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Jüdische Presse · 1928-05-24 · 20 (24.5.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
20 (24.5.1928)
Date
1928-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 140 JÜDISCHE PRESSE Nr. 20 man Geographie oder Geschichte unterrichtet, ohne! jeden Kontakt mit dem Lehrstoff, ohne jedwede Begeisterung für die eigene Sache, und bestenfalls ein Bodensatz von geschichtlichen Begebenheiten bleibt in der Seele des Kindes zurück. Religion kann eben nur gelehrt werden, wenn Lehrer und Schüler mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele dabei sind, wenn keinerlei ethischer religiöser Widerspruch zwischen Lehrer und Schüler besteht — ansonsten ist es ein trockener Lehrgegenstand wie jeder andere. Und da mag es wohl auch Vorkommen, daß, wenn einmal dieser Religionsunterricht entfällt, die Schüler freudestrahlend ausrnfen: ״Hurrah, heute haben wir keine Religion!“ Ganz anders ist die Rcligionsstunde in der jüdischen Mädchenschule. Mit Begeisterung und Hingebung lauschen die Schülerinnen den lebenswarmen Ausführungen ihres Lehrers, dem sie grenzenlose Verehrung entgegenbringen. Seine Lehre lebt fort in der!Seele seiner Schüler und schlägt feste Wurzel in ihre!jungen Herzen. Ihnen ist Vater Abraham kein biblischer .Greis, Mutter Sarah keine unmögliche Matrone, sondern frisch und’ lebensvoll bewahren sie sie in ihrer Seele:. Solche Religionsstunde wirkt erziehend und belehrend und wenn sic einmal entfiele, würde es nur lebhaftes Bedauern bei den Schülerinnen auslösen. Jüdische!Eltern! Wenn euer ,Kind zu einem jüdischen, streng religiösen Menschen herainvachscn!soll, der sich freue!an! Mattau Tauroll Jahr für Jahr; wenn eure Tochter dereinst ihr eigenes •Heim -mit iBilumcu der!Freude schmücken soll ,am ׳Mattan Tauroh — so müßt ihr heute schon die zarten Keime in der jungen Seele eures Kindes schützen und schirmen, daß die eisige Hand des Reifes seinen warmen Lebensfriihliug nicht verderbe, daß die zarte Pflanze nicht fremdem, steinigem Boden anvertraut wird. Das jüdische Kind, sein Erdreich ist die jüdische Schule!_ Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 Das Problem der jüdischen Kindererziehung. 111 einem!Referate: ״Unsere gefährdete Jugend“, gehallten auf der letzten Gesarntvorstaudssitzuiig ,des Jiidisehen!Frauenbundes in Frankfurt a. M., ׳macht Frau!Dr. jur. Rebekka Za/clik, Hamburg, folgende für die jüdischen Eltern sehr beherzigenswerte Ausführungen über wichtige pädagogische Aufgaben!der Kiindercrziieluing: ״Eine Erscheiniing, die bei der :Betrachtung des jüdischen .Hauses sofort auifäillt, ist die übergroße, sclbstaufopforiidc, selbstlose, spezifiistischc Lieibe der jüdischen Eltern zu ihren!Kindern, die immer so ängstlich überwacht!und betreut werden, als müßten, sic sonst jeden Augenblick zusammenbrechcn. Stichwortweise nenne ,ich hier die Ueberfiitterung, klic Angst vor Erkältung, die Vorliebe für Aerztc und Professoreu ׳und anderes •mein־, was jede von Ihnen ׳aas eigener Erfahrung ergänzen kann. Ausgeschalte't von vielen Möglichkeiten, die!das Leben!sonst dem ,Nichtjuden bietet, von Acrntem, Würden, .Betätigungen, ׳umgeben von einer!häufig feindlich eingestellten )Bevölkerung, sehen die!jüdischen Eltern in ,ihren 1Kindern alles, was ihnen das Leben zu bieten hat, und fassen idic ,Kinder es deutlich fühlen. Die jiidisehen Kinder wissen-vom ersten Augenblick ihres bewußten Seins, was sie den Eltern!sind, und diese Uebersteigcrung ihrer Wertigkeit verleiht' den!Kindertritt -ihren eigenen Augen eine besondere ׳Wichtigkeit. Diese Eirzfefiiuigsmaxime ״•alles für!die Kinder“ erzieht ■das jüdische Kind 111 egoistischer Riickbeziohung :auf sich selbst als ׳Zentrum der Welt- Schöpfung. Uebertrlebe.ue Vorstellungen von der eigenen Bedeutung ׳verbinden sich!mit übertriebenen Anforderungen au das Leben. Bei •der Berufswahl macht sich dieses besonders!bemerkbar. In dieser alUunfasiseiideii Lie/be der jüdischen Eltern zu ihren Kindern erblicke!ich eine besonde!re :Gefahr für unsere jüdischen Kinder, die Gefahr nämlieh, ־!daß das!bewußte Pflichtleben durch zu ׳wenig auferlegte Pflichten, die Disziplin durch zu wenig ver,langten Gehorsam, die!Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung durch zu geringe Versagung, nicht eindringlich und nicht nahe genug!an unsere!Kinder hör,angebracht, nicht ernst genug geübt wenden, und daher die Gefahr, den ׳großstä.d!tisehen Versuchungen zu unterliegen, steigern. Wir alle kennen doah zum großen Teil (das Leben (in der ׳Großstadt. Sehen wir e!s uns genauen־ an und vergegenwärtigen wir 1ms, warum dieses Leben unseren Kindern so gefährlich, so verhängnisvoll werden kann. Lbiclit und Glanz und Luxus, anscheinend mühelos erworben, flott getragener Reichtum, hcllerlcuchtete Bars, Restaurants, Tanzcafes, Tanzdielen, Jazz, Kabaretts-, Kinos, Varietes, Vergniiginngssucfit, Gemiß, Genuß in jeder!Form, ■um •jeden Preis, lockt, reizt, peitscht auf, schreit den jungen Menschen von jeder Straßenecke, ׳von jeder Lichtreklame an. . . . Wie leicht gerät der Junge oder das Mädchen in die ׳Versuchung, die eintönige Mühe und Last des Alltags abzuwerfen und in ein ״Leben voll Glanzes“ ehuntreten. Wie nahe ist hier der Absturz, dc׳r Abweg, und wie viel natürliche Abwehrkräfte und Hemmungsvorstellimgen muß der junge ■Mensch in sich haben, um dem allen standzuhalten, fest zu bleiben, sich nicht fortreißen, nicht verführen zu lassen, darüber hinweg zu sehen, dem leichtwinkenden Augenblicksgenuß zu entsagen. ׳Wer von klein auf gelernt hat, sich zu überwinden und zu beherrschen, dem fällt dieser Kampf ileichter. Die Großstadt weist uns Eltern hier eine dringliche pädagogische Aufgabe zu.“ Bajs Jakob-Komitee in der Schweiz.!Das Bajs Jakob- Komitee Zürich veranstaltete am 2. Mai im Klubiokal des Hotels Savoy einen 5 Uhr-Tee, der überaus anregend verlief,!Das einleitende Referat hielt Fräulein Franzi Le weitstem über das Thema ״Unsere wichtigste Aufgabe nach der Londoner Mädchenschutzkonferenz“. Sic bcsprach das Problem der Erziehung des jüdischen Mädchens im Osten und beleuchtete die Notwendigkeit der Bajs Jakob-Arbeit zur Ertüchtigung der östlichen Jugend. Nach ihr berichtete •Frl. Rosalic Mannes über ihre persönlichen Erfahrungen während ,ihrer Tätigkeit in Polen im ■Dienst des Bajs Jakob-Werkes. Es bildete sich ein ,׳Komitee, dem die Damen: Frau Licbman-R.is, Frau Dr. Brau tisch weig, Frau Crumbach, Frau Heim und Frl. Rosalic •Mannes angehören. Bau des Bajs Jakob-Seminars in Krakau. Dank der opferwilligen Unterstützung der vielen Freunde der Bajs Jakob-Mädciiciiscluilorgamsatioii konnte an Lag Beau/ner mit idem Bau des (Krakauer Lchrerinneiiseminars begonnen werden. Die Bajs Jakob-Zentrale Wien hat den ׳für den Rohbau erforderlichen Betrag von Dollar 15.000 bereits nach Krakau überwiesen. Der Ro'h'bau bis •zum Dacli wird voraussichtlich in zweieinhalb Monaten fertiggestellt sein. Sommer-Fortbildungskurse für Bajs Jakob-Lehrerinnen. Die Fortbildungskurse für Bajs Jakob-Lehrerinnen finden in diesem Jahre in!Ra'bka, und zwar sowohl für die in Warschau י wie in Krakau studierenden Lchramtskandidatinucn statt,!ferner sollen in einer Abteilung auch die bereits amtierenden!Lehrerinnen pädagogische Fortbildung Schenken Sie Kleiderstoffe, doppcltbreit . S 1.S0 KostiimsftoFfe, 140 bi eit S 2.90 Rips-Fa$onä, alle Farben . S 3,90 Kleider-Rips, doppeitbreit . S 4.90 Wipcord für Herrenanzüge . S 14.90 nicht blindlings Ihr Vertrauen, sondern überzeugen Sie sich durch einen unverbindlichen Besuch von der reellen und ungewöhnlichen Billigkeit unserer Angebote in Kasha für Kleider . . . . S 2.90 Schotten und Pepita, dpplbrt. . S 2.50 Mantel-Covercoats, 130 breit S 8.90 Kasha, für Mäntel, 140 breit S 9.80 Herren-Anzugstoffe, 140 breit S 12.50 Fit e* p E. Herrenhemden, weiß und fiirbig . S 2.90 Herrenhemden mit Seidendamastbrust. S 3.90 Damenwäschegarnituren, ajouriert u. gestickt, Hemd oder Mose.S 1.98 Hemdhose, ajouriert und gestickt. . S 2.9Q Batist-Taschentücher, gestickt . . nur 20 g Warenhaus Brüder Oesterreichische Spezialbettwäsche bekannte Schutzmarke mit herrl. Toledo- Stickereien zu staunend billigen Preisen “ II., Tabor- Straße 48 Billiger Sender-Verkauf auch in allen anderen Abteilungen genießen. Die Kurse werden ׳in fünf Abteilungen abgehalten, beginnen mit 1. Juli und ,enden'mit‘■15. September, Rabka ist ein schöner Hochgebirgsort, an den Ausläufern der Hohen Tatra gelegen. ' Semesterprüfungen in Krakau und Warschau. Dr. L. Deutschländer, der Vorsitzende des Schulrates von Bajs Jakob, inspizierte in der ersten Maiwoche die Seminare in Krakau und Warschau, ,Es fanden eingehende .Prüfungen' aller Kandidatinnen statt, die ein.außerordentlich befriedigendes Resultat ergaben. Ferner besuchte Dr. Deutschländer einige Bajs Jakob-Schulen in ׳der Provinz. In den Abendkursen, welche von Bajs Jakob-Lehrerinnen für jugendliche Arbeiterinnen veranstaltet werden, sprach Dr. Deutschländer über aktuelle geistige Fragen der weibliehen Arbeiterjugend Polens. | Salzkamraergntreise | Ü der jg | A. J. Mädchengruppe Wien | H Abfahrt: Sonntag, den 17. Juni 1928 f§ g Ankunft in Wien: F r e i tag, den|29. Juni J| §j Unwiderruflich ielzter Anmeldungstermin: 1. Juni 1. J. 1 H Teilnehmerzahl beschränkt! g g Anmeldungen bei Frl. Anny Herzog, II.rKi. Pfarrgasse 1 g Bei Anmeldung müssen S 25.— erlegt werden Wiener Grundbücher aus den Jahren 1350 bis 1421. In!die ße rieht erstatt 11 ne: über das vom Vizepräsidenten Dr. Jakob Ornstcin in ,der öffentlichen!Plenarsitzung vom 23. April id. J. erstattete!Referat betreffend :die auf Juden ׳bezüglichen!Eintragungen in den ׳Grundbüchern׳ aus den Jahren 1350 bis 1421!habcu ׳sich!Mißverständnisse und Irntiirner eingcschiic'hen, so daß eine!Klarstellung erforderlieh erscheint. Herr Vizepräsident Dr. Ornsteiin berichtete, daß der selige Oibarrabbiner Dr. Chajes unmittelbar vor ,seinem Ableben mit dem Direktor des Archivs!der Stadt Wien, Prof. ■Dr. Stow a s s c r, über •die in den Wiener ־Grundbüchern aas den Jahren 1350 bis 1421 vorhandenen, auf Juden bezüglichen Eintragungen Riickspräche genommen habe und der Ansicht Prof. Sto wassers bei!pflichte׳te, daß eine Kopiatur dieser Eintragungen überaus wünschenswert!sc'i, weil dadurch!historisch wertvolles Material ,für die wissenschaftliche Bearbeitung gewonnen werden :könne. Entsprechend dem Anträge der ״Mistorisehen Kommission der israelitischen;Ktiiltnsgemeiinde“ hat das Vertreterkollegliiirn beschlossen, Herrn •Prof. Dr. S t 0was so r für seine Anregung zu danken und ׳ihn!zu bitten, •die Leitung und Beaufsichtiigung der Herstellung dieser Kopiaturcii zu übernehmen. Indem das Plenum;des Kakus- Vorstandes dem Antrage des Vertreterkollegiums zustimmte, •bewilligte ׳es ,gleichzeitig die für die Abschreibarbeiten erforderlicehn Kosten. 14.6 Millionen Juden in der ganzen Welt. Tn dem soeben erscheinenden ״American Jewish Year Book“ iiir das Jahr 568S veröffentlicht ׳D׳r. FI. S. Liutiekl in :New York eine interessante Studie über die Zahl der Juden der gan~ zeu Weilt, die auf einem reichhaltigen iQuellenmateriaf beruht. Der ׳Verfasser gelangt auf ׳Grund sorgfältiger Schätzung zum Schlüsse, d׳aß die •Zahil der Juden der .ganzen Welt 14.6 Millionen!betrage, auf die Kontinente verteilt•. Europa 9.6 Millionen5־6) ׳ Prozent aller Jiulden),■ Amerika 3.9!Millionen (26 Prozent aller Juden), Afrika 5S8.670, Asien 570.138, Australien 24.578׳ Juden. Unschädliches Entfettungsmittel Man kaufe sich ln der nächsten Apotheke 4 dkg Fu cab 0 h n e n, davon nimmt man 2 Wochen hindurch zwei-; mal täglich je eine Bohne nach der Mahlzeit, hernach 3 Wochen dreimal täglich je 2 Bohnen nach der Mahlzeit, sodann wiederum 2 Wochen dreimal täglich eine Bohne nach der Mahlzeit. Der Erfolg ist ein überraschender Königsberg.!Rabbiner Kurt Peritz aus Breslau, ein Schüler der Preßburger Jesc'hiwa, wurde zum Rabbiner der Adas Jisroel-Gemeinde gewählt. ׳(Herzlichen ־מזל טוב Die Red.) In unserer heutigen Auflage finden unsere Leser einen Bestellschein von der allgemein bekannten und renommierten Bankfinna Albert Bauer, Wien, IV., Favoritenstraße 4, ״Glticksbauer“, welche wir zum Bezüge von Klassenlosen bestens empfehlen. Zieihuug schon 14. und 15. Juni. Verhältnis!zur Thora. Dieser Ansicht, scheint auch der Autor zu sein, wenn er auch seine nationalistische ׳Orientierung in ■manchem Kapital seines Werkes ■mehr als notwendig zur Schau trägt. So schreibt er: ״Dieser iGcmeinschalft auf Löben und Tod liegt das überlieferte hebräische Schrifttum zugründe, das ein ,utiicrschöpflicher!Born des Trostes für die Unterdrückten ist und gewissermaßen die geistige Heimat darstellt. Und so ist die stärkste Säule dev Gemeinde die Schule, die nach ׳jüdischer Anschauung der Synagoge gegenüber den Vorrang hat. ln ihr ׳wird die Kenntnis des ,jüdischen Schrifttums vermittelt und ,die Seele der!Nation geformt; ln der Synagoge, die nicht das (Haus Gottes, sondern ׳des Volkes, ein Haus der Versammlung ist, und im Lehrhause wird die .Widerstandkraft der :jüdischen Seele gestählt und der jüdische Geist ׳geschult und •wachgehalten, der ohne diese Stärkung inmitten der unerhörten 0׳uale111 und Vor- ■folgungen versiegen würde. Die ׳Rabbiner sind nichts weniger als die Seelsorger des Volkes, •das keinen Mittler zwischen sich und seinem Gotte kennt. Sie stehen vermöge ihres Wissens als geistige Führer dem Volke vor, das ihrer nicht cntraten kann.“!Bei dieser Einstellung des Verfassers hätten wir es gerne gesehen, wenn er in seinem Werke die ״Hachmc Wien“ die großen talnutdischen Heroen der Wiener Schule, aber auch die rabbiiiischen Kapazitäten des 17. Jahrhunderts, wie einen Gerson Aschkenasy, Jona Theurnim und noch andere behandelt hätte. Am Schlüsse seines Werkes erwähnt wohl der Verlasset־, daß die zwei großen talniuclischcu Heroen des 19. Jahrhunderts, Rabbi Mordchei B inet h, der Laudesrabbiuer von Mähren, und Rabbi Moses S o f c r, der Oberrabbiner von Preßburg, ihren mächtigen Einfluß gegen die Reform geltend gemacht haben, aber die Wirksamkeit dieser Männer, die speziell am Hofe einen großen Einfluß erlangt und den Kaiser umgestimmt und ihn aus dem Förderer des deutschen Gebetes zu seinem Gegner gemacht haben, scheint uns einer ausführlicheren Behandlung wert zu sein, als sie der Verfasser ihnen zuteil werden läßt. Diese kleinen Aussetzungen vermögen aber den großen Wert des Buches, das eine gute Orientierung über die Juden im alten Wien ibietet, nicht zu bceititrächtigen. Der Aufstieg des Hauses Rothschild. 1770—4S30, Egon Cäsar Conte Co r t i. Im InscLVerlag zu Leipzig. (R 0 111 s c!T1 iil d, dieser Name ist in erstaunlich kurzer Zeit sowohl!bei Juden׳ wie!bei Nichtjuden ein Begriff ׳geworden, ein!Begriff, den näher zu definieren ׳man ׳nicht für ■nötig hielt; ׳Rothschild, das ׳w׳ar und ist noch vielfach ׳heute der allgemein ,verständliche 1kurzfaßliche Ausdruck für Glück und Reichtum, zuweilen auch nir jüdischen Reichtum. Diese über die Rothschilds allgemein gehegte Vor- Stellung ändert sich nicht, wenn man an ׳Hand des Cortisehen!Buches den Anfängen dieses ׳Reichtums nachspürt. Die Objektivität des Autors, die ■mit peinlicher Gewissenhaftigkeit alles zusammenträgt, was über die .Rothschilds Häßliches und ,Abfälliges verbreitet wurde, läßt uns ׳doch am Schlusse ein Bild •über die Rothschilds entstehen, das!mit Respekt und Bewunderung über den rapiden und doch so gut fundierten ׳Aufstieg erfüllt. In diesem ausgezeichneten Werke werden die Rothschilds nicht nur als geniale Geschäftslcutc. sondern auch als Juden geschildert. Der zweite Sohn des alten Meier Amsehel Rothschild, Salomo,!ließ sich am Anfang des 19. Jahrhunderts in Wien nieder, wo damals die Barone Aarenstein. und Eschkcles, Abkömmlinge •alter Wiener Familien, eine große finanzielle und soziale Rolle spielten. Diese haben dem Judentum die Treue gebrochen, |lllllllllllll!lllllll!lllllllllllll!llf!iM | Melilgrossbandelsgeschäft in einer Hauptstadt des Bundeslandes mit S 400.000 Umsatz und grossem Kundenstock, Jaliresgewinn S 15.000, Famiiienverhältnisse halber gj^T“ zu H! verkaufen. Zuschriften erbeten unter ״Mehl“ an die Verwaltung des Blattes. doch dauerte ihr Glanz nicht lange Zeit. Nicht so ׳bei den Rothschilds, soweit sie der Tradition der Väter die Treue bewahrten. Der Stammvater in ׳Frankfurt, der alte Meier Amsehel Rothschild, und seine Frau Gitel führten ein gottergebenes frommes Leben, das auch auf ihre Kinder tief einwirktc. Sie setzten sich auch überall für die ׳Interessen ihrer bedrückten Glaubensbriider ein und es ist gar spannen'd zu verfolgen, wie der •mächtige Fürst!Metternich in :Oesterreich, den der Wiener Rothschild für die Bitten der Frankfurter Juden um das!Bürgerrecht ׳günstig stimmt, mit dem österreichischen ׳Bevollmächtigten beim Frankfurter Bundestag, ׳dam Grafen Biiol-Scliaiieiistein, der ein waschechter Antisemit war, wegen dieser Frage in Konflikt gerät. Ein Buch, ׳das zu lesen einen Genuß bedeutet. . Erinnerungen, Max Nordau, Renaissance-Verlag, Wien. Die Erinnerungen Max Nordaus, die den Leser wert'- volle Aufschlüsse der Geschichte der jüdischen Gegenwart und Vergangenheit bieten, sind teilweise von ihm selbst, teilweise von seiner Lebensgefährtin erzählt. Wie ein Meteor steigt der in Budapest im Jahre 1849 geborene Wunderknabe durch sein Schrittum und durch seine politü sehe Arbeit zu allgemeiner, von der ganzen jüdischen Weit beobachteten Höhe empor. Der Weltkrieg, der ihn in Paris trifft, bricht diese glänzende Lebenslaufbahn jäh entzwei. Er muß seine liebgewonnene zweite Heimat Frankreich verlassen lind in Spanien Aufenthalt nehmen. Noch härter trifft es aber den Siebzigjährigen, daß er am Ende des Krieges anläßlich seines; Aufenthaltes in London eine geistige und politische Heimatlosigkeit erfahren muß. Die neue Wendung im Zionismus bringt diesen glänzendsten Vorkämpfer der zionistischen Idee und treuesten Mitarbeiter Herzls in bitterste Fehde mit den neuen Führern der Organisation. Selbst ult entschiedenste Gegner des Zionismus liest mit Beklemmung die letzten Kapitel der Erinnerungen Nordaus, wo er 'über die bittere Enttäuschung, spricht, die er in den zionistischen Bureaus ■in London er׳- fahren mußte. Die Erinnerungen Max Nordaus sind ein wichtiger Behelf zum Verständnis der jüngsten Periode, der jüdischen Geschichte, insbesondere was den Zionis'־ mus anbelangt. 39133091750473

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