Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 28 (15.7.1927)
- Date
- 1927-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expedic par 1‘editeur. Redaktionn. Administration! Wien, II.,Leopolds• gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 4594־4־. Tichechoslowakels Bratislava, Postlach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: 5?ör Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise.• Ganzjährig: Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich: Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; (Gr Polen! Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 40.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürlcfi VIII. 4117 für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 Nf. 23 Wien-Bratisflava; 15« JuBi 1921 .ב״ד׳ דנדדמחגססבימ מ׳ו תמוזתרמ״ז fSJahrg« für die Dame Julius Krupnik W ien, V1L, Kalserstra^e 111-113«! 15 Telephone 32-434-4-29 ,62־ ש ו מ כשי (תחת השגחת הרב ר׳ ישעי פורסם שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner J e s a i a Fürst (Adas Jisroel) Ueberall er 11 ältlich! der Wie Szgasse 1 2a. Vermittlung aller Arten von Versicherungen ] für eine der größten und leistungsfähigsten Versicherungsanstalten der Welt. Aufwertung alter Lebeasversicherungs' Polizzen zu den günstigsten Bedingungen. Revision bestehender Versicherungen. Qesisiiatassgsgeitiosseii, wendet j Euch In allen Yersichernugs״ angelegents eiten an obige Yer׳ sicherungsstelle der Aguda! j I ״Zelot״ und Herostrat. a) Gleichzeitig mit Alexander dem Großen wurde einem schlichten Bürger in Ephesus ein Kind geboren, welches den Namen Herostrat erhielt. Herangewachsen konnte der enghirnige Hcrostrat den wachsenden Ruhm seines Zeitgenossen schwer ertragen und, um auch sich einen Namen für ewige Zeit zu machen, legte er Fetter an den durch seine Pracht berühmten Götzentempel der Diana in seiner Heimat. b) Zelot ist eine schlechte Uebersetzung des jüdischen Kano’oh. Die Weit verstellt unter Zelot einen Ucbereifrigen. In dem Wort Zelot ' steckt ein gewisser Vorwurf, ein hörbares Abrücken von dein ״Eiferer“. Hand auf's Herz! Wenn unsere Zeitgenossen die Tat des Pinchas an Simri und Kosbi erlebt hätten, würden nicht die ׳meisten, die allermeisten sagen: ״Ein!iniange- «elumcr!Mitbürger, dieser Pinchas. Welch ein ״Zelot“! Hat gar kein Verständnis fair eine so ..imposante“ Persönlicdikeit wie dieser Simri!“ ■Um aber diesen Simri zu verstehen, muß ■man sich wirklich in seine Psyche hincinversetzen. Unn dies sich zu erleichtern, ׳möge sich der Leser an einem leichter zu begreifenden Beispiel orientieren. 111 einer guten jüdischen Gemeinde hat sich vor ■nicht!langer Zeit ■folgendes ereignet. Ein erprobter Nichtraucher ging am Sabbat in das Zentrum des thoratreuen religiösen ׳Lebens mit brennender Zigarette- Zur Rede ges-Alt, erwiderte er, er sei ja sonst!kein Raucher, er wolle ■mir zeigen, ״!man ׳kann“. So war auch Simris Tat keine der blinden Leidenschaft, sondern eine wohlüberlegte Demonstration gegen Gott und seinen Diener!Moses. Er wollte durch diese ■kleine Revolution imponieren und sich den Namen eines Freiheitshelden schaffen, ■der gegen die!Autoritäten anrennt und seinen Zeitgenossen zu zeigen versuchte, wie man mit der Maske eines!Biedermeiers den Klerus und!Klerikalisrnus niederzwingt: wie man diese ״finsteren Zeloten“ zur OI111macht zwingt, er wollte ■zeigen, daß ״■man kann“. .Warum es leugnen? Die meisten Zeitgenossen ließen sich auch damals mehr von Simri als .von Pinchas ■impcfniereti. Selbst nach der erlösenden Tat, •die dem grausigen Sterben ein Ende bereitete, hatte man ■nur Vorwürfe gegen den Zeloten. Bis der Allmächtige selbst der mutigen Tat die Bewilligung gab. So stellt n׳u 11 die Gestalt des ■Pinchas mitten ■in der jüdischen Geschichte, so sehr, daß ein ■Eiferer späterer Zeiten, Elijalm, vollkommen mit ihm identifiziert wird. Aus den Gestalten dieser beiden Männer — und mit dem Namen des ׳letzteren ist ja die wirkliche Erlösung auf’s engste verknüpft — gewinnt inan leicht das Bild des wirklichen Kano־oh. Den wahren Zeloten fehlt jeder Eincshlag des Selbstischen, sie sind, wenn das Wort gestattet ist, die aktiven Märtyrer. Sie sind die treuesten Wardeine des Volkes, denn sie lassen sich nicht täuschen und blenden von Friedensschalmeien der Schwäche, sic und sie allein wissen, wie die wahre Einheit, •die das Einst und das Jetzt umfassende Einheit, die glückliche, durch alle Generationen sich fortpflanzende •Harmonie des Volkes zu erreichen ist. Sie verzichten bewußt auf den ■Beifall und sie, sie wurden und werden ■immer von den Schwächliehen — ״Zeloten“ genannt. Leichter ist es, ein Herostrat zu sein, leichter und zu jeder Zeit ‘moderner. Einsam gehen die ״Zeloten“ ihren Weg, aber wie bei dem ■Vergeltiingszug gegen Midjan in die Hände von Pinchas, so hat der Allmächtige für alle Zeit in ׳ ihre Hand gelegt das heilige Gerät und das •Instrument zur Erweakung der Begeisterung und der ungeteilten ■Hingabe an die Thora, auf daß sie die Stunde •bestimmen, wann es gilt der .nie aussterbeuden, wahren Mesiras hanefeseh, des aufjauchzenden Opfers der!jüdischen Seele. P. K. Vom Tage ״So die Könige rasen, büßen es die Griechen.“ In diesem Worte eines alten römischen Dichters liegen die Keime tiefer geschichtlicher Erkenntnis beschlossen. Selten nun geschieht es, daß geschichtliche Katastrophen durch den freien, unbeeinflußten Willen der Völker selbst verursacht werden. Meistens sind cs uitverantwortliehe, von Ehrgeiz oder Rachsucht getriebene Führer, die es verstehen, die Völker gewissenlos in derartige Situationen hincinzuhetzen, aus denen dann mit Zwangsläufigkeit die Katastrophen entstehen. Dieser Gedatikeugaug drängt sich unwillkürlich auf, wenn wir uns mit dem bevorstehenden ״jüdischen Rechts- Schutzkongreß“ in Zürich befassen müssen. Es dürfte bekanut sein, daß sich in Amerika selbst um dieses Thema eine heftige Diskussion zwischen Stephen Wise und Louis Marshall entfacht hat. Louis Marshai, dessen Verdienste um die Gesamtheit der Judenlieit niemand ablcugnen wird, warnt vor diesem ■Kongreß und seinen Folgen. Stephen Wise, dessen Popularität selbst in seinen dunkelsten Stuuden eine ungeheure ist, verlangt ihn. Eine ganz eigenartige Note bei dieser ■Angelegenheit ist die Tatsache, daß der Grandrabbiu von Paris sehr energisch gegen diesen Kongreß Stellung nimmt und bei dieser Gelegenheit einmal etwas der Oeffentlichkeit anheinigibt, was von unserer Seite unzählige Male wiederholt wurde. Das ist die Frage: Wer hat jemals das sogenannte ״Comite -des Delegations juive“ und seinen Präsidenten, Herrn Leo Motzkin, bevollmächtigt, im Namen der Judenheit zu sprechen? Wir möchten Bekanntes wiederholen und erzählen, daß sich dieses Komitee plötzlich, während der Friedensvcrhaudlungen, in Paris auftat und seitdem bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in Erscheinung zu treten versucht. Wir glauben, daß dieser Rechtsschutzkongreß, über den noch einige Worte zu sagen sein werden, wieder einmal (vergl. Welthilfskonferenz) ein Versuch ist, dieses Komitee auftauchen, wenn nicht gar legitimieren zu lassen. Ein pikanter Zug in diesem Kulissenwerk ist die Tatsache, daß Leo Motzkin Präsident des Aktionskomitees der Zionistischen Organisation ist. Mau müßte sehr weit zurückgreifen, um das Urigesuude dieser Kongreßidee darzulegen. Eine kleine Zwischenfrage dürfte das Verständnis erleichtern. Auch aus Amerika kommen Delegierte zu diesem Kongreß. Frage: Denken 'diese ■Herren daran, für die gewaltige. Judensiedlung in New York auch mir den Schimmer solcher Rechte zu verlangen, die aus den Minderheitsklausclu der verschiedenen Verträge resultieren? Denkt Herr Oberrabbiner Doktor Chajes (Wien), der Mitinitiator dieses Kongresses, etwa daran, für Oesterreichs Juden nationalistische Minderheitsrechte zu beanspruchen? Wir glauben cs nicht. Wird sich doch der ernste Geschichtsschreiber auch mit der seitsamen Erscheinung zu befassen haben, daß von den Minderheitsrechten in den großen Machtstaaten überhaupt nicht gesprochen werden darf und nicht gesprochen wird. Vielmehr werden diese auf die Tagesordnung gestellt entweder nur in den besiegten Staaten oder in solchen neuentstandenen Staaten, die ihre •Neubildung und Aufer- Stellung nicht den eigenen Erfolgen, sondern dem Kalkül der allgemeinen politischen Richtlinien der Siegerstaaten zu verdanken haben. Daß ein solcher Staat im Aufbau an und für sieh manche Schwierigkeiten zu überwinden hat, ist klar; es heißt natürlich, diese Schwierigkeiten ins U11ermeßliche vermehren, wenn mau in diesen Aufbaustaatei» die strikte Erfüllung dieser Minderheitsklauseln beansprueht. Es ließe sich wohl denken, daß nach Vollendung des Aufbaues, in ruhiger Entwicklung, die Rechte der Minderheiten sich eher durchsetzen oder erreichen ließen. Die Majoritätsnation der gemischten Staaten würde es natiirlieh übel empfinden, wenn sie gestört würde. Das ist wohl PERÜCKENERSATZ MIT HAUBE S 26— Der Name des führenden Hauses in der Perückenfabrikation OTHNIAR SCHIFF NUR WIEN, I. KKRNTNERRING 6 Ois-ä-vis Hotel Bristol:) garantiert für die allermodernsten, in Qualität besten PERÜCKEN, SCHEITEL und TRANS- FORMATIONEN, die im Tragen vom eigenen Haar nicht zu unterscheiden sind. KEINE FILIALEN! TELEPHON Nr. 51-3-62 KEINE FILIALEN I PERÜCKENERSATZ OHNE HAUBE S 20.-