Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 27 (8.7.1927)
- Date
- 1927-07-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Nr. 27 JÜDISCHE PRESSE Seite 179 Deutsche. Tschechen, Polen, Junoslawen, Dnnarn, Rnmänen Der Beizer. Das jüdische Wien hat sein großes Erlebnis, das sich in dieser Sonnncrperiode doppelt stark fühlbar macht. Am 28. Siwan laugte, wie die ״Jüdische Presse“ bereits vorige Woche berichtet hat. der ־Beizer Rebbe Aron Rokeachשליטא in Wien ein. Auf seiner Reise durch Galizien war er auf den Bahnhöfen überall Gegenstand der herzlichsten Ovationen, die ihm seine vielen Chassidim bereitet haben. Auch in Wien wurde ihm sowohl arn Bahnhof als auch im Hotel Barschak, wo er abstieg, ein großer und begeisterter Empfang zuteil. Schon vor seiner Ankunft in Wien hatte eine Anzahl von seinen Wiener Chassidim angeregt, dem erlauchten Gast für ש״ק die Schiffschul eiuzuräuinen, um so einer großen Gemeinde Gelegenheit zu geben, mit dem berühmten Rabbi gemeinsam zu beten. Obcrrabbiner Fürst wie der Vorstand der Adas JisrocI waren mit diesem Projekt einverstanden und eine Deputation des Schiffschulvor- Standes, bestehend aus den Herren ■Dr. J. Reiniger, Wolf Pappenheim und F. Ncmnann überbrachten dem illustren Gast die Einladung, in der Schiffschul zu beten und im Chuppa-Hof der Synagoge den Sabbattisch zu führen. Der Rabbi nahm die freundliche Einladung an und so haben die Beziehungen der Schiffschul zu der Beizer Familie, die seit vielen Jahrzehnten die freundschaftlichsten sind, und die sich in vielen Kämpfen der Orthodoxie im Interesse von Klal. JisrocI bewährt haben, eine neue wertvolle Befestigung erfahren.!Freitag abends, gelegentlich der ersten Sabbatmahlzeit füllte sich sehr bald der große, glasbedeckte Hof. Der Andrang der Chassidim, die an dem Tisch des Rabbi teilnehmen wollten, war geradezu beängstigend. Desungeachtet blieb die große Menge bis in die tiefen Nachtstunden beisaminen. Nicht geringer war der Andrang am Sabbath vormittags in der Schiffschul, wo der Rabbi den Genuß bot, ihn Mussafbeten zu hören. Während des ganzen Sabbathtages, besonders aber bei שלוש סעודות strömten von allen ■ Bezirken Wiens immer neue Gruppen in die Schiffgasse, um den Rabbi zu begrüßen. Der Zustrom von Wiener und auswärtigen Freunden ließ aber auch noch nach Sabbath nicht nach. Das Hotel, in welchem der Rabbi wohnt, wird ständig von Neugierigen und Einlaßbegehrenden umlagert. Jeder Besuch wird im Kreise der Chassidim eifrig besprochen. Da tauchen alte Familiengeschichten, alte Beziehungen, Jichus, Zidktis,- Thoragelehrsamkeit, Wohltätigkeit ■in der Diskussion der ״Eingeweihten“ mit einer ,Lebendigkeit auf, als ob sie sich erst vorgestern ereignet hätten. Doch urplötzlich verstummt das gewohnte Gerede der Chassidim, als von Wolf Pappenheim, diesem alten, vielbewährten Kämpen der Orthodoxie, begleitet, der Vorsitzende des geschäftsführenden. Ausschusses der Agudas Jisroel in Wien, ׳Rabbiner Dr. Pinchas ■Kohn, sich zum Rabbi begibt. In einer intimen Aussprache wurden die schwebenden großen Fragen, die Klal Jisroel betreffen, gründlich erörtert. Besonders breiten Raum nimmt die Lage der Orthodoxie in Erez Jisroel im Gespräch ein. Der Rebbe freut sich, den verantwortlichen Führern der Agudas Jisroel gegenüber seinem heißen Dank Ausdruck zu geben für den bewundernswerten Kampf um ein vom orthodoxen Standpunkt aus akzeptables Gemeindegesetz und er gab dem dringenden Wunsch und der sicheren Erwartung Ausdruck, daß alle Jereim in Erez Jisroel sich zusammenfinden werden, um eine orthodoxe Gemeinschaft zu bilden, die nach außen, besonders den gesetzgebenden Faktoren gegenüber, einheitlieh auftritt. Der Rebbe wird es nicht unterlassen, in diesem Sinne auf seinen Kreis einzuwirken. Die Vertreter der Agudas Jisroel verabschieden sich und schon setzt die Folge von neuen ■Besuchen ein. Dabei muß der Rabbi einige £55*3^ alle, die Seidenstoffe gut und billig kaufen wollen, besorgen ihren Einkauf in den Z SeideDhäusern 1״ Tuchlauben 8 und I., Bauernmarkt 2 a Wir verkaufen zu fabelhaft billigen Preisen: Kleider-Foulaul, prachtvolle Dessins.S 9.— , 6.50 Crepe de Chine imprime . . .S 15.—, 12.—, 9.S0 Kleider-Alpaka-Seide, herrliche Muster .... S 7.50, 4.80, 3.90 Seiden-Georgette, alle Modefatben.S 14.—, 12.—, 8.90 Crepe de Chine, alle Modefarben.S 13.80, 9.80, 5.80 Original Honan-Shantung, 90 cm breit ..s 4.90 Japan-Pongis, weiß und farbig..S 2.90 Seiden-Wasch-Marokains, glatt u. gemustert, 90 cm breit S 4.80, 3.90 Mode-Voli-Marquisette, 11!נ cm breit.S 2.50, 1.90 Beachten Sie unser Prinzip: Wiener Persönlichkeiten von Rang ebenfalls besuchen. Diese Empfänge lassen einen bald vergessen, daß der Rabbi eigentlich nach Wien gekommen ist, um die Ratschläge Wiener Aerzte — der Ruf der medizinischen Fakultät in Wien besitzt im Kreise der Chassidim einen wunderbaren Klang — einzuholen. Der Rabbi ist tatsächlich sehr schwach. An seinen durchgeistigsten Zügen ist nur allzu leicht erkennbar, daß er viel lernt und wenig ißt, daß er das Leid vieler Tausender mittragen muß. Berühmte Wiener Aerzte erscheinen beim Rabbi und schreiben ihm vor allein eine Ruhekur vor. Wie es verlautet, soll die Wahl der Aerzte auf Sauerbrunn gefallen sein. Die österreichische ״Fremdenverkehrsindustrie“ wird zum Cliassidus eine ganz andere Stellung einuehmen, wenn sie die Zugkraft eines Chassidimrabbi von der Kapazität des ׳Beizer erfahren wird. Die jüdische Oeffentlichkeit freut sich, einen solch illustren Gast in ihrer Mitte längere Zeit zu beherbergen und hofft, daß der Rabbi gestärkt und erfrischt seine segensreiche Tätigkeit zum Heile ganz Israels in vollem Umfange wird fortsetzen können. m. Schaffung einer jüdischen Gartenbaunnternehmung in Wien. Appell an die jüdischen Institutionen und jüdischen Besitzer von Privatgärten. Wir werden ersucht, folgende Zeilen zur Kenntnis einer breiteren Oeffentlichkeit zu bringen. D. R. Zur Förderung und Ausbildung jüdischer Gärtner ist bisher in Wien fast gar nichts geschehen. Es existiert in Wien — wie bekannt — nur eine jüdische Zier- und Handelsgärtnerei, welche das Monopol zur Ausschmückung jüdischer Gräber am Zentralfriedhof besitzt. Dies ist auch fast ■das einzige Vorrecht, welches sich unsere jüdischen Gärtner erworben haben, denn sogar die Ausschmückung der Tempel, Dekorationen für Hochzeiten, für Laubhütten etc. werden in Wien von andersgläubigen Gärtnern besorgt. Eine fachgemäße Ausbildung unter jüdischer Anleiüing ist bisher trotz aller Bemühungen nicht zustandegekommen. Wir sehen hingegen, daß Deutschland zwei jüdische Gartenbauschulen und mehrere jüdische Landwirtschulen zur Ausbildung von jüdischen Gärtnern und Landwirten besitzt: außerdem haben mehrere größere jüdische Gemeinden Land angekauft, das sie unter fachmännischer Aufsicht von geschulten Vorarbeitern durch jüdische Arbeitslose bearbeiten lassen. Das Reinerträgnis wird zur Löhnung und Verpflegung dieser Arbeitslosen und zur Erhaltung von Wohlfahrtsheimen verwendet. Ein kleiner Kreis von Menschen trägt sich nun mit dem Gedanken, auch in Wien eine jüdische Gartenbau- Unternehmung zu schaffen, um die Ausbildung fachtüchtiger jüdischer Gärtner zu ermöglichen. Für diesen Zweck sind bereits zwei in der jüdischen Gartenbauschule zu^ Ahlem (Deutschland) ausgcbildete und staatlich geprüfte jüdische Gärtner gewonnen und ein im XIII. Bezirk gelegenes, hiefür geeignetes Grundstück gepachtet. Die beiden Gärtner verstehen ihr Fach ausgezeichnet, der eine ist Spezialist• in Gemiisekulturen und Topfpflanzen, der andere in Rosen-, Obst- und Zierbanmkulturen, so daß fachlich die Anlegung, der Gärtnerei gesichert erscheint; dieselben sind vertraglieh verpflichtet, am Sabbat und jüdischen Feiertagen vollständige Arbeitsruhe zu halten. Es ist beabsichtigt — um gleichzeitig auch das jüdische soziale Elend zu lindern —, jüdischen Arbeitslosen, die nicht im Bezüge der Arbeitslosenunterstützung stellen und Lust und Liebe zu dieser Beschäftigung mitbringen, Gelegenheit zu geben, die Gärtnerei, eben unter Aufsicht dieser beiden jungen Gärtner, zu erlernen, um so sukzessive tüchtige Arbeiter auf diesem Gebiete heranzubilden. Diese Idee, die hoffentlich in der jüdischen Oeffent־ lichkeit lebhaften Anklang iinden wird, ist jedoch nur zu verwirklichen, wenn eben alle diejenigen, die dafür Interesse zeigen, sich auch tatkräftig beteiligen, und zwar folgendermaßen: Alle jüdischen Besitzer von Privatgärten, die bis nun• gewiß nicht daran gedacht haben, daß auch jüdische Gärtner die Pflege ihrer Gärten besorgen können und die notwendigen Arbeiten von dem Erstbesten verrichten ließen, mögen nach Tunlichkeit alle diese Arbeiten ihren Glairbensbrüdern übertragen, um so die eventuell drohende Arbeitslosigkeit von vorherein zu verhüten. Die beiden jungen Gärtner haben bereits, durch ihre״. Tüchtigkeit empfohlen, einige jüdische Privatgärten in Pflege; dieselben sind infolge Kenntnis der billigsten Bezugsquellen in der Lage, die Lieferung von Zier-, Obst- und Schnittpflanzen zu bedeutend ermäßigten Preisen zu übernehmen, und führen dieselben nachgewiesenermaßen die ihnen übertragenen Arbeiten auf das gewissenhafteste aus. Weiters können die jüdischen Institutionen dieses Werk fördern, indem sie ihren Gemiisebedarf von dieser Gartenbauunternehmung beziehen, da dieselbe Voraussichtlieh im nächsten Jahre bereits imstande sein wird, prima Gemüse unter den Marktpreisen zu liefern. Um die Sache weiter ausbauen zu können und ihr praktischen Wert zu geben, richten wir an die jüdische Oeffentlichkeit die Bitte, unsere Bestrebungen zu unterstützen, indem 11ns Leihkapitalien von S 25 aufwärts, unverzinslich, gegen Schuldschein, rückzahlbar am 1. Jänner 1930, vorgestreckt werden. Wir hoffen, daß dieser Appell an die jüdische Oeffentlichkeit nicht ungehört verhallen wird. Zuschriften sind zu richten an Rabbiner Bela Fischer, Wien, XIII., Biraghigasse 55, Telephon 83-8-83, der bereitwilligst Auskunft erteilt. Konstitution ermöglichte ihm, ohne Untergrabung der Gesundheit diese, keine Schonung, kein Ausruhen duldende | Versenkung in das Studium der Gotteslehre. Rabbi I Jecheskel war von frühester Jugend an gewohnt, Tag und I Nacht zu studieren; er gönnte sich kaum drei Stunden I Schlaf und führte überhaupt bis in sein hohes Greisenalter I ein Leben ergreifender, den irdischen Genüssen entsagender Aszese. Rabbi Jecheskel hatte mit 18 Jahren geheiratet und hätte vielleicht niemals daran gedacht, sich einem anderen!i Berufe als dem des ״Lernens“ zu׳ ־widmen, wenn nacht ־ die geschäftlichen Verluste, die sein Vater erlitten, auch ihn vor die Notwendigkeit gestellt hätten, auch an den!Brot- 1 erwerb zu denken. Da ihm jede Befähigung zum Kaufmann .fehlte, ,mußte er sioh entschließen, in Brody die ן Stelle eines ersten Dajans anzunehmen. Er war damals | 21 Jahre alt, aber der Ruf seiner!Gelehrsamkeit war; schon so ־weit gedrungen, daß er als eine!Autorität galt, an die sich in schwierigen Fällen Gelehrte am •Belehrung wandten, die, ■was die Jahre!betrifft, die Vaterstelle 'bei ihm ■übernehmen!konnten. Er wurde /bald darauf als Rabbiner nach Jampali (Podolien) berufen, wo er, seinem I innersten iHenzensdrang •folgend, dank der Opferbereit- | heit seiner Gemeinde, eine große Jeschibah halten!konnte | und lernend und lehrend sich ungestört in die Tiefen der 1 talmudischen Wissenschaft versenken durfte. Er war seinen 1 Schülern aber nicht bloß der Lehrer, der mit der ihm eigenen Gründlichkeit und!Klarheit ihnen als!Führer voranleuchtete, er war ihnen auch ■der treue Helfer und Beraler, der mit väterlicher Liebe sich für ihr Wohlergehen bemühte, unermüdlich bestrebt, sie nach!Möglichkeit vor Not und Entbehrungen zu schützen, die so oft anhänglichen Begleiter derer sind, die in •idealer Begeisterung dem selbstlosen Studium der Gotteslehre sich widmen. Die Schüler R. Jecheskel Landaus hingen aber dafür auch mit einer Liebe und Verehrung an ihrem Lehrer und Meister, die kaum zu! schildern ist. Sie sahen zu ihm wie zu einem höheren Wesen empor und •waren beglückt durch einen ■Blick von ihm, der ihnen seine Zufriedenheit aussprach. Ein zürnendes Wort aus seinem Munde war die härteste Strafe, die einen Schüler treffen konnte, es geiiiigte, um diesen zur tiefsten Zerknirschung zu stimmen, ihn gegebenenfalls •zur bittersten Reue und!Buße zu bewegen. Nicht geringer war jedoch die Verehrung, die die Gemeinde Rabbi Jecheskel Landau entgegenbrachte, der ihren Stolz und Ruhm bildete und der sie auch durch se׳'ne Deraschoth entzückte, denn ihr Rabbi ׳war auch ein Meister des Wortes, der durch seine zündende Beredsam- Reit die Herzen der Hörer ergreifen und mit sich reißen konnte. Nahezu 10 Jahre lehrte und wirkte Rabbi Jecheskel Landau in Jampoli als der große Wendepunkt •in seinem Leben eintrat. Er wurde als Oberraibbiner nach Prag berufen. Den Anstoß zu dieser Berufung hatte seltsamerweise die Fehde!Emden-Eibenschiitz gegeben, die damals die Judenheit auf das Tiefste bewegte, sie geradezu in zwei Lager drängte, die mit Erbitterung einander bekämpften, zum großen Schmerze der wenigen, die sich in der leidenschaftlich erregten Zeit kühle Besonnenheit und maßhaltende Versöhnlichkeit bewahren konnten. Einer der Größten unter diesen wenigen war Rabbi Jecheskel Landau. (Fortsetzung folgt.) . Die Altneuschul in Prag. Betrachtungen eines Reisenden, der nach 20 Jahren wieder einmal in Prag war. Mit sehr großem •Kostenaufwande wurde die Altneuschul renoviert. Die Arbeit dauerte jahrelang und kostete Hunderttausende. Und wenn man auch berücksichtigt, •daß im linieren der Altneuschul hauptsächlich ■Kleinarbeit zu leisten war, so scheinen mir doch die Resultate weder mit der langen Dauer, noch mit dem großen Aufwand in Einklang zu bringen zu sein. Und Gott sei Dank dafür, daß der Resultate nicht zuviele sind, denn sie sind nicht durchwegs erfreulich. Das Innere der Altneuschul ־שי Fleisch 11. Greflügel unter Aufsicht der עדת ישראל (Schiffschul). Selchwaren aus der Fabrik• Gabriel Fischer wie sämtliche Werne und Spezereiwaren כשר• M. Bcfcgrling, Wien, IX., Liechtensteinstrasse Nr. 117 Telephon 11• 6־— .82־ Jede Bestellung wird telephonisch ent־ gegengenommen und sofort ins Haus zugestellt. hat sich baulich nicht geändert, aber ihr mystisches Halbdunkel ist dem hellen Tageslicht gewichen, die alte Tiinhe, diese Edelpatina der Mauern, wurde entfernt, die Fenster verbreitert. Bisher galt uns — nicht nur den Romantikern — die Altneuschul als Wahrzeichen düstersten Mittelalters, als vielsagendes Wahrzeichen der düsteren tausendjährigen Geschichte der Prager Juden, die dunkle Färbung der Mauern nicht zuletzt eine Folge des vielen an ihnen verspritzten jüdischen Märtyrerblutes. Der Eindruck ■ist unrettbar dahin, für alle Zeiten geschwunden, geschwunden aber auch noch manches andere. •Hat man im Interesse der Architektonik und wie all die Wissenschaften heißen, schon den ehrwürdigen Raum seiner Romantik entkleiden zu müssen geglaubt, warum hat man dann £egen alles Interesse der Wissenschaft die historisch bedeutsamen!Inschriften von den Wänden verschwinden lassen, warum hat man es fiir notwendig befunden, gerade in diesem Raume stillose Beleuchtungskörper anzubringen, wo man geradezu in Motiven alter Beleuchtungskörper schwelgt? Geradezu vandalisch ist die Anbringung neuer Beleuchtungskörper, wo man die alten ohne weiters beibehalten konnte; so wurde in der Vorhalle ein alter, wertloser, gegossener Messingluster, der durch nichts wie seine herrliche!Patina wirkte, durch einen ebenso wertlosen neuen ersetzt. Und diese Vorhalle! Sie stört das Bild, den Eindruck vollends; dem Eintretenden offenbart sich eine Halle, die mit unserer Vorstellung von der Altneuschul gar nichts mehr gemein hat. Und dies alles, weil nach Ansicht der Sachverständigen eine Zwischenwand, die jedenfalls Hunderte von Jahren stand, nicht zu dem urspriinglichen Baue gehörte und darum entfernt werden mußte. Ebensogut könnte man nächstens die Südwand der Altneuschul einreißen, weil nach Ansicht Einzelner die unterbrochenen Rippen der Vorhalle darauf hindeuten, daß diese Vorhalle über die Südwand hinaus gereicht hat, ebensogut könnte man den Umbau an der West- und Nordseite niederlegen, weil dieser ganz gewiß um Jahrhunderte jünger ist.!Betrachtet man dieses Ergebnis der Restaurierung, dann fragt man sich vergebens, welchem Zwecke sie diene, es sei denn, man habe da den Amateurhistorikern zu Vermutungen über diese alte Nebensynagoge Tür und Tor öffnen wollen. Und dieser Zweck ist vollends erreicht. Die Historiker schießen hier aus dem Boden wie Pilze, jeder Schames und Unterschames, ja jeder Schnorrer, der ein paar Heller haben will, weiß irgend etwas darüber. Der eine vermutet in einem Pfeiler einen Pranger, der andere in einem Mauerwerk einen Mazzothbackofen usw. ■Den Freunden Alt- Prags wie den Juden der ganzen Welt tut aber der ganze Anblick wehe und wir erwarten sehnsüchtig, daß die interessierten Faktoren wieder gutmachen, was noch gutzumachen ist. 7488