Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 41 (11.11.1927)
- Date
- 1927-11-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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JÜDISCHE PRESSE Nr. 41 Seite 256 LebensversicbernngS'fiesellsGliaft ״Phönix“ Zentraldirektion: Wien, 1. Riemergasse 2 Gegründet 1882 Gegründet 1882 Volleingezahltes Aktienkapital 4,000.000 Schilling Vemdieningsbtttand per Ende Juni 1921 Ober 1300 Millionen Schilling Prämien• und Zinseneinnahme im Jahre 1926 rund 54 Millionen Schilling Vertragsanstalt zahlreicher gewerblicher Organisationen und Berufsgruppen im In- und Auslande, empfiehlt sich zum Abschlüsse von Lebens-, Renten-, Aussteuer-, Unfall-, Haftpficht-, Autoversicherungen Filialen in allen Bezirken Wiens, in allen Landeshauptstädten und größeren Ortschaften Oesterreichs Tätigkeitsgebiet außcrha.b Oesterreichs: Deutschland, t-rankreich, Belgien, Holland. Spanien, in der cechoslow. Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgaren, Griechenland, l'ürkei, Ae ypten und Palästina die während der zehn Jahre ihrer Existenz verschiedenen Inhalt erhielt. Sic bildet förmlich das Gefäß, dessen Inhalt erst durch die praktische, positive jüdische Arbeit realen;Inhalt erhält. Diese Elastizität, 1diese Wandlungsfähigkeit, ist sehr bedeutsam für das orthodoxe Judentum. D d e Rechte des t h o r a t r e 11׳ e 11 Judentums in E r e z .Jisrocl werden ebenfalls, das kann man auf Grund der z c h n j ä h r 1 g e 11׳ Erfahrung ruhig b e h a u p t e 11, 11 i c 111 d 11׳r c 11 Deklarationen geni ehrt u 11 d n i c 111 durch ■irgend welche Forni u 1 i e r u n׳g c n gemindert werden. Die positive aufbauende Arbeit, die Anstrengung und die Leistung der thoratreuen Führer und Arbeiter wird dem jüdischen Leben in Palästina d e!1 Inhalt geben, den1 jeder orthodoxe Jade erwünscht. Die thoratreue Judenheit hat wohl nie aufgehört, für Ercz Jisrocl und •in Erez Jisrocl zu arbeiten. Die Balfour-Deklaration hat bloß den Ansporn erhöht und die Möglichkeit erweitert, jüdische!Kräfte, jüdisches Kapital, jüdische Arbeiter im Lande der Väter zu konzentrieren. .Je;größer der Anteil des thoratreuen Judentums an diesen .Werten sein wird, desto größer wird die Freude auch des orthodoxen Juden an der 'Balfour-Deklaration sein. Noch zehn Jahre aufbauende Arbeit der Orthodoxie im heiligen Lande und die Balfour-Deklaration wird in Massenver- Sammlungen der Orthodoxie gefeiert werden können. II. Die Ausrufung der Räterepublik im alten Zarenreich wurde nicht nur von der sozialistischen Welt, sondern auch von vielen Juden als der Anbruch einer neuen, einer besseren Aera enthusiastisch begrüßt. Die grausamen Ausnahmsgesetze gegen die Juden, die Pogrome einer verrollten und verrotteten Verwaltung haben wohl ein Ende genommen. Die thoratreuc Judenheit aber leidet in Sowjetrußland• furchtbar ob der fanatischen Verfolgung all dessen, was religiöses Judentum ist. > Die Ausübung der jüdischen Religion, das Lernen der Thora wird der jungen Generation fast unmöglich gemacht. Zehn Jahre ist es her, daß die jüdischen Kinder in Sowjetrußland dem Geist des Elternhauses, der Tradition des Judentums mit allen Lockungen, oft mit allen Gewaltmittein der herrschenden Macht entfremdet werden. D r c i ׳Millionen J u d e n 1 e ׳b e n i n dieser a n t i r e I ■i g lösen A t m 0 s p h ä re. Jünglinge und J u n g f r a u e n s i n d ׳in den letzten zehn Jahren groß geworden, genährt vom fanatischen Geist der Gehässigkeit gegen das t e u erste Gut des jüdischen Volkes, gegen d'i e Thora. Vieles hat sich in den zehn Jahren auch ■in Rußland gewandelt. Unverriickt blieb bloß die antireligiöse Kultur- Politik der Sowjets. Der unsagbare Schmerz ob dieses ungeheuren Verlustes an religiösen Werten wird noch dadurch vergrößert, daß er hauptsächlich von Juden selbst, und zwar von den jüdischen Kommunisten verursacht wurde. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Wirtschaftspolitik der Sowjets sowohl den jüdischen Reichtum als auch den jüdischen Mittelstand vollkommen veruichtet hat. Erst in den letzten Jahren begann eine vielverheißende jüdische K 0 1 0 n i s a t i 0 n s a r b e i t, die, von der Sowjctrcgienung und von den großen amerikanischen jüdischen iHilfsorganisationen gemeinsam gefördert, gute Fortschritte macht. Viele tausende jüdische Familien fanden hiedurch Arbeits- und Lebensmöglichkeib Die gesamte Judenheit schaut auf diese jüdischen Kolonien als auf den einzigen Lichtpunkt im großen russischen Trauermeer. Die thoratreue Judenheit kann aber auch auf diesen Lichtpunkt nicht ohne Wehmut und Trauer blicken. Vollzieht sich doch diese Aufbaua r b e i t in einem Geiste, der d e r j ii d i s c h e r! R e 1 i g i 0 n u n d T r a d i t i o 11 g e g e n ti b e r im besten Falle neutral ist. Alle Versuche des thoratveuen Judentums, in diese neuen Fundamente jüdischer Aufbautätigkeit die religiösen Bestandteile jüdischen Gemeinschaftslebens einzuverleiben, blieben bis zum heutigen Tage fruchtlos. Es wäre aber ein verhängnisvoller Fehler, diese Versuche als aussichtslos auf- ’ u g e b e n. Die O r t h o d 0 x i e stand schon oft verzweifelt der palästinensischen Situation gegenüber und oft wurde der Rat erteilt, jede Anstrengung, jede Tätigkeit angesichts der Aussichtslosigkeit!jedes Versuches fallen zu lassen. Die Geschichte der letzten zehn Jahre in Palästina hat jedoch jenen ׳Recht gegeben, die für die Arbeit waren. Die ersten zehn Jahre der russischen Revolution haben keinen Erfolg für die thoratreue Judenheit gebracht, vielleicht aber waren die Anstrengungen nicht genügend groß, nicht genügend ernst, um das gewaltige Problem der thoratreuen Judenheit in Rußland einer gedeihlichen Lösung entgegenzuführen. Trotzdem d ii r fe n wir selbst nach zehn Jahren aussichtsloser A r b e 11 d i e große Masse der thoratreuen Judenheit in!Rußland nicht fallen 1 a s scn. Sie sind :u nscr e Brüder, deren Schmerz jedes j ii d i s c h e- H e r z e rn p f i n d c u muß, sic sind unsere B r ii d c r, d dien wir helfen müsse ti. Hoffen wir, daß m ( Sorgfältigste Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack SO kg angefangen ׳ franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons K JULIUS HABER Kohlen- und Koksgroßhandlung Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372-376 Wien, II., TaborstraBe 9 | Fernsprecher Nr. 41-0-22 die nächsten zehn Jahre auch in S 0 w j c t r 11 ß- 1 a n d eine für die 111 o ra t r e 11 e J 11 d e n h e i t e rf r e u 1 i c h c Entwicklung bringen werde ״. P. I ■RI Vervvaltungsgerichtshofsentschöiciung über eine Beschwerde betreffend die Kultussteuen Ueber die eingebrachtc Beschwerde eines Steuerträgers gegen die abweisliche Erledigung einer Reklamation (II. Rechtsmittel) durch den Vorstand der israelitischen Kuitusgemeinde hat der Verwaltungsgerichtshof eine Ent- Scheidung gefällt, die nicht verfehlen wird, in weiten Kreisen Beachtung zu finden. Mit dem Erkenntnis vom 9. Juli 1927, ZI. A 513-1/27 wurde die Beschwerde gern. Art. 129, Abs. 1 des Bundesverfassungsgesetzes und der §§ 2 und 21 des Gesetzes vom 22. Oktober 1875, R. G. BI. Nr. 36 ex 1876 ohne weiteres Verfahren zurückgewiesen. Diese Entscheidung erfolgte aus der Erwägung, daß der angefochtene Beschluß des Vorstandes der israelitisehen Kultusgemeinde in Wien sich nicht als ein Vorgehen des Vorstandes der israelitischen Kuitusgemeinde in inneren Angelegenheiten der letzteren .'§§ 9 und 18, Abs. 2 des Gesetzes vom 21. März 1890, R. G. Bl. Nr. 57, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgcsellschaft darstellt. Beerdigung Konfessionsloser. Zufolge wiederholt an das Friedhofamt der israelitischen Kultusgemeinde gestellter Anfragen sieht sich der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde veranlaßt, bekanntzugeben, daß die Beerdigung Verstorbener, welche zur Zeit des Ablebens konfessionslos waren, auch wenn diese Personen früher dem Judentum angehörten, auf dem konfessionellen jüdischen Friedhof nicht bewilligt werden kann, weil eine *solche Bewilligung im Widerspruch stünde mit den Bestimmungen des Kultusgemeindestatuts, nach welchem die israelitische Kuitusgemeinde für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder und ins-• besondere auch für die dem Ritus entsprechende Beerdigung zu sorgen hat. Rauchverbot auf den Friedhöfen. Es wird in Erinnerung gebracht, daß aus Gründen der Pietät das Rauchen innerhalb des Gebietes der Friedhöfe, sohin auch in den Zeremoniengebäuden, verboten ist. Bibliothek der israelitischen Kuitusgemeinde. Die Bibliothek wurde im Monat Oktober von 514 Lesern besucht, die 1171 Werke, beziehungsweise 1544 Bände benützten. Entlehnt wurden an 127 Personen 204 Werke in 294 Bänden, zurückgestellt 155 Werke, bezie- . hitngsweise 268 Bände. Im Berichtsmonat hat die Bibliothek 110 Werke neu erworben. Bitte um Kleiderspenden. Die ״Jüdische Jugendfürsorge in Wien“, I., Seitenstettengasse 2, unter deren Obhut nahezu 3000 Kinder, vom Säuglingsalter bis zum IS. Lebensjahr verteilt, stehen, bittet angesicht der herrschenden großen Notlage um die Zuwendung von Spenden an Kleidungsstücken und Schuhen. Jugendgottesdieuste im I. Semester des Schuljahres 1927-28. Der Jugendgottesdienst für Volks-, Bürger-, Haupt- und Mittelschüler (-Schülerinnen) findet im 1. Halbjahr des Schuljahres 1927/28 am 19. und 26. November, 3., 10. und 17. Dezember 1927, 728 ,.21 ,.14 ״. Jänner und 4. Februar 1928, jedesmal um 3 Uhr nachmittags in folgenden Synagogen statt: I., Seitenstettengasse 4, II., Tempelgasse 3, V., Siebeubriinnengasse 1 a, VI., Schmalzhofgasse 3, VIII., Ncudeggergasse 12, IX., Miillnergasse 21, X., Humboldtgasse 27, XV., Turnergasse 22, XVL, Hubergasse 8, XVIII., Schopenhauerstraße 39, XIX., Dollinergasse 3, XX., Kluckygasse 11 und XXL, Holzmeistergasse 12. Hebräische Sprach- und Bibelschulen im Wirkungsbereich der israelitischen Kuitusgemeinde Wien. Der Vorstand der ׳israelitischen Kultusgemeinde lenkt die Aufmerksamkeit der Gemeindemitglieder auf die im Wirkungsgebiet dieser Gemeinde bestehenden hebräischen Sprach- und Bibelschulen, welche, teils von der Kultusgemeinde erhalten, zum Großteil von dieser subventioniert, Gelegenheit schaffen, Kenntnisse im jüdischen Schrifttum über das im Lehrplan der Schulen vorgesehene Maß hinaus den Schülern zu vermitteln. 1. Bibelschule des Vereins Machsike Hadath, L, Lazzenliof 6. 2. Bibelschule der Kultusgcmciudc, II., Rembrandt- Straße 32. 3. Bibelschule des ״!Bundes jüdischer Eltern“, II., Tempclgassc 3. 4. Hebräische Schule der Zionistischen Sektion, II., Jung- Straße 8. 5. Bibelschule des Prater Talmud-Thora-Vercins, II., Wolmutstraße 21. 6. Bibelschule des Tempel Vereines ״Beth Israel“, II., Leopoldsgasse 29. 7. Hebräische Schule des Jugendvereins ״Erez Israel“, II., Zirkusgasse 33. 8. Hebräische Schule •der Zionistischen Bezirkssektion, II., Zirkusgasse 33. 9. Bibelschule des Vereins ״Or Thora“, II., Czerninplatz 4. 10. Talmudschulc ״Har Hamoria“, II., Schiffamtsgasse 20. 11. Hebräische Schule des Vereins ״Misrachi“, IL, Prater- Straße 43. 12. Bibelschule des Tempelvereines ״Aeschel Awrohom“, II., Pazmanitengasse 6. 13. Hebräische Schule der Selbstliilfeorganisation jüdischer Arbeiter, IL, Blumauergasse 1. 14. Hebräische Schule des jüdischen Zentrums, IL, Untere Augartenstraße 35. 15. Bibelschule des Vereins ״Jesot Hathora“, IL, Nestroygasse 11. 16. Bibelschule des Vereins ״Jesot Hathora“, IL, Malzgasse 16. 17. Bibelschule des Tempelvereins, III., Erdbergerstraße 15. IS. Talmud-Thora-Schule des Vereins ״Machsike Thora“, V., Siebenbrunnengasse 1 a. 19. Bibelschule des Tempelvereins ״Wieden-Margareten“, V., Siebenibrunuengasse 1 a. 20. Bibelschule des Tempelvereins, VI., Stumpergasse 42. 21. Bibelschule des Tempelvereins ״Al-mus“, VIII., Neu- ׳deggergasse 12. 22. Hebräische Schule der Zionistischen Sektion, VIII., Bennoplatz 1 a. 23. Bibelschule ״Thora Chaim“, IX., Pfluggasse 5. 24. Bibelschule des Tempelvereins ׳״Favoriten“, X., Humboldtgasse 27. 25. Talmud-Thora-Schule des Bethausvereins ״Emunas Awes“, X1IV., Storchengasse 21. 26. Bibelschule, XV״ Turnergasse 22. 27. Bibelschule des Bethausvereins ״Scheweth Achim“, XVI., Neulerchenfelderstraße 6. 28. Talmud-Thora-Schule, XVIII., Schopenhauerstraße 39. 29. Bibelschule des Tempel Vereins Döbling, XIX., Dollinergasse 3. 30. Bibelschule der Kuitusgemeinde, XX., Othmargassc 46. 31. Hebräische Schule, XX., Othmargasse 46. 32. Bibelschule des Vereins ״Tomche Thora“, XX., Bäuerlegasse 36. 33. Hebräische Schule der Zionistischen Sektion Zwischenbrücken, XX., Leystraße 81. 34. Talmud-Thora-Schule, XXL, Holzmeistcrgasse 12. Lleferungsvergebuug. Seitens der israelitischen Kuitusgemeinde gelangt die Ausführung von G r a b s t e i 11 f u n d a tn e n ■t e ׳n auf dem neuen israelitischen Friedhof für das Kalenderjahr 1928 zur Vergebung. Jene Firmen, welche zur Offertstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens 20. November 1927 dem Technischen Amt der israelitisehen Kuitusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, bei weiehern auch während der gewöhnlichen Amtest linden (Samstage ausgenommen) alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekanntzugeben. Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen zwecks Heranziehung zur Offertstellung behält der Vorstand der israelitischen . Kuitusgemeinde ausdrücklich seinem alleinigen Ermessen vor. Kundmachung des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Es wird ■liiemit zur Kenntnis gebracht, daß die Fleischbank des Herrn Johann Strobl, XIV., Storchengasse 10, nicht unter der rituellen Aufsicht des Rabbiners steht, auch niemals unter derselben gestanden ist, daß daher für das Kaschruth dieser Fleischbank vom Rabbinat der Kuitusgemeinde Wien keinerlei Verantwortung übernommen werden kann. 00636415 7034