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Jüdische Presse · 1928-07-20 · 28 (20.7.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
28 (20.7.1928)
Date
1928-07-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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NovInovG vypIatnS povolenö riadit post a telegrafov Zeitungen vom Verleger versendet. v Bratislava öis. 41572-111-20. Journal exp6die par redltenr. 0R6AK FÜR DIE INTERESSER DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. AdmUhitratian: Wien, ü. Leopolds* gaise 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 4594־4־ Eichechoslowakei! Bratislava, Postiacb 140. Sncbeint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: PSr Artikel Sonntag, für Nachrichten Montaß. Abonnementspreise! Ganzjährig; Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst Or. 40, das öbrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen (fir Oesterreich: PestspareassenamtWien, Konto Nr. 13.45S; für Polen; Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram, Ko. N. 48.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117: für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Ni*. 28 Wien-Bratislava 20. Juli 1928 ♦ת ג׳ אב תרס״ח•loDjne■ רנד ב״ד 14. Jahrg ■ Eine Artikelserie von P. K. v*) 'Dort, in Erez Jisroel, ist man fast unmerklich in vormärzliche Zeiten hineingeglitten. Mehr als in irgend einem!Staate 'Europas hat man dort die Gemeindebildung jeder Art von!Freiheit zu berauben versucht. Auch kann es׳ sich dort gar nicht darum handeln, etwa bei der!Gegenseite bittend oder fordernd, selbst auch nur!die Gleichberechtigung der Traditionstreue in ibezug auf die Führung zu erlangen. Es ist in Erez Jisroel schließlich die Einstel-;lung der Gesamtheitsinstitutionen zu religiösen Fragen und Postulaten von der -jeweiligen Majorität abhängig. Wir glauben, -daß auch die noch so klar ausgebildete Mentalität der ׳Gemeindeorthodoxie in Europa sich auf dieses schlüpfrige Gebiet der Majoritäts'zufäiile nicht begeben kann. Denn wenn auch der Rahmen der palästinensischen Gemeindeverfassung religionsgemeindlich!drapiert ist, wenn ferner auch die Institution des Oberrabbinates dieses Gepräge noch verstärkt, so wissen doch alle Kenner der V£‘r- Mltnisse, daß die Gemeinde in ihrer Konstitution .und den Auswirkungen derselben ■gedacht ist als Volksgemeinde. / Es ist natürlich von vorneherein hoffnungslos, annehmen zu wollen, daß der Misrachi in dem Kampf!um diese Fragen auf -Seite der Aguda ׳tritt. Denn — wir sagen auch das ohne jede Bitterkeit — der Misrachi hat sich ■nun einmal programmatisch .auf den Standpunkt gestellt, daß es das Endziel der Thoratreue wäre, die Majorität zu erringen, und das man bis zur Erreichung des Zieles durch Mitarbeit in der rein national orientierten Organisation Schlimmeres zu verhüten ׳berufen sei. Es darf aber auch andererseits nicht verkannt werden, daß gerade die ■beregte Gemeindeverfassung wie keine andere dazu!berufen ist, 4as׳ Gebilde einer Gemeindeorthodoxie zu schaffen. Es ist im großen und ganzen die Möglichkeit gegeben,!die sogenannten rein religiösen Belange . autonom zu erhalten, ׳und gerade deshalb kann man nicht genug betonen, daß es in Erez Jisroel um das!Ganze ■geht, das׳ beißt;!um das ׳Recht der Thora auf Führung in allen jüdischen Dingen. Es ergibt sich weiter ein seltsames Bild: In diesem Lande, in dem die Not des Tages in s׳ö furchtbaren Tönen spricht, ist mindestens ebenso stark der Wille zum Bekenntnis in prinzipiellen Dingen. -Wir glauben deshalb, daß die ׳Hoffnung berechtigt ist, daß diejenigen Traditionstreuen, die ■den oben skizzierten Standpunkt des Misrachi nicht teilen,!und das fragliche Privilegium der Gemeindeorthodoxiemöglichkeiten im!Rahmen der Verfassung ab'lehnen, sich zu denen ׳geseilen, die selbst tim den Preis, als Juden zweiter Klasse zu gelten, die Souveränität der Thora zu leben ׳und zu erkämpfen bereit ׳sind. Es ist sonnenklar, daß die Aguda von diesem Wollen nicht abgehen kann und nicht abgehen wird. Sie!kennt die Aufgabe der Minorität, aber auch!ihren Segen. Sie weiß aber auch, daß zahlenmäßig die Traditionstreuen in der Majorität wären, wenn sie nur alle zu gleichem ׳Streben sich einigen könnten. Diese *) Siehe Nr. 23, .24 , 26 und 27 ■der ״Jüdischen Presse“. Tatsache zum Ausdruck zu bringen, ist der -Kern der taktischen Kämpfe, auch in!den Galrtsländern. Es ist ein übles Ding, prophezeien zu wollen. Zwei!Möglichkeiten!liegen in der!Situation. Entweder de Orthodoxie verzichtet bewußt auf die Er- Stellung solcher Institutionen, die sie materiell nicht erhalten kann, um materielle oder!geistige Kräfte ganz in!den Dienst ihres ureigensten Wollens zu stellen, oder sie verzichtet auf ihre Selbständigkeit, um denen Einfluß einzuräumen, die ihr Schwer-!gewicht der materiellen Kräfte den unter Verwaltung orthodoxer Persönlichkeiten stehenden Einrichtungen Hotel Adler ־— Leopold Adler | Lindenstraße 3 Telephon 2031 Einzig jüdiches Hotel am Platze, das in allernächster Nähe der Bäder und Salinen, sowie Kuranlagen liegt. Ruhige Lage. — Mäßige Preise. — Vorzügliche Küche. Unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Provinzial-Rabbiner Dr. Hirschfeld, Gießen. leihen. In dieser Krise!befindet sich unsere Zeit; diese Erkenntnis wirkte in der ׳Geburtsstunde -der Agudas! Jisroel. Auch •so ist sie zum Wardein ■der Selbständigkeit der Orthodoxie berufen. Das hat, wie man leicht einsieht, ■mit Austritt gar nichts ■zu tun; es ist nur die Schule ׳der Stärke des Wollens nicht nur für, sondern!auch durch die Thora. 50 in Wien Verein zur Unterstützung 1878־־ ■■Zu den ältesten Wohltätigkeitsvereinen׳!jeder jüdisehen ׳Gemeinschaft!gehört die Chewra ׳Kadischa, deren vornehmste Aufgabe es ist,!für eine würdige Bestattung -der -Glaubensgenossen ׳־zu ■sorgen. Stänker als ■der Tod soll sich in Israel ■die Nächstenliebe .erweisen, aber sohlimmer wie der Tod ■ist oft Krankheit und• Leiden. Krankenbesuch war immer eine schöne und ■lobenswerte .jüdische Sitte;, in ■jeder .Kehillah eine' vielgeübte Wohltat. Es ■galt, den Bruder, den Freund, -den Verwandten und ,Bekannten auf seinem Schmerzenslager aufzurichten durch Wort u;nd Tat. Alles kannte sich in -der Kehillah, -man merkte beim tagliehen!gemeinsamen Gebet, ,wenn einer fehlte und erfuhr, daß Krankheit d׳ie Ursache des Fernbleibens war. Das ging, solange die häusliche Pflege und der ■Arzt des Ortes hinreichte, um die Krankheit •zu 'bannen, aber oft mußte der Patient doch Spitalspflege in •der fernen -fremden. ׳Großstadt aufsuchen; ■unbekannt -mit den fremden Verhältnissen, gepeinigt!von den Gedanken, seine religiösen׳ Bedürfnisse nicht befriedigen zu können. Und dabei ar!m!und hilflos unter Fremden ohne Rat und Hilfe. Von allen!Städten und Städtchen kamen sie nach Wien in das Allgemeine Krankenhaus, Männer, Frauen, ■Kinder, alle gewillt, alles über •sich ergehen z!u ׳lassen, nur eines nicht, mit ■ihrem jüdischen Zeremoniell ■zu •brechen,!lieber darben und! hungern, als zur ,verbotenen Speise zu greifen! Selbst die behandelnden Aerizte und ■Professoren, die täglich, so viel!Leid zu׳ sehen gewohnt ■sind, standen machtlos dieser tragischen Selbst- Überwindung, die oft Aufopferung gleichkam, gegenüber. כשי (תחת השגחת הו־כ ר׳ ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwiirden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) Ueberall erhältlich! armer kranker Israeliten. .1928־ In dieser ■Zeit erwachte ln einigen!jüdischen!Männern das Pflichtgefühl, hier helfend einzugreifen und einen Verein zu gründen, mit dem Z-wec-k, alle Leidenden 1i׳n den Wiener Spitälern, die darauf reflektieren, mit ritueller Verköstigung zu versorgen. Welch hohes Ziel, welch schöne Aufgabe, doch wie viel Schwierigkeiten galt es zu überibrüoken, welch LeMens׳weg von Instanzen und ■behördlichen Ver-: fügungen ׳zu absolvieren, bis ■das Ziel erreicht ■wurde! Im. Jahre 1878 ,wurden!die ׳Statuten genehmigt,, die -Spitals-!Verwaltungen dafür ■gewonnen und!die ■täglichen Mittagsau'sspeis'ungen erfolgten. Zur Speise gesellte sich auch der •stärkende Tirank, ׳der von opferfreudigen Spendern beigestellt wurde! -Damit ,war aber!das ihehre Ziel des Vereines nicht •erschöpft! Zur Nahrung ■sollte!sich auch de!r seelische Trost gesellen, der ■Bann!des Verlassens!eins!gebrochen' werden. Immer ׳wieder fanden sich Männer, ■die täglich •ins Spital kamen, ■um sieh •nach dem!Befinden •zu erkundigen, den auswärtigen Verwandten Bericht •zu erstatten, -den Wünschen'׳jedes einzelnen zu ,willfahren! Es ■sollen hier nicht die Namen ■der »einzelnen Männer auf,gezählt werden,, die ■Zeit ihres ׳Lebens für diesen Verein und in diesem Verein wirkten, sondern vor allem die Leistungen -des Vereines gewürdigt ■werden, der ■dieses Jahr ■seinen fünfzigsten. Geburtstag feiern!darf! Jahrzehntelang mußten die Speisen von Trägern In . die verschiedensten Spitäler, außerhalb, der ■Stadt gebracht ,werden und erst!im Jahre 1910׳ gelang es, nach jahrelangen Petitionen, im Allgemeinen Krankenhause -selbst eine eigene jüdische ■Küche mit anschließen-' dem ßpeisesaale zu etablieren. Diese Küche ist mit allen Behelfen der Neuzeit ausgestattet und •kann allen indi-viduellen Wünschen ,der Patienten gerecht werden! Beso-ndere ,Leistungen erfordert die alljährliche Pessach-Aktion, denn!in diesen Tagen erhält jeder Jude in den Wiener Spitälern ■die vorgeschriebene Pessachkost! Die ■Küche, steht unter Aufsicht ■des orthodoxen Wiener Rabbinates! Gigantisch -wuchsen die Leistungen des Vereines!im Kriege! Immer!schwerer ■war es, Lebensmittel zu beschaffen ■und immer größer wurde ■die Anzahl!der Pflegebedürftigen! Immer wieder fanden -sich Männer, nein, Engeln, die, allen Hemmungen trotzend,!das *schier Unmögliche möglich machten und trotz eigener Not und Verarmung -in der Nachkriegszcit ׳sich der Kranken und Hilflosen liebevoll an- Es ist nicht egal wo Damen Perücken kaufen OTHMAR SCHIFF’5 Perücken weisen folgende Vorzüge auf. Guten Sitz, prima Material, modern und dennoch individuell gehalten. Reichhaltigstes Lager von fertigen Perücken vorrätig. Die Preise sind; Bubikopf-Perücke, mit naturgetreuer Abteilung a.d. Seite od.Mitte S 120.* ״ ״ ohne Abteilung.S 90.— Halb-Perücke, mit naturgetreuer Abteilung.. . . S 100.— Scheitel, mit 12 cm naturgetreuer Abteilung.S 80.■— ״ mit 8 cm naturgetreuer Abteilung.. . . S 70.— ״ mit 6 cm naturgetreuer Abteilung.S 60.־— JÄ. Ottmar Schiff, Wien, l.,Kärntn erring 6 &״!.?.“ Telephon 51 >3-62

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