Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1927-07-08 · 27 (8.7.1927) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
27 (8.7.1927)
Date
1927-07-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2629891-2630197-2630223--2671-2634581
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expddie par Fediteur. f. JÜDISCHE PRES Redaktion u. Administration 1 Wien, II.,Leopolds• gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-494־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140, äncheint jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Fär Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreiset Ganzjährig! Für Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer ost. Gr. 40, das fibrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich: PostsparkassenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,386; für Jugoslawien: P03t8p.*Amt Agram,Ko. N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117• für Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 Np. 27 ב״ה וינת,״&חנספ3ורג ח׳ תמוז תיצו״ז♦ 1987 Wien-BrafisS&was 8* Juli 13■ Jahres Jakobs Zelte. Wann und wo immer eine G-ttesfenie in der Welt obwaltete, bat man die Menschen immer nur nach ihrer ökonomischen Bedeutung bewertet. Staaten gab es des• halb, in denen man schwächliche Kinder aussetzte, alte, kranke und arbeitsunfähige Menschen einem vorzeitigen Tod preisgab. Davor schaudert die Kulturwelt mit Recht zurück; man empfindet jene Maßnahmen als grausam, man weist es weit von sich ab, eines Menschen Leben deshalb als wertlos bezeichnen zu lassen, weil er nicht mehr in der Lage ist, ökonomische Werte zu schaffen, Wirtschaftlieh produktiv zu sein. Um so mehr erregt es Erstaunen, wenn diese selbe Kulturwelt diese rein ökonomische Einstellung gutheißt, insoferue sie sich gegen die noch nicht Geborenen wendet. Da hat in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein englischer Nationaiökonom, Malthus, ausgeklügelt und ausgerechnet, daß die Erde bald übervölkert sein müsse und Ganze, an seine Nation, an sein Heimatland denkt, der müßte erkennen, daß Land und Volk in ihrem Volksreichtum stets von der Volkszahl abhängig waren und daß die. Erde Raum für alle hat. Als Bileam, gerufen, um;das Volkstum Israels zu ersticken, einen Einblick in die Zelte Jakobs nahm und dort im wunderbar umfriedeten Heim die Kinder spielen sah, die vielen Kinder unter den Augen glücklich betreueuder Eltern, da erkannte er, hier ist eine Stätte der Liebe und des Glückes, des Segens und der Ewigkeit, und Bileam sang: Wie schön, wie rein, wie gut sind Jakobs Zelte. P. k. nHOHIIIEraiHHIHnHHHBMBMMnnMMBBnBHnnniHBBBB■ שוט rvo כשי (תחת השגחת הרב ד ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel) U e b c r a 11 erhältlich! Mm to iüdi Büh der Sovjiiii in leningrai Der Lnbawitscher Rabbi verhaftet. daß es deshalb die ״sittliche“ Pflicht der Gegenwart sei, dieser Ucbervölkcrung vorzubeugen. Die altjiidische Kunde erzählt uns, daß es schon einmal eine solche dem Fluch verfallene Periode des Malthusianismus gab, und zwar die Epoche unmittelbar vor der Sintflut. Dann kam die Rache der Ungeborenen - Heutzutage folgen da, wo man die furchtbar zerstörenden Folgen des Malthusianismus zu erkennen beginnt — Kongresse und Beratungen, Das politische Kalkül fürchtet von der Entvölkerung eine Schwächung der Machtstellung der Staaten, Da inan das Motiv der Farnilienzerstörung nur auf dem Gebiete des wirtschaftlichen Lebens sucht, versucht man das Gegenmittel auch auf demselben Gebiete und setzt Prämien für Kinder aus. Das hat man in Frankreich, dem klassischen Lande der ״kleinen Familie“, schon lange versucht, jedenfalls lange genug, um die Erfolglosigkeit dieses Gegenmittels feststellen zu können. Tatsächlich ist auch das eigentliche Motiv dieser Entvölkerung, dieser Erscheinung, daß beispielsweise selbst in einer Gemeinde wie Wien die Sterbeziffer die Geburten- Ziffer bei weitem überragt, auf einem ganz anderen Gebiet zu suchen. Daß jedes Kind erhöhte Opferfähigkeit der Eltern erheischt, bedari des Beweises nicht; diese Opfer- Willigkeit aber, die allein dazu befähigte, in jedem Kind tinen Segen zu erblicken, die fehlt. Die Erkenntnis, daß ,ies Menschen Nahrung nur bei G-ttesferne schwer, in C-ttesnähe aber leicht sich einstellt, die fehlt. Der Wille, all die kleinen und großen Sorgen auf sich zu nehmen, die nun einmal jedes Kind im Werden und im Sein mit sich bringt, der fehlt. Der Egoismus, der sich so graziös in den Mantel der malthusianischen Idee drapiert, mindert,die Freude am Kinde. Es müßte also, um der Zerstörung des Familienglucks vorzubeugen, eine volle Umstellung der Mentalität von Vätern und Müttern angestrebt werden. Es müßte der Heroismus früherer Geschlechter Wiedererstehen, die auf jeden Luxus verzichteten, um mit wachsender Kinderzahl unvergleichlich höheren inneren Glückes teilhaftig zu werden. Es müßte das Erziehungsprogramm unserer Zeit wieder unter dem Zeichen der Erkenntnis stehen, daß dem Kinde innere Werte für das Leben gegeben werden müssen, und daß inmitten einer großen Geschwisterschar aufgezogene Menschen die bedeutendsten Glieder der rnenschliehen Gesellschaft geworden sind. Wer aber an das Auf Initiative der jüdischen Gemeinde Leningrads wird eine Konferenz von Vertretern der jüdischen religiösen Gemeinden aus den Ländern der Sowjetunion abgehalten werden. Die Sowjetregierung hat bereits die Eriaubnis zur Einberufung erteilt.: Als Termin der Tagung wird die Zeit vom 21. bis 25. Oktober 1927 angenommen. Ort der Tagung ist Leningrad. Es. werden 179 Delegierte aus 110 jüdischen Gemeinden anwesend sein. Das von der Regierung gebilligte Programm der Konferenz enthält die folgenden acht Punkte: 1. Regelung des Verkaufes, von Eleisch ritu■;'.!״ geschlachteten Viehes; 2. Regelung der Quellbadfrage; 3. Regelung der Frage des rituellen Begräbnisses und der jüdischen Friedhöfe; 4. Regelung der Frage der religiösen Funktionäre; 5. Gründüng von Jeschiwoth (höheren religiösen Schulen); 6. Ausarbeitung eines Einheitsmusterstatuts für alle jüdischen religiösen Gemeinden in den Ländern der Sowjetunion; 7. Die Gemeinde und die Schule; 8. Wähl eines Exekutivorgans der Konferenz. Fragen der Chedar-im (religiösen Anfangsschulen), der Herausgabe von Sidurim und anderen religiösen. Büchern, der Sabbatruhe und der religiösen Wohltätigkeitsanstalten wurden von der Tagesordnung abgesetzt. Die Erlaubnis zur Abhaltung der Tagung wurde erteilt auf Grund eines Memorandums, das die Leningrader für die Dame Julius Krupnik Wien, VII., Kaisersirafje 111-113*115 Telephone 32*4-02, 34-4-29 Anerkannt größtes Spszialhaus Oesterreichs jüdische Gemeinde dem Rat der Volkskommissäre der Sowjetunion unterbreitet hat. In diesem Memorandum wurde die Notwendigkeit der Abhaltung dieser Tagung wie folgt dargelegt: Die religiösen!Bedürfnisse der Juden passen nicht in den Rahmen jenes Musterstatuts, das für die religiösen Gemeinden anderer Konfessionen geschaffen worden ist, da die jüdischen religiösen Bedürfnisse sich in dem Gottesdienst allein nicht erschöpfen; es sei eine Beratung der Vertreter der religiösen Gemeinden notwendig, die ein den Bedürfnissen des jüdischen Glaubens angepaßtes Statut auszuarbeiten haben wird. Die Konferenz wird sich in keiner Weise mit Angelegenheiten befassen, die den Dekreten und Verordnungen der Sowjetregierung über die Trennung von Kirche und Staat widersprechen. Sie wird auch nicht die Frage des Rechtes der religiösen Gemeinde auf Zwangsbesteuerung und eventuelle Bestrafung ihrer Mitglieder aufs Tapet bringen. Die Beschlüsse der Konferenz werden nur soweit für die Mitglieder der religiösen Gemeinden verpflichtend sein, als diese die Verpflichtungen freiwillig auf sich nehmen. In dem Memorandum wird des weiteren dargestcllt, was die Institution des ״Koscher-Fleisch“ für einen religiös » empfindenden Juden bedeutet. Der Schochet sei nicht etwa ein Schlachthausarbeiter, sondern ein religiöser Funktionär höheren Grades. Es wird begründet, warum die Juden gezwängen sind, den Genuß von Koscherfleisch zu besteuern. Ausführlich werden auch die Institutionen des rituellen Quellbades, des rituellen Begräbnisses, ebenso die Notwendigkeit, daß der jüdische Friedhof nicht von der Stadtgemeinde, sondern von der jüdischen religiösen Gemeinde verwaltet wird, geklärt. Bezüglich der Frage des religiösen Kults wird gesagt, daß die Juden keine ״Heiligen“ anbeten und daß der Rabbiner nichts anderes als ein Glaubenslehrer ist. Die Funktionen, Rechte und Pflichten des Rabbiners werden im Memorandum ausführlich erörtert. Bezüglich der ״Jeschiwoth“ wird gesagt, daß laut Gesetz vom 13. Juli 1912 für über 18 Jahre alte Jünglinge pädagogische Kurse eingerichtet werden, um den Nachwuchs von Geistlichen zu sichern. Der Unterricht beschränkt sich ausschließlich auf Theologie. Die Konferenz wird sich mit der Frage befassen, wie dieses Gesetz auszugestalten sei und in welchen Städten Jeschiwoth zu eröffnen waren. (Mitten in den Vorbereitungen zu diesem Kongreß, der einen Wendepunkt zur Besserung der uttglücklichen Lage des religiösen Judentums in Sowjetruß־ land zu bilden verspricht, wurde einer der bedeutendsten Führer des thoratreuen Judentums, Rabbi S c h n e c rs 01111, von der politischen Polizei verhaftet, angeblich weil er unbefugterweise für Jeschiboth Gelder gesammelt hat. Die Gefangennahme des Rabbi wird sowohl in Rußlaud wie im gesamten Auslände ׳in jüdischen Kreisen wie eine G e s e r e empfunden. Die Wiener Agudazentrale schritt bei den zuständigen Faktoren ein, um eine Befreiung des großen jüdischen Führers zu erwirken. Vor Redaktionsschluß trafen bereits einige, allerdings unstätigte Nachrichten ein, welche die bevorstehende Befreinng des Lnbawitscher Rabbi melden. Die Redaktion.) MIT HAUBE 8 26.- Der Name des führenden Hauses in der Perückenfabrikation PERÜCKENERSATZ OTHIHAR SCHIFF NUR WIEN, 1. KÄRNTNERRING 6 Ois-ä-vis Hotel Bristol) garantiert CI-' für die allermodernsten, in Qualität besten PERÜCKEN, SCHEITEL und TRANSv®׳• , p FORMATIONEN, die im Tragen vom eigenen Haar nicht zu unterscheiden sind. KEINE FILIALEN 1 TELEPHON Nr. 51-3-62 KEINE FILIALEN 1 OHNE HAUBE 8 20.-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.