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Jüdische Presse · 1928-03-16 · 11 (16.3.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
11 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 76 Nr. 11 JÜDISCHE PRESSE Liebe Frau l Wollen Sie eine schöne, moderne und dauerhafte Perücke zu den denkbar billigsten Preisen haben, so kommen Sie und überzeugen Sie sich. Franz Balla Wien, 4. Bezirk, Guflhausstraße 26 Telephon 54-8-79. Schenken Sie uns nicht blindlings Ihr Vertrauen, sondern überzeugen Sie sich durch einen unverbindlichen Besuch von der reellen und Kleiderstoffe, doppeltbreit . S 1.S0 KosSiimsSolfe, 140 b.eit S 2.90 Rips-Fagonä, alle Farben . . S 3.90 Kleider-Rips, doppeltbreit . S 4.90 Wipcord für Hericnanziige .S 14.90 Kasha für Kleider . S 2.90 Schotten und Pepita, dppibrt S 2.50 Mantel-Covercoats, 130 breit S 8.90 Kasha, fUr Mäntel, 140 breit S 9.80 Herren-Anzugstoffe, 140 breit S 12.50 ungewöhnlichen Billigkeit unserer Angebote in FRÜHJAHRS- F F E Herrenhemden, weiß und farbig . S 2.90 Herrenhemden mit Seldendainastbrust S 3.90 Damenwäschegarnituren, ajouriert u. gesiickt, Hemd oder Hose . . . .S 1.98 Hemdhose, ajouriert und gestickt. . 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Tn den Se j m sind 20 jüdische Ahgeordnele, und zwar: i3 Zionisten. 2׳ Sozialisten, 3 Kommunisten und 2 auf der Pilsudski-Llste ■gewählt, das 21. Mandat, jenes des Aguda füllrers Kirschbraun. ist noch •nicht ׳bestimmt: in den Senat sind sechs Zionisten und ein An-!länger der Regierung gewählt. Die Resultate der polnischen Parlamentswahlen sind nunmehr endgültig .bekannt. Die Aguda. hat eine Niederläge erlitten, die sowohl Freund wie Feind maßlos überrasclit hat. Die Feinde der Aguda jubeln und triumphieren: Vom parlamentarischen Boden sind die Agudavertrcter verschwunden, und man hofft, daß auch in den politischen Gemeinden, speziell aber in der jüdischen Gemeinde, die Rückwirkung nicht ausbleiben wind. Auf seiten ■der Aguda wird diesem Siegesgeschrci gegenüber die ernste Sprache der Prüfung und Besinnung geführt. ■Die Agudisten in Polen betrachten sich wohl., für!besiegt, aber nicht für geschlagen. Sie haben einen Waffengang verloren, ohne die Schlagfertigkeit« ohne den Boden• unter den Fiißcu verloren zu haben. Nicht Trauer herrscht unter den polnischen Agudisten. sondern •Ernst, Ernst, ■der zur!Sclbstpfnifung und zur Selbstbesinnung führt. Wenn aus dieser ernsten Stimmung die Erkenntnis der Notwendigkeit einer ■folgerichtigen, (systematischen, aufopferungsvollen •Arbeit der Führer ׳und der Geführten in Polen erwächst, so kann -die parlamentarische Niederlage der Aguda in Polen der Beginn des Aufstieges der Orthodoxie werden. Uebcr 20Ü.00!) Stimmen hat der unter Führung der Aguda stehende jüdisclmationale ■Block in'Polen auf sich vereinigt, ohne ein Mandat zu erhalten. Selbst nach •dieser lähmenden Niederjage haben sieh Sonntag anläßlich der Senatswahlen •in Warschau 15.000, in Lodz 23.000 Wähler gefunden, die für die agudistische Liste gestimmt haben. In der Niederlage Mut und Vertrauen zu beweisen, ist eine ,Eigenschaft, die für die Zukunft Hoffnung ein fl äßen muß. Diese Hoffnung erfüllt die gesamte polnische Orthodoxie. Sir Alfred Monds Orientreise. In den letzten Wochen wurde die große jüdische ()Öffentlichkeit durch •die zionistische ■Berichterstattung im Banne der Persönlichkeit von Sir Alfred Mond gehalten. Bald wurde sein Besuch in Damaskus, der zu ■heftigen Demonstrationen Anlaß gab, pertraktiert, bald wiederum wurden seine Aeiißerungen über die palästinensische Wirtschuft verbreitet. Die ganze Aufmachung machte den Eindruck, als ob Sir Alfred Mond eine Studienreise vor seinem Aufstieg in irgend ein hohes zionistisches Amt absolviert hätte. Wlir haben; uns zuletzt mit Sir Alfred Mond gelegentlieh •der Eheschließung seiner Tochter mit einem christlichen Edelmann,.' die in einer christlichen Kirche stattfand, beschäftigt. Nicht die Mischehe hat uns zu jener Zeit überrascht, sondern die Unverfrorenheit, ■daß Sir Alfred Mond selbst seine Tochter in ■die Kirche geleitete und dem christlichen ■Edelmann an vertraute. Also 'keine Tragödie, wo ■ein Vater, verzweifelt über den ‘׳Abfall seines Kindes vom väterlichen Glauben, alles anw.emdet, um ■die Schande, die ihm angetan ׳wird, zu sühnen. Wenn ein jüdscher Vater selbst, sein!Kind in die christliche Kirche führt, so verwirkt er das Recht, in jüdischen Fragen mitzusprechen, ■und in der . jüdischen Oeffentlichkeit eine Rolle zu sp'iclen. Sicherlich, Sir ■Alfred ■Mond ist ein großer Industriemagnat, ein einflußreicher englischer Politiker, und das jüdische ■Nationalheim ■in Palästina ist arm und schlitzbedürftig, aber so ■arm ■und so schutz'bedürftig kann eine jüdische •Sache nie sein, daß rnan auf das primitivste jüdisehe Ehrgefühl verzichten dürfe. Sir Alfred ■Mond als ■fiihrende jüdische ■Persönlichkeit ist ein ■Faustschlag für das jüdische Ehrgefühl, und wir haben trotz heftigster Gegnerschaft die Zionisten nicht für so arm ■an Selbstachtung ge- ■halten, daß sie einen ■Sir Alfred Mond auf ihren Schild heben. ׳ Spendet für den der Adas Jisroel,; Wien, II., Nestroygasse 11 3mffiIWl1m1»fflmmnm1mnnnmmm1mmrmmmnm111m1m|pmHmMmrmn1mnmmmnnHm1>j||n|tnra1n16 I Sorgfältigste Lieferung In plombierten Säcken von I 1 Sack 50 kg. angafangen franko Haus, ebenso in Fuhrää und Waggons % JU1IUS HABER Koiiten- und ltdksgroßhahdiüllg Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Wien, li., Taborstraäö 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 |P |0| NACHRICHTEN. J@| Zur Beachtung! Auf vielfachen Wunsch, der ans dem Kreis unserer aus den Ostländcr stammenden Wiener Leser geäußert wurde, werden wir fortab למן הדלקת הנר עו״מצש nach den!מנהג ותיקי nach welchem unsere ostländische.i Brüder sich richten, veröffentlichen. Die Zeitbestimmung wird uns allwöchentlich vom ״Hitliachduth .Jcreim“ zur Verfiigung gestellt. "התאחדות יראים" ווינה ״Hitachduth jereim1‘ Vereinigung Tboragesetzestreuer Juden in Wien II., Heimstrasse 30, T. 15.. , ב״ד פרשה ויקהל סקגרי זמי הרלקח הנר עש״ק שעה 5 ע□ 50 מעוט. זמן של־׳יעת החמה עש״ק שעה 0 עם 3 מעוט. זמן הדלקת הנר מוצש״ק שעה 7 ע□ ׳2 מעוט Vorlesung Uriei Binibauin. Sonntag, IS. März, genau 7 Uhr abends, im!großen 'Saale des Ingenieur- ■und •Arcbitektenvereines, Eschcnbachgasse 9, Vorlesung Uriei Birnbäum: ״Aus eigenen Werken“. Vorverkanfskarten •Konzerthaiis Gutmann. Mitteilung. ■Die Agudas Jisroel Jugeiidgruppe Wien If. veranstaltet!in den Sommermonaten eine, •auf zweieinhalb Wochen berechnete Tour in die Schweiz. Auskünfte hierüber erteilt die Jugendgruppe. Tel. R 45-7-47. Amtliche Yerlautbarungen der Wiener isr. Kultusgemeinde. Ankündigung diverser Ausschreibungen von Lieferungen und Instandsetzungsarbeiten. Wien, den 6. März 1928. Seitens der isr. ■Kultusgemeindc Wien gelangen im ' Laufe der ,nächsten Zeit die'־ Nachfolgenden baiilich'eii Arbeiten zur Vergebung: 11״ Floßgasse 14, rituelle« Bad, div. Lieferiings- und linstandsetzuugsarbciten. a) Reservoirlieferung bzw. .Instandsetzung, b);Baumeisterarbeiteu, c) Eisenkon-■ strinktionen, ■d) Verfliesungsiarbeiten. XL,!Neuer Friedhof, Aufschließung ■des /Geländes südlich ■der!Neuen Zeremonienhalle. •a) Straßenher- Stellung,!Kanalisation und Entwässerungsanlage, b) Be- -wäsiserungsanlage. (Installationen), cj Zimmermannsarbeiten, r XVI 111״ W' äh ringe, r Friedhof, Instand- Setzung des Zeremonicngcbäudes. Baumeister-, Tischler-, Schlosser-, Anstreicher-, Dachdecker- •und Spenglerarbeiten. Jene 1Firmen, welche zur Offertstelluug herangezogen werden wollen, werden cingeladen, dies bis längstens 22. ■März 1928 dem technischen Amte der isr. Kultusgemeinde, WÜen, 1״ Seitenstettengasse 2, 4. Stock, bei welchem auch während der ■gewöhnlichen ■Amtsstunden (Samstage ausgenommen) alle •näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich ■bekanntzugeben. Die freie Airs wähl unter ■den sich meldenden ■Firmen zwecks •Heranziehung zur Offertstelluug für die einzelnen Arbeiten behält sich der Vorstand der isr.!Kultusgemeinde airsdrücklich seinem alleinigen Ermessen vor. Jonathan Eibenschfitz und seine Gegner. Von Dr. Josef Löwy. V. •Der Beginn der Tätigkeit des ■Schiedsrichterkollegimns zog sich ,in die Länge, weil für das eine Mitglied Mordecliai, Rabbiner von!Lissa, der vom Tode hin-gerafft wurde, ein Ersatzmann gefunden ־werden mußte. Man einigte -sich zwar auf den Bruder und Amtsnachfolger des Verstorbenen, aber Abraliam, der lieugewälilte Rabbiner von Lissa, befand sich gegenwärtig in einer weit entfernten Gegend Litauens, doch zu Chanukka 5514 schienen alle Binder- '.nisse beseitigt. Da änderte sich auf einmal die Situation vollends. Es erschien zu Altona ein von den Gegnern Jonathans herausgegebenes Werk אספקלריא המאירה der klarleuchtende Spiegel, in welchem die ungeheuerlichsten Schmähungen und Besehuldigungen gegen Jonathan vorgebracht wurden; unter anderem wird ihm vorgeworfen, er habe mit der Behauptung, daß die größten Gelehrten sich, an seine Seite gestellt hätten, die Regierung schamlos ,'belogen. ■Ferner wird das Uebereinkommen bezüglieh des unparteiischen rabbinisclien Schiedsgerichtes •aufgehoben und Jonathan aufgefordert, vor dem Tribunal der Rabbiner von Frankfurt, Metz und Amsterdam zu erscheinen'uiid'sich ihrem alleinigen Urteilsspruch zu unterwerfen, wenn er sich von seiner ■Schuld reinigen wolle; dagegen bleibe es ihm freigestellt, sich nach seinem Belieben ■Beisitzer zu wählen. Mit dieser Zumutung war jede Aussicht auf eine friedliche Verständigung geschwunden. Jakob Emden, der inzwischen nach Altona in sein Haus zurückgekehrt war, tat noch ein Uebriges und ließ eine Schmähschrift nach der anderen gegen den verhaßten Gegner los, bis auf Grund einer!Klage bei der Regierung seine ■sämtlichen Schriften von Amts wegen konfisziert wurden. Eine außerordentliche moralische Genugtuung bedeutete für Jonathan die Entscheidung der Generalsynode zu Jaroslaw am 3. Marcheschwan 5514 (31. Oktober 1753). Das Buch אספקלריא המאירה wurde daselbst öffentlich verbräunt und hinzugefügt, wenn der Verfasser bekannt wäre, würde der große Bann über ihn ausgesprochen werden. Es soll ferner in ganz Israel bekanntgegeben und verbreitet werden, daß Jonathan gerecht und unschuldig ־ist und jedermann eine schwere Schuld auf sich lädt, wenn er sich gegen die Ehre des großen Mannes vergeht. Auch die Synode zu Stabnitz am 20. Tamus 5514 (10. Juli 1754) des Krakauer Kreises rechtfertigte Jonathan Eibenschütz in der naclidrück- Heilsten Weise. Trotz alledem konnte der Kampf nicht zum Stillstand kommen, noch im Jahre 1755 wurde Jonathan nochmals bei der dänischen Regierung verklagt, daß die Begleiter Jonathans von Metz nach Altona, seine Talrnudjünger heimliche Spione wären, aber der dänische König wies diese lächerliehe Beschuldigung kurzer Hand ab. Mit dem Tode des Amsterdamer Rabbiners Arjeh Löw. den auch Jakob Jostna nicht lange überlebte, flaute der Kampf ab und so glätteten sich allmählich die •Leidenschaften des verheerenden Sturmes, der die Gemüter bis zur Siedehitze■ erregt hatte. " ־ Ein-düsteres Kapitel der jüdischen Geschichte ist es, welches nach beinahe siebenjährigem erbitterten Kampf — es sind nicht weniger als 24 Bücher in diesem Kampf geschrieben worden — zum Abschluß gekommen . ist. Die ganze Judenschaft war im Laufe dieses Streites in ungeheuerlicher Aufregung und Spannung gehalten worden. Die Neuigkeiten •und Berichte ■von den einzelnen Geschehnissen verbreiteten sich auch außerhalb des Ghettos und fanden auch in christlichen Kreisen willkommene Aufnahme. Christliche Theologen höhnten die Juden mit der Frage, ob der Messias schon gekommen wäre und wenn dies der Fall sei, dann würde der Erlöser nicht Sabbathai Zewi geheißen haben. Die sich ihrer Verantwortung bewußten Juden fühlten den חלול השם und suchten die Schuld der Gegenseite aufzubürden. Aber auch das Ungemach dieses verhängnisvollen Streites hatte für die jüdische Welt des 18. Jahrhundertes eine heilsame Wirkung. Blitzlichtartig Wurde das Verhältnis der Halachah und Kabbalah zu einander beleuchtet und nach dem reinigenden Ge- Witter des Amulettenkampfes eröffnet sich für die jüdische Forschung der freie Ausblick und ein klarer Weg zur ferneren Entwicklung. Die Reihe der Gegner des großen Talmudisten und bedeutendsten Kanzelredners seiner Zeit wäre jedoch unvollständig, wenn der Name des Mannes unerwähnt bliebe, der. als Vater der neueren jüdischen Geschichtschreibung in ganz eigenartiger Weise zu Jonathan Eibenschütz Stellung genommen hat. Prof. Dr. ■Grätz ist es, bei dem Bibenschütz so schlecht wegkömmt, daß sich •der unbefangene Leser des betreffenden ,Geschichtsbandes seine eigenen Gedanken über diese seltsame Art der Geschieht- Schreibung machen muß. In völlig unobjektiver und geradezu gehässiger Art wird ein Lebensbild des

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