Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 32 (12.8.1927)
- Date
- 1927-08-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE PRESSE Seite 203 Nr. 32 Tierquälerei als Vergehen in ׳den neuen Strafgesetzentwurf ausgenommen worden.!Nach dem neuen Strafgesetzentwurf wird, ״wer ein Tier absichtlich quält oder roh mißhandelt“, wegen Vergehens mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldbuße bestraft. (Man war tiuti!jiidischerseits bestrebt (der diesbezügliehe Schritt der Wiener ׳Agudaführer dürfte noch in allgemeiner Erinnerung sein), keine, Unklarheit darüber aufkommen zu •lassen, daß diese verschärften Maßnahmen nicht auf das Schächten bezogen werden können. Diesem Wunsche wurde in dankenswerter Weise •Rechnung getragen. Der Motivenbericht erläutert den Begriff der Tierquälerei folgendermaßen: ״Absichtlich quält ein Tier, wer ihm länger dauernde oder sich wiederholende erhebliche . Schmerzen oder Leiden verursacht und gerade um dieses Erfolges willen handelt. Roh ist eine Mißhandlung, die in besonderem Maße das Gefühl vermissen läßt, das der Mensch für die Schmerzempfindung des Tieres haben soll und die nicht durch einen biiligenswerten Zweck geboten ist. Der Tatbestand der Tierquälerei ist also •nicht gegeben bei einer Behandlung des Tieres, die nur aus Wissenschaftliehen oder religiösen Beweggründen geschieht.“ •Danach sind also die Vivisektion und das Schächten auch w e i t e r h i n g e s t a 11 e t. VOM TAGE Die Aguda und die Züricher Rechtsschutzkonferenz. ״Der •Israelit“ erfährt, daß auch an das Präsidium der Weltorganisation Agudas Jisroel eine Einladung ergangen ist, sich an der am 17. August in Zürich beginnenden Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte zu beteiligen, und daß darüber in den letzten Wochen innerhalb der Aguda-Leitung mehrfach Erörterungen stattgefunden haben. Der ״Israelit“ glaubt, ״daß die ungeheure Mehrheit der leitenden Persönlichkeiten der Aguda gegen die Beschickung der Konferenz ist und daß die Organisation auch nicht zögern wird, die Gründe ihrer Ablehnung öffentlich bekanntzugeben“. •Man müßte mit Blindheit geschlagen sein,“ schreibt das Blatt weiter, ״wollte man verkennen, daß nicht nur prinzipielle Erwägungen die Orthodoxie verhindern müssen, sich mit dem 1Zionismus in einer so hochaktuellen politischen Frage in ein Bündnis unter ausgesprochen nationaljüdischer Flagge hineinzubegeben, sondern daß auch praktische Erwägungen ein Zusammenwirken in diesem Falle ganz unmöglich machen . . . Wie die Dinge liegen, werden die Machthaber in den meisten östliehen Staaten für eine Berücksichtigung rein religiöser Forderungen, bei deren Vertretung jede Berufung auf Gleichberechtigung oder gar auf nationale Rechte vermieden wird, viel zugänglicher sein als gegenüber einer Verquickung dieser Gewissensforderungen mit der die Leidenschaften aufreizenden Politik der nationalen Interessenvertretung.“ Die Richtigkeit dieser •Stellungnahme findet eine neuerliche Bestätigung in der Entscheidung der amerikanischen Regierung, in der Angelegenheit der Juden- Verfolgungen in Rumänien n i c h t zu intervenieren. Diese Absage, die wohl die gesamte Judenheit betrifft und vor alelm die •Lage der rumänischen Juden erschwert, ist offi- .zieh vom Washingtoner Staatsdepartement an die Adresse des ״Amerikanisch-jüdischen •Kongresses“, an die Hauptstütze der geplanten Züricher Rechtschutzkonferenz, ge- ' richtet. Dieser!Mißerfolg ist kaum geeignet, für das politische System des ״Amerikanisch-jüdischen Kongresses“ zu - werben. Noch deutlicher sprach der litauische Staatspräsident Smetona. Kanonikus Tumas, der den litauischen Staatspräsidenten Smetona auf seiner Reise durch das Land begleitet hat, veröffentlicht in der litauischen Presse eine Schilderung des Empfanges des Präsidenten durch die jüdische Bevölkerung. Der Präsident habe den jüdischen Abordnungen ungefähr gesagt! Auch wir wollen, den Juden Freiheiten nicht vorenthalten, wir fordern aber von ihnen, daß sie die Bediirjnisse des Staates im Auge behalten und nicht einen Staat im Staate bilden. Die Juden werden gut daran tun, sich auf den litauischen Staat zu stützen, anstatt auf irgendwelche Papiere und statt uns daran zu erinnern, daß jüdische Rechte in P a 1 äs t i n a garantiert worden s'i n d. Zum Schutze der Esrogim-Konsumenten. Z u s c h r •i f t a n die R e d a •k t i 0 n. Sehr geehrte Redaktion! ׳Ich •bitte •um Aufnahme folgender Zeilen: Mit Bezug auf die!in;Nr. 30 der ״Jüdischen Presse“ :mit Ueberschrlf t ״ ־•A berm a •1 i g e künstliche V e rteuerting der Esrog i m“ gebrachte Notiz möchte ich 'bemerken, daß es höchste Zeit ist, diesen alten מכשיל abzustellen. Es ,ist schon viel geredet und geschrieben worden davon, daß die Esrogimhändler aus dieser מ צ 1 ה ein Monopol •machen, ferner daß die griechischen Esrogim '□מורכבי Sind, •ferner daß es eine עברה ist, die Korfuer Pogromisten von dazumal zu •bereichern, endlich daß wir •durch unseren •Esrogimbezug •unseren Brüdern in ישראל P1R zu einer פרנסה בכמד verhelfen können, ohne dabei das mindeste Opfer •zu bringen. Geschehen ist aber noch nichts. Ist es denn gar •so weit von der סוחש0ה סובה bis zur מעשה? Entschließt euch doch אחינו בני ישראל! Jeder nehme sich vor, •über keinen anderen Esrog בל*נ Brochoh zu machen, als über einen Erez Jisroel-Esrog. Alles andere wird •sich schon von selbst finden. Es werden sich dann!Hände rühren, euren Wunsch zu erfüllen. Und sollte vielleicht!heuer noch nicht jeder zu einem ׳- א״ יEsrog kommen und sich mit einem שותף verbinden müssen, לשנה הבאה — ob in יחשל□ תיבב״א oder חס ושלם noch im Golus — wird schon jeder Einzelne seinen א״י Esrog bekommen können. .היק יונה ם י ל ל ע ר, הו&קיק נאהאש יע״א 0 NACHRICHTEN. Bernhard Hofbauer zum Gruss. Der bewährte Führer der ff tener Orthodoxie hat dieser Tage ein Familienfest gefeiert. Nachdem er ein entschiedener Gegner jeder öffentlichen Ovation ist und sich jede Feier verbeten hat, unterlassen wir es, seine unübertroffenen Verdienste um die Erhaltung und Stärkung der Wiener Orthodoxie, der er seit mehr als Dezennien mit allen Kräften dient, eingehend zu würdigen Wir wollen nur dem Wunsche seiner zahlreichen dankbaren Verehrer Ausdruck geben, dass השי״ת *hm noch viele Jahre das Glück gebe, für Jüdischkeit und Wohltätigkeit zu wirken. _ Wolf Pappenheim. Die Kultusgemeinde wählen in Baden. Am 31. Juli fanden die Wahlen in die •zwei Vertretungskörperschaften •der Badener israelitischen JCultusgemeinde statt und endeten trotz der beispiellosen, vor nichts ■zurückschreckenden Agitation •der •Gegenpareti •m .i •t dem v 0 •11 s t ä n di g e n Siege der orthodoxem •Liste. Sämtliche 28 zu vergebende Mandate wurden von •der Jüdischen A r!beit sgemeinschaft erobert.!Die Wirt s ch a f t s pa r te i verlor •die •drei Sitze, die sie in dem Hauptausschuß linne hatte •und ging •leer aus. In den Hauptausschuß wurden die •Herren A. Braun, Rob. Breuer, Dr. S. Deutsch, •Heinrich iFleischmann, Ad. Geles, Jozsi!Hacker (Vöslau), ,Ernö Ehrenstein, Ch. Ingver, David Scheu, Moritz Spitzer, Markus Schwarz •und /Leop. Weißmann gewählt. — Die nun •mit.dem Niederbruch der W.irtschaftspartei geendeten'Wahlen haben eine interessante Vorgeschichte. •Im Jahre 1925 •fanden nach Beendigung der regulären •dreijährigen Amtsperiode Neuwählen statt. Die orthodoxe Liste siegte damals 9:3. Prompt erfolgte seitens der Wirtschafsparei ein Wahlprotestes und eine Hetze sondergleichen •setzte gegen •den orthodoxen Vorstand ein. Verdächtigungen aller Art wurden •laut und alles wurde in Bewegung gesetzt, um die Gemeindeleitung vor der Wählerschaft •und Behörde •zu diskreditieren. Nach!zwei •Jahren wurde dem Wiählprotest vom Verwaltungs- •gerichtshof wegen eines •formalen Fehlers Folge gegeben und Neuwahlen angeordnet. Die Wirtschaftspartei trium- Vphierte. Aber die Wählerschaft ließ sich nicht!irre machen •und •gab •den •Herren die entsprechende Antwort: Sie!jagte sie von Amt •und Würden. Sape. Wien. •Einen schmerzlichen •Verlust •hat das Bethaus Talmud Thora, Wien, II., Malzgasse 16, erlitten. R. Majer Löwy זצ״ל ein langjähriges Vorstandsmitglied der Synagoge, ist Freitag, den 7. Av im Alter von 87 Jahren zu Grabe getragen worden. Der Dahingeschiedene war ein Jehiidi ■mit ganzem!Herzen •und ganzer Seele, der!in Aus- Übung von תורה עבודה ונ״ח den Inhalt seines Lebens suchte. Herr Rabbiner Schenk hielt ihm im Hofe der Synagoge einen ergreifenden!Nachruf und schilderte, wie der Verblichene מדקדק במצות gewesen, wie er keine תפלה בצובר und keinen שעור versäumte. Seine glühende Liebe zur Thora zu ת״ח, wie er צדקה übte trotz seines bescheidenen Einkommens. Alles, was er bei dem Besuch der täglichen Schiurim gelernt hat, hat er auch gewissenhaft erfüllt. Durch seine herrlichen מחת und seltene Menschenliebe hat er sich die besondere Wertschätzung aller erworben, die außergewöhnliche Beteiligung bei seiner Bestattung war ein beredtes Zeugnis •hiefür. Am Grabe hat Herr Vortrefflich im Name« des Vorstandes herzliche Worte des Dankes und Abschiedes gesprochen. Sein Andenken wird bei allen, die ihn kannten, weiterleben. Mattersburg. Sonntag, den 2. Aw wurde מצבה auf dem Grabe des im Vorjahre verblichenen Oberrabbiners S. M. Ehrenfeld זצ״ל gesetzt. Mehrere Rabbiner und Schüler des großen Verblichenen, wie die ganze Gemeinde von Mattersburg war am Friedhofe erschienen, wo der Sohn und Nachfolger S. Ehrenfeld ג״י in ergrei- ■fenden Worten •die Gedenkrede •hielt,;in welcher er •auch mitteilte, daß ein weiteres Werk des Gaon demnächst die Druckpresse verlassen wird. Haifaer Juden protestieren gegen Filmvorführungen am Sabbat. (J. T. A.) Eine große Zahl orthodoxer Juden versammelte sich am letzten Sonnabend vor dem Empire- Kino zu Haifa und protestierte erregt gegen die Sabbatentweihung durch Filmvorführungen. Die Menge versuchte, die Vorführung gewaltsam zu hindern. Die Polizei mußte einen regelrechten Kampf mit der Menge ausfechten, bevor es ihr gelang, sie zu zerstreuen. Ein Jude Bürgermeister von Tiberlas. (JTA.) Der Oberkommissär für Palästina ernannte den Juden Zäkki Haddef zum Bürgermeister der Stadt Tiberias, die Sich soeben einen neuen Stadtrat gewählt hat. Zakki Haddef ist, abgesehen vom Bürgermeister der rein Jüdischen Stadt Tel-Awiw, der erste jüdische!Bürgermeister einer palästinensischen Stadt. Tschechoslowakei. Zum Lehrjubiläum des Rabbi Chajm Fürst. Wir berichteten vor kurzem über das •Fest, das die früheren Schüler der Machsike Thora in Topolcany aus Anlaß des fünfzigjährigen Lehrjubiläums mit der jetzt erfolgten Pensionierung des rühmlichst bekannten Pädagogen Rabbi Chajim Fürst zu veranstalten gedenken, und veröffentlichten auch einen Aufruf, worin alle Schüler und Freunde des ehrwürdigen Meisters aufgefordert werden, Beiträge zu einem herauszugebenden Almanach und Spenden zu einem •Fonds einzusenden. Wir erhalten nun vom Topolcanyer Arrangierungskomitee einen neuen Aufruf, der in begeisterten Worten die tiefe Dankbarkeit wiederspiegelt, die von den Schülern des Rabbi Chajim Fürst gehegt wird und die Schaffung eines ansehnlichen Fonds •bezweckt, aus dessen Mitteln der Lebensabend des verehrten Lehrers sorglos und angenehm gestaltet werden soll. Der Fonds soll aber außerdem unter dem Namen ״Rabbi Chajim Fürst-Fond“ zugunsten der Schule dauernd bestehen. Das Arrangierungskomitee richtet an alle •Freunde und Verehrer des Jubilars die Bitte, bemüht zu sein, den Fonds auf einen recht hohen Betrag zu bringen, 11m den!bewährten Lehrer der Thora ehren zu können, wie er es verdient. Geldsendungen erbittet man an ״Escompte- und Volkswirtschaftliche Bank, Bratislava, Filiale T o p 01cany für Jubiläumsfonds“. Auskunft erteilt: Hermann Friedmann jun., Topolcany, Stefanikove nam. 38. Der neue Preßburger Oberkantor. Der vor einigen Wochen heugewählte Oberkantor der' Preßburger orthodoxen Gemeinde, Herr Salomon Stern, hat dieser Tage seine Stelle bereits angetreten. . Gast-Droschoh in Topolcany. Aus Topolcany wird uns geschrieben: Wir hatten dieser Tage die Ehre, Herr״ Rabbiner Schenk aus Wien in unserer Mitte zu begrüßen. Auf :besondere Einladung des Vorstandes hielt der ehrw. Gast am ש״ק פ׳ פינחס im שומרי תורה ־ Verein eine דרשה , die mit schönen und lehrreichen דברי תורה verbunden mit מוסר Worten, gewürzt war. Die דרשה von den zahlreichen Zuhörern mit großem •Beifall aufgenommen wurde, bereitete uns einen wahren עונג שבת Herrn Rabbiner Schenk sei nochmals יישר כח gesagt. Gast-Droschoh in Lipjany. Aus •L i p j a n y wird uns mitgeteilt: Bei unserem Herrn Oberrabbiner Israel Braun weilt zurzeit sein jüngster Sohn; Herr OberraEbiner Ch. L. Braun aus I skiöd, zu Gast. Derselbe ist einer der tüchtigsten jüngeren orthodoxen Rabbiner in Transsylvanien und hat sich in den wenigen Jahren seines Wirkens ebenso als ת״ח גחל und wirkungsvoller Redner wie als. eifriger Klalarbeiter im besonderen im Erzielutngswesen allgemeine Anerkennung erwonben.!Erwähnenswert ist namentlich sein vorzüglich gelungenes Experiment der Gründung einer Jeschiwa, verbunden mit einer •Gewerbeschule für jüngere בני תורה und ,יראי ד. Am 1ש״ק פ, מסעי hielt der ehrwürdige Gast im ביהכ״ג eine ררשה , die sowohl mit ihrem gediegenen, reichen Inhalt als auch mit ihrer angenehmen Form den Zuhörern einen hohen Genmß bereitete. ־ . Gastpredigt in Senica. Aus Sen.ica wird •uns berichtet: Sne. Ehrw. Herr Oberrabbiuer Dr. Frank- •fiurter aus Vinkovci, der •bei seinem Schwiegervater, unserem verehrten Herrn Oberrabiner 1L. M a r m 0 r s t e i n, aus Anlaß seiner Wiiedergenesung nach!langer Kur zu Gaste weilt, wude vom Gemeindevorstand mit der Abhaltung einer דרשה beehrt. Der illustre Gast hielt darauf arn ש״ה פ' מסעי in unserer Synagoge eine •mit besoliderer Eloquenz vorgetragene, nach!Form und!Inhalt meisterhafte Rede, die vornehmlich ■durch die schönen und treffenden דברי א נד!ה die •Zuhörer entzückte. •Dem geehrten Kanzelredner, der auch in seiner Gemeinde!in konservativer Weise wirkt, gebührt unser herzlichster,!Dank in vollstem!Maße. b-nfattontk*19% SONDERVER ANSTALTUNGEN: Belgische Ausstellung — Italienische Ausstellung — Japanische Ausstellung ״Technische Neuheiten und Erfindungen" — Hotelbedarfsmesse — Reklameausstellung Radiomesse — Wiener Pelzmode-Salon — Nahrungs- und Genufjmittel-Ausstellung Land-, Forst- und Mildiwirtsdiaft — Gartenbau - Kleintierzucht - Weinkost Bedeutende Fahrpreisbegünstigungen Auskünfte aller Art sowie Messeausweise (ä S 5.—•) bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien, VII. — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) äS2.— bei den Kassenschaltern der Messehäuser.