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Jüdische Presse · 1928-09-07 · 35 (7.9.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
35 (7.9.1928)
Date
1928-09-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Novi1lQfy6 v^platfiS Tfaäß post a ieiesratot x Bratislava Ms. 41572־HI20״, ... Z^bs^ii vtn vmhbW>^ Journal expidie par 1‘Pdilear«י mm■ ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion a. Administration 1 Wien, II., Leopolds« Kaue 16,1. Stiege, 1. Stock. — Tel.R 4594־4־. Ticbechoilowaket t Bratislava, Postfach 140, dnchelnt Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: rAr Artikel Sonntag, für. Nachrichten Montag. Abonnementspreisei Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst Gr. 40, das übrige Ansland 2 Dollar. Zahlungen fflr Oesterreich 1 Poetaparki—enanrtWten, Koita ETr. 13.45S; fflr Polen: Poettparkauemnt Wmdum. Kaato Nr, 190.409; für Ungern: Po^marittSMnamt Badapett, Koato Nr. 50.170: ffirTseliechoelowakel: Potttparicuietiaat Pfte. Koato Nr. 53.386; fflr Jngoriawien: Pdstap.*A1n» Agrani.Ko.N. 44.317: fflr die Schweiz: Postacheckkonto ZflricnVlII. 41171 rar Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 133.619 Np. 35 I Wien-Bratislava, 7. September 1928 14 ב״ה ףנה־8ר*סםמרג כ״באלול תרפ׳ח. Jahrg Wege, hinaus aus dem Judentum. in. Ist also das heutige ״liberale Judentum״ eine EntwickUingsstuf e des früheren •individual assimilatorisehen ״Reformjudentums“ ■und seinem Wesen nach ihm gleich? Wir können jetzt mit Bestimmtheit sagen: nein. Das ״Reform׳judentum“ alten Stils ist tot. Sein Erbe bedient sich zwar noch aus Gewohnheit oder aus Gedankenlosigkeit für seine eigenen ganz anders gearteten Zwecke des herrenlos gewordenen Rüstzeuges, ist aber ein ganz selbständiges, in seiner geistigen Struktur n e u e s Gebilde. Das ״Reformjudentum“ war ein Werkzeug, ein blindlings gehorsamer Diener der Individualassimilation und ist ׳mit dieser zusammen!ins Grab der früheren Äbfaiisbestrebungcn im Judentum gesunken und wird1 wohl nicht so schnell wieder auferstchcu. Ehre seinem Andenken! Das ״Liberale Judentum“ von heute;ist Nachfolger des Reformjudentums, aber nicht sein Sprosse in gerader Linie. Gemeinsam ist beiden bloß ihr Gegens a t z z111 11׳ über 11 c f e r t e 11, historisch 0.11׳,a u f die praktische Befolgung der Thora v c rpflichteten und verpflichte 11Bc n Judentum und die Sucht, die Bande zu lösen, die i h r c B c 1k e n n c r an religiösen Traditionen d e s J ■11׳d!e n t u m s knüpfe n. Es wäre •aber Unrecht und auch ihn Interesse seiner Bekämpfung nicht dienlich, aus etwaigen gemeinsamen Zügen zu schließen, wir ständen auch jetzt nur einer graduellen Steigerung des früheren, uns beinahe unschuldig und harmlos anmutenden Reformjudetitums gegenüber, das unseren Vätern in der vorigen Generation so viel zu schaffen gab. Jene ,plumpe fndividualassimilation, der das synagogale Reformjuden־ tum Wegebahncr sein wollte, ist auf Generationen hinaus gescheitert und wird programmatisch, als Ruf an die Massen,!in absehbarer Zeit!den Geist und den Bau des historischen Judentums nicht wieder bedrohen. An ihre Stelle trat eine theoretisch weit besser!begründete und praktisch viel wirksamere Abfallsbcstrcbung: . die Kollektivassimilation. Nach unseren bisherigen Ausführungen äst darunter zu verstehen: das programmatische Bestreben, Geist, Inhalt und Aeußerungsforinen der jüdischen Gesamtheit in ihrer umfassendsten Totalität dem Geist, dem Inhalt und den kulturellen Aeußerungsforinen der übrigen Welt, der nichtjüdischen Menschennationen generell anzugleichen. Der Individualität, der Eigenart des jüdisehen Volkes soll nur ebensoviel Daseinsrecht eingeräumt werden, als Rassen, Völkern, Nationen und Nationalitäten auf Grund ihrer verschiedenen Abstammung und ihrer ungleichen geschichtlichen Erlebnisse sich naturnotwendig voneinander unterscheiden müssen. Die wesentliche Verschiedenheit dieser beiden Arten der Assimilation liegt — wie wir gezeigt haben — auf der Hand. Die Individualassimiiation kannte nur das Individuum und hat nur es als Objekt der Angleichung!im Auge. Eine jüdische Gesamtheit, eine jüdische Nation als geschlossenes Glied! der Menschenfamilie gab es für sie nicht oder sollte es nicht geben. Die Kollcktivassimilation hingegen bejaht die jüdische Gemeinscliaft als Nation; sie setzt eine solche sogar voraus. S׳ie ist die strengste Vertreterin des Nationaljudentums Im modernen Sinne. Während bei der Individualassimilation jeder einzelne Jude in seiner nächsten Umgebung aufgehen sollte, bezweckt die nationaljüdisehe Kollektivassimilation die Angiei'chimg des jüdischen ׳Volkes als zusammengefaßter Gesamtheit an die Völker!dieser Erde. Sie baut nicht einen schmalen Ausweg für Einzelne, sondern eine breite Straße für das ganze Volk — hinaus aus der Vorsteliungswelt, die bisher mit dem . historischen Dasein der jüdischen Gemeinschaft verknüpft war. Die Indiviidualassimiiation wollte den Körper des Juden untertauchen lassen und glaubte einen Abglanz seines Geistes als Idee des Judentums im leeren Rauinc schwebend erhalten zu können. Die Kollektivassimilation hält sich beim Körper nicht viel auf oder nimmt ihn sogar in besondere Obhut und will!den Geist der jüdischen Nation dem Geist der anderen Völker ■bis zur Unkenntlichkeit anpassen. Aus der Individualassimilation gab cs fiir den starken Einzelnen, für den glau'bensfcsten Trciiblcibendcu eine Entrinnung; er klammerte sich an!das Volksganzc und war geborgen. In der Kollöktivassimilatioii des Nationaljudentums geht cs gerade ums Ganze; der einzelne wird an den Schiffskörper fcstgcschmicdct, •der zum..׳Sinken gebracht werden soll. Nicht ׳mehr die äußeren ,formen der Synagoge allein sollen der fremden Umwelt gemäß geändert werden, sondern ■das ganze Dasein, alle. Lebens- Inhalte dieses Volkes sollen nach dem Geist der ■umgeben-!den ״Welt“ umgcwandelt werden'.' An'Stellender K tt 11 u srcforin gilt es jetzt — K u 11 u r r c f o r m. Der Tmlividualassimilant verläßt ,das Judentum, der-. Kollektivassimilant fälscht es. Der IndlvidUalassimilant bricht für sich einen Weg hinaus zum Christentum. Der Kollcktivassimilant baut für das Christen tu m eine Brücke h i n e i• 11!ins Judentum. Dem ׳Individualassimilanten ist der Stifter des Christentums der. vergötterte Künder eines anderen Glaubens; dem Koilektivas.similanten ist er der ruhmgekrönte Sohn der eigenen nationalen Gemeirischaft. Die Individualassimiiation verklärt die Religion des Judentums zu verfliegendem ׳ wesenlosen Geist der Unwirklichkeit. Die Kollektivassimilätion v e rdichtet'sic zur belanglosen Schale der wechselnden Volksideale. Die Individualassimiiation sank in ihrer Verkümmerung zum religiösen ״Reformjudentum" herab und war — überwunden. Die Kollektivassimilation erhebt sich zum religiösen ״liberalen Judentum“ e m p 0 r und wird zur — Gefahr. Die Individualassimiiation mit ihrem ״Reformjudenturn“ bekämpfte die religiöse Vergangen heit des jüdischen Volkes und sic war unseren Ahnen gegenüber m a c h 110 s. Die Kollektivassimilation mit dem ״liberalen Judentum“ richtet ihre Waffen wider die religiöse Zukunft des jüdischen Volkes und unsere Aufgabe ist cs erst, unsere Kinder vor ihnen zu schützen. Das moderne ״Nationaljudentum“ ist die profane., und das neue ״liberale Judentum“ die. r c 1 •i g i ö s. e Tönung der Kollektivassimilation.;Beide zusammen; bilden einen Weg, hinaus aus dem Judentum. . Noch sind cs z wei Wege gesondert: von einander, von verschiedenen Wegmeistern. getre’rmt gepflegt. Am Endziele laufen sie jedoch zusammen. Ihr Verhältnis zum Christentum wird uns die gleiche Zielstrebigkeit dieser beideji Wege jipch deutlicher zeigen. . (Ein vierter Artikel folgt.) Jacob Joel Braun, ״So stumm d'i e F r i edh ö i e sind, ein so tiefes Schweigen sie bedeckt, so führen sic doch die lauteste ׳und beredteste Sprache für •den, der diese Sprache versteh t.“ Diese tiefen Worte sind der Rede des verewigten Wiener Uberrabbiners Dr. Moritz Giidemann entnommen, mit weicher er den neuen israeüt'sehen Friedhof, der •mit der a׳m nächsten Sonntag stattfindenden feierlichen Schlußstciulcgung der Zcremoniengebäudc vo'lendet wird, vor mehr als elf Jahren, im April 1917, dem Gebrauch übergeben hat. Beredt und eindringlich ist die Sprache der stummen Friedhöfe. Einst, als sie mit vollem Recht den Namen ״Haus des Lebens", ״Beth Häcliapm“ führten, konnte mau von ihnen eine Lehre für das pulsierende Leben draußen mit nach Hause nehmen. Heute kündet der steinere Prunk ihrer Denkmäler den traurigen Niederbruch des religiösen Lebens in der Großstadt, das nur mehr •an dem dünnen Faden der Pietät 1hängt und sich nur noch am vm:ntrvo כשר (תחת השגחת הדב ד ישעי סורסט שיפשוהיל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jcsaia Fürst (Adas - Jisroel) Ueberall erhältlich! Friedhof bekundet. Unsere Gemeindevätcr, die Vorsteher der Wiener Kuitusgemelnde, haben sich mehr als ein Jahrhundert bemüht, das fromme Werk der Erwerbung eines eigenen jüdischen Friedhofes mit der Errichtung einer prunkvollen Zeremonienhalle zu krönen. Nach der ersten Ausschreibung, unmittelbar vor dem Kriege, wurden Projekte preisgekrönt, nach welchen die Zeremonienhalle prunkvoller, kostbarer und auch teurer gewesen wäre, als sie es heute zu stehen kommt. Die Not der Nachkriegszeit!hat sparen gelehrt und •das •mit äußerster Berechnung nach dem ausgezeichneten. Projekt des Architekten Ignaz Reiser errichtete Zeremoniengebäuide hat dennoch die hübsche Summe von rund zwei Millionen Schilling gekostet; ׳ Es ist alte jüdische Tradition, im Tode Prunk ׳und Eitelkeit, Glanz und Pnachtentfaltimg zu meiden, und dennoch kann sich niemand, ob JudC oder Nichtjude, der einfachen und eben deshalb so eindringlichen Trauer einer jüdischen Kwura entziehen. Die Vorsteher der Wiener Kultusgemeinde wissen aber, daß bei religiös indifferenten Großstadtjuden der Moment des Todes der geeignetste!ist, um auf sie zu wirken und daher glaubten sie'nicht nur ein Werk der Pietät, sondern auch, einen notwendigen Akt zur Hebung des Interesses für ■. d׳as Judentum zu. vollbringen, durch die Errichtung einer — und dies soll vorbehaltlas zugegeben werden — in ihrem architektonischen Aufbau monumental und ergreifend wirkenden Zeremonien* halle. Auch wir schätzen, aus Gründen der. Pietät die Anstrengungen der Kultusgemeinde ■ ׳hoch ein, eine!ihrer Große ,und ihrer Bedeutung entsprechende ZeretponieiiTialle zu schaffen, glauben aber, daß eis'eine'ku r'z sich t'ä g e Was bietet die führende WeltSrma; Wien, X., :Särntnerairig © glS” allen Umständen, zufriedenzusteUen. m I* Modernste und individuelle Ausführung^ XI« Tadellosen, mustergültigen Sitz, IXXk Nur erste Qualität in Material u. Arbeit zu mässigen Preisen Setzen * Sie s i c h daher, bevor Sie eine Perücke kaufen» In Ihrem ureigensten Interesse mit der Firma Olhmar Schl» in Verbindung1 4 0639773

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