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Jüdische Presse · 1928-01-06 · 1 (6.1.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
1 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Nr. I Ctftc 6!>.*.—■■ Die Trauer in Rumänien. Die Bestattung der zerrissenen ThoraroHen. Die Bestattung der zerrissenen und geschändeten jTfeorarollen fand gleichzeitig in allen Gemeinden an! :3. Jänner, am Fasttag des 10. Tebeths, statt. Die Thora- .'rollen wurden in den Ortsfriedhöfen, nicht, wie Ursprunglieh geplant war, in den Synagogen!bestattet. Die Bestattrog fand einheitlich am 11 Uhr vormittags statt, unter ungeheuerer Beteiligung der gesamten jüdischen Bcvölkcrung; besonders in Groß ward ein und Klausen- •bürg vollzog sich die Beilegung der zerrissenen Thorarollen unter überwältigenden Formen. Der stumme Trauer- Zug von tausenden Juden und Jüdinnen unter der Füll rung der Rabbiner machte einen grandiosen Eindruck. Von 11 bis 1 Uhr waren alle jüdischen Geschäfte gesperrt. Schon am vorhergehenden Donnerstag war in ganz Siebenbürgen ein allgemeiner Trauerlind Fasttag. Die orthotdoxe Landcskauzici verfügte auch die Einhaltung einer dreißigtägigen Trauer. Die geschändeten Thorarollen sollen in aller Stille heigesetzt werden. Kultusminister Lapedaiu, der jetzt in Klausenburg weilt, empfing die Oberrabbiner sowie die Vorsitzenden der orthodoxen und der neologen jüdischen Gemeinden und erklärte ihnen, die Regierung habe 2 Millionen Lei für die Wiederherstellung der zerstörten Synagogen bewilligt. Sollte der Betrag uiicht ausreichen, so werde er, der Minister, sich bemühen, weitere Zuschüsse durchzusetzen. Der Minister richtete an die jüdischen Vertreter das Ersuchen, von einem öffentlichen Begräbnis der zerrissenen, beschmutzten und verbrannten ThoraroHen ab- Zusehen da eine solche Manifestation von der Bevölkerung als ein feindlicher Akt aufgefaßt werden müßte. Oberrabbiner Dr. Glasaer erwiderte, das Begräbnis!müsse mach jüdischem Ritual vorgenommen werden, dieses Ritual schreibe aber vor, daß eine geschändete Thorarolle wie ein verstorbener Mensch bestattet werde. ■ Oberrabbiner Dr. Groß erklärte dem Minister, die Juden Transsylvaniens haben die Absicht, sich mit einer Kundgebung an den Regentschaftsrat zu wenden. Minister Lapedatii bat daraufhin, die Geste an den Regentschaftsrat zu unterlassen und zur Regierung Vertrauen zit haben. Die Juden mögen nichts unternehmen, was die Gemüter wieder in Erregung bringen könnte. Die Klaiisenburger Juden entgingen einer neuen Gefahr. ״Adeverul“ berichtet aus Klausenburg, das dortige Rabbinat habe den zuständigen Behörden mitgeteilt, daß sich ■das geraubte gottesdienstliche Gerät im Besitz eines Mittelschülers befinde. Die Behörden hätten diesen Schüler vernehmen lassen und die Gegenstände dem Rabbinat zurückgesendet. Daraufhin sei der Schüler auf kurze Zeit verschwunden, was z!u unglaubliiciicr Agitation geführt habe. Unter anderem hätte das in Klausenbuqg erscheinende Blatt der liberalen Partei an den Rabbiner offen die Frage gerichtet, was mit dem Schüler geschehen sei. Es sei ein Glück, sagt der ״Adeverul“, daß dieser Schüler bald wieder auftauchte, sonst wären die Folgen unberechenbar gewesen. Das Blatt fragt, was die Regierung getan habe, um eine derartige Agitation im Keime m ersticken, ׳und was sie zu •tun gedenke, .um den Vorwurf der Zweideutigkeit zu vermeiden, die darin bestehe, daß die Regierung in Bukarest die Agitationen verurteilte,, während die Provinzpresse ihr verbrecherisches Agitationswerk fortsetze. Der Regentschaftsrat Rumäniens verurteilt die Studentenexzesse Dr. Fildermanns Audienz. ' .Der Deputierte Dr. Fiklernianii, Präsident der Union rumänischer Juden, wurde gestern von allen drei Mitgliedern des Regentschaftsrates in einer Audienz empfangen, die mehr als eine Stunde währte. Alle drei Rcgentschaftamitglieder' ersuchten Dr. Fiildermanu, der Judenschaft das Bedauern über die verdammenswerten Taten der Studenten auszusprechem ■Sie sprachen ,ihre Ucberzeugung aus, daß ,die Regierung die nötigen Maßnahmen ergreifen werde, da- •mit die Schuldigen der gerechten Strafe, •zugeiiihrt werden. Der Patriarch von Rumänien, M!iron Cristca, fügte noch hinzu,'os sei sehr bedauerlich, daß Elemente, die verlangen, daß ihr• eigener Glaube respektiert werde, einen anderen Glauben nicht respektieren und sich an seinen Symbolen vergreifen. Dic Antwbrt Titulescus an Lucieu Wolf. Herr Ludan Wolf. Sekretär des Joint Foreign Committee 4er■ •britischen Juden, hat in einem Schreiben an den rumänischen Außenminister Tiitulcscu der tiefen Besorgnis •der Judeiiilieit über die antisemitischen Exzesse in Rumänien Ausdruck gegeben. Dieses Schreiben beantwortete Herr Titulescu "mit einem längeren Telegramm. Es heißt darin: . ״Ihnen ,sind die wahren Gefühle der rumänischen Regierung mir' zii -gut bekannt, als daß loh erst feststellen müßte, daß wir uns ׳mit tiefer Empörung und Trauer gegen die in Klausenfburg und Großwardein begangenen Gewalttaten wenden. Obgleich wir schlüssige Beweise dafür besitzen, daß fremde Provokateure mit im Spiele waren, obgleich.man die Masse der rumänischen Studenten mit den irregeleiteten Opfern dieser fremden Propaganda sicherlich nicht identifizieren dürfe, ist die Regierung entschlossen, ׳unverzüiglich die strengsten Maßnahmen zu ergreifen, um jede Möglichkeit einer Wiederholmig solcher Akte in Zukunft auszusohließen,• Infolgedessen hat die Regierung jene adininistrativen und polizeilichen Organe, die sich durch die Unruhenhaben' überraschen lassen, entlassen. So wurde die Entlassung des Präfekten des Departements Bihor und der Polizeipräfekten von Klausenburg und Großwardciti verfügt. Die militärischen und Justizbehörden haben bereits eine erste Gruppe schuldiger Personen festgcstellt. In Großwardein wurden 21 Studenten und 28 Privatpersonen wegen Aufruhrs in den Auklagczustand versetzt, in Klauscnburg wurden 44 Studenten und 9 Privatpersonen wegen Ausschreitungen. upd Dcvastierungen iestgenommeii, ebenso in Bukarest 11 .'Studenten, die sich in Großwardeiu und Klausepbürg an den Unruhen beteiligten. Alle diese werden durch das in Klausen'burg eingesetzte Kriegsgericht abgeurteilt werden. Staatliche Funktionäre, die der Mitschuld au den Unruhen überwiesen werden, werden aus dem Staatsdienst־ entfernt. Schuldige Studenten werden relegiert, weniger Schuldige von den betreffenden Universitätssenats disziplinarisch bestraft. Die Regierung hat eine Sonderkommission zur Feststellung der Schäden eingesetzt. Der Ministerrat hat bereits einen Kredit von 5 Millionen Lei ׳bewilligt, <Jer zur Wiederherstelhing der Synagogen verwendet werden wird,“ Das Telegramm Titulescus schließt: ״Als ein Trost in dieser traurigen Sache wird cs angesehen׳, daß kein einziger Toter zu verzeichnen ist. Lassen Sie •mich noch hinzufügen, daß die Regierung ihre Pflicht bis zu Ende erfüllen wird, denn es gibt keinen unter uns, der •nicht einsieht, daß das eigentliche Opfer solcher Unruhen Rumänien selbst ist.“ ״Ich will diese verunglimpfte Stadt nicht sehen.“ Aus Großwardein wird telegraphiert: Der griechischorthodoxe rumänische Bischof Romulus Ciorogari«, der gerade ׳am Tage der Studentemmruhen seinen 75. Geburtstag feierte, hat die hiesigen Journalisten zu sich gebeten und ihnen erklärt: ״Ich will,.daß jeder es erfahre, daß ich die jüngsten Geschehnisse tief verurteile. Ich will diese unglückliche, verunglimpfte Stadt nicht sehen und reise nach der Puszta.“ Er überreichte den Journalisten eine schriftliche Erklärung, die auch eine Verurteilung der Regierung enthält, die an einem so gefährdeten Grenzpunkt keine Vorkehrungen traf. Einbringung einer Resolution in dem amerikanischen Kongreß. tiii der letzten ■Sitzung des Kongresses der Vereinigten Staaten hat der Senator La Guardia eine Resolution vorgeschlagen, in der der Staatssekretär Kellog vom Kongreß aufgefordert wird, beider rumänischen Regierung energisch gegen: die• grausamen Verfolgungen, denen die friedliche jüdische Bevölkerung in Rumänien ausgesetzt ׳ist, zu protestieren, ln der Resolution wird die rumänische Regierung auch ermahnt, die Gleichberechtigung der Juden zu respekticren. Uebcr die Resolution ist noch nicht abgestimmt worden. Spaltung in dem Klub der zionistischen Kultus- Gemeindevorsteher. Die latente Krise, die schön seit geraumer Zeit ■im Klub der zionistischen Vorsteher der Wiener Kultusgcmcinde bemerkbar war, hat sich nun in eine offene gcwandelt. Die zwei prominentesten Führer dieses Klubs, Oberbaurat Robert Stricker und der gewesene Gcmeiuderat Leopold P1 a s c 11 k e s, haben ihre Mandate nicdcrgelcgt. Diese Demission wurde wohl vom Präsidium der Kultusgcmeinde noch nicht dem Plenum mitgcteilt, doch wird mit Sicherheit angenommen, daß sie nicht .mehr rückgängig gemacht wird. Man •beschäftigt sich schon sehr eifrig •mit der Person der Ersatzmänner, welche die Erbschaft antreten werden. In einem Schreiben an das Präsidium der Kultusgcmeinde geben ׳die Herren Stricker und Plaschkes als Grund!ihrer Demission den Umstand an, daß di;c Majorität ihres Klubs ihre Taktik, die sic nach Ablchnung des allgemeinen Wahlrechtes seitens der Majorität der Kultusgomeiiute ihren Kiubgcnossen empfohlen haben — sic •beabsichtigten eine intransigente oppositionelle Stcl- Hing einzunehmen — abgelchnt habe. Tatsächlich sind die Gegensätze unter den Wiener Zionisten, also auch im Klub der zionistischen Kultusmandatare tiefgreifender als man nach obigem Schreiben annehmen konnte. Die oppositionelle Stellung, die Oberbaurat Stricker gegen den Präsidenten der Zionistischen Organisation D1־. YVeiz mann und so auch gegen die Majorität der Wiener Zionisten eihnimmt, brachten ihn in eine unmögliche Stellung auch im Klub der zionistischen Kultusvorstehcr. Herr Dr. Plaschkcs wiederum, der weniger eine prinzipielle als eine demagogische Politik zu treiben pflegt, scheint die Konsequenz aus der allgemeinen Isolierung gezogen zu haben, der er nach Ver- Inst •seines Gemcinderatsinandates und nach Eingang seines Leibbldttcs, der ,.Wiener Morgenzcitnng“, allmählich anhelmfiel. Man ,würde aber fchlgehen, wollte man aunehmen, daß die Demission dieser •zwei Herren ihr endgültiges Ausscheiden.־aus dem jüdisch-öffentlichen Leben Wiens bedeuten Würde. Die Zurücklegung von Mandaten, die in einigen Monaten durch Ablauf der Periode des jetzigen Kultusvorstandes ohnehin erlöschen, bedeutet vielmehr die Vorbereitung auf den neuen Kampf, denn die beiden Herren frei von den Hemmungen, die ihre Klubgenossen ihnen auferlegen könnten, führen wollen. In diesem Kampf besitzt Herr Stricker seine ״Neue Welt“, Herr Dr. Plaschkes wiederum. sein altes flottes Mundwerk. Diese beiden Waffen sind stark geling, •um in Wiener jüdischen Kreisen, ׳besonders hi jenen, die kein gutes Gedächtnis haben, Erfolge zu erkämpfen. Die Sejm wählen in Polen. In knapp z wei Monaten •finden die Wahlen in die pölnisehen׳ gesetzgebenden Körperschaften statt. Am 4. März in den Sejm aiind am 11. in ׳den Senat. Da die Kandidatenlisten einige; Wochen vor dem Wahltcrmiu eingcreioht werden iipüssen, entfalten alle Parteien eine fieberhafte Tätigkeit, um ihre Kader ל: zu sichern. Es kann schon heute endgültig fe s t!g.e stellt werde 11, daß die Griitibaumsche Minoritätenblockpolitik einen geradezu vernichtenden Zusammenbruch erlitten bat. In Kongreßpolen ist es dem Agudaiülirer Kirschb' r au n ,gelungen, Griinbaums Bestrebungen zur Schaffung eines Miiioritätenblooks, insoweit cs auf die jüdische M׳inoritat an kömmt, endgültig zum Scheitern zu bringen. Mit Aus- AahVne der persönlichen Anhänger Grünbaums, ferner des Hita chdu th und des Misracbi, die aber zahlenmäßig kaum •in d׳te Wa&schate!fallen, hat 11 i e ma n d dem Sirenenruf Gröhbaums Gefolgschaft geleistet. Hingegen!gelang cs Herrn Kjrschbraun. für seinen jiidisohnationaten Block bisher nicht nur die A •g u d •i s t e n, sondern den K ■1 e i inii ä n d 1 e r v ,e r b a n ■d, der die große Masse der jüdischen Kleinhändler in sich schließt, ferner die Vol•leisten und die Ha nd w e r ke r unter seine Fahne zu bringen. Interessant ist die Stellungnahme des V e ׳r b a ■ndes d er K a ufl c ti t c, die beschlossen haben, unter keinen Umständen die M i nor i t ä t e nblo c k pol i t i k Griinbaums m i t zum a che«. Andererseits konnten sic sich trotz prinzipieller U e b e r c i n s t i mmuu g noch nicht entschließen, dem jiidischiiatioiiaten Block Kirschbrauns sich allzuschließen. So bilden sie einstweilen eine selbständige Wahlgruppc und inan nimmt an, daß . das geschlagene Meer Griinbaums noch letzten Endes m dicker selbständigen Gruppe seine Zuflucht nehmen wird, tim sich vor seinem vollkommenen Verschwinden zu retten. Die unverbesserlichen Optimisten nehmen sogar an, daß dieser unparteiische Verband der Kaufleute eine Plattf o r 1» für die Einigung aller j ii d i s c 11 e n!Gruppe» abgebe 11 werde. Noch größer ist die Niederlage Griinbaums •in Klein- ,polen (Galizien), wo sein Hauptgegner nicht der agudisti« sehe Kirschbraun, sondern sein alter Rivale, der Zionisternf!ihrer Dr. Leon Reich ist, der die berühmte U g 0 d a mit der Grabski-Regierung geschlossen hat. Zerschellten also die Pläne Griinbaums in Kongreßpolen an der A g :11 d a, so bereitete i:I1m in Galizien die U g o d a eine große Niederlage. Diese Niederlage ist besonders schmerzlieh, denn sie muß zur Felge haben, daß die Zionisten R c i c 11 s c 11 e r F ii r b u 11 g und die . Zionisten G r ü näaumscher R i c 111 u n g sich befehden werden müssen. Bei der jüngsten zionistischen Konferenz in Galizien konnte Herr Grünbaum sich nicht durchsetzen und blieb in einem Verhältnis von J5 zu 33 in der Minderheit. Selbst die Interv e 111 i o n d c!r zionistischen W e 11 e x e k « t i v e, um die Schande^ des zionistischen Bruderkampfes zu vermeiden, blieb erfolglos. Unter diesen Auspizien haben die Zionisten in Galizien gar keine Aussicht, eine nennenswerte Zahl von Mandaten zu bekommen. Die Majorität dcr.־׳ jüdischen Bevölkerung in Galizien steht unter dem mächtigen Eindruck der L c m b c r g c r R a b b :i!11 e r k o n f e r e n z, die in einer Resolution die Unterstützung der R e g i e r u n g s- Parteien c m p f o 111 e n h a t. Der!ungeheuren Zersplitterung in Galizien kann nur dann gesteuert werden, wenn es den Agudaführern gelingen wird, die große Konzeption Kirschbrauns, die Schaffung eines einheitlichen, auf ganz Polen sich erstreckenden rein jüdischeu, bürgerlichen Wahlblocks, der auch der Regierung das Angenehmste wäre, zu schafien. Optimisten glauben noch an diese glückliche Wenduug. Es ist fraglich, ob diese Hoffnung in Erfüllung gehen wird. Sicher ist einstweilen, daß das Unglück der G r ii11׳!b■aum■s ch cm M i n 0 r i t ä t e n׳b l ocks- Politik durch di •aß tai 11k r a׳f t!i׳gfc Eimigreilf e!n K i r s c h b r a u u s vom polnischen Juden 111 m abgcwendet wurde. 191 Nachrichten. 19) Generalversammlung des Bethausvereines ״Achdtis Jisroel“, II., Rembrandtstraße 32. Sonntag den 1. Tebeth (25. Dezember) fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Bethausvereines Achdiis Jisroel“, II., Rembrandtstraße 32-34, statt. Die Kultusgcmeinde war durch Kultusvorstehcr David Do- ■hau, Adas Jisroel (Schiffsclnil) durch Vorsteher Berthold Stroh vertreten. Nachdem der Vorsitzende David R 0bitschck die ordnungsgemäße Einberufung und die Besclilußfähigkoit der Generalversammlung konstatierte, widniete er den im verflossenen Jahre verstorbenen Mitgliedern des Vereins, Herrn Julius Freu der, der Jahrzehnte hin- •durch •im Vorstand des Vereins stand, und Herrn Chaim K a w e r, ferner dem langjährigen Funktionär des Vereins Hersch Stößel einen tiefempfundenen Nachruf. Auf die Tagesordnung übergehend, berichtet der Vorsitzende, daß das abgelaufenc Verc:ins!jahr im Zeichen des Friedens und clcr Ruhe stand. Die Verleumdungen und die durch nichts begründeten Anklagen gegen den Vereinsvorstand sowie die Drohungen, daß eine größere Anzahl Mitglieder aus dem Verein austreten werden, haben sich vor Gericht als nichtig erwiesen. Nach all dein können wir, schloß der Obmann seine diesbezüglichen Ausführungen, hoffen, daß unser Verein seine friedliche Arbeit ungestört wird fortsetzen können. Was die Finanzen des Vereins betrifft,. so konnte der Obmann berichten, daß infolge der traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Vorstand nur sehr schwer seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann. Die Subvention des Kultusvorstandes ist überaus gering, das• Erträgnis der Bethaussitze, obwohl alle Sitze vermietet wurden, kein befriedigendes. Den einzigen Lichtpunkt bilden täglichen Schiurim, die morgens und abends in un-, screr Synagoge unter Führung des Vercinsrabbiners Sr. Ehrwiirden Herrn Dr. P 011 a k stattfinden. Erst vor einigen Tagen haben wir den Sijum auf den Traktat Ghagiga (Dank des Entgegenkommens unseres Kassiers Herrn Schön), in seiner Privatwohiumg feiern können. Der Obmann teilte ferner mit, daß es im Jahre 1928 40 Jahre sein wird, daß der Verein gegründet wurde. Er forderte die Generalver- Sammlung auf, geeignete Vorschläge zu machen, um dieses Jubiläum würdig zu begehen. Nach dem beifällig aufgenominellen Bericht des Präsidenten erstattete Herr Schön den Kassabericlit, der nach Stellungnahme der Revisoren zur Kenntnis genommen wurde. Hicnach fanden die Wählen statt. In den Ausschuß wurden die Herren Bischitz. Gronnicli, Dr. Kawcr, Reichner. Schischa, Schönfeld, Wodak, gewählt, in den Vorstand Herr Religionslelircr Wilhelm Toc 11. Nachdem noch im Namen der Kultusgemeinde Herr Do 11 an, im Namen der Vereinsmitglieder Herr G.roin 11!ich gesprochen hatten, schloß die würdige Generalver Sammlung. Wien. Dienstag wurde Kallusvorsteher Direktor Sicgnmnd E p ler unter!großer Beteiligung zu Grabe getragen. Selber hat an den Arbeiten des Vorstandes regen Anteil •genommen!und war stets bemüht, Differenzen im Vorstände auszugleichen. Er war hiedurch bei seinen ■Kollegen sehr beliebt. — Mittwoch wurde Herr Emil Pomeranz, Ehrenpräsident der ׳Bcth Israel (polnischer Tempel) zur letzten Ruhe geleitet. Er hat durch Jahrzehnte in der Leitung seines Tempels sich große Verdienste erworben. — Donnerst a׳g, den 29. Dezember v. J., wurde Frl. Helene I-ele Bon di, Tochter des bekannten Frauenarztes Dr. Josef Bon dl, unter großer Teilnahme zu Grabe getragen. Frl. Bond i, eine za großen Hoffnungen berechtigende reine Menschenknospe, wurde durch eine tückische Krankheit jäh geknickt. Clianukaleier der Bajs-Jaakob-Schule im XX. Bezirk• Sonntag den 25. Dezember fand in der Toynbeehaile itn XX, Bezirk, Denisgasse 33, eine stimmungsvolle Chanukafeier statt. Die Feier wurde durch eine Rede des Vorstandsmitgliedes Jakob Bogner eingeleitet. Der selbstverfaßtc Prolog von Fräulein S. Ochs eröffnete die Festspiele, die die Schülerinnen der Bajs-Jaakob-Schule und der Mädchenschule der Talmud-Thora im II. Bezirk aufführten. Die Festrede hielt Rabbiner Moses B1 c c 11, In flammenden Worten forderte er alle Anwesenden auf, ihre Töchter zu wissenden und bewußten Jüdinnen in der Bajs-Jaakob- Schule zu erziehen. Das Schlußwort sprach Herr Jakob Halpern,_ Warnung! Herr Jakob Gut tm an 11, XX., Dammstraßc-21, 1/24. S 5, Max Glückselig, Wien S 5, Leon Glückselig, Wien warnt die jüdische Ocffentlichkeit und alle Wohlfahrt«- Institutionen auf diesem Wege vor dem Mißbrauch, der von ׳unverantwortlichen Personen zugunsten seiner kranken Tochter, die im Jubiläumsspital der Stadtgemeiude Wien lungenleidend liegt, getrieben wird.

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