Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 30 (3.8.1928)
- Date
- 1928-08-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Novinov6 vyplatnä povolenö riadit post a telegrafov v Bratlslave CIs. 41572-11120־. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expddie par 1‘edltenr. ÜDBCHE PRE ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS, SUdakilon u. Administration! Wien,!!..Leopoldsnasse 26, 1. Stl?ge, 1. Stock. — Tel.R 4594־4־. ruchechoslowakel: Bratislava, Postfach 140, Srachelnt jeden Freitag. — Redaktionsschluss: für Artikel Sonntag, ffii Nachrichten Montag. Abonnementspreiset Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das Übrige Ausland 2 Dollar. Nr. 13.458; ffir Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117: für Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Ni•. 30 Wien-Bratislava, 3. August 1928 ,nw כיד. וינדד8ח1ססגודג י״ז אב 14. Jahrg. Für die jüdische Schule. Aus Amsterdam wird uns gemeldet, daß dort von namhaften jüdischen Persönlichkeiten ein Komitee gegründet wurde, um eine jüdische Mittelschule ins lieben zu rufen. Diese Meldung ist selbst für jenen, det4 die Verhältnisse der holländischen Judenheit näher kennt, eine große Ueberraschung. Nirgends in der ganzen Welt geht es unseren jüdischen Brüdern so gut wie in Holland. In diesem gesegneten Land ist weder ein Staat־ lieber noch ein gesellschaftlicher Antisemitismus zu ver-׳ spüren. Die großen sozialen Einrichtungen, die zahlreichen Wohlfahrtsinstitutionen bannen die drückende Armut auch' in jenen Schichten der jüdischen Bevölkerung, deren Brot nur karg bemessen ist. In den öffentlichen Seht!!- len wird auf das jüdische Kind in einem! ganz anderen M a ß e R ii c k sicht genommen als׳ hierzulande. Während bei uns das jüdische Kind höchstens von der Verrichtung von Schreibarbeiten an Samstagen befreit wird, sind in Holland die jüdischen Zöglinge der öffentlichen Schule vom Schulbesuch an .den Samstagen b e f r e i t. Es ist selbstverständ־ lieh, daß die jüdischen Kinder privat nachholen müsseny was an Samstagen in den öffentlichen Schulen unter׳־' richtet wird, und so haben edle jüdische Kinderfreunde Sonntagsschulen eingerichtet, die es diesen Kindern ermöglichen, das an Samstagen Versäumte leichter nach'־ zuholen. Bei dieser Sachlage würde man glauben, daß gar keine Veranlassung vorliegt, mit bedeutendem Kostenaufwand eigene jüdische Schulen zu errichten. Und doch* die vernünftigsten und weitblickendsten Führer der holländischen Judenheit haben schon lange eingesehen, daß man sich mit einer Schule, die Vorzüge nur in negativer Hinsicht aufweist, nicht abfinden kann. Man kann sich damit nicht zufrieden geben, daß die Schulen dem religiösen Gefühl in der religiösen Uebung der jüdischen Kinder keinen Abbruch tun, vielmehr muß es clas Streben jüdischer Eltern, der Führer und Erzieher einer gesunden jüdischen Ge,־ neration sein, 1 schon in der Schule positive seelische und intellektuelle Werte zu vermitteln und so hat man sich selbst in Holland entschlossen» allmählich jüdische Schulen zu errichten, denn, der Grund-1 satz, ״das jüdische Kind in die jüdische Schul e“ hat überall und immer seine Berechtigung. In Deutschland, wo bisher das jüdische Schulwesen seine höchste Blüte erreicht hat, kämpft die jii־ dische Schule zurzeit mit großen Schwierigkeiten. Es besteht dort in gewissen jüdischen Kreisen eine geradezu unveil־ stündliche Aversion gegen die jüdische Schule. So hat die Münchner jüdische Gemeinde neuerlich abgelehnt, die dort von einem Verein errichtete Volksschule zit subventionieren. Dieser unverständliche Beschluß gibt nun den jüdischen Blättern in Deutschland Veranlassung, die Frage der jüdischen Schule aufzurollen. Der ״Israelit‘*׳ schreibt hierüber in seiner letzten Ausgabe wie folgt: Die Tragödie der jüdischen Volksschulen. Aus amtlichen Veröffentlichungen ist zu entnehmen, daß die Zahl der jüdischen Volksschulen in Preußen auf sage und schreibe 96 zurückgegangen ist. Vor dem Krieg gab es allein iin ehemaligen Kurhessen noch 72 jüdische Volksschulen, in der Rheinprovinz 35, m Westfalen 32, in Posen 43, in den übrigen Provinzen 13 jüdische Volkse schulen. In Bayern, wo vor dem Krieg noch 84 jüdische Volksschulen vorhanden waren, ist die Zahl auf die Hälfte zurückgegangen. Die Ursachen dieses Zusammenbruches einer Bildungsstätte, die immerhin für die eindrucksfähigen Jahre der frühesten Jugend dem jüdischen Kind ein jüdisches Milieu gewährleistete, wenn auch die Wissensschätze, die es davontrug, nicht überwältigend groß waren, liegen natürlich klar zutage. Neben dem allgemeinen Geburtenrückgang ist es die starke Abwanderung vom flachen Lancf nach den Großstädten, die schließlich die Schülerzahl der Volksschulen auf ein Minimum zusammenschrumpfen ließ, so daß sie zu Dutzenden eingehen ,mußten. , Es liegt nun auf der Hand, daß eine teilweise Heilung des hier zutage tretenden Krankheitszustandes lediglich in der Gründung jüdischer Volksschulen in den Großstädten gefunden werden kann. Die Vorbedingungen( hiefür sind heute günstiger als in den Vorkriegsjahren. Und es ist auch keineswegs nötig, daß diejenigen, die׳ auf dem Boden der konfessionellen jüdischen Volksschule stehen, ihre energische Propaganda von dem Zustandekommen des zwischen Himmel und Erde schwebenden Reichs- Schulgesetzes abhängig machen. Im Gegenteil, die gesetz. liehen Bestimmungen des § 40 des in Kraft befindlichen preußischen Schulunterhaltungsgesetzes von 1906 sind der Errichtung und Erhaltung jüdischer Schulen, den guten Willen der örtlichen Synagogengemeinden vorausgesetzt, durchaus günstig. Nich übetrall wird man ja auf einem so schmalstirnigen und unduldsamen Standpunkt stehen, wie ihn die Münchener Kultusverwaltung durch ihren Beschluß bekundet hat und wie er auch noch in der Breslauer Gemeindestube spukt. Die Einsicht in die Existenzberech:-; tigung, ja, die Lebensnotwendigkeit der jüdischen Volksschule: ist im Wachsen begriffen und wird auch über die atavistischen Ueberreste der in der älteren Generation des Liberalismus herrschenden Simultanschuldogmatik den Sieg davontragen. In diesem Bewußtsein sollten die Freunde der jüdischen Schule ihre praktische Arbeit unentwegt fortsetzen, auch wenn zunächst die Mittel für die Gründung solcher Schulen auf privatem Wegaufgebracht werden müßten. Auch in Wien kämpft man um die jüdische Schule• Man kämpft auf zwei Fronten. Zunächst haben jüdische Eltern noch nicht erkannt, welch große Bedeutung der jüdischen Schule zukommt. Die einzige jüdische Volks;־ und Hauptschule, die in Wien besteht, ist wohl stark be־ sucht, aber in Anbetracht der dichten jüdischen Bevölke־ rung in der Leopoldstadt muß man sich wundern, daß hier nur eine Volksschule besteht und die materielle Lage selbst dieser einzigen Schule durchaus nicht ge!־ festigt ist. Sie wird von der Wiener Kultusgerrtfeinde wie von der- Adas Jisroel (Schiffschul) ״subventioniert“. Zu einer konsequenten, gradlinigen Schulpolitik, das heißt, zur Gründung und Erhaltung von jüdischen Volksschulen hat sich bisher weder die große Wiener Kultusgemeinde noch die orthodoxe Adas Jisroel entschließen können. Dabei macht die Wiener Judenheit eine große rel i g i ö s e und moralische Krise mit, van der wirtschaftlichen gar nicht zu reden. Die Jahrzahl der Toten hat bereits nicht unbeträchtlich die Ziffer der Ge־ bürten überschritten. Auch die jüdischen Ehen, wenn sie überhaupt geschlossen werden, sind in Wien in hohem, Maße durch Kinderlosigkeit ausgezeichnet. Es sind dies' שומז כשי (תחת השגחת הרב ר ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) U eberall erhältlich! Symptome, die ernsten Führern der Gemeinde zum ernstliehen Nachdenken und zu noch ernsterem Handeln Anlaß geben sollten. Die jüdische Schule kann aus der jüdischen Gemeinde nicht weggedacht werden. Schul und Schule bilden eine unzertrennbare Einheit im jüdischen Volke. Sie stehen oder fallen G. b. h. miteinander. Wer das Judentum bejaht, wer die jüdische Gemeinde will, der kann nicht gegen die jüdische Schule sein. Polnischer Brief. Kehillo-Wahlen. — Wahlreform in Sejm und Senat? — Ueber die Lodzer Kehilla. — Das orthodoxe Bankwesen. Trotz der schwülen Sommerhitze pulsiert das j׳iidi~ sehe Leben in Polen .zurzeit in ■gradezu stürmischen Wogen. Woche für Woche ׳finden in zahlreichen Judengemeinden Galiziens und der!Randgebiete Wahlen in den Vorstand der!Kehilla statt. Nach den W!a׳h.lcn in Sejm und Senat im März des Jahres ■beanspruchen die jetzigen Wahlen in die ■jüdischen Gemcindevorständc eine erhöhte;Bedeutung ■und s׳ie besitzen einen symptoinatischen C 11 a r׳a׳!k t e r.;Die' Orthodoxie hat bei diesen Wahlen einen!glänzenden S!i cg errungen. 1111 den kleineren ׳Gemeinden ■haben sie zirka 70 (Prozent der Sitze an sich!gebracht, und ׳in den /Mittclgemeinden wie z. B. Przemysl, 'Kovei iByalistok, Wilna ist die O r t h 0<l o x i e als die stärkste Partei aus dem Kampf hervorgegangen. Die Wahle n \v 11 rücn überall a 11 f G r 11 n d des d cmoikvat'ische ti 1P i i s 11 d s;k i s c h e 11 D e k 1־ e t s ■v 0 r g e 11 om m c 11 und der Sieg der Orthodox-ic ist ein Zeichen der wachsenden politischen Reife der Orthodoxie. Von diesem Gesichtspunkte aus (kommt diesen Wahlen eine höhere Bedeutung als die tem- ׳poräre Entscheidung über die ׳Führung der!Kehilla zu, wenn auch die letztere wichtig genug ist.!In •Kongreßpolen, wo die Wahlen in die!Kehilla vor ■vier Jahren stattgefunden ■haben und nicht nur eine große Kraftprobe für die ■Orthodoxie bedeuteten, sondern gleichsam auch als eine ׳politische: ׳Schule ׳wirkten, ■deren Resultate sich bei den ,politischen■ Wahlen ,in Sajm und!Senat, wo die Orthodoxie über 200.000 Stimmen aufgebracht hat, zeigten, so ׳ist zu ■erhoffen, daß die 111111׳ vorgenommenen Wahlen in Galizien und den Randgebieten die bisher amorphe orthodoxa Masse aus dem politischen Schlurrimer aufgerüttelt haben und ihnen den ׳klaren■ Weg der Selbsthilfe weisen werden. Diese endgültige ׳Aktivierung der ,jüdisch-orthodoxen!Massen gewinnt in dem gegenwärtigen!Moment, wo die ■Schaffung einer Wahlreform ernstlich' dis- ■kutiert wird, erhöhte!Bedeutung. Man spricht davon, daß ganz Kongreßpolen einen e i 111 h e (f t 1׳ .'i che ■11 Wahl- 1k r e i s bilden׳ möge, wobei die Zahl der Mandate verkleinert wird. Wenn auch die Verringerung der Mandats- Ziffer, die Eroberung eines Mandates schwieriger macht, so wird dieser (Nachteil durch den großen Vorsprung ansgeglichen', daß ganz!Kongreßpolen einen einzigen Wahlkreis •bildet. Die Orthodoxie wird bei einheitlichem Vorgehen mm die Möglichkeit haben, eine ihrer St im me 11 za hl u 11 d B e d e 11 t u n g c 111 s ■p r cclicndc V e r t r e 11111 g in d i e p 0111 i s c h e Le g i s 1 a t i v e e 111 s e 11 d 0 11. Einstweilen ist dies aber nur Zukunftsmusik. Gegenwärtig spielt sich das■ öffentliche jüdische Leben■ hauptsächlich in ■den Gemeinden ab und da kann die Orthodoxie auf ein R11 h m e sb J a 11 sondergleichen hin weisen. Ich denke hier an die Neuordnung •der Verhältnisse in der Lodzer Großgemeinde, wo seit vier Monaten die Verwaltung ganz und gar in ■den Händen der Aguda liegt. 111 diesen vier Monaten ist es gelungen, die Unordnung im Steuerwesen zu bannen. Die Eingänge an Steuern haben dank des erhöhten Vertrauens der Massen in die neue Verwaltung eine nicht unbeträchtliche S t c i g e r u 11 g erfahren. Diese erhöhten Einnahmen haben es ermöglicht, das Kasch r-11 th ׳wesen vom Grunde auf'”neuzu ge st alt en; die Bezüge der Dajanim wurden zeitgemäß reguliert und auch sechs neue Dajanim sollen Aufnähme finden. Der Bau einer neuen Mikwah wurde beschlossen. Sämtlichen institutionell, die ihre Einrichtungen nicht auf Grund der Bestimmungen des Rabbinates getroffen haben, wurde die Subvention entzogen. Ferner wurde eine Darlehenskasse geschaffen, die kleinen Handwerkern und Gewerbetreibenden zinsenireie Darlehen gewährt. ■Abgesehen von dieser von gemeindewegen Es ist nicht egal wo Damen Perücken kaufen OTHMAR SCHIFF*s Perücken weisen folgende Vorzüge auf. Guten Sitz, prima Material, modern und dennoch individuell gehalten. Reichhaltigstes Lager von fertigen Perücken vorrätig. Die Preise sind: Bubikopf-Perücke, mitnaturgetreuerAbteilunga.d. Seite od.Mitte S 120.— יי , .. ״״״ ״ öhne Abteilun£.. . .'S 90.— Halb-Perucke, mit naturgetreuer Abteilung.. . . . S 100.— Scheitel, mit 12 cm naturgetreuer Abteilung.s 80.— מ mit 8 cm naturgetreuer Abteilung . ..s 70.—• ״ mit 6 cm naturgetreuer Abteilung.s 60.— JäU Othmar Schiff, Wien, I., Kärntnerring 6 Öt“״".‘!) Telephon 51-3-62