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Jüdische Presse · 1928-03-09 · 10 (9.3.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 72 JÜDISCHE PRESSE Nr. 10 schwacher Synagogengemeinden zu streächen, abgelehnt, so daß diese Position als ständige bestehen bleibt. Dagegen beschloß der Hauptausschuß, die Position in Kapitel 193. Titel 123 a betreffend Auszahlung von 200.000 Mark (widerrufliches Bedürfnis) als Zuschüsse an die Synagogengemcinden zur Besoldung ihrer Rabbiner, zur Versorgung der Ruhestandsrabbiner und der Hinterbliebenen der Rabbiner zu streichen. Die Kommunisten und die Deutschnationalen stimmten in beiden Fällen gegen die jüdischen Positionen. Die Sozialdemokraten übten bei der Abstimmung über die zweite Position Stimmenthal־ tung. Der Beschluß des Hauptausschusses ist selbstverständlich kein endgültiger. Hs ist schon wiederholt vorgekommen, daß der Hauptausschuß sich gegen jüdische Positionen aussprach, die dann vorn Plenum des Landtags angenommen worden sind. Hamburg, (j. U.) ln seiner Predigt am letzten Schabbos geißelte Herr Oberrabbiner Dr. Spitzer in scharfen Worten die Zunahme der Selbstmorde und die erschreckende Abnahme der Geburten unter den orthodoxen Juden. Die Worte machten einen starken Eindruck auf die Zuhörer, da sich in den letzten Wochen einige tragische Fälle von Selbstmorden in unseren Reihen zugetragen haben. Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen ׳Judentums. Frankfurt a. M. (J. U.) Der Vorstand der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums hielt in der Vorwoche eine Sitzung ab. in der unter anderem etwa 40 Subventionen für Erhaltung von Mikwaus und zur Förderung des Religionsunterrichtes bewilligt wurden. Ferner wurde beschlossen, das in den früheren Jahren herausgegebene Vereinsorgan ״Der Jüdische Volksbote“, verbunden mit den Mitteilungen der Vereinigung wieder erscheinen zu lassen. Die Arbeiten des Halbcrstädter Verbandes. Frankf u r t a. M. (J. U.) Vor einem geladenen Kreise von Mitgliedern der israelitischen Religionsgesellschaft sprach am Sonntag im Hörsaal der Synagoge Friedberger Anlage Herr Rabbiner Dr. Isaac Auerbach, der Vorsitzende des preußischen Landesverbandes der gesetzestreuen Gemeinde über die Tätigkeit des Verbandes, ln seinem großangelegten Referate schilderte der Vortragende die Arbeitsgebiete des Verbandes. 171 Gemeinden in Preußen gehören dem Halberstädter Verbände an, der, wenn noch nicht de gure, aber doch de facto, von der Staatsregierung anerkannt ist und dementsprechend auch von den Behörden genau wie der preußische Landesverband subventioniert wird. Gerade vor wenigen Wochen konnten aus Staatsmitteln an die angeschlossenen Kleingemeinden M. 45.000 zur Verteilung gelangen. Aus eigenen Mitteln (Abgaben der Gemeinden, Beiträge einzelner) hat der Verband in vielen Fällen Subventionen für Mikwauth, Schechinoth, Lehrerausbildung etc. bewilligt. Auf politischem Gebiete entfaltete der Verbänd eine überaus intensive Tätigkeit, so in Schulfragen (Reichsschulgesetz, Lehrerausbildung), Fürsorge fiir den Sabbat usw. Vom Verbände ist ein eigener Entwurf für das geplante Judengesetz ausgearbeitet worden, in dem völlige Gleichberechtigung für die sogenannten Austrittsgemeinden gefordert wird. Redner stellte mit Befriedigung fest, daß die Staatsbehörden stets großes Verständnis für die Forderungen der Orthodoxie zeigen. Die Frankfurter israelitische Religionsgesellschaft eine Körperschaft öffentlichen Rechtes. (J• T. A.) Der Preußische Landtag verabschiedete in seiner Sitzung am Sonnabend, der! 3. März in zweiter und dritter Lesung den Gesetzentwurf, der die israelitische Religiousgescllschaft in Frankfurt a. M. zur Körperschaft öffentlichen Rechtes;‘ macht. Die Verhandlungen über das Zustandekommen des Gesetzes zogen sich einige Jahre lang hin. Der Staatsrat verlangte die Abänderung des Artikels 1 der Verfassung, in der gesagt wird, die in Thora, Talmud und den rabbinisehen Codices Schulchan Aruch enthaltenen Bestimmungen seien der Kchillath Jeschurum die höchste Autorität. Im Interesse des Ansehens der Staatsautorität verlangte der Staatsrat, daß vor dem Worte ״Autorität“ das Wort ״religiöse“ eingeschaltet werde. Das Preußische Staatsministerium ist dem Gutachten des Staatsrates nicht beigetreten mit der Begründung, daß durch die Einschaltung des Wortes ״religiöse“ der Sinn des in Betracht kommenden Satzteiles nicht verändert würde und daß zweitens die Religionsgcsellschaft kaum zu der Abänderung bereit sein würde. Vor der Abstimmung hielt der völkische Abgeordnete Voß eine antisemitische Rede, in der er ausführte, die israelitische Religion sei keine Religion im Sinne der Kulturstaaten. Ein Nachspiel zur Magdeburger Dreyfus-Affäre. (J. T. A.) Der große Disziplinarsenat am» Kammergericht, der in Besetzung von 15 Richtern unter Vorsitz des Kam-, mergerichtspräsidenten Tigges tagt, hat in dem Disziplinärverfahren gegen den Magdeburger Landgerichtsdirektor Hoffmann und den Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Kölling den Hauptverhandlungstermin auf Mitte März äugesetzt. Für die Hauptverhandlung sind mehrere Tage in Aussicht genommen, da der Senat die ganze disziplinarrechtliche Seite des Falles Haas in Magdeburg, der vor zwei Jahren das Interesse der Oeffentlichkcit in hohem Maße erregt hat, aufrollen will. Die Verhandlung findet nach der neuen gesetzlichen Vorschrift in voller Oeffentlichkcit statt, ln erster Instanz waren Hoffmann und Kölling vom Naurnburger Disziplinarsenat in geheimer Verhandlung, der eine zu 200 Mark, der andere zu einem Verweis, verurteilt worden. Gegen dieses Urteil haben Verteidiger und Staatsanwalt Berufung eingelegt. Es ist noch in aller Erinnerung, wie der achtbare Magdeburger jüdische Industrielle Leopold Haas auf Grund ganz lächerlicher Aussagen des später wegen Raubmordes zum Tode verurteilten Schröder — nachdem Justizpersonen Schröder auf Haas gehetzt jmBen — mehrere Monate unter Mordbeschuldigung in qualvoller Kerkerhaft zubringen und einer fast sicheren Verurteilung eritgegenseheu mußte, wenn nicht der damalige Oberpräsident Hörsing durch energisches Eingreifen die Irrwege der Justiz bloßgelegt hätte. Hoffmann und Kölling waren die treibenden Kräfte gegen Haas, Man sieht der öffentlichen ,Verhandlung mit gespanntestem Interesse entgegen. Die erste jüdische Richterin in Deutschland, (J. T. A.) Frau Gerichtsassessorin Dr, Braun, geb. Frank, in Frankfurt a. M.. eine streng gesetzestreue Jüdin, fungierte in einer Sitzung des Frankfurter großen Schöffengerichtes zum ersten Male im Amtsornat als Richterin; sie ist die erste jüdische Richterin in Deutschland. Statistik der Juden in Württemberg in den letzten 30 Jahren. (J. T. A.) Unter der Ueberschriit ״Ernste Zählen“ veröffentlicht die “Gemeindezeitung für die israe- ]irischen Gemeinden Württembergs“ einen Rückblick aut die Statistik der Juden in Württemberg in den letzten;30 Jahren. Ihr ist zu entnehmen: In Württemberg sind von 1898 bis 1926 4522 eheliche jüdische Kinder geboren worden, also im Durchschnitt alljährlich 156, zu denen noch 73 außereheliche Geburten, also 2,5 in jedem Jahre kamen.. In 30 Jahren wurden hier 2461 rein jüdische und 247, Mösch־! 1lürdie Ostersf kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die Kunerol־Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. 100% REINES KOKOSNUSSFETT 100% REINES KOKOSNUSSFETT ehen geschlossen, das sind 82 jüdische Eheschließungen und 8,2 Mischehen (also genau 10 Prozent) im Jahresdurchschnitt. 4616 Sterbefälie ergaben eine Durchschnittszahl von 164 im Jahre. 298 Austritten, durchschnittlich zehn im Jahre, stehen 53 Eintritte ins Judentum, also 1,8 im Jahre gegenüber. — Der höchsten Geburtenzahl in diesem Zeiträume von 198 im Jahre 1898 steht die niedrigste Geburtenzahl von 7S Geburten in den Jahren 1917 und 1918 gegenüber. Die Eheschließungen fielen von 191 im Jahre 1920 auf 12 im Jahre 1926. Der niedrigsten Sterbczabl von 133 im Jahre 1906 steht die Höchstzahl von 236 Todesfällen im Jahre 1918 gegenüber. Die Zahl der Austritte aus dem Judentum war in! Jahre 1919 mit 33 am höchsten, im Jahre 1898 trat unr ein Jude in Württemberg aus dem Juden tum e aus. Uebergetreten zum Judentum sind 1920 7 Personen, während in 11 Jahren der Berichtszeit kein Uebertritt zum Judentum stattfand. — Die Zeitung kommt zu dem Schlüsse, daß, so ernst die niedrige. Geburtenzahl erscheint, ihre Bedeutung doch dadurch gemildert wiird, daß auch die Sterbeziffer ׳im Sinken begriffen ist. Die Zahlen der Statistik der Juden in Württemberg seien wohl ernste Mahnungen, aber keine Schreckgespenster. Der Staatszuschuß fiir die bayerischen israelitischen Gemeinden. (J• T. A.) Die Vollversammlung des bayerisehen Landtages hat in diesen Tagen die Beratung des Kultusetats abgeschlossen. Bei der Abstimmung über das Kapitel ״Kirchliche Zpecke“ wurde auch ein Zuschuß an den Verband der bayerischen israelitischen Gemeinden in Höhe von 60.000 Mark genehmigt. Viel belacht wurde im Hause die Tatsache, daß der ■bekannte Antisemit Streicher für diese Position stimmte, nachdem er am Abend vorher eine zweistündige Brandrede gegen die Juden gehalten hat. Zürich. (J. U.J Die zweite Tagung der Jugendorganisation der Agudas Jisroel in der Schweiz fand am Sonntag in der Turnhalle in Zürich statt. Die aus allen Teilen der Schweiz gut besuchte Versammlung wurde von Herrn Sternbruch, St. Gallen, eröffnet, der auch den Tätigkeitsbericht erstattete. Das erste Referat über ״Die Politik in der Agudas Jisroel“ erstattete Siegmund Stern. Wien. Redner forderte die politische Erziehung der agudistischen Jugend schon mit Rücksicht auf die starke Ernüchterung der jüdischen Massen vom Nationalismus. Uebcr ״Unsere Probleme“ referierte Dr.. Siegmund Stein, Köln, der eine Intensivierung des inneriiidischen Lebens wünschte. Ueber die bevorstehende zweite Kenessich Gcdauloh sprach Herr Dr. T. Levenstein. Zürich. Die Wahlen zur Repräsentanz der Budapester Neologen-Gemeiude. — Präsident Hofrat Aladar Kassab. (J. T. A.) Am Sonntag, den 26. Februar haben in der Pester isr. Religionsgemeinde die Repräsentantenwahlen stättgefuridon. Von der 2S0 Mitglieder zählenden Gemeindevertretung waren 140 Repräsentanten neu zu wählen. Im Wahlkampf, der seit Wochen mit bisher nie beobachteter Heftigkeit geführt wurde, standen einander zwei Parteien gegenüber, die alte Gemeindepartei, deren Führer der bisherige stellvertretende Gemeindepräsident Gustav G. Ehrlich ist. •und die neue Partei, die von Paul Sandor und den übrigen jüdischen Abgeordneten der demokratischen Partei geführt wird. Beide Parteien, die der neologen Richtung angehören, bezeichneten sich als ״traditionstreu“. Am Wahltag waren sich beide Parteien über die Person des zukünftigen Präsidenten einig. Von beiden nominiert wurde der Großindustrielle Hofrat Aladar Kassab, der bekanntlich Präsident der Pro-Paläst'ina-Vereinigung ist. Der Kampf ging um die Stelle des Vizepräsidenten; die alte Partei kandidierte Gustav Ehrlich, der seit Jahrzehnten diese Würde bekleidet, während die neue Partei das Mitglied des Magnatenhauses Dr. Samuel Gliieksthal kandidierte. Die Chancen der alten Partei wurden durch die eben beendete Numerus clausus- Debatte im Parlament stark beeinflußt. Ein führendes Mitglied dieser Partei, Abg. Dr. Desy Geza, der einzige jüdische Abgeordnete der ״Christlichen Einheitspartei“, hat •in der Debatte nicht das Wort ergriffen und fehlte bei der Abstimmung. Dies stimmte die Wählerschaft gegen ihn. Der Andrang der Wähler• zu den Wahlurnen war beispiellos. Während bisher sich zu den Rcpräsentantenwahlen kaum einige hundert von den über zehntausend Wahlberechtigten eingefunden hatten, war diesmal das Wahllokal der Gemeinde von Tausenden und Abertausenden Wählern umlagert, so daß ein starkes Polizeiaufgebot den Zutritt zu den Abstimmungslokalen regeln mußte. Schon in den ersten Stunden des Wahlaktes zeigte sich, daß die neue Partei über eine überwältigende Mehrheit verfügt. Gegen Mittag erklärte die alte Partei, daß sie um des Friedens willen ihren Wahlvorschlag zuriiekzieht, der Wahlakt wurde jedoch bis abends fortgesetzt. Das Ergebnis war, •daß von 7007 abgegebenen Stimmen 6669 für die neue Partei und 338 für die alte Partei abgegeben worden ״sind. Nach Verkündigung des Wahlaktes sagte Wahlpräsident Blum, es gebe keinen Sieger und keinen Besiegten, die Gegensätze, die bisher bestanden, sollen vergessen werden. Die neugewählten 140 Repräsentanten gehören alle der demokratischen Partei an. Du •die Zionisten eine Wahlverbinduug mit der alten Parte! eingegangen waren, wurde kein Zionist gewählt. Die obersten geistlichen Würdenträger Ungarns sollen sich äußern, ob der Talmud beleidigend für das Christentum sei. (J. T. A.) Vor einiger Zeit ist in Budapest ein von Baron Alfons Luzsenszki zusaminengestelltes Pamphlet erschienen, welches als Uebersetzung des Talmud angekündigt wurde, in welchem die Juden als die Feinde des Christentums hingestellt werden, deren ganzes Böstreben im Sinne der Urschrift des Talmud auf die Auf- ■lösung des Christentums abzielt. Zwei jüdische Kaufleute, welche den Verfasser der Flugschrift in offenen Korrespondenzkarten des Fälschens bezeichneten. wurden vom Be- •zivksgericht ohne Zulassung des Wahrheitsbeweises zu Geldstrafen verurteilt. Infolge angestrengter Berufung hat die Oberinstanz das Urteil annulliert und das Bezirksgericht zur Durchführung des Beweisverfahrens angewiesen, weil es im öffentlichen Interesse liege, festzustellen, ob der Talmud die christliche Religion beleidige. Als Sachverständige sollen fungieren Fürstprimas von Ungarn Sercdi, der Präsident der Kammer der Wissenschaften, ein •hoher protestantischer Geistlicher und ein Oberrabbiner. Der Gerichtshof verlangt die Beweisführung in der Riehtung. ob die erschienene Broschüre tendenziös zusammengestellt ist, und darüber, ob der Talmud beleidigend für das Christentum ist oder nicht, und überhaupt Aufklärung über den wirklichen Inhalt des Talmud zu schaffen. Der Numerus clausus in Ungarn ln dritter Lesung angenommen. — Die ungarische Judenhelt deprimiert. (J. T. A.) Die Numerus clausus-Vorlage ist im Abgeordnetenhaus auch in dritter Lesung angenommen und somit Gesetz geworden. Unter den Führern wie in den breiten Kreisen der ungarischen Judenheit ist man darüber sehr deprimiert, daß zahlreiche Abgeordnete der fortschritt- •licheren Regierungsparteien, die von der jüdischen Wählerscliaft unterstützt worden sind und von denen angenommen wurde, daß sie sich für die Abschaffung des Numerus clausus einsetzen werden, nunmehr für den Regierungsentwurf, der den Juden keine Verbesserung bringt, gestimmt haben. Die allgemeine Meinung ist die, daß die Aktion des Völkerbundes, angeregt durch jüdische Kreise des Aus- Iandes, nutzlos, vielleicht sogar schädlich gewesen war, •indem sie den Anstoß dazu, gab, auf gesetzlichem Wiege einen Fortschritt der jüdischen Intelligenzbcrufe bei gleichzeitiger Eliminierung der konfessionellen Klausel zu unterbinden. Die jüdischen Politiker vermeiden jedes Gespräch mit Pressevertretern, besonders mit Vertretern der Ausiandspresse, über die neugeschaffene Lage und die aus ihr zu ziehenden Konsequenzen. Sie geben anscheinend die Hoffnung auf die baklgce Wiederkehr einer Epoche der Gleichberechtigung auf. im Parlament wies Abgeordneter Szilagyi auf den Ausgang der Wahlen zur Repräsentanz der jüdischen Gemeinde hin und erklärte, das ungarische Judentum werde niemals die ihm aufs neue angetane Schande vergessen: innerhalb des Judentums, Insbesondere der Jugend, gehe eine Neuorientierung vor sich. Sabbatrulle in Tel-Awiw gesetzliche Pflicht. (J. T. A.) Der Oberstaatsanwalt Palästinas hat gegen das Urteil des Jaffaer Distriktsgerichtes, welches dahin lautete, daß der in Tel-Awiw bestehende Zwang zur Sabbatruhe eine Verletzung von Artikel 15 des Palästina- Mandates bedeutet, Berufung eingelegt. Es handelt sich um den Fall des Tel-Awiwer Ladeninhabers Ältschuler, der vom Muuizipaligericht wegen Verletzung der Sabbatruhe durch Offenhallung des Ladens zu einer Geldstrafe von 2 Pfund verurteilt worden ist. Dieses Urteil wurde vom Jaffaer Distriktsgericht aufgehoben, wodurch die als ge-, setzlich geltende Sonntagsruhe in Tel-Awiw in Frage gestellt worden ist. Die Verhandlung über die Berufung •des Oberstaatsanwalts fand ebenfalls vor dem Jaffaer Distriktsgericht statt. Dr. Eliash, der im Namen des Oberstaatsanwalts playdierte, berief sich auf Artikel 23 •des Mandats, wonach •die Administration Palästinas verpflichtet sei, die kirchlichen Festtage •der Gemeinschaften in Palästina als gesetzliche Ruhetage für deren Mitglieder anzuer keimen. Das Uuteil ist noch nicht gesprochen worden. ״Hadar Hacarmel Limited“ liquidiert. (JTA.) Das Distriilctsgericht hat eine Entscheidung getroffen, derzufolge die Hadar Hacarmel Cooperative Society, Limited, liquidiert wird. Die Passiven der Gesellschaft ■betragen Pfund Sterl. 16.000, denen nur Aktiven in Höhe von Pfd. Stcrl. 1000 gegeniDbcrsle'hen. Liquidator ist Herr Shiriey Dal cs. Rückgang der Arbeitslosigkeit in Palästina. (JTA.) Im Verlauf des Monats Jänner haben 965 jüdische Arbeitslose in verschiedenen Teilen des ■Landes Beschäftigung gerunden, unter ■Ihnen 325 bei der Aufforstungsarbeit, 495 beim Straßenbau ■und 130 •in den alten jüdischen Kolonien■ 575 dieser Arbeiter stammen aus Tel-Awiw, die übrigen aus Haifa, Afüle und Tiiberias. Bei der Ausbesserung der Chaussee Jerusalem—Jericho sind 100 Arbeiter tätig. Die Verwendung der lOO.OöO-DolIar-Spende' vou Nathan Straus. (JTA.) Nathan Straus hat am 31. .Jänner an-, läßlich seines 80. Geburtstages an Miß Henriette Sizdd telegraphiert, daß er 100.000 Dollar fiir •das Palästina-Werik gespendet habe. In einem nun eingetroffenen ®weiten׳ Telegramm gibt Nathan Straus seine Wünsche betreffend die Verwendung ■seiner Spende bekannt. 50.000 Dollar sollen für die Straus - G e s 11 n d h e i t s z e n t r e n in Jerusalem und Tel~A׳wiw, 50-000 Dollar zur Durchführung von Arbeiten zwecks Linderung der Arbeitslosigkeit verwendet• werden. Palästina-Eta- und Auswanderung im Jänner. (J. T. A.) Im Jänner 1928 sind in Palästina 259 Personen, unter ihnen 176 Juden, eingewandert. In dem gleichen Monat wunderten 217 Personen, unter ihnen 185 Juden, aus. — Im Dezember 1927 zählte man 253 Einwanderer, unter ihnen 170 Juden. Synagogen in der Ukraine ln kommunistische Klubs umgewandelt. (J. T. A.) Der größte Beth Midrasch in Pogrewitsche in der Nähe von Berditschew ist von den jüdischen Kommunisten des Ortes mit Beschlag belegt und in einen kommunistischen Klub umgewandelt worden. Die Einweihung des Klubs fand unter großen kommunistischen Kundgebungen statt, das Gebäude war mit roten Fahnen geschmückt. — Der große Beth Midrasch in Kriwosero ist ebenfalls in einen kommunistischen Klub umgewandelt. worden. Ein orthodoxes chalachisches Journal erscheint in Sowjetrußland. (J. T. A.) In Bobruisk erschien vor kurzem die erste Nummer eines rabbinische« Journals in hebräischer Sprache, welches durchaus der rabbiirischen Gelehrsamkeit gewidmet ist. Es trägt den Titel ״Jagdil Thora" und enthält eine ständige Rubrik ״Chi-, dusche Thora“. Redakteur ist •der Rabbiner von Sfuzk, Abramski, mit längeren Beiträgen sind vertreten Rabbi Lewin aus Nowo-Zebk, Rabbi Bagasin aus Saratow, Rabbi Garber aus Uman, Rabbi Sachs aus Arosow u. a. 1m Das Journal wird in der kommunistischen Druckerei ״Komuntrust“ hergestellt. __: Berichtigung. In der Einschaltung unter dem Schlagwort ״Ich suche für meinen S 0 1111“ in Nr. 9 der ״Jüdischen Presse“, Seite 68, •ist statt 35 Jahre alt, richtig 33 Jahre, alt, zu lesen.

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