religion ihrer Väter bekundeten, teilnahmen. In diesem Zusammenhänge soll erwähnt werden, daß die Partei ׳der religiösen, christlichen Sozialisten in Deutschland ein Begrüßungsschreiben an die Konferenz geschickt hat. Als^ die ersten Anfänge einer religiösen A r b e i t e r i n t e r n a t i 0 n a 1 e. ‘Im Namen der Warschauer Kultuisgemeinde ׳begrüßte ihr ■Vize- Präsident Jakob Trockenheim, im Namen de!s Rabbinates R׳abb. IM'i c h e 1 s 011 n und im Namen der Agudawe!ltzen׳trale Rabb. Dr. Pinchas!K'oh׳n ׳und Herr Jakob Rosenheim die Konferenz. Die Konferenz ׳betonte nebst ihrer Forderung zur Bessersteillung der Lebenslage der 'religiösen Arbeiter auch die unverbrüchliche Treue zur Agudas Jisoel. Die III, Landeskonferenz der Aguda. Die dritte Landeskonferenz begann, wie oben erwähnt, Montag, den 15. Cheschwan, in dem großen :Obozno־ שרמז כשי (תחת השגחת הרב ח ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbirier Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlich! saal. Selten noch hat Warschau eine solch imposante jiidische Versammlung gesehen. 700 Delegierte, die 600 Orts־׳ gruppen und 250.000 Wähler vertraten, waren zusammengekommen, um zunächst über die Lage der polnischen Aguda zu beraten und über die Probleme der Weltorgainisation sich auseinanderzusetzen. An der Konferenz ,nahmen ferner 170 Rabbiner, unter ihnen die Angesehensten des Landes, wie der Gerer, Sokolower, Radzin.er, Minsker, Amschinower Wunderrabbi, ferner Rabbi .Chaim Oser Grodzenski (Wilna), Aron Levvin (Rzeszow), Schapira Petrkow, Serockin (Ostrow) sowie das gesamte Warschauer Rabbinat teil. Außerdem wurden Begrüßungsschreiben vom Beizer Rabbi und von Chofez Chaim zur Verlesung gebracht. Die polnische Regierung ließ sich durch eineu Delegierten bei der Konferenz vertreten. Näherer Bericht über die Konferenz folgt nächste Woche. Augenblicksaufgabe der Judenheit. Tihorawort in den derzeitigen ׳allsabatlichen ׳Lesungen führt un׳s an die ׳Pforte der (jüdischen Geschichte. •Schon an der Schwelle!derselben eine Reih,i von ׳i׳m ׳harten (Zusammenp-räll sich, äußernden Berührungspunkten!mit den Kulturformen ׳der ׳Umwelt•, teils hamitischer, ׳teils semitischer Färbung. Eine Fülle der!Ausgrabungen, mit deren Resultaten .m׳an•!heute vertraut Ist, zeigt uns ein •Bild׳ •der Menschheit ׳jener ׳Zeiten. Sie war nach ׳ihrer geistigen Ein- Stellung durchaus!der Erbe des Geschlechtes vom babylonisehen Turmbau, oder richtiger, des (Geschlechtes der Differemzieräugen (dor ׳sphel haphlaigalh). (In diese Welt hinein ragen! die Anfänge unseres .Werdens, eine Welt, •die eine volle!Umkehrung vollzogen hatte, .was nach dem Schöpfmigs'bericht der Adel der Menschen' ist.!Nicht!mehr begriff sich׳ der (Mensch als ein Ebenbild ides Ewigen geschaffen, er •formte sich •vielmehr zunächst das Ewige,!dann aber im Tiefstand seine!Götter in ׳s e i n e m Ebenbilde. So schuf er jeder seiner Launen,!jedem •seiner!Gefühle,!jedem Vorgang seines Innenlebens einen eigenen Götzen. Seine Staaten׳ wurden! ׳der Schauplatz wilder׳ Machtorgien, sein Priviafleben eine ׳Arena der Körperkultur״ dem Tiere lauschte er!das ״SiChiausleiben“ ab. Der Sinn ׳der 'Welt ward ihm eingeengt lediglich und ausschließlich in •das Sinnensein seines eigenen!Ich. Darum witterte!Nimrod׳, der Gewaltige, in Abraham seinen Todfeind; in der ׳Erkenntnis dieses Gegensatzes ׳ist •die Geschichte ׳aller Enkel Abrahams Ibe- Inhaltet; dieser Gegensatz ist die ,Quelle ׳des größten Martyriums. Wir ׳meinen!jetzt nicht •die physischen Leiden, die man in •der Regel unter diesem!Begriff versteht. Wir meinen das Martyrium großer liebender Seelen, die sich ׳beglückend!geben möchten und nichts als Verkennung und' Irrtum sehen, denen es nicht gelingt, die Objekte ihrer Liebe vor grausigem, schalen Seelentod׳ zu schützen. Es gibt nur eines was •die unselige ■Zerklüftung der Weltgeschichtsperiode, •die in den ausgetretenen ׳Spüren des Dor schel haphlagah ihre ׳Bahnen zieht, heilen und aufheben kann; das ist׳, ganz allgemein gesprochen, die Durch'dringung des Einzeldaseins und aller Formen der Vergesell- Schäftungen der Menschheit mit einer Idee, ■das Suchen nach dem ׳Sinn des Lebens in einem iiber׳materiellen Bereich. Sicher gab und gibt es in ,jeder Periode der Mensch- ׳heitsgeschichte ■solches ׳Suchen; Aufgabe der jüdischen Gesämtheit .ist es, der Menschheit ■die Idee eines unlöslichen Zusammenhanges der •Gottheit mit der Welt im Ganzen und •in all ihren Einzelheiten zu bringen und zu zeigen, daß dies der einzig möghehe Einigungspimkt der Menschheit ist. Das war die Bedeutung der Altäre, die Abraham errichtete, ׳bis zum Gipfelpunkt des Altares auf!Moria, das ist der ׳menschheitsgeschichtliche Sinn der Scheiterhaufen, auch ■dieser in seiner Art ein Werben um die Erkenntnis und 1i׳m Liebe. So ist auch heute eine solche Epoche gekommen, in der ״Jakobs Enkel einen 'Abraham erlösen“ könnten, die!jüdische Seele von dem Leid ׳befreien, daß sie so viele Menschen unbefriedigt leben, unbefriedigt׳ sterben sehen muß. Wieder geht •der ׳Sehnsuchtsschrei nach •dem Sinn des Lebens ׳durch die Welt,!ja noch mehr, wieder einmal ist in vielen, vielen dieser Schrei erstickt durch eine grobsinnliche Materialisierung des Lebens. Solcher Epoche die Geistigkeit zu erhalten und, wo sie verloren, sie wiederbringen, ■das ist ׳heute mehr wie je.der Sinn •der jüdischen Geschichte und der Sinn des!Golm!Steil ist der! Weg, aber' nicht mehr steil, als jeder Aufstieg der. Menschheit. Mau seihe nur, wie begierig man nach den geistigen Produkten ׳der chinesischen und indischen Kultur heute greift. Sollten׳ wir ■der Welt ■nicht mehr zu sagen!haben, als!La-otse. Der Gipfelpunkt der!jüdischen Geschichte wäre es, wenn wir •jetzt der Welt die Einheit ׳brächten! i׳m uni- .verseilen• Lichte der Thora. p. ׳k. JüdisehVPetitito 1 190' ׳ktober• 0• T.-A.) In der 14. Session der 1Mandatsko׳mm׳is&ion des Völkerbundes, die am 26. Oktober ׳in!Genf!begann, ׳sind drei Palästina betreffende' Petionen ׳ziur Behandlung!gekommen: die Petition der Agu d a ™J ,i s r 0 e 1 vom 4. Jänner 1928 und die Petition des W a a d h a i r h a a ׳s c h ׳k e n a ׳s i vom 39. April 1928, die beide das!Gesetz über Kenessed Jisroel (organisierte jüdische ׳Gemeinschaft Palästinas) betreffen. (Bekanntlich hätten die Petitionen der Aguda und ■des Waad hair noch' m!der Juni-fSesslon der Mandatskommission 'behandelt werden sollen, aulf Ersuchen der Petenten selbst, die noch Dokumente beibringen wollten, wurde die Behandlung verschoben.) Der Protest der Agudas Jisroel-Weltorganisation wegen der Vorfälle an der Klagemauer. — Memorandum an das Kolomalamt. (J. T. A.) Die politische Exekutive der Weltorganisation Agudas Jisroel und der rabbinische Rat der Agudah haben durch Herrn H. A. Goodman dem britischen Kolonialamt ein Memorandum überreichen lassen, in welchem die Aufmerksamkeit der britischen Regierung auf die tiefe Erregung und Entrüstung hingelenkt wird, die unter der Judenschaft der ganzen Welt, in ganz be'־ sonderem Maße aber unter den streng traditionstreuen JucJen wegen der״ Störung der jüdischen Gottesandacht durch britische Polizei an der westlichen Tempelrriauer am Versöhnu11g|tage herrschen. Zehn Jahre nach der BaK four־Deklaration, heißt es in dem Memorandum, sind Vorfalle passiert, wjie sie in der ganzen Zeit der türkischen Herrschaft nicht ihresgleichen hatten. Die Agudah schlägt vor, daß das Kolonialamt alle interessierten Parteien zu einer Konferenz einberuft, damit die Frage des Besitzrechtes an der Klagemauer und dem Platz vor derselben für die Zukunft geregelt wird. 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