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Jüdische Presse · 1928-09-14 · 36 (14.9.1928) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
36 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr.. 36 -Seite 234.;•.; -, י .... ...'.JÜDISCHE PRESSfe m Nachrichten Selbsthilfe. Wir werden ersucht, folgenden Zeilen Raum zu geben: Das alte Gesetz der Serie hat wieder einmal einen־ Triumph gefeiert. Wie auf geheime Zeichen haben sich unsere Brüder in allen Ländern erhoben, um für Schmiras Schabbes zu arbeiten, um das heiligste (Gut Israels sich und ihren (Kindern zu erhalten. Und auch wir wollen uns'׳ Klarheit verschaffen über die Schwierigkeit, auf diesem Gebiete ganze!Arbeit zu leisten. Einst wollten jüdische Kaufleute keinen jüdischen Angestellten nehmen, weil sie seine spätere Konkurrenz fürchteten; jetzt ist jeder rechtlieh und gerade Denkende längst darüber hinweggekommen. In der heutigen schweren Wirtschaftslage kommt ein viel ernsteres Bedenken zu Erwägung: der!jüdische Kaufmann und Handwerker nimmt schwer einen Angestellten, weil es sein Geschäft nicht erlaubt, und da zu helfen, müßte radikal eingeschritten werden.!Und ich komme da auf die alte Forderang zurück: Gl au!b e n s t r eu e J e hudi m .müssen und dürfen nur bei G 1 e i ch g e s i n n t e n1 ־k aiu f e n und arbeiten lassen. Um'.diesem Ziele näher zu kommen, propagiert die Schaumer-Schabbes-Sektion der A. J. J. G. das moderne und auch wirklich nützliche!Mittel des iRabattsystems. Es wird eine!Liste orthodoxer Geschäftsleilte und!Kaufleute zusammengestellt, die 1bereit sind, ׳z. (B. einen Rabatt ׳von 5׳ Prozent!einizuräumen. Diesen Gewinnentgang bringen sie sich durch den erhöhten Umsatz reichlich ein und so wird einerseits die Lebensmöglichkeit erleichtert und anderseits in ■das geschäftliche Leben Bewegung gebracht. Insbesondere trifft dies zu, wenn man in Betracht ■zieht, daß Idie jüdische Masse so auch Gelegenheit hat, selbst ■bei Engrossisten einzuikaufen. Sicherlich kann bei konsequent durchgeführter Arbeit viel Ersprießliches geleistet werden. Es' geht also der ernste Appell an jeden einzelnen, uns mitzuhelfen bei unserer schweren Arbeit, damit wir leisten können, was geleistet werden!muß. Sp. Feierliche Schlußsteinlegung im Zeremoniengebäude des neuen israelitischen Friedhofes. Sonntag, am 1. ■Slichothtage. fand unter großer Beteiligung die feierliche Schlußsteinlegung der Zeremoniengebäude am israelitischen Friedhof statt. Präsidium, Vertreter und 'Vorsteher der Kultusgemeinde, Abgesandte der ,Bethaus-.und ■humanitären Vereine, Vertreter des Bundes- Präsidenten, der verschiedenen Ministerien, der!Gemeinde- Wien ׳und der Garnison waren ׳gekommen, um ihr Interesse für dieses bedeutsame Ereignis im Leben der Wiener Judenheit zu bekunden. Um halb 11 Uhr begann mit einem ׳Ghoralgesan.g die Zeremonie. •Architekt ■Ignatz Reiser, der das Projekt entworfen ׳hat und mit der Durchführung des Baues betraut war, ׳übergab den vollendeten Bau dem Ob- ׳mann des Baukomitees, Bau rat iKempler. Dieser wiederum dem Präsidenten der Kultusgemeinde, Generaloberstabsarzt Professor Pick. Hierauf wurde die ,Rolle, in welcher die!Geschichte ׳des .Baues verzeichnet ist, in ■die Mauer gelegt und in;herkömmlicher Weise der Schlußstein gelegt. Die traditionellen Hammer Schläge führten Präsident Pick und Rabb. Dr. Taglicht, der;hierauf eine ׳gedankenvolle und formvollendete .Festrede hielt. 'Im Namen der Gemeinde Wien!sprach Vizebürgermeister Emmerling. Nach Schluß des ׳Festaktes fand unter fachmännischer Führung eine ,Besichtigung des prachtvollen Baues statt. Die Kultusgemeinde ■hat in einer geschmackvoll ausgestatteten Denk-!Schrift die!Geschichte des neuen Friedhofes sowie eine leichtfaßliche!Beschreibung des ,Neubaues’ veröffentlicht. Dr. T—r. Rabbi Josef Baumgarten in der Jugendgruppe der Aguda in Wien. Sabbath vor Slichoth sprach nach langer Zeit Rabbi Josef ,Baumgarten, der aus der Sommerfrische gut erholt und gekräftiigt zuriiokkehrte, in dem großen Saal der Jugendgruppe •in Wien. Viele ׳hunderte Menschen strömten in• das Lokal der Jugendgrupp’e, um die Mussarworte zu hörehj die ,dfis-fer geliebte Fühfer def A|hdd|ü׳gertd vor den Slichothtagen •art seine Zuhörer zu flehten, pflögt. Diesmal sprach Rabbi Josef Baumgarten mit Bfesohderef Wlrnie und Eindringlichekit Worte strenger und doch liebevoller Ermahnung. Man! sah alte, bärtige Juden wie junge Menschen erschüttert dessen Worten lauschen; die hoffentlich Eingang ins Herz der Zuhörer gefunden haben. St. Ein Dankschreiben des Bundespräsidenten an die ,!Jüdische Presse". Unsere •Redaktion erhielt von ׳der Präsidentschaftskanzlei folgendes Dankschreiben: Wien, am 31. August 1928. . An (die!Redaktion der Jüdischen Presse, Wien.!Di׳e Präsidentschaftskanzlei dst beauftragt worden, Ihnen den verbindlichsten Dank des Herrn Bundes- Präsidenten dafür zum Ausdruck zu bringen, (daß Sie anläßlich seines 70. Geburtstages in Ihrer geschätzten Zeit- Schrift einen Begrüßungsartikel für den Herrn Bundes- Präsidenten veröffentlicht haben. Der Herr Bundespräsident war über die!ihm erwiesene Aufmerksamkeit aufrichtig erfreut. Löwenthal. Oberrabbiner Fürst wird ersucht, bei der Regelung der Agunafrage mitzuwirken. Das Agunothbureau der Föderation der orthodoxen ■Rabbiner in!Amerika wandte sich dieser Tage an Oberrabbiner Fürst in Wien mit der Bitte,!dem Bureau seine Mithilfe ,bei Regelung verschiedener A'gunothfragen zu leisten. Oberrabbiner Fürst bittet die ״Jüdische Presse“ wie alle jüdischen Zeitungen, zu veröffentlichen, daß er gerne bereit sei. all!jenen, die diesbezüglich Rat brauchen, besonders aber jenen Unglück- Der ״KEREN HATHORA*״ bildet den heiligenf Schatz des jüdischen Volkes zur Erhaltung und ' Pflege seines höchsten Lebensgutes, ,der THORA mir—i 5:נ<*למיצג״״ י?אנת?מ2ושמימו»וץ 11 II j tDäre die Thora nicht• Himmel und Grde hättenheinen ן , . I Bestand I Täglich 10 Groschen für KEREN HATHORA! Wer keine Keren Hathora-Büchse besitzt oder einen Bekannten hat, dem noch keine Büchse zur Vertilgung gestellt worden ist, möge die Adresse unverzüglich an das Büchs ^Sekretariat (Jugendgruppe), Wien, II., Obere Donaustrafje 69 (Telephon R-45-7-47) bekanntgeben liehen Frauen, die glauben, daß ihre Ehegatten nach den Vereinigten Staaten. von Amerika, Kanada, Argentinien, ßräsilieft k>def anderen ,überseeischen Ländern! ausgewandert seien, mit Rat und Tat .beizustehen. Einwefhungsfeier im Bethause Monteiiore. Sonntag, am 1. Slichothtage fand im Bethause Montefiore, Wien, eine eindrucksvolle Feier zu Ehren des neurenovierten Bet'hauses statt. In Vertretung der Kultusgemeinde waren Kultusvorsteher D o 11 a n n, ferner die Kultusräte Wolf Pap'ipenheim und Breuer erschienen. Die Gäste begrüßte Schriftführer Steiner, der in einem :kurzen Rückblick die Mü'hsale des Vereines schilderte, die überwunden werden mußten, bis die nötige Summe Zu den Herstellungsarbeiten beschafft werden konnte. Besonders dankte der Sprecher dem Vorstände der iKuItusgemeinde für die großzügige Förderung dieser Arbeiten. Die Festrede!hielt der Rabbiner des Bethauses, Sr. Ehrwiirden Herr Jakob H a b e r f e 1 d. Herr Oberkantor F r ä n k e 1, dessen Gesangsvorträge gleich erhebend und erschütternd waren, brachte die Feierlichkeit des G-ttesdienstes zu voller Höhe. Im Namen der Festgäste sprach Kultusrat Herr David Dohann und!unterstrich den Wunsch der Kultusgemeinde, den Bestrebungen aller Schichten der Wieder Judenheit nach Tunlichkeit gerecht zu werden. In ׳besonders herzliehen Worten wurde das Ehrenmitglied des Vereines, Herr Jakob W ei ß, der der •einzige Ueberlebende von den Gründern des Vereines ist,. igefeiart. In Vertretung der Adaß Jisroel war Herr Vorstand Stern ׳und im;Namen des Beth Hamidrasch Herr Isidor Frommer erschienen. Redner werden gesucht. Die Zentrale der Aguda sucht zwecks Erweiterung ihrer Propagandatätigkeit geeignete, redebegabte Kräfte. Reflektanten werden aufgefordert, sich schriftlich an Herrn Heinrich Pappenheim, Wtf'en, II., Obere Donaustraße 9111־, zu wenden. Mazewostellen für Oberrabbiner Gabriel Löwy זצ״ל Am 18. Eiul wurde in Särbogä.rd .(!Ungarn) der Grabstein auf das Grab des vor ׳genau ■einem Jahre heimgegangenen Leutschauer .Oberrabbiners Löwy צ״ל T gestellt. ■Er wurde auf seinen Wunsch in ׳seine Heimat gebracht und •an der Seite seines Vaters, des noch in allgemeiner Erinnerung lebenden Särbogärder lOberrabbiiiers Nathan Löwy צ״ל?, zur ■Ruhe gebettet. Zum Mizewohstellen fand sich außer den ■Hinterbliebenen die ■jüdische Gemeinde Särbogärd ■ein. Der Schwager des Betrauerten, Herr Oberrabbiner Dr. Abra!h׳a!mso׳h n. und :sein Sohn, ׳Herr Daniel Löwy!(Bratislava) gaben in beredten Worten dem: tiefen Leid ׳Ausdruck, den ׳der allzufrühe Heimgang des geliebten und von einem ׳großen iKreis verehrten Oberrabiners■ Löwy verursacht hat und schilderten den schweren Kampf, den er für den wahren traditionellen Glauben ׳geführt hat und unter Idem er lim buchstäblichen Sinne ׳des Wortes als Märtyrer seiner Ueberzeugung ztisammengebrochen ist. Rabbinerinstaliation in Szekelyudvarhely. Unter imposanten Feierlichkeiten ist am 29. August in Szekelyudvarhely die mit Rabbinerinstaliation verbundene Hochzeit des Rabbiners Abraham W i d e r (Marmarosziget) verlaufen. Die Braut ist die Tochter des greisen: Oberrabbinerjsl Stein aus Szekelyudvarhely (Odorheiu), der durch sein! bereits einige Jahre dauerndes Kränkeln, von seinem Posten, zugunsten seines Schwiegersohnes abdankte. An dem seltenen doppelten Feste beteiligte sich die ganze Gemeinde(; die zugehörenden Filialgemeinden und viele Vertreter anderer Gemeinden. Die Trauung vollzog der Vater der Braut(' Oberrabbiner M. Kohn (Erdöszehtgyörgy)>. Rabbiner S. Wider (Papa), Oberrabbiner J. Katz (Erdöd). Auf dem; für 600 Personen' bereiteten Bankett sprachen außer den/ Oberwähnten Oberrabbiner Lichtenstein aus Bethlen, Oberrabbiner Weinberger aiis Nyigrest, Gemeindepräses Hirsch1. Rabbinerwahl in Tolcsva. Die aut. orth. i׳sr. Kultusgemeinde!in Tolcsva ׳(Ungarn) wählte Herrn Rabbiner Akiba Kornitzer aus Szerencs, Schwiegersohn des Herrn Fabian Reinitz in Presov, zum Oberrabbiner an Stelle des nach Papa gewählten Herrn Oberrab'biners Go t Hieb. Die ׳Installation ׳des neugewählten Oberrab'biners wird nächstens stattfinden. 44115 Vergangenheit u. Gegenwart Schülerbeschreibungen in den jüdisch-konfessionellen Schulen im ehemaligen moldauischen Landstrich der österreichisch-uiigarischen Monarchie vor 100 Jahren. Nach Akten bearbeitet von Dr. pliil. Chaim Tennenhaus. Das jüdische Schulwesen, in dem ehemaligen moldauischen (jetzt rumänischen) Teil der Monarchie gliedert sich in vier Perioden- Die erste Periode reicht von}׳ Jahre 1784 bis zum Jahre 17S9. In dieser Zeit hatten zvvai4 die jüdischen Schüler keine eigenen Schulen, mußten sie ja die christlichen besuchen, wurden aber gleich mit den. christlichen Schülern behandelt. In der zweiten Periode1 (1789—1806) blühte das jüdisch-konfessionelle Schulwesen. Die dritte Periode (1806—1869) zeichnet sich durch den Verfall der jüdischen Schulen aus. Die letzte (1869—1900) bildete wieder die Glanzzeit der jüdischen Schulen (deutschjüdische Schulen genannt). Die Vereinigung der jüdischdeutschen Schulen mit den allgemeinen (christlichen) Normalschulen hat auf jeden Fall das geistige Niveau der4 moldauischen Juden gehoben, sowie die Germanisieriingsbestrebungen der Habsburger im Osten sehr gefördert 1. Der Zustand des Schulwesens im Jahre der Okkupa-< tion durch Habsburgs Truppen (1774) war folgender. Es gab zwei Klosterschulen, die aber nur von. dent wenigsten Kindern besucht wurden. Die jüdischen Kinder besuchten sie nicht. Kein jüdisches Kind wußte etwas( von einer europäischen Bildung. Splen'y, der erste Adipinistrator dieses Landstriches, schlug schon 1775 die Errichtung von Schulen vor. Seine Reformpläne zum Zwecke der Hebung der Volksbildung blieben aber nur ein Entwurf. Der darauffolgende Administrator, Freiherr v.< Enzen berg, richtete gleich nach der Uebernahme der Gewalt unausgesetzt sein Augenmerk auf das Schulwesen. Es ist das Verdienst Enzenbergs, das Volksschulwesen in diesem Ländchen ins Leben gerufen zu haben. LangS1 dauernde Verhandlungen zur Beschaffung der Mittel, die Frage der Berufung von Lehrkräften, sowie die Festsetzung! des Lehrplanes, führten 1 7 84 zu einem positiven Ergebnis, so daß in diesem Jahre zwei Schulen eröffnet wulrden.: Die Schulen sollten für alle Kinder ohne Unterschied der Geschlechter, Konfession und Standes zugänglich sein. Nur. wenige Judenfamilien schickten ihre Kinder in die neueröff-( neten Schulen. Enzenberg bemühte sich, durch P u b l ikationen den jüdischen Einwohnern erklärlich zu machen, daß die Schule nicht der Platz sein werde, wo man die Kinder zur katholischen K i r.c 11 e verleiten werde, sondern der Hauptgegenständ werde die Ausbildung des Ver- Standes und des Herzens sein•“ Im Lehrplan wurden folgende Gegenstände aufgenommen: Katechismus (Religonslehre), Lesen, Schreiben, Rechnen und Schulgesetze. Nur die christlichen Schüler besuchten den Religionsunterricht. Die Unterrichtszeit dauerte im; Winter täg^ lieh vier Stunden (zwei Stünden vormittags und zwei Stunden nachmittags) und im Sommer täglich fünf Stun־ den (drei Stunden vormittags und zwei Stunden nach'- mittags). Obwohl im ersten Jahre der Schuleröffnung der griechisch-orientalische Religionsfonds die zur Erhaltung der Normalschulen erforderlichen Mittel lieferte, waren die Schulen allen Konfessionen zugänglich. In den nächsten Jahren wurden seitens der moldauischen Judenschaft die sogenannten Minjantaxen dem errichteten Schulfonds zugeführt. Lange Zeit hindurch wurden die Schulen auch von den christlichen Kindern gemieden. Viele Eltern s o 1len bei der Einführung des S c hu lzwanges erklärt haben, lieberauszuwandern, a 1 s i h r e Kinder in d i e S ah u 1 e z u s c 11 i c k e n. Um die schul■/ pflichtige Jugend zu fleißigem Schulbesuch zu animieren, räumte der Hofkriegsrat der Landesadministration das Recht ein, bei den Prüfungen, die in jedem Halbjahr vorgenommen wurden, den sich auszeichnenden Schülern ״Prämien“ zu verleihen und daß sie ״jedoch ohne1 Unterschied zwischen denen national-moldauer- und Juden־ hindern“ zugewendet werden- Aus den Hauptberichten der Schulleitungen in den ersten .zwei Jahren nach der Grün!-, düng der Schulen erfahren wir, daß diese Neuschöpfungi sich des besten Gedeihens erfreute. Die Normalschujen waren zweiklassig. Die Zahl der die Schulen besuchenden Kinder betrug im Jahre 1784 (bei einer Bevölkerungszahl von ungefähr 30.000 Seelen) 128, unter denen sich ein•' jüdischer Schüler befand. Im Jahre 1785 betrug die Zahl der Schüler 160, unter denen 6 jüdische waren. Da die Frequenz keine allzu große war, trug die Hofkanzlei der Administration auf, ״energische Mittel zu ergreifen, um sowohl die jüdischen Eltern zum freiwilligen Schicken ihrer Kinder in die Schule zu veranlassen, als auch die Kinder zur Besuchung״ der Schule anzueifern.“ Im Jahre 1786 wurden auch zwei weitere zweiklassige Schulen eröffnet. Die Besuchsziffer stieg von Jahr zu Jahr. Sämtliche Kon1■ fessionen, die im Lande lebten, hatten ihre ״Vertreter“ in die Schule entsendet. (Fortsetzung folgt.) Henry Ford und die Bialystocker Jeschiwo. Zu dem Bußgange des Automobilkönigs Henry Ford paßt recht gut die hübsche Geschichte, die der Warschauer ״Haint“ von Ford in Verbindung mit einer Bialystocker Jeschiwo und dem ״Sokolower Rebben“ zu erzählen weiß. Die Geschichte liegt schon etwas weiter zurück' und zeigt, daß die untergeordneten Instanzen ihrem Meister nach der Richtung der Judenliebe schon um einige Nasen;* längen vorausgeeilt waren. Ford selbst hatte sich hübsch Zeit gelassen. Er hat nicht seinen neuen Autotyp für -den: Weg zur Einsicht und Vernunft' benutzt. Hauptsache: er hat ihn gemacht... Nun die Geschichte von Bialystock: Dort hat ein strebsamer und tatkräftiger Rabbiner, Rabbi Simcho Malin!, eine neue Jeschiwo auf den Namen des verstorbenen Gaon, Rabbi Meir Simcho gegründet, die יש י 3 ח א 1 ף שמחה Die Offiziellen in Bialystock waren aus verschie-j denen Gründen gegen die Neubildung, in der Hauptsache deswegen, weil die zwei bereits bestehenden Jeschhvaus; sich in größter ■finanzieller Notlage befinden. Rabbi Maliiit gehört aber zu den tatfrohen Menschen, die eine Idee ujnd; ein angefangenes Unternehmen nicht ,so leicht preisgebenj. Er ist übrigens der Meinung, daß eine Konkurrenz dem, Thoralernen recht und zuträglich sei, und daß der große Gaon, der die erste Hälfte seines Lebens in Bialystock zugebracht hat, es wohl verdiene, daß ihm auf diese sinnige Weise ein Denkmal gesetzt werde. Aber woher das Geld nehmen für. das kostspielige Werk? ln Bialystock unterhält die amerikanische Ford-Firma eine Vertretung, an deren Spitze ein Ingenieur namens Neumark, ein Deutschamerikaner, steht. Ihm zur Seite arbeitet für Verbreitung der Ford-Autos in Polen und in, den östlichen Randstaaten ein Generalsekretär, namens Sikoski, Vollblutpole. Wie es Rabbi Malin verstand, diese Herren für sich und seine Jeschiwo zu gewinnen, ist sein Geheimnis. Kurz, es gelang; er bekam Geld zur Errich'־ tung eines Haupes, und da die Beziehungen der Leitung zu Vorstand und Rabbinät in Bialystock infolge dieser Gründung etwas gespannte sind, wollte man sich einen! auswärtigen großen Rabbi kommen lassen• Die Wahl fiel auf den berühmten ״Sokolöwer Rebben“, Rabbi Jizchok Selig Morgenstern. Wie erstaunt mußte wohl der Chassidimrabbi gewesen sein, als er eines Tages auf einem Fordschej! Firmabogen einen schönen polnischen Schreibmaschinen,־ brief erhielt, der die Einladung zur Einweihung der Je-

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