Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 14 (1928)
- Issue
- 2 (13.1.1928)
- Date
- 1928-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife flf JÜDISCHE PRESSE 24. Lebensjahr vollendet haben, soweit sie nicht als Führer oder Vorstandsmitglieder von den Jugendgmppen benötigt werden, zur Ortsgruppe übertreten. 6. Die Jugendorganisationen mehrerer Länder können sich mit Genehmigung des G. A. 7.11 einer Arbeitsgemeinschaft unter einheitlicher Leitung zusammenschlteßen. Der Leitung gehören drei vom G. A. zu ernennende Mitglieder an. Die Satzung bedarf der Genehmigung der Rabbinischen Landesräte der beteiligten Länder, die durch Vermittlung des G. A. einzuholen ist. 7. Jugendorganisationen, die sich über mehr als drei Länder erstrecken, entsenden drei Vertreter mit beratender Stimme in den Zentralrat. 8. Beim G. A. in Wien wird ein Jugendreferat errichtet, dem drei Mitglieder des G. A. und vier ln Wien wohnende Delegierte der Jugendorganisation angehören. Das Referat hat die Führung der J. 0. untereinander und mit den oberen Agudatnstauzen aufrecht zu erhalten..Es entscheidet über '־etwaige Differenzen zwischen Jugend- und Landesorganisation, vorbehaltlich des Aufsichtsrates des G. A. tmd des Rabbinischen Rates. Bnaus Agttdas Jisroel. Der Zentralrat überweist das von der Bnaus Agudas Jisrocl-Konfercnz in Lodz ausgesprochene Ersuchen um Abhaltung von Führerinnenkurse für die Bnaus Agudas Jisroel der Keren-Hathora-Zentralc in Wien zur möglichst baldigen Ausführung. Schechita. Mit tiefem Schmerz und äußerstem Befremden nimmt der Zentralrat von den in mehreren europäischen Ländern in immer verstärkter Heftigkeit auftretenden Versuchen Kenntnis, durch Eingreifen in die freie Ausübung der vom jüdischen Religionsgesetz vorgeschriebenen Schlachtmethode (Schechita) die religiöse Gewissensfreiheit der orthodoxen Judenheft aufs schwerste zu gefährden. Er legt gegen diese •meist aus Vorurteil geborenen Versuche im Namen der religiösen und wissenschaftlichen Wahrheit feierlich Verwahrung ein. Für den gläubigen Juden ist das religiöse Scliächtverfahren nicht etwa eine unbedeutende Formvorschrift, eine Aeußcrlichkeit. sondern Bestandteil eines großangelegten geschlossenen Systems diätetischer Vorschriften, das von dem göttlichen Gesetzgeber auf dem Sinai offenbart und von der Gesamtheit der jüdischen Religionsgemeinschaft bis auf den heutigen Tag als unbedingt verbindliche, grundlegende religiöse Lebenslehre anerkannt wird. Der Zentralrat stellt fest, daß die moderne physiologische Wissenschaft auf Grund experimenteller Forschung die Gleichwertigkeit, ja zum Teil die Ueberlegenheit des jüdischen Schlacht׳Verfahrens anerkannt iind die Behauptung des ticrquälerischen Charakters der Schechita widerlegt hat. Der Zentralrat fordert die Gesamtheit der jüdischen Religionsgenossen auf, mit umso treuerer Anhänglichkeit an der göttlichen Ueberlieferung des Judentums festzuhaften, je mehr Irrtum und Vorurteil dagegen anstürmen. Er erwartet und hofft, daß in immer steigendem Umfange hochdemkende und vorurteilslose Persönlichkeiten innerhalb der christlichen Welt die Ungerechtigkeit der gegen das Schächtverfahren erhobenen Vorwürfe anerkennen und sich aus ethischen und verfassungsrechtlichen Gründen gegen, jeden Versuch wenden werden, die Gewissensfreiheit der ältesten jüdischen Religionsgemeinschaft innerhalb der Kultur weit zu gefährden. 1^)| Nachrichten! 1^) Festakademie der Agudas Isroel-Mädchengruppe Wien Die am verflossenen Diienstag stattgefuiidene Festakademie der Agudas Jisroel-Mädchengruippe nahm einen glänzenden Verlauf. Den rührigen, umsichtigen Arrangeur innen, Fräulein Iilona Feld heim, Stella R'ic׳htpr, Heidi Schreiber und Anny Herzog, sei auch an dieser Steile für die schönen, frohen Stunden, die sie einem zahlreich erschienenen Publikum bereitet haben, herzlichst gedankt. Sie ׳haben ein auserlesendes Programm zusammengestellt und aMes aufgeboten, um diesen von Frauen für Frauen veranstalteten Abend erfolgreich zu gestalten. Ein ausgezeichneter Kiavlervortrag von Fräulein Mimi Schiff leitete die Veranstaltung ein. Als nächste Nummer erschien Fräulein Grete Bach, deren meisterhafte Rezitation nachhaltigen Eindruck auf die andächtig lausehende Zuhörerschaft übte, und der immer wieder neue Zugaben äfogerungen werden mußten. Dann kommt Fräulein Liane Pappen •heim als dummer August auf die Bühne and kündigt diie Attraktionen eines Wanderzirkus an. Was August in seinem entzückenden, pathetischen englischen Kauderwelsch mit so viel Verve und Temperament verspricht, sein Ensemble hält es. EÜ Löwinger als Miß Spindy produziert Zirkusattraktionen, Elise Kritzler als alkoholsüchtiger Russe Wladimir tanzt ausgezeichnet, Anny Löwinger als Straßensängerin leiert ihren Schlager vorzüglich ab, und allerliebst und anmutig wirkt Helene Pappen ■heim als Kind der Straßensängerin. Den Clou des Wanderzirkus aber bildete der virtuose Tanz der drei in originelle Kostüme gekleideten Niggergirls Gerti Reln •Inger,'Ilse Horowitz und Ba'bbi Sternfeld, der das laute Entzücken des Publikums hervorrief. Ein Tanzspiel, in welchem Fräulein Elise Kritzler als altjüngferliche Gouvernante auftritt, Fräulein Blanka Löwinger als ״Et“ graziös tanzt und Anni Löwinger, Grete P r 0 ß n i t z, Wally Wosncr und Liane Pappenh e i m Backfischchen vorstelilen, d!ie sich auch zu schicken American Girls verwandeln können, wurde ׳besonders bcjubelt. Die verständnisvolle Klavierbegleitung zu den Tanzspielen besorgte *in dankenswerter Weise Fräulein Marianne Kohn. Als Sängerinnen, die viel zum Gelingen des schönen Bestes beitrugen, haben sich Frau Stelle Schiff und Frau Rosa Wosner besonders hervorgetan- Das reichste Lob aber muß dem Fräulein Mina Schiff ausgesprochen werden, die sich als vielseitiges Genie einen Namen gemacht •hat. Sie hat die entzückenden Kostüme entworfen und die Tänze einstudiert, und ein nicht enden wollender Beifall dankte ihr mehrmals auf offener Szene für ähre großartige Leistung. Fräulein Jenny P e r e 1 s als geistvolle Conförenoiere, deren ■heitere, von stetem Beifall unterbrochene Stegreifdichtungen die einzelnen Nummern ankündigten und die Feier beschlossen, gebührt großer Anteil ati dem vollkorranenen Gelingen des Abends. Das von Jahr zu Jahr steigende Niveau• der gesellschaftlichen Veranstaltungen der Mädchensruppe gibt zu den schönsten Hoffnungen auch in dieser Richtung Anlaß. N. S. , Nr. 2 Frauenhilfe der Adas Isroef. Dar Verein ״F raue nh Ille“ ladet hiermit seine geehrten Mitglieder zu einer gemütlichen Zusammenkunft für Dienstag, den 17. Jänner im Caf6 Deutsch, II., Herminengasse 10. Es spricht Frau Herrn ine Po Hak. Beginn präzise 5 Uhr. Gäste herzlichst willkommen. Plenarversammlung der Agudas Jisroel-Mädchengruppe Wien. Die Frankfurter Tagungen, der Bundestag der Jugendgruppe sowie der Arbeitsgemeinschaft der westeuropäischen Jugendverbände haben auch der W-iener Mädchengruppe neue Impulse gegeben. In der Plenarver- Sammlung vom 5. Jänner gab Fräulein Annie Herzog ein klares Bild dessen, was sie in Frankfurt gehört und gesehen, und hob -besonders hervor, was für unsere Mädchengruppe von Wichtigkeit wäre. Das Programm der neuen Arbeit entwickelte Fräulein Jeanette Bon di. Es teilt sich in vier Teile, Belehrung, Geselligkeit, sportliche Hebungen und Gemillas Ghesed. Für die Belehrt mg speziell ist vorgesehen: Montag: 7 Uhr: Ein Jesaja-Kurs für Fortgeschrittene, geleitet von Dr. Deutschländer. Dienstag: 7 Uhr: Ein Geschichtskurs, geleitet von D. P. Kohn. Anschließend daran eine Arbeitsgemeinschaft, die ׳in einem gemütlichen Abend auslaufen soll. In der Arbeitsgemeinschaft sollen Werke der deutschen und jüdischen Literatur gelesen und!besprochen werden. Mittwoch: 7 Uhr: Thilimkurs des Herrn Dr. Deutsohländer, um halb 9 Uhr ein Gbumischkurs für Anfänger, geleitet von Frau Herrnine Pollak. Donnerstag: 7 Uhr: Französisch-Kurs, geleitet von Fräulein Annie Herzog: Sabbat: II Uhr vormittags: Sidrahvortrag des Herrn ׳Dr. Kohn. S aibfoa t au sg a n g: Rhythmischer Turnknrs. Sonntag: Je nach der Witterung kleinere oder größere Ausflüge. Alle Kurse finden vorläufig •in den Räumlicihlkeiten der Agudas J1 s r o e l, Leopoldgasse 26 a, statt. Der Sidrahvortrag findet im E1 ■i s a b e t 11׳ h c i m statt. Clmm es oh und französischer Kurs sind für die Ä- und B-Gruppe. Außer dem Turnkurs beginnen alle Veranstaltungen schon diese Woche. Die Liste für die Vorstands wähl wurde einstimmig angenommen. Wir alle ■hoffen, daß cs dem neuen Vorstand gelingen wird, die Begeisterung des Augenblickes wach zu halten -und die Betätigung der Mädohcngruppe •in all ihren Verzweigungen z:u •beleben. Zu besonderen Er- Wartungen berechtigt die Tätigkeit der jüngsten Agudistinnen der B-Gruppe. Für den früheren Vorstand erstattete Fräulein Ilona Feldheim den Tätigkeitsbericht. Aus ihm ging hervor, daß auch auf dem Gebiete des Gmillas C •h ä s ä d s e h r viel geleistet wurde. Frauensektion des Bethausvereines Emunas Aves. Sonntag, den 8. Jänner fand in den neurenovierten Lokalitäten des orthodoxen Bethausvereines Emunas Aves, XIV., Storchgasse 21, die Gründungsfe ■i e r der Frauensektion des Bethausvereines satt. Das große Interesse, welches dieser neugegründeten Sektion entgegengebracht wird, gab sich durch zahlreichen Besuch kund. Um die Gründung haben sich die Herren Emanuel Weiß, Obmann des Bethausvereines, Ernauel Schulz als Vize- Präses und Artur Kr einer als Schriftführer große Verdienste erworben. Von dem Ausschuß haben die Damen Frau Präsidentin Schulz und Frau Gisela Winkler als Schriftführerin es verstanden, einen Stab von sehr tüchtigen Damen um sich zu sammeln. Die Gründungsfeier verlief programmäßig. Um halb 5 Uhr nachmittags begann das Fest mit einer Ansprache des Obmannes, der die Frauensektion im eigenen Heim begrüßte. Hierauf erfolgte die Begrüßung der Festgästc durch die Frau Präsidentin. Sie begrüßte vor allem die Ehrengäste, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Weiß, die Ehrenpräsidentin Frau Rabbiner Weiß, Frau Olga Krupnik, den Gesamt- Vorstand des Bethausvereines, den Obmann der Bezirkskommission Herrn A Ibers, die Vertreter der Chewra Kadischa, ferner Herrn Medizinalrat Dr. Neu m a n n und sämtliche Vertreter der benachbarten Vereine. In einer an Inhalt und Form gleich vollendeten Ansprache besprach die Frau Präsidentin Ziel und Zweck dos Vereines. Ihre Rede übte einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf samtliehe Zuhörer aus. Hierauf ergriff Se. Ehrwiirden Herr Rabbiner Weiß das Wort. Er schilderte die Bedeutung der jüdischen Frau für das Judentum und hob hervor, wie wichtig es sei, daß die Frau nicht nur im Haushalt, sondern auch im öffentlichen Leben an allen jüdischen Interessen Anteil nehme. In treffender Weise brachte er Beispiele von berühmten jüdischen Frauen, die durch ihren Mut das jüdische Volk oft aus seiner bedrängten Lage gerettet haben. Nachdem Oberkantor Einhorn mit einem gutelnstndierten Chor Gesänge vorgetragen hatte, ergriff Frau Winkler das Wort. Ihre mit gesundem Humor gewürzte Rede fand viel Gefallen bei sämtlichen Zuhörern. Die Rednerin forderte die Anwesenden auf, ihre Herzen und Brieftaschen zu öffnen und sich in das herrlich ausgestattete ״Goldene Buch“ (ein Meisterwerk des Herrn ,Emanuel Schulz), dessen Motto die Worte ״Hochmas Noschim bonso beso“ sind, einzutragen. Herr Albers brachte alsdann die Glückwünsche der Kultusgemeinde und der Bezirkssektion zum Ausdruck. Es sprachen noch Herr Medizinalrat Dr. Neumaan und Herr Eduard K reine r. Jeder Besucher des. Festes ging sicherlich mit dein Eindruck nach Hause, daß erhebliche Arbeit geleistet wird. Chanukka-Feier in Mattersburg. Wie alljährlich, 'wurde auch heuer vom Isr. Frauenverein eine Chanukka- Feier zu wohltätigen Zwecken veranstaltet. Frl. Grete Deutsch begrüßte die zahlreich anwesenden Gäste, die in der Folge dem hübschen Chanukka-Festspiel ״Jüdisch erzogen“ voller Spannung lauschten. Die darstellenden Mädchen Frl. Adele Weiß. Sera S'tern, Hanrii Sobelmann, Valeria Hirsch und Blanka Schön waren ent- ' zückend. Frl. Margit Kerpel erntete durch ihre Deklamation reichen Applaus. Nach zwei humoristischen Vorträgen, und zwar ״Die lange Nos“ und ״Die große Mizwoh“, welche Frl. Tilda Kerpel und Hilda S t e i n h 0 f vortrugen, folgte ein Lustspiel: ״Schrrml, der Schnorrer,“ von Frl. Lani L i n d e n f e 1 d, Erna Scho n, Rozsi Kerpel und Lentschi Schot teu dargesteilt. Die Einstudierung aller Vorträge lag in der bewährten Regie Frl. Margit Kerpels. Ihr und den anderen Darstellerinnen, die sich alle um das Gelingen des Festabends bemühten, sei hiemii Anerkennung und Dank ausgesprochen. Antwerpen. Am 4. Tag Chanukka fand das Chanukka- Fest der Agudas Jisrocl-Mädchengruppe in Antwerpen statt. Der Abend wurde mit einer sinnvollen Ansprache von Frl. Sophie Sp-ira eröffnet. Die Festrede hielt Fräu- 1ein Mirel Pesachowitz; sie sprach über das Thema ״Jüdische Frauen •in der Geschichte“. Hernach wurde das Theaterstück ״Das Kriiglein Oel“ von den Mitgliedern der Mädchengruppe musterhaft aufgeführt. Großen Beifall fand das Violinspiel von Frl. Regi Beck, am Klavier begleitet von Frl. Rosa Liebermann, wie auch die Lieder von Frl. Rosa EU 0 witz. Stürmische Begeisterung erweckte die Aufführung eines von der Präsidentin der Preßburger Mädchengruppe, Frl. Juliska Grünsfeld, verfaßten Stuckes ״Der Traum im Atelier“. Ein wunderschönes Ballett, das, von Frl. Eva Langer geleitet, deu acht Chanukka-Lichtlein entsprechend, von acht Mädchen aufgeführt wurde, beschloß deu gelungenen Abend. Eine Reise der ‘Wiener Aguda-Jugeadgruppen vom Frankfurter Bundestag nach Wiesbaden uud Worms. Wer den^ Bundestag der Agu-das-Jisroei-Jugend- Organisation in Frankfurt a. M. miterlebt bat, dem wird so manches aus .dem Programm noch lauge in angenehmer Erinnerung bleiben. Wie wohlorganisicrt war doch schon der Empfang der Gruppen aus den verschiedenen Städten Deutschlands und des Auslandes, dank der verdienstvollen Vorarbeit des ״Agudoh-Verkehrsministers". Dieser ״jüdisehe Eisenbahnfachmann" hat sich aber auch nach der Tagung sehr? bewährt. Alle Bekanntmachungen über Ankunft und Abfahrt der Gruppen usw. am schwarzen Brett wurden rechtzeitig ausgehängt. So konnte man unter anderem auch lesen: Gemeinsame Fahrt nach Worms am 27., Treffpunkt 8,15 Uhr am Haupt-bahnhof, Rückkehr gegen 21 Uhr. Und eine stattliche Zahl von Teilnehmern, fast durchwegs Wiener,. Budapester und Preßburger hat an diesem Ausfluge teilgenomcn. Noch in vorgerückter Abendstunde des Montags hatte der 0״. V.-Eisenba׳hner“, -Führer für Wiesbaden und Worms bestimmt und war selbst am Dienstag morgens am Bahnhof, um allen 40 Teilnehmern ermäßigte Fahrkarten zu besorgen und dem Wiesbadener ״Cook" die ganze Gnippe .anzuvertrauen. Dieser hatte zunächst nichts Eiligeres zu tun, als •genügend Plätze für die Fahrt schnell vor Abgang des Zuges beim Stationsvorsteher zu bestellen. Man war freudig überrascht, als man gewahrte, daß der freundliche diensttuende Beamte Wagen 2. Klasse anwies. Der Reiseführer, der während der Fahrt den Dienst eines ״Kondukteurs“ versah, indem er von Abteil zu Abteil lief, um das Fahrgeld zu erheben, konnte feststetllen, ,daß er es nicht nur mit einer Reisegesellschaft 2. Klasse, sondern mit echt jüdischen jungen Leuten ״erster Klasse“ zu tun hatte. In Wiesbaden angekommen, machte sich die Gruppe junger Damen und Herren auf, um die Stadt zu besichtigen, soweit es die Zeit ׳bis Mittag erlaubte. An den Stufen des neuen Museums wurden dann gemeinsame photographische Aufnahmen gemacht und so die Teilnehmer dieser interessanten Fahrt im# Bilde festgehalten. Als man das weltberühmte Wiesbadener Kurhaus ansehen wollte, erlebte man die zweite freudige Ueberraschung. Dank der Freundlichkeit des Kurdirektors durften alle Teilnehmer die prachtvollen Räume des Kurhauses unentgeltlich besichtigen. Ja sogar noch mehr! Als eine Abordnung der Wiener Agudoh mit dem Wiesbadener Führer sich nachher zum Kurdirektor führen ließ, um sich für seine Zuvorkommenheit zu bedanken, ordnete dieser an, daß die Gäste auch ■den Kochbrunnen bei freiem Eintritt besichtigen könnten. Man freute sich am Genuß des zwar heißen, aber salzigen Kochbrunnens nur insofern, als mau seit dem frühen Morgen zum ersten Male wieder etwas Warmes in den Magen bekam. Die Kurkapelle, die ,gerade in den Wandelhallen ihre Weisen hören ließ, schien ganz alleine für die lieben Wiener zu spielen. Um den Zug nach Worms zu erreichen, trennte man sich, wenn auch ungern, vom schönen Kurvierte] und ging langsam durch die Stadt zum Bahnhof. Der jüdische Wiesbadener ״Cook“ richtete es noch so ein, daß man an dem ״Backhause“ vorbeikam, wo es auch koschere Brötchen gab und rasch war der Laden mit den jungen Leuten angcfüllt, die ״frische Semmeln“ für den Weg mitnehmen wollten. Am Bahnhof wurde die JOköpfige Gesellsohaft von einem in Wiesbaden lebenden Landsmann herzlichst begrüßt und dann dem Wormser Führer übergeben. Der ״Wiesbadener Führer“ verabschiedete sich am Bahnsteig von den ihm liebgewordenen Freunden, überzeugte sich davon, daß die bestellten Abteile auch resevviert waren und konnte bei Abfahrt des Zuges mit Befredigung feststellen, daß die Wiener in guter Stimmung den selbsteingeriohteteu ״streng koscheren Speisewagen“ eifrig benützten. Nach einstiindiger Fahrt kam die ganze Gesellschait vergnügt;und munter in Worms an. Die Stadt machte einen etwas dusteren Eindruck, der schon auf die ehriurchtsvolle Stimmung hinwies, den unsere Freunde beim Betreten des ältesten deutschen Beth Hachajim empfanden. Es war ein bewegter Anblick, wie manche der Teilnehmer Tfifloth sagten und einige unter dem Eindruck des Ortes sogar Tränen vergossen. Nach ausführlichen Erklärungen des soviel hebräische Kenntnis zeigenden nichtjüdischen Friedhofswächters trat die Schar unter Führung ihres ״Biebricher jüdischen Cook“ für Worms, der seine Sache ausgezeichnet machte, den Weg nach der alten ״Raschistub“ an. Schade, daß die Stimmung unwiilkürlieh gedrückt wird, wenn •man sieht, wie die modernen Einflüsse sich auch schon hier bemerkbar machen. Die Stube selbst ist pietätlos geworden durch einen neuen Farbenanstrich und in der alten Synagoge ist die moderne Orgel nicht zu übersehen. Der Schammes brachte das ״Rothenburger“ Sefer vor die Schul, wo cs von den Wienern eingehend studiert wurde. Nachdem sich die ganze Gesellschaft in da׳s aufliegende Gedenkbuch eiligezeichnet und die interessante M-ikweh besichtigt hatte, trennte man sich ungern von der Stätte, die allen Teilnehmern durch ihre jüdischen Denkmäler uiivergeßlieh bleibe« wird. Spenden für das Badener Waisenhaus. In der Pension Hirsch am Semmering wurden für das jüdische Waisenhaus in Baden Somata«, den 24. Dezember 1927 folgende Spenden gewidmet von den Herren: Dr. Ungar, Budapest S 10, Alex. Löwinger, Budapest S 5, Bernfeld, Budapest S 5, Max Glückselig, Wien S 5, Leon Glückselig, Wien S 2, Julius Krupnik, Wien S 50, Eduard Deutsch S 20, N. Welker S 2, Isidor Bänder S 5; zusammen S 104.