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Jüdische Presse · 1928-01-20 · 3 (20.1.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
3 (20.1.1928)
Date
1928-01-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 20 JÜDISCHE PRESSE Nr. 3 Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack — SO kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons JULIUS HABER Kohlen- und Koksgrollhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraOe 9 Fernsprecher Nr. 41-0*22 was!die Arbeit der Aguda ,ungeheuer erschwere. Es sei jedoch kein Grund vorhanden, sich deshalb einer Ver- Äweiifhmgsstimmung hinzugeben.!Persönliche Gegensätze . waren immer vorhanden, und es gibt Mittel und Wege genug, um trotzdem eine gemeinsame Arbeit zu ermögliehen.■Was den § 4 betrifft, so stehe auch Redner auf dem Standpunkt, daß er nicht angetastet werden dürfe. Dieser Paragraph bedeute keineswegs den Sieg einer Anschauung in der Aguda über die andere, sondern bedeute ein ehr- Jiches Kompromiß der nun ■einmal vorhandenen beiden Ueberzeugungen. Man könne von der Slowakei •und Polen nicht verlangen, den in Deutschland und im Westen herrschenden Anschauungen noch weiter entgegenzukommen, als es in der Formulierung des § 4!bereits geschehen sei. Ein Ansturm auf diesen Paragraphen gefährde die!Existenzgrundlage der Aguda. Auch ohne daß man ׳den § 4 verändere, bestehe die Möglichkeit, um die Seelen der uns noch Fernstehenden zu werben ,und sie durch Verständnis und Liebe für den Gedanken der orthodoxen Einheit zu gewinnen. Gerade diese Frage der Menschenbehandlung sei vielfach strittig, nicht das Prinzip selber. J. M. L e w i n ־ Warschau geht ,in längerer eindruoksvoller Rede auf die Lage •der Agudas ׳Jisroel ein und sucht aus der Entstehungsgeschichte des § 4 nachzu weisen, daß ihm jede feindselige Tendenz gegen Andersdenkende fernliege. Im allgemeinen, lege man in Polen auf statutarisehe Schutzmaßnahmen sehr geringen Wert, vertraue vielmehr än ,hohem Maße dem ■in ■der Wahl selbst zum Ausdruck kommenden Willen, der sich auf ׳ein starkes Selb- •ständigkeitsbewußtsein stütze. In Polen halte ■man es, wie die Dinge einmal liegen, für ganz ,undenkbar, ׳daß Personlichkeiten, die mit ■Leib und Seele dem ׳Misrachi angehören, eine führende Stellung in der Aguda •ein,nehmen könnten. Lieber das spezifisch deutsche Problem ■der Gemeinde- Orthodoxie sei man in Polen nicht genügend informiert. Die organisatorische Schwäche der ■Agudas Jisroel ׳könne nach der Natur der Sache nur durch eine geduldige, von gegenseifiger Liebe und Würdigung getragene Arbeit allmählich ׳behoben werden.' Als Vertreter des Auswärtigen Amtes beehrte während!der Vormittagsdebatte. Herr Legationsrat Professor Dr. S 0 b e r n h e i m die Versammlung mit seinem Besuche. Leo Wr e sehn er-Frankfurt verbreitet ׳sich ׳in längerer Ausführung zunächst über die von den Vorrednern erwähnten Unstimmigkeiten innerhalb ׳der Agudaleitung, um sodann •in eingehenden Darlegungen den Vorwürfen -nicht:■;r;a»slreichenderr Leistungen, entgegenzutreten. Ausgehend von dem Grundsätze, ׳daß Agudas Jisroel in erster Reihe nicht ׳eine Organisation zur Lösung materieller Aufgaben sei, sondern die Verkörperung einer!Idee, 1untersuchte er die Ursachen dieser unabweislichen Selbstibeschränkung. Der Redner glaubte nach seiner Auffassung dafür vor allem vier Gesichtspunkte geltend .׳machen!zu sollen: die Unzulänglichkeit der finanziellen Leistungen und vielleicht teilweise auch; Leistungsfähigkeit der agudistischen Massen; den Mangel an ■geistigen Kräften, die ihre ■Mitarbeit restlos der!Bewegung zur Verfügung stellen, ungeachtet der vorhandenen außerordentlichen Fülle geistiger Potenzen, die ihr angehören; die (!bereits durch andere Redner behandelte) ׳Bestimmung des §.4 ׳der •Statuten,!die!zwangsläufig zu einer weitgehenden ׳Einengung, ׳des Mitarbeiterkreises führen ׳mußte,!und endlich die Institu- ׳tion des ״Rabbinischen Rats“, eine •Institution, die das jüdische Autoritätsprinzip in seiner reinsten ׳und höchsten ,Form verkörpert-, die aber, weil sie die Pflicht.und Notwemdigkeit!bringt, fast jede Maßnahme von der Ent- Scheidung dieses ׳Rabbimischen •Rates abhängig •zu machen1, zu den größten technischen Schwierigkeiten ׳führt. Auch die Furcht der Rabbinen selbst vor allem, was •einem Synhedrion ähnlich sieht, war ein hemmendes Moment. Julius Holländer- Frankfurt a. M. weist auf •die Notwendigkeit hin, mit!und ohne Paragraph 4 die Politik der Agudas Jisroel derart zu gestalten, daß •die Brücken nicht abgebrochen werden, auf denen die •durch Tihora und Dr. Kolm über die Berliner Zentralratstagung der Aguda. In einer imposanten Massenversammlung der Wiener Ortsgruppe. Samstag abends den 14. Jänner, fand im Festsaale des Alten Rathauses eine gut besuchte ■Massen ver- Sammlung der Agudas-Jisroel-Orts- und Jugendgruppe Wien statt. Den Vorsitz führte Herr Wolf Pappen!heim, der die zahlreich erschienenen Teilnehmer, besonders aber •die anwesenden Rabbiner und den Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgememde, Dr. Jakob 0 r n s t e i n, herztichst ׳begrüßte.!Hierauf ergriff, stürmisch begrüßt, der Präsident des geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel!in Wien, Rabbiner!Dr. P. K 0 h n, das Wort zur ׳Berichterstattung über •die jüngste Zentralratstagung der Agudas Jisroel in Berlin. Herr Dr. Kobii liebt hervor, daß die diesmalige Tagung des Zentralstes ,für die Geschichte •der Agudas •vielleicht mehr bedeutet, als sogar die jüngste Kenessio Gedaulo, und ׳zwar deshalb, weil grundlegende Fragen zur Debatte standen und mit großem Ernst behandelt wurden und weil außerdem fast alle Aguda-Provinzen vertreten waren. Die Pflicht der Aguda zur Führung aller jüdischen Dinge wurde allgemein anerkannt und es wurden sehr ernste Erwägungen angestellt.was man beginnen muß, um zu erreichen, daß die Unterordnung aller gemeinsamen!jüdischen Dinge unter das Diktat der ,Religion zur Tatsache werde, wie dies vor 150 Jahren in allen jüdischen Kreisen selbstverständlich war. iMan hofft, daß •die nächste Kenessio .Gedau 10, die vielleicht wieder in Wien abgehalten werden kann, dieser Frage neue Bahnen weisen ׳wird. Da es i׳m Programm der •Aguda ׳liegt, sieh unter Preisgabe des eigenen Selbst als Schutz vor alle Heiligtümer der jüdischen!Gesamtheit zu stellen, habe man in ׳Berlin auch die in Transsylvanien durch eine in Haß ׳irregeleitete Jugend •vollzogene Schändüng jüdischer Heiligtümer zum Gegenstand einer würdigen Protestnote gemacht. Der!Gedanke, welcher die Eigenart der Agudas ausmacht, ■die unbedingte Anerkennung der Autorität, soll |in der Form einer feierlijehen Konferenz des R abbi n i s c h e n Rates, •die viel- •leicht auch in Wien ihren 'Sitz ׳haben wird, noch vor der Kenessio Gedaulo zum besonderen Ausdruck gelangen. Der heißeste Kampf um das Innerste des jüdischen Heiligtums, um das Wesen des Judentums, sei jetzt än Pa- 1 ä s t i n a entbrannt. Es sei ein tragischer Augenblick, daß durch eine außenstehende. Macht jetzt an jeden Juden in Palästina die Frage gestellt wurde, ob er den! Judentu rn eine Wesenheit überhaupt aberkenne und nur zur Judenheit sich bekenne, indem er!diese als Volk gleich anderen Völkern betrachtet, oder ob er das Judentum selbst, d. h. ׳die Anerkenntnis der 11 eiligen ,Lehre ais das einzige volksbildende Moment auch als Inhalt seines Lebens erachtet. ׳ Es sei ein Verbrechen sondergleichen, daß Juden die englische Regierung veranlaßt haben, diese Frage in einer Zeit zu stellen, in der die dortige Bevölkerung so sehr von Not und Sorge geplagt sei, daß ihnen in Seele und Geist kaum Raum bleibt für die geschichtlich so verautwortungsvolle Beantwortung dieser Frage. Es sei' ferner nicht zu verkennen, daß diese große Tragik auch für die Juden in der ganzen Welt eiine besondere Bedeutung gewinnt und deshalb hat der Zentralrat der Agudas Jisroel!beschlossen-, seinen Gesinnungsgenossen ׳in. Palästina!in diesen schweren ׳Stunden mit Rat und Tat beizustehen. Reicher Beifall war der Lohn der sowohl sachlich wie ‘stilistisch!meisterhaften •Rede. Ueber die Frankf u •r t e r J u g e n d t a g u n g e n berichtete . anschließend an ׳das Referat von Dr. Kahn •Herr Siegmund Stern in überaus temperamentvoller Rede. Mizwoth mit uns unauflöslich verbundenen Brüder aus anderen Lagern wieder zu uns kommen können. Wir haben die heilige Pflicht, in den Reihen des Misrachi sowohl wie in •denen der Gemeindeorthodoxie das ׳Bewußtsein nicht!schwinden zu lassen, daß sie im Grunde zu uns gehören und nicht zu denen, welche die ■Verpflichtungskraft des Thoragesetzes leugnen. Mittwoch nachmittag. Rabbiner S c!h u s t e r-ßokolka gibt eine ׳Reihe von Anregungen zur Gestatung der weiteren Tätigkeit ׳der •Agudas Jisroel ׳in den östlichen Ländern, •erörtert die Frage einer Teilnahme der Aguda an •der Jewish •Agency und wünscht schließlich, daß der Zentralrat nicht auseinandergehe, ohne seine, Stimme gegen ׳die ׳empörende*» Vorgänge in Rumänien erhöhen zu •haben. Stadtrat Frieden so •h n - Lodz erörtert die Be-!Ziehungen zwischen •der östlichen und westlichen Jugend. Er •schildert die •allmähliche Erstarkung der Bnaus-Agudas- JisroeDBewegung in . Polen, die eine logische Fortsetzung des Bajs Jakob-W,erkes und zur dauernden Sicherung der!pädagogischen Erfolge seiner Schulen notwendig sei. Die Bnaus Agudas Jisroel verfügen jetzt über 3000!Mitglieder in 60 Ortsgruppen, benötigen aber unbedingt die Mithilfe westeuropäischer Führerinnen. Hierfür solle die Agudaleitung sorgen. n t״i Rabbiner K a 1 m a n o w •i t s c b - Rakowt:verliest ein Schreiben von Rabbi Gha׳iim Oser, Qrodzenski, worin dieser seinem ׳schmerzlichen!Bedauern Ausdruck gibt, •daß ihm sein Gesundheitszustand die Teilnahme ■an der Sitzung ׳nicht gestatte. Er sei aber im Geiste bei den Verhandlungen und habe Rabbiner Kalmanowitsch beauftragt, in seinem Namen eine Reihe von Anregungen zu geben׳. Zugleich entledigt sich Rabbiner Kalmanowitsch des Auftrages des Ghofez Chajim, indem er auch in dessen Namen der Ver- Sammlung die besten Grüße •und Segenswünsche überbringt. Die Anregungen ,beziehen sich auf die Verhältnisse in Südamerika (Argentinien, Brasilien), wohin Agudas Jisroel unbedingt rabbinische Kräfte. ■Lehrer und •Schochtim entsenden müsse. Der Redner verbreitet sich alsdann über ׳die Lage der ,amerikanischen!Agudas Jisroel. und 'bemangelt, daß ■man nicht in Amerika, statt Propaganda zu treiben, sich für die Hebung des amerikanisch-jüdischen Lebens selber eingesetzt habe. Der .,Chissuk Hadaß“ in Amerika könne sich, wenn sich Agudas Jisroel seiner annimmt, noch manche ׳Erfolge zeitigen. .!Sei es doch -beispielsweise den Zeire Agudas Jisroel in New York gelungen, dreitausend bisher am Sabbat geöffnete Geschäfte zur Beobachtung des Sabbats zu veranlassen. Redner teilt zum Schlüsse mit, ׳daß Rabbi Chaim Oser Grodzenski ihn •beauftragt habe, der Versammlung zu •erklären, •daß er dein Antrag auf ' *sofortige Vorbereitung der Kenessio Gedaulo aus vollem Herzen •zustimme. ׳A. S. F ri edm ann-Warschau ׳erörtert die auf der Tagesordnung stehende Jugendorganisationsfrage. ׳Die Jugend •der polnischen Orthodoxie wolle von einer •Politik der Schwäche, von Nachgiebigkeit und Minderwertigkeits- ■bewußtsein nichts wissen. Sie erkennt mehr und mehr die Kraftvergeudung, die in ׳dem fruchtlosen Kampf ■der Orthodoxie ׳in den Einheitsgemeinden ׳mit den Zionisten und Liberalen liege. Auch in gemeindlicher •Beziehung müsse die Orthodoxie schließlich zur Selbständigkeit kommen, wenn etwas Positives geleistet werden soll. Der Keren Hat-hora solle sich völlig auf organisatorische Tätigkeit und auf pädagogische!Maßnahmen beschränken, nicht aber Jeschiwoth subventionieren, wobei er sich doch nur •zersplittere und nichts leisten könne. Redner beschwert sich darüber, daß der Kriegswaisenfonds der Agudas Jisroel ein Waisenhaus in!Polen ׳subventioniere, das vom jüdisehen Standpunkt aus diese Unterstützung keineswegs verdiene. (Schluß folgt.) Das jüdische Kind in die jüd. Schule! Spendet reichlich für die Talmud-Thora-Volks׳ and Bürgerschule Wien, 11׳., Maixgasse 1s . G־ttes ,im Arm und •mit ihren Worten, eingegraben ■in sein Herz, ist es, die Erde auf- und niedergegangen, verkündend seinen ׳Glauben an ein einziges 1höchstes Wesen — ein W’esen, dessen Geist Zeit und Raum erfüllt, ein Wesen, niemals verkörpert, aber dem ׳Menschen offenbart ׳!in der Glorie der Schöpfung ׳und ׳in seinen allweisen Geboten, welche Gnade, -Liebe und Gerechtigkeit lehren. Toleranz.!Ich ׳bin ein!Geschöpf und ׳mein Nächster ist ein Geschöpf. Meine Arbeit ist an der -Stadt, und die• seine auf dem Felde.!Ich stehe früh -zu meiner, wie er zu seiner Arbeit auf. So wie er nicht eingreift in meine Arbeit, so ich'nicht in seine. Solltest du aber meinen: ״Ich!leiste viel und er wenig“, so haben wir doch gelernt: ״Einerlei, ob einer viel oder wenig leistet,, wenn er nur sein ‘Her׳z auf •G-tt richtet.“ (Berachot 17/a.) ,Die erste Bibelübersetzung. Es •ist׳ eine alte Tradition, daß der Tag, an welchem zum ersten Malle •der Pentateuch ■in eine ׳fremde Sprache — ins Griechische — übersetzt wurde; von den Juden als ein Tag großen nationalen Unglücks angesehen wurde. Es wurde befürchtet, daß, die Uebersetzung, wenn sie ׳un- .,richtig war, statt eines, (Borns g-ttlicher Wahrheiten zu sein, zur ׳Quelle des Irrtums werden könnte. D,ie vor 2000 Jahren empfundene und ausgesprochene Furcht!hat sich als vollberechtigt erwiesen durch die Geschichte der verschiedenen, seitdem unternommenen Uebersetzungeh upd durch die große Anzahl falscher Lehren, die vermeintlich auf die-Autorität ׳der!heiligen Schrift sich gründeten, während sie in Wirklichkeit auf Uebersetzungsfehler zurückgingen. Israel, das Volk der Oiienharung. Wüten die' Israeliten^ nicht, so, ׳gäbe es keine Thora. Sie haben ihren Vorzug nicht etwa von Moses her, sondern Moses hat ihn •lediglich von ihnen. Denn •die Liebe weilte unter der Menge der Nachkommenschaft Abrahams, Isaaks und Jakobs,!während •die Erwählung Moses nur dazu diente, das Glück •durch seine Hände zu ihnen gelangen zu lassen. Wir heißen nicht das Volk Mosis, sondern das Volk iG-ttes. Der Sinn der jüdischen Geschichte. Der Mensch wird zum ׳Menschen ׳durch die Geschichte. Es •ist die!Geschichte, die die Menschen der historischen Nationen zivilisierter macht als die wilden. Der Jude erkennt an, daß er durch die ׳Geschichte seiner Väter ׳das geworden ׳ist, was er ist, und ■fühlt, daß er sein besseres Selbst verliert, sobald er den Halt an der Geschichte seiner Vergangenheit verliert. * •Israel ■ist das Herz der Menschheit. Jehuda Halevi 1140. Die jüdische Pflicht. Unsere Tugenden ׳sind, Israels Tugenden: all ■unseren Erfolg dm Leben verdanken wir der Tatsache, daß das Blut des ׳״zähesten der Völker“ ׳in unseren Adern rinnt. Unsere Laster fallen uns p e rs ö n l i ch!zur Last. Nun dreht ׳die ׳Welt ׳die Verteilung um. Die Tugenden schreibt sie uns ׳selber!zu, ■unserer individuellen Begabung, unserem Fleiß, •unserem ■Mut, während sie die Verbrechen, Laster und Verfehlungen ׳jedes einzelnen Juden, mag er seinem Glauben und seinem Volke, auch noch!so entfremdet sein, dem Judentum in die Schuhe schiebt, und die Verantwor- •tung dafür der ■ganzen jüdischen Rasse auflädt. Ist es nicht eine •heilige Ehrensache, soweit als wir imstande sind, dieser Ungerechtigkeit der Welt unserem ' Volke gegenüber entgegenzu wirken, ׳indem .wir bei sich ^•bietender.Gelegenheit, alles ..abtragen, was wir Israel ו schuldig ׳sind. Der jüdische Arme. Das •G-ttesreich •ist — nach Auffassung der ׳Rabbi-nen — unvereinbar, mit einem Zustand sozialen Elends. Es genügt iihnen nicht, den Armen zu ernähren. Ihr großes •Ideal war, dem Menschen nicht zu erlauben, in die Tiefen •der Armut hinabzusinken. Sie sagen: ״Versuche ihr vor-!zubeugen, ■indem -du ■ ihn ein Handwerk lehrst. Versuche alle Mittel, bevor du ihm erlaubst, ein Objekt der Wohl- ׳tätigkeit izu werden, was ihn erniedrigen ׳rpuß, so zartfühlend ׳du ihn auch behandeln magst.“ Es ist eine schwierige Aufgabe, den jüdischen Armen zu ׳befriedigen. Tief sitzt in ihm ׳die!Meinung, daß er der beste, der einzige •Richter darüber •ist, was du am besten •für ihn tun kannst. Und es ist Tatsache, •daß diese selbstsicheren Empfänger deiner!Gabe oft wirklich dir überlegen ׳sind in vielen Beziehungen. ,W׳eitherzi׳gkeit ist hier geboten. Wir müssen׳ den tiefen moralischen ׳Quellen des Lebens auf den Grund gehen. Wir müssen darauf achten, daß ׳unsere Brüder sich nicht ihres Besten entkleiden ׳und unser Schlimmstes annehmen. AusVergangenheit u. Gegenwart Der letzte Sachverständige Im Bejlis-Prozeß (1913). Vorbemerkung: Die!Nachricht vom Tode •L e o p old H i 1 s n e r s. des ׳unschuldigen Opf ers der R-itualmordhetze, die vor ׳mehr als 28 Jahren ׳zu!politischen Zwecken in Böhmen gegen die. Juden inszeniert wurde, ruft die Erinnerung an ׳den Polnaer Prozeß wach, Wie damals, im Hilsuer-PrQzeß, die gesamte gesittete Menschheit!bei dem Gedanken erschauerte, daß sich :gewissenlose Politiker, der politischen Demagogie zuliebe, ,selbst des törichtesten

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