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Jüdische Presse · 1928-03-23 · 12 (23.3.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 82 JÜDISCHE PRESSE Nr. 12 I Sorgfiltlgsto Lieferung in plombierten S8cken von 1 Siok 50 k! sngefangen franko Haus! obtnto in fuhren und Wi|g*ne k JULIUS HABIR Kohlen« und Koktgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372476 Wien! Il.t Teherifruio 9 finitpreehaf IVr. 41-Ä-J* Liebe Frau l Wollen Sie eine schöne, moderne und dauerhafte Perücke zu aen denkbar billigsten Preisen haben, so kommen Sie und überzeugen Sie sich. Franz Balla Wien, 4. Bezirk, Gußhausstraße 26 Telephon 54-8-79. Schenken Sie uns nicht blindlings ihr Vertrauen, sondern überzeugen Sie sich durch einen unverbindlichen Besuch von der reellen und Kleiderstoffe, doppeltbreit . S 1.80 Kostümstoffe, 140 breit S 2.90 Rips-Fagond, alle Barben . . S 3.90 Kleider-Rips, doppeltbreit . . S 4.90 Wipcord für Herrenanzüge . S 14.90 Kasha für Kleider. S 2.90 Schotten und Pepita, dpplbrt. . 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Unsere Preßburger Glaubensgenossen durften sich fast zu jeder Zeit nicht nur ihrer hervorragendien ׳gelehrten Rabbiner, sondern'auch ihrer bedeutenden und tüchtigen Aerzte rührneii. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts übte unter ihnen ein gewisser Zacharias seinen ärztlichen Beruf aus. Seine Heilerfolge und Verdienste waren so groß, daß er behufs ärztlicher Behandlung sogar an den Ofner königlichen Hof berufen und vom Tragen des Judenabzeichens befreit wurde. Gleichzeitig mit ihm wirkte in Preßburg auch ein berühmter jüdischer Augenarzt, namens Michael. Im 18. Jahrhundert, nach der Wiederansiedlung der Juden auf dem Zuckermantl und Schloßberg, zu einer Zeit also, in der es im ganzen weiten Ungarlande nur praktischi feeblildete jüdische Wundärzte und Geburtshelfer gab, hatte Preßburg schon auch theoretisch geschulte Aerzte, welche an Universitäten regelrechte medizinische Studien absolvierten und dort rite ׳auch ihr ,Doktordiplom erhielten. In diesem Jahrhundert wirkten unter den Preßburger Juden' und auch unter Andersgläubigen folgende jüdische Doktoren: Dr. Josef Stella (1711 bis 1714), Dr.'Markus Merizer (1722), Dr. Michael H i r s c h e 1 (1734),* Dr. Israel V a 1 m a r i n (1750) und Dr. Bernhard Saihuel 'O p p e'n heimer (1786).*) *) Lakos, A väradi z>sidosäg tört&iete: Büchler Alex. Oesterr. Wochenschrift 1918, S. 310 bis 313: Wiaohstein, Wiener Grabinschriften 41, S. 101. Unsere Aktivität. Vom Rftbblöer Joief Adler, SehKÖbUfg. Aus der vorletzten Nuittmßr der ״Jüdischen Presse" haben Wir die Mitteilung vernöflhlien, daß die grauenhaften Szenen, deren Schauplätze die Öroßwardeiner Und Klausen׳* burger Synagogen waren, noch in ungeschwächter Kraft Im Angedenken der ausländischen jüdischen orthodoxen Gemeinden fortieben und die Rabbiner der angesehensten, Gemeinden haben ihren diesfätligen Gefühlen erschüttern■־ den Ausdruck verliehen, indem sie am verflossenen 7. Adar an der Spitze der von ihnen betrauertem im vergangenen Jahre Heimgegangenen Thoragrößen in Rumänien zerrissenen, verbrannten und in unflätigster Weise geschändeten Thorarollen beweinten und beklagten. Daß dies auch hierzulande geschehen ist, braucht doch gar nicht besonders hervorgehoben zu werden. Wir hatten ja noch keine Zeit, daß die blutende Wunde, die jener empörende Vandalismus unseren Herzen geschlagen, vernarbe, sie wurde vielmehr durch die gegen die wenigen als Schul־: dige und in flagranti ertappten Studenten vorgenommeneqi Gerichtsverhandlungen und durch die dort verklungenen Hetz- und Brandreden der Verteidiger, die ihresgleichen in den Annalen der Jurisprudenz vergeblich suchen, n!ocH eher vertieft. Man wühlte in ihr so barbarisch herum, daß wir vor wildem Schmerz laut aufschreien mögen. Und auch die Ruinen starren uns auch noch mit ihrer stumB men und umso eindringlicheren Sprache entgegen und erwecken in uns die grauenhaften Eindrücke täglich von neuem. Und doch müßten wir uns schon von der Ber täubung zu erholen anfangen, wir sollten uns schon ge־ wohnen, jene niederschmetternden Ereignisse aus einer gewissen Perspektive zu sehen und zu beurteilen. Denn solange man sich dem niederdrückenden Schmerze bewußtlos hingibt, bleibt er für uns steril, ganz ergebnislos für un(n sere Zukunft. Und doch ist unsere Lehre, unsere Tra־׳ dition und Geschichte durchtränkt von dem erhebenden Gedanken, daß wir uns von keinem Schicksalsschlage in dumpfes, zweckloses Hinbrüten versenken lassen dürfen, wir müssen uns nach den ersten Tränen, die uns der Schmerz erpreßte, ermannen, um das Fazit zum Nutzen für die Zukunft zu ziehen. ״ Auch aus den in Siebenbürgen vorgekommenen tiefbetrübenden Ereignissen müssen wir nun endlich auch fruchtbringende Lehren ableiten zur Regenerierung unseres hierländischen jüdischen Lebens. Schon das äußere Moment gleichsam der Rahmen der Exzesse allein, ich .meine die Tatsache, daß diese trauererweckenden Geschehnisse sich gerade in Großwardein und Klausenburg abspielten, gibt zu denken Anlaß. Sind doch diese zwei Gemeinden die Hochburgen des Zionismus gewesen, von denen aus ganz Transsylvanien erobert werden sollte. Mit welchem Hochdrucke wurde da für den Zionismus Propaganda ge(- trieben,!mit welcher ,Rücks׳ichtslosi׳gke!it der!Kampf!und die Gegnerschaft geführt, wie wurde da gegen die Ehre und das Ansehen der Thoragrößen zu Felde gezogen, wie . wurde da versucht, die Autonomie der Orthodoxie 211 •unterminieren, ,wie wurde da gegen das :Palladium der Jüdischvkeit, gegen das Din-Thoraprihzip gesprochen, geschrieben und gesündigt, wie wurde da aas Gewissen vieler hun•» derter Gemeindemitglieder geknebelt, der Gemeindefriede Jahre hindurch gründlichst. gestört, die Teilung der Ge1meinde sogar verursacht. Und dieses Feuer des Hasses, das in jenen Gemeinden hell loderte, drohte schon auf andere Großgemeinden überzugreifen — da kam das Schreckliche. Die Thora, die bislang von den Juden selbst nur symbolisch geschändet wurde, ist plötzlich von anti’־ semitischen Studenten leiblich insultiert worden, und da kam die Selbstbesinnung. Ein versöhnlicherer Geist zog im Gemeindeleben ein, das zionistische Draufgängertum wurde gezähmt, die Neigung zur Achtung des Gegners und gerechtere Einschätzung seines Wertes ist vorhanden, die Vorbedingungen eines ersprießlichen Zusammenarbeit tens der Gleichgesinnten sind gegeben, die Zeit für die Hissung der Agudas isroel-Fahne in diesen größten jüdisehen Zentren Siebenbürgens scheint in nicht allzu ferner Frist heranzurücken, so manche Schwierigkeiten, die sich ihr bisher hemmend in den Weg stellten, scheinen fortf|reräumt zu sein. Es möge nur der psychologische Moment: nicht Verpaßt oder unausge!1ützt vorübergehep gelassen werden. Bis dahin muß der tran$sylva!d$chen peugegründetep Machsike Hades, die sich vorläufig auf das Gebiet von sieben KohiUätßjt erstreckt, als eines guten Zeichens der Zeit und Beweises der Aufraffung Erwähnung getan werden. Wie einst die Alchimie die Vorläuferin der Chemie gewesen, so sind die jetzt allenthalben gegrürfdeten oder im Gründen begriffenen Machsike-Hadas Vereinigungen in allen Ländern, wo Agudas Jisroel übed-, haupt nicht oder nur nominell besteht als Uebergänge zu Agudas Jisroel zu bewerten. Wenn einmal durch den Zusammenschluß der führenden Persönlichkeiten die Orthodoxie innerhalb der Machsike Hudas-Vcreine das richtige Verständnis, den energischen Willen und das zielbewußte Streben zur Erreichung gutjüdischer Gemeinschaftszwecke und zur Förderung hochwichtiger Allgemeinaufgaben aufbringen werden wird, dann wird sich unbedingt der Blick weiten und schärfen, sie werden die richtige Einstellung zum Klall Jisroel bekommen, sie werden erkennen, daß die höchsten Anliegen der jüdischen Gemeinschaft nie.- mals mittels kleiner, auf beschränkter Basis stehender Zweckverbände zu erreichen sind, sie werden erkennen, daß sie als Glieder eines alle Gebiete und alle Aeußerungeri des orthodoxen Lebens umfassenden Weltorganisation einen viel mächigerten Hebel haben würden, um den verfall1־ renen Karren ins richtige Rollen zu bringen. Sie werdeif erkennen, daß ihre Arbeit, gleich derjenigen der Alchi!־ misten interessante und wohl auch wertvolle Erzmischungen hervorbringen werde, aber nicht imstande sei, Gold herzustellen. Das kann nur durch den Zusammenschluß der Weltorthodoxie erhofft und realisiert werden. Sehr riehtig hat, wie das in der letzten Nummer der ״Jüdischen. Presse" erwähnt wird, die Agudas Jisroel-Organisation der Slowakei schon vor Jahr una Tag erkannt, daß all jene Gesamtheitsaufgaben, zu deren Verwirklichung einst die Machsike Hadas-Vereinigungen ins Leben gerufen wurden unter der Aegide von Agudas Jisroel besser, vollkommener und umfassender hätten gelöst werden können. Schade genug, daß dieser richtigen Erkenntnis nicht sogleich die richtige Tat auf den Fersen gefolgt war. Viel besser stünde es heute auch um Agudas Jisroel nicht nur in der Slowakei, wo es immerhin noch lebendige Beweise eines agudistisch eingestellten jüdischen Vereinslebens gibt, sondern in Ungarn und Siebenbürgen, wo die Agudas Jisroel nach vielem Mühen und Ringen doch noch nicht zu wahrem Leben erweckt werden konnte, sondern unter der Schwelle des Bewußtseins der Schofartöne harrt, die sie in die Arena des frisch pulsierenden Lebens rufen werden. Die Mentalität unserer Judenheit ist eben auf das Praktische gerichtet. Solange Agudas Jisroel nur mit seinem, den Geist ansprechenden Programm, und da auch nur dein Wesen der Sache nach, nur in großen Allgemeinheiten vor den Augen unserer praktisch veranlagten Juden steht, solange ist ihnen Agudas Jisroel ein Schemen ohne greifbaren Inhalt. Wohl darf sich Agudas Jisroel nicht darauf beschränken, praktische Einzelaufgaben der - V-erwirklichung entgegenzuführen, sie muß allerdings auf der geistigen, himmlischen Thorahöhe stehen, von wo aus sie das ganze jüdische Leben überschauen, leiten und neubeleben soll, sie muß aber auch von diesem Kothurne herabsteigen können gleich der Thora, von der Mosche rabbenu sagte: ״Sie ist nicht im Himmel, daß man spre:־ chen sollte: wer wird für uns in den Himmel steigen und sie uns herabbringen? Sie liegt dir nahe genug, in deinem Munde, in deinem Herzen, sie in die Tat umzusetzen.!“ Gleich der Thora, deren hehren Dienst Agudas Jisroel geweiht ist, hat sie ihre Ewigkeitswerte und Ewigkeitsaufgaben» sie muß aber auch von dieser geistigen Höhe hinabsteigen, mit den praktischen Alltagsaufgaben der nach Ländern und Zeitläuften, nach Menschen und Kul;* turstandarten sich immer ändernden Gegenwarten in innjgern, lebenswarmem Verhältnisse stehen, denn nur so können die weitesten Kreise, die breiten Massen für die Idee, deren sofortige und richtige Erfassung doch nicht jedeifmanns Sache ist, gewonnen und erzogen werden. Hätte Agudas Jisroel in der. Slowakei, deren Ent- Stella und Valmarin stammten aus Italien und erhielten an dortigen Universitäten ihre Doktordiplome; Hirschei und Oppenheimer waren Preßburger Abstammung; ersterer promovierte in!Halle, letzterer in Utrecht. In Oesterreich-Ungarn wurden Juden erst unter Kaiser Josef II. zu Universitäts- Studien zugelassen. Von dem Lebensgang dieser zwei, aus Preßburger Familien hervorgegangenen ,und ■schon zeitgemäß studierten jüdischen Aerzten wissen wir derzeit nur noch sehr wenig; allein von einem anderen jüdischen Arzt aus dem 18. Jahrhundert, dessen Wiege ebenfalls in der damaligen Haupt:• und Residenzstadt Ungarns stand, und der 20 Jahre hindurch als Arzt in Deutschland tätig war, können wir den Lesern ein'klareres Lebensbild ׳bieten und sein der Nachwelt schon fast ganz entschwundenes Andenken hier wieder aufleben ,lassen.*) ❖ 1111 Jahre 1730 erwählte die ,Preßburger Judengemeinde den aus Lemberg schon •einige Jahre früher als Jeschiwaleiter nach Preßburg berufenen R. Mosche ben Meir zu ihrem Oberrabbiner. Wegen seines Scharfsinnes wurde •er allenthalben R. Mosche Charif genannt. In Preßburg heiratete er in zweiter Ehe Sara, die Tochter des R. Mordche!Mochiach, des angeblichen Pseudomessias, der auch unter dem Namen Mordche Eisenstadt figuriert. Dieser Ehe entsprossen zwei Söhne: ,Hirsch ,und Mordche. Und ,dieser Mordche ben Mosche, oder Markus Moses, der Held dieser Lebensskizze ist es, den wir als Sohn des großen und frommen Preßburger Rabbiners vorführen, der im Mannesaltetr in seiner Vaterstadt sich Gymnasialbildung aneignete, dann *) Seine!kurze •Biographie veröffentlichte Schreiber dieser Zeilen schon im Jahrbuche 1913. S. 145 bis 164 der ung. isr. OteraturgeseHschaft. CI. ׳M. •I. T. Evkönyv, 1913.) nach Deutschland ging und nach dreijährigem Universitätsst'udium dort in Aufsehen erregender Weise zum Doctor!Medicinae promoviert wurde. Auch sein vertrauter Umgang mit dem größten christlichen Hebraisten seiner Zeit und nicht zuletzt, sein Wechsel“ volles, fast tragisches Geschick sind Grund genug, die Nachwelt seines Heimatslandes .mit seinem Leben und Streben bekannt zu ,machen. Wann Markus Moses das Licht der ,Welt erblickte, wird jetzt wohl nicht mehr genau festzustellen sein, doch kann sein Geburtsjahr keineswegs vor 1729 angösetzt werden, da er •den Namen seines in diesöm Jahre verstorbenen Großvaters. Mordche Eisenstadts erhielt.*) Der damaligen Sitte gemäß heiratete Markus Moses sehr früh und — da seine Familie sowohl väterlicher als •auch mütterlicher •Seite gelehrt und angesehen war — auch sehr reich. Wie glücklich er jedoch in seinen ersten .Ehejahren •gewesen sein mochte, später muß er sich sehr unglücklich gefühlt haben, denn kurz nacheinander starben ihm Weib und seine zwei Kinder weg. Bald darauf verlor er auch sein Vermögen. In der Seele des!Schw.ergeprüften scheint nun eine ganze Umwandlung seiner Mentalität vorgegangen zu sein, welche gewiß noch beeinflußt wurde von dem damals im Schoße ׳der Preßburger Judenschaft herrschenden wilden Zwiste wegen der Irrlehren des falschen Messias Sabbathai Zewi, ׳in dessen Brennpunkt sein Namensvetter Markus Eibenschützer, der Sohn des des Sabbathaismus verdächtigten und vielgelästerten berühmten Hamburger Rabbiners Jonathan Eibenschützer und Schwiegersohn des reichen und vornehmen Preßburgers Abraham Mandel stand und von welchem Zwiste sicherlich auch unser Markus in Mitleiden- *) •M. ,Eisenst. st. Mittwoch 19. Ijjar 5489 gleich 18. Mai 1727.

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