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Jüdische Presse · 1928-01-06 · 1 (6.1.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
14 (1928)
Issue
1 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1 JÜDISCHE PRESSE Seite ä Die Einberufung der zweiten Kenessio Gedaulo für das Jahr 5688 beschlossen. Eine gute Zentralratstagung. — Der Frankfurter Jugendtag ein großes Erlebnis. Tagung des Zentralstes der Agudas Jisroel in Berlin. Am Dienstag, den 27. Dezember (3. Tcbel), nachmittags 4 Uhr, wurde in Berlin die Zcntralratssitzung der Agudas Jisroel in Anwesenheit von SO Delegierten aus Palästina, Deutschland, Belgien, Holland, Amerika, Schweiz, Tschechoslowakei, Polen und Oesterreich eröffnet. Oberrabbincr Lew!in betonte gleich zu Beginn der Tagung die Notwendigkeit einer ver* v c r s t ä r k t c 11 A r b c ■i t auf dem Gebiete der weiblichen Erziehung. Ebenso müssen die jiidisehen Handwerker und Arbeiter, die immer bei den Juden im größten sozialen Ansehen gestanden haben, zum religiösen Leben zurückgeführt werden. Rabbiner Dr. E. Munk ׳begrüßt die Tagung im Aufträge der Berliner Ortsgruppe und weist auf die Entwicklung des orthodoxen Lebens seit Esricl Hildesheimer hin. Dr. Pinchas Kolm erstattet den Geschäftsbericht. Der Agudah sei cs gelungen, die Stellung der Orthodoxic und insbesondere der selbständigen Orthodoxie. überall erheblich zu stärken. Kein ernsthafter Gegner kann mehr die Mitwirkung der orthodoxen Kreise in allen jüdischen Fragen ablelmeil. In der zweiten Sitzung berichtete Herr״ Jacob R 0 s c n 11c!i m ־ Frankfurt a. Ai. über die Tätigkeit der politischen Kommission und betonte, daß bei voller Wahrung der Selbständigkeit der Länder gewisse einheitliche Grundlagen in Einklang mit den ן religiösen Grundgesetzen der Agudah festgchaltcn werden müssen. Dies sei die Hauptaufgabe der neuen, aus Mitgliedern ן des Geschäftsführenden Ausschusses, der politischen Exe-! kutive •und des Zentralrates bestehenden Kommission• j Der zweite Vcrhandlungstag wurde mit einer Rede des Oberrabbiners H i r s c 11 ־ Z w 011 c eröffnet, der die Schaffung eines Agudah - Z c 111 r a 1 o r g a « s und die Einriebtuhg einer internationalen S a b b a t h - F ii r s 0 r g e durch'die Agudas Jisroel forderte. j 1 Wenn bei der ersten Kenessio Gedaulo die Instituj tioaen des Keren Hatauro und des Keren Hajischuw ■ geschaffen wurden, so müsse nunmehr ein Fonds für; ׳ Schutz der Sabbath-Beobachtung begründet werden. Zumindest soll eine Organisation geschaffen werden, der speziell die Unterstützung der Sabbath-Bcobachtung obliegen soll. Oberrabbincr Hirsch berichtete über die Funktion des Rabbinischcrt Rates und forderte dessen Zentralisation. Dr. Isaak Breuer wies in längerer Rcxic auf ןוווווווווווווווו1וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווון | DIE I | SCHÖNSTEN | IperockenI =s ■ ■»ISHHHBBWaaHBaBHSHRliBHEn I AUS BESTEM HAAR ZU I 1 BÜRGERLICHEN PREISEN I )llllllllllllllllllllllllimimilllllllllllllllllilllllllllllllllll fS Von der Schwelle des Lebens bis zur Stunde des Todes. Eine Erzählung aus dein Midrasch in freier ,Bearbeitung. Von Dr, Josef Löwy. So unendlich und unergründlich die weite Welt der rabbinischen Literatur erscheint, solch unermeßliche und ■unerforschte Schätze!finden sich in ihr vor. Es ist ein herrh'cher Boden, wo dieser kostbare Schatz von glitzernden Edelsteinen, reinen Perlen und hellklaren Kristallen fast greifbar!liegt. Ein ewig blauer, immer ,heiterer Himmel bedeckt dieses Paradies, in welchem silberhelle Quellen das immergrüne Land •in den leuchtendsten Farben durch- 'ziehen und die prächtigsten Bäume mit den köstlichsten Früchten zum Genüsse cinladeu. Frohe, sorglose Menschen wohnen in diesem Gefilde der GKioMichen und erzählen die auserlesensten Erzählungen und tiefsinnigsten Gleichpisse. Dieses Zauberland mit seiner ganzen Pracht — es ist der.Midrasch, und der Weg dahin führt über die ■Bücher der heiligen Schrift. Wir sind inmitten dieses Wunderlandes angekommen, wenn wir die Erklärung zu dein bekannten Vers aus dem Buche Hiob1): ״Der große Dinge tut ohne Ergründung, Wunder ohne Zahl“ lesen. Zu diesem Satz bemerkt Rabbi Jochanan, daß alle Seelen von der Erschaffung der Welt bis zu ihrem Ende in den sechs Schöpfuugstagen erschaffen wurden. Sic alle sind im Garten Eden und alle waren sie bei der Offenbarung der Thora anwesend, denn es steht geschrieben2): ״Und nicht mit euch allein schließe ich diesen Bund und diesen Eid, sondern mit dem, weicher stehet hier, mit uns heute vor dem Ewigen, unserem Gott, und dem, der nicht mit uns ist heute.“ Was nun die großen Dinge ohne Ergründung betrifft, so sind dies die großen Dinge, welche der Heilige, gelobt sei er, tut, wenn ein Kind im Begriffe ist, sein Leben zu bekommen. In dieser Stunde gibt der Heilige, gelobt sei er, dem Engel, der über die Empfängnis zu wachen hat, ein Zeichen, indem er zu jlnn sagt: ״Wisse, daß in dieser Nacht ein Embryo ins Leben gerufen werden soll, über den du zu wachen lind den du liebevoll in deine Hand zu nehmen hast.“ Der Engel .gehorcht, nimmt den Embryo ln seine Hand und bringt ihn vor ihn, der gesprochen hat, und die Welt wurde erschaffen, indem er sagt: ״Ich habe alles getan, was du mir!befohlen hast; was ist dein Wille bezüglich dieses Embryos?“ Hierauf bestimmt der Heilige, geloht sei er, was aus dem Embryo werden soll — ob er männlichen oder weiblichen Geschlechtes sein soll, schwach oder stark, arm oder reich, klein oder groß, häßlich oder schön, stattlich oder schtnächtig, zurückhaltend oder ungestüm; aber er bestimmt nicht, ob er ein rechtschaffener oder sündiger Mensch sein soll, denn das zu bestimmen, ist jedem Menschen selbst überlassen geblieben, wie es geschrieben steht:“) ״Siehe, icli D Hiob, 5, 9. 5 (׳־. B. M. 29, 13, 14. a) 5. B. M. 30. 15. habe’gelegt vor dir.an diesem־Tage das Lebe״ und das Gute, den Tod und das Böse.“ Der Heiliige, gelobt sei er, gibt nun dem Engel, der über alle Seelen gesetzt ist, ein Zeichen, indem er zu ihm spricht; ״Bring' ׳mir solch und solch eine Seele aus dem Garten Eden, ihr Name ist so und. so und so beiläufig •ist ihr Aussehen“. (Denn alle Seelen, welche bestimmt. waren, in die Welt zu ׳׳kommen, wurden an ■den Schöpfungstagen,'am Beginn der Welt, erschaffen.) Sofort geht der Engel ,und bringt die besagte Seele vor den Heiligen, gelobt sei er, und die Seele macht eine tiefo Verbeugung vor dem König der Könige, dein Heiligen und Gepriesenen. Auf der Stelle 'befiehlt der Heilige, gelebt sei ei:, der'Seele, in den Embryo cinzutreten in der Hand des ' ersten Engels, worauf die Seele ׳ihren Mund öffnet und spricht: ״Herr des Weltalls,!ich bin zufrieden, in der Welt zu!!?leiben, in welcher ich gewohnt habe, von dein Tage an, an welchem du mich geschaffen hast. Wat 11m wünschest du, daß ich in diesen Embryo, diesen unreinen Embryo, ci’ntretc, ich, der ich sehe, daß ich heilig und rein und ein Teil deines eigenen Ruhmes bin?“ Aber der Heilige, gelobt sei er, antwortet: ״Die Welt, in welche ich dich zu führen im. Begriffe bin, die wirst du weit schöner finden, als diejenige, in welcher du bisher geweilt hast; wahrlich, an dem Tage, an welchem ich dich erschaffen habe, da warst du für diesen besonderen Embryo bestimmt.“ Mit diesen Worten gibt der Heilige, .gelobt sei er, die Seele ■in den Embryo, welche diesen äußerst unwillig betritt. Der Engel ■überträgt sodann die Seele in den Mutterschoß und bestellt gleichzeitig zwei Wächter, welche über sie zu'wachen haben, und sorgt auch, daß ein Lieht beständig ihr zum Haupte brenne, so wie cs geschrieben steht4): 0״, daß iah wäre wie in den vergan- Serien Monaten, wie in den Tagen, als Gott in׳•i c h bc hütete, als s e i n Licht schien ü b e r m־e in ein ■’Haupte, da konnte ich durch sein L i c h t d u r c 11 die Finsternis gebe n. Mit der Hilfe dieses Lichtes kann die Seele den ganzen Lauf der Zeit vom Beginn der Welt bis zu ihrem Ende übersehen/') Hierauf nimmt der Engel die Seele zum Garten Eden, wo man sehen kann, wie die Frommen in ihrem Glanz sitzen, mit ׳ihrer! Kronen auf ihren Hätiptern. Der Engel fragt die Seele: ״Weißt du, wer diese sind?“ Die Seele antwortet: ״Nein, mein Herr“, worauf ■der Engel erklärt: ״Diese da, welch(! du siehst, wurden gleich dir Im Mutterleib gebildet, und als sie an das ,Tageslicht kamen, beobachteten sie die Thora und die Gebote, weshalb sie für würdig befunden Wurden,“ sich dieser Seligkeit •zu erfreuen, welche du siehst. Du mögest wissen, daß cs deine Bestimmung ist, eines Tages die Welt zu verlassen, ׳und wenn du auch würdig bist und die Thora des Heiligen, gelobt sei er, beobachtest, daun kannst du ebenfalls wert befunden werden, ein solches Glück zu genießen und mit diesen zusaimnenzuwohnen. Wenn aber nicht, sei gewiß, daß cs dein Los sein wird, zu ״) Hiob 29, 2, 3. 6) Niddah 30 b. die gegenwärtige Krise in der Organisation hin, deren Ursache er!in dem M a ng c 1 an c i n 11 c i 11ic 11׳ c r Leitung sicht. Herr Jacob Ros cn 11 ei in betonte in eindringlichen Ausführungen, daß die Differenzen in der Leüuug verschwindend gering seien und ,sich auf prinzipielle Fragen keineswegs erstreckten. Die Lage in der Organisation sei ausschließlich auf die schwere Wirtschaftskrise in der gesamten Judenheit, insbesondere in der Judenheit Polens, zurückzufiihreü. J. M. L e w i 11 - Warschau erklärte namens der polnischen Orthodoxie, daß diese weiterhin hinter der Leitung der Agudas Jisroel stände. Er forderte die Einberufung der zweiten Kenessio Gedaulo (Weltkongreß der Agudah) nach Warschau, beziehungsweise nach einem anderen polnischen Zentrum. Herr Leo W r c c 1111 c r - Frankfurt a. M. wies in aiisführ- Hclicr Rede auf die psychologischen Ursachen der gegenwärtigen Stabilisation in der Organisation. In der Schlußfassung wurden Beschlüsse bezüglich 0 r ga •n i s a t i o n •der 0 1 i 111 -Beweg u 11 g, der Sab b a 111 ■b c o ba c 111 u n g, des S c 11 ä c 111 s c hu i z c s, der Kenessio Gedaulo, sowie der 0 r g a .11 i s a •t i 0 n der orthodoxen 'Ar- •b e i t e r s c 11 a f t ,in den verschiedenen Ländern u. a. m. gefaßt. Mit einem eindrucksvollen Schlußwort des;. Vorsitzenden Rabbiner Dr. Esra-Munk wurde die Tagung beendet. 1111 Rahmen der 'Tagung׳ fand in den ״Hack’sclien Festsäien“ chic Massenkundgebung der Berliner Agudisten I statt. Der große Saal war gedrängt voll. Mehrere Führer 1 der Weltorganisation Agudas Jisroel, wie Präsident Doktor j Pinchas K 011 ti, Dr. Meir II i!1 d c s 11 c i!in c r, Jacob J Rosen 11cim und hervorragende Rabbiner aus Polen | und Litauen sprachen zu der! Massen über das Werk ■der | Agudah. -־ '; Der Dienstag abend vereinigte die Delegierten •bei j einem von dem-Vorsitzenden der Rcpräsentantenvcrsammi hing der Adaß Jisroel, Dr. E. Biberfeld, veranstalteten j Abendessen, bei dem die Gäste durch Ansprache *der i Herren Oberrabbiner L c win und K a 1 m a n 0 wi ts chj Rakow erfreut wurden. einem anderen Ort zu gehen.“ Am Abend führt der •Engel die Seele ins Gehinom und zeigt ihr'׳die Bösen, wie sic von Engeln der Zerstörung unbarmherzig ■mit gl übenden Feuerstaben geschlagen werden ■und in Webklagen ausbrcchen. Und wieder spricht der Engel zu der Seele und fragt: ״Weißt du, wer diese sind?“ und die Seele antwortet: ״Nein, mein Herr!“ worauf der Engel erklärt: ״Gleich dir wurden auch diese ■einst־ erschaffen und kamen an das Licht di’Y Welt, aber sie beboaclitcten nicht die Gesetze der Thora lind des Heiligen, gelebt sei er; ׳deshalb ist cs die Schande dieser •Bösen, welche du jetzi siehst. Wisse, daß es dir ׳bestimmt ist, die Welt zu verlassen, und deshalb sei gut und nicht böse, so daß es dein Los sein mag, in jener kommenden Welt, zu!leben.“ So führt der Engel die Seele vom ■Morgen bis zum Abend umher und zeigt ׳ihr, wo es ihr zu sterben bestimmt ׳ist, und :ihre Grabstätte, aber am Abend gibt er sie wieder in den Mutterleib zurück, wo sie neun Monate hindurch verbleibt. Wenn für das Kind die Zeit kommt, geboren zu werden, erscheint derselbe: Engel und sagt: ״Jetzt ist deine Stunde gekommen, in die Welt zu treten.“ Die Seele antwortet: ״Weshalb wünschest, du mich ans Tageslicht zu bringen?“ Der Engel entgegnet darauf: ״Mehl Sohn, wisse, daß du gegen deinen Wi 11 en gesc 11 aiien wurdest, gegen deine 11 Wille 11 bist d u gehöre n, g egen d e i n e n W M 1׳ e 11 wirs ■t d 11 sterben 11 n d gegen de i 11 e n W i I '1 e 11 wirst du in Zukunft Rechenschaft geben müssen vor dem König der Könige, de in He iligen, gelobt sei er/) Aber die Seele wünscht dennoch nicht geboren zu werden und der Engel muß ihr notgedrungen einen Schlag versetzen, das Licht, welches ihr zu Häupten brennt, auslöschen und sie gegen ihren Willen in die Welt zwingen. Sofort vergißt das Kind alles, was es gesellen und erfahren hat. Und warum schreit das Kind, wenn cs auf die Welt kommt? Weil es einen Ort der Ruhe und Gemächlichkeit verloren hat, und wegen , der Welt, die es hinter sich gelassen hat. Von mm ati geht der Mensch durch sieben Eutwicklungsperiodeii. ln der ersten, welche die ersten zwölf Monate seines Lebens dauert, ist der Mensch wie ein König, jeder erkundigt sich nach seinem Wohlbefinden, jedermann sehnt sich, ihn zu sehen, ihn zu liebkosen und zu küssen, im zweiten Lebensabschnitt, der bis zum Alter von zwei Jahren dauert, •ist er wie ein kleines Ferkel, denn cs macht ilnn Vergnügen, mit seinen Händen in allerlei Art von Schmutz und Unnat herunizuwühlen. ln der dritten Epoche ist er wie ein junges Zicklein, tanzt her und hin vor seinen Eltern und alle ergötzen sich besonders an ihm. Mit achtzehn betritt er die ׳vierte Periode und der junge Mann rühmt sich seiner Stärke wie ein Pferd. In der fünften Epoche, wenn er das Alter von vierzig erreicht, ist er wie ein Lasttier, denn er trägt seine Verantwortung; er hat Weib und Kind zu versorgen und muß dahin •und dorthin laufen, uni sein Brot zu verdienen. In der sechste« Epoche nimmt •all das zu; er arbeitet «och härter und schämt sich , •) Sprüche der Väter, 01133307800432

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