Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 26 (1.7.1927)
- Date
- 1927-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expSdie par l’editeur. m m JIIDBC f.Kfc. ORGM FÜR DIE IRBTERESSEM DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion n. Administration! Wien, II.,Leopoldsgasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. T1chech0810wakei! Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag, — Redaktionsschluss: Ffir Artikel Sonntag, für Nachrichten Montag. Abonnementspreise: Ganzjährig: För Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen für Oesterreich! Postsparkassenamtwien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Posisparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei! Postsparkassenamt Prag. Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.-Amt Agram,Ko. N. 48.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117 für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122.619 «r. 26 1. Juli 1827 ,ב*ח דנוין־פדעססבורג א' תמוז תיפת 13. Jahrg. 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Seitdem!Menschen denken, zeigt sich immer wieder aufs neue der Versuch, das eigene ■Denken als den Maßstab aller Dinge zu betrachten, adle Erscheinungen vor das Forum der eigenen Vernunft zu rufen, ■ln seiner äußersten Konsequenz leugnet dieses Bestreben, Rationalismus ge- ■nannt, die Existenz aller Erscheinungen, die man ״vernunftsgemäß“ nicht erfassen, erklären und zergliedern kann. Indessen ist eigentlich diese äußerste Konsequenz die Domäne der Universität geworden; im allgemeinen weiß mau, daß immer, auch für den Begabtesten, auch für den schärfsten •Blick, auch für das tiefste Denken ein unlösbarer Rest bleibt. Tatsächlich dreht sich der Kampf der Geister stets um die, Grenzen; die Ueberheblichkeit, sich selbst und sein eigenes Erkennen als 'das (Maß aller Dinge zu setzen, •g׳i!It •wirklich schon als ein untrügliches Zeichen von Bildungsmangel. Man hat selbstverständlich den Rationaiismus auch •auf ■das religiöse Gebiet übertragen, insbesondere die große Aufklärungsperiode stellt die!Forderung, daß es ihr ■gestattet sein ■müsse, alles Religiöse zu verwerfen, das sich nicht in Uebereinstimmung •mit ihrer Vernunft befände. Das führte schließlich da׳zu, daß ■man all das in ■jeder Religion bestritt, was ■den Charakter eines Dogmas hat. Da die also rationalisierte Religion dem Verstand nur einen Spiegel seiner selbst, dom Gemüt gar nichts geboten ■hat, ereignete sich das seltsame •Spiel, daß die geistigen Nachkommen der entschiedensten Rationalisten ,sich gauz in .die Ärmerer Mystik und Romantik •geworfen haben. •Da dieser ■Pendelschlag hin und •her •wohl so alt ist, wie die Religion überhaupt, da vielleicht der erste Schritt •vom Wege, den Adam und Eva!getan haben, auf eine Ueberhebung •des eigenen Selbst ■zurück- ׳zuführen ist so kann auch wohl unsere •Zeit •das ■Problem nicht endgültig lösen. Ueberblickt man aber das!Gebiet!der Dogmen und Pflichten unserer Religion, so ■muß der unbefangene• ■Beobachter zugeben, daß hier beiden Faktoren, dem Verstand und dem Gemüt, Genüge getan ist. Der beiweitem größte Teil der Gebote und •Pflichten ist von den Größten unseres Volkes nach ihren ta’amim, das heißt nach ihren dem menschlichen Verstand zu- ׳gängiiehen!Gründen ■erfaßt und erklärt worden. Aber dort, wo unsere heilige Thora selbst sagt, daß irgend ein •Gebot für uns nichts anderes sein soll als ein Beweis schrankenloser ,Hingabe an das offenbarte •Wort •des Allmächtigen, wo also die Erfüllung •eines!Gebotes das ganze Gemüt in Anspruch ■nehmen soll, da schweigen auch unsere Großen, selbst ein König Salomon. Da ist •der Augenblick gekommen, in dem das Gemüt in seine ausschließlichen Rechte tritt lind ■der geforderte Beweis der Liebe im vollen!Umfange sich bietet. Ein tiefer Forscher bemerkt, daß derartige Gebote — Chukkim genannt — sehr wenige an der Zahl sind •und ■nur dort zu uns •sprechen, ■wo es sich u׳m!Grenzgebiete des ■menschlichen Wissen handelt, wo jene Bereiche unsere Stellungnähme erfordern, die vom Menschen zwar geahnt, aber, FANGOHEILANSTALT Mittelstandssanatorlum WIENER KURANSTALT Wien, IX., Lazarettgasse Nr. 20 Telephon 25-0-833 Klinisch-Diagnostisches Helllnstltut Kuren täglich von 8 bis 6 Uhr Auf Wunsch streng rituelle Kost zugestell! SPEZIALKUREN gegen Ischias, Rheumatismus u. Neuralglen. Italienische Ischiaskuren. Malarlafieberkuren. Verjdngungskuren (Diathermie). Entfettungskuren Kaltwasserkuren, Fangoschlammpackungen, Koblensäure-Transcutanbäder, Heißluft, Höhensonne. Elektrische Kuren, Diathermie, Massage, Heilgymnastik, Röntgeninstitut Chemisches Laboratorium solange er lebt, niemals erobert werden können. Diese Chukkim sind die Vorstufen einer höheren, von Erdenschwere befreiten Gestaltung unserer Seele, die, wenn sie ganz in Reinheit sich gelöst, auch!marken und ziehen kann die ׳Grenze zwischen Unreinem und Reinem. Es ist eine Ahnung der Ewigkeit, die unsere Seele erfüllt, so oft wir eines dieser Chukkim in vollendeter Hingabe an dem Allmächtigen zur Tat reifen lassen, P. 1K. Unser Kampf für die Schechita. Von Oberrabiner Dr. Jos. Carlebach, Altona. In weiten Gauen des deutschen Landes wogt der Kampf um die Schechita. Unsere Feinde, bewußt und unbewußt von einem Gefühl erfüllt, das Judentum am Lebensnerv treffen zu können, entdecken in sich eine Sorge um das notleidende Tier. Dieselben Menschen, die grausamer Weidlust und barbarischen Treibjagden zujubeln, die die grobderben Hausschlachtungen als unentbehrliche Weihnachtsfreude verherrlichen, treten als Ankläger gegen unsere Religion auf, die als erste unter allen die Schonung des Tieres proklamiert, die dem Menschen verbietet das Brot zu brechen, bis er den Haustieren Nahrung gereicht, •die eine peinlich genaue, von Rücksicht und ■Zartheit erfüllte Vorschrift bei der Tötung ■zur Pflicht macht und jede willkürlich lieblos getötete Kreatur zum Genusse verbietet. Taub gegen die Stimme der größten Physiologen, wollen sie in rein mechanischen Entblutungs- Zuckungen einen •Beweis der Qualen des verendenden Tieres erblicken. Während alle Kulturländer dieselbe Tötungsart als die leichteste selbst bei den Hinrichtungen der zum Tode verurteilten Menschen an wenden, wird plötzlich ein neues Verfahren als. ״humaner“ gegen, das stumme Tier erklärt. Man betäubt sein eigenes Gewissen, um durch Forderung der Betäubung der Schlachttiere die Gewissensfreiheit, das Palladium der Menschenwürde, zu verletzen. So traurig diese neue Erfahrung ist, die uns die Gegenwart zu machen zwingt, so hat sie dennoch ein Erfreuliches uns gezeigt: Die Einmütigkeit unter deutschen Juden in der Abwehr dieser Verleumdung und Herabwürdigung unseres R e I i g i 0 n s g e s e t z e s. Selbst Kreise, die gdankenlos und gleichgültig die Lebensheiligung und Weihe von Herd und Tisch, das Charakteristikum des Judentums, bei Seite geworfen, selbst Männer unserer ■Gemeinschaft ohne tiefen Glauben und persönlich-religiöse Bindungen haben sich mutvoll und entschlossen in die Reihe der Vorkämpfer und Verfechter unserer jüdischen Eigenart gestellt. Wiir glauben, daß die Verteidigung und Sicherung unseres rituellen Lebens bei allen doch mehr als eine politische Seite hat, mehr als die Ausfechtung eines Rechtskampfes bedeutet. Es ist die in allen Herzen still schlummernde Anerkennung, daß Jude-sein untrennbar ist von den Sat!Zungen des Speisegesetzes. Letztlich fühlt jeder, diese biblischen Gebote über die Gestaltung unserer Nahrung sind nichts Aeußerliches, sondern ein Hauptmerkmal unseres Volkscharakters, eine Vorbedingung für ein zum Gottesdienst auserwähltes Volk. Was der Mensch ißt, ist er! Wer den Bissen nicht weiht, der in seinen Mund kommt, der seine Leib- Iichkeit aufbaut, der kann auch nicht sein Wesen und Sein zu höchster Lebensreinheit weihen. Die Bibel, die die Selbstheiligung als des Lebens letzte Aufgabe proklamiert, stellt als erste Stufe dafür die Speisegesetze hin und beschließt die Gesetzgebung über die Tiernahrung mit den Worten; Heiliget Euch und werdet heilig, denn heilig bin ich, Euer Gott. Es ist die Heiligung in Speise und Trank gewissermaßen die Vorhalle zum geistigen Tempel des Judentums. Man kann nicht in das Allerheiligste gelangen, es sei denn durch diese Vorhalle, durch ■diese Schule der Reinheit und Enthaltsamkeit, der religiösen Weihe auch des körperlichleiblichen Lebens. Wer diese Schwelle zum Tempel Gottes, diese Vorhalle des heiligen Hauses schützt und bewahrt, der ist ein treuer Wächter am Bau der Ewigkeit, ein Engel am Eden unserer ■Bestimmung, uns den Weg des Lebens zu behüten. Der Name des führenden Hauses in der Perückenfabrikation OTHIHAR SCHSFF HUR WIEN, I. KWRNTNEHRING 6 Cvis-ä-vis Hotel Bristol:) garantiert für die allermodernsten, in Qualität besten PERÜCKEN, SCHEITEL und TRANS*■ FORMATIONEN, die im Tragen vom eigenen Haar nicht zu unterscheiden sind. KEINE FILIALEN! TELEPHON Nr■ 51-3*62 KEINE FILIALEN I perOckenersatz OHNE HAUBE S 20.-