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Jüdische Presse · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 170 »GiJSSf'HE PRESSE Nr. 25 zu hoch wären. Wenn die Gemeinde kleinere Gebühren nehmen würde, wäre das Fleisch billiger. Im Unterbewußtsein des Redners lag die Fräse des Mehrpreises für das Schiffschulfleisch, den die Fleischhändler nehmen. Soweit aus der Debatte zu entnehmen war (cs sprach auch ein Vertreter des Gremiums der Fleischhändler) kostet die Haschgacha 6 bis 8 Groschen per Kilogramm. Die Fleisch- Verschleißer nehmen aber um zirka 50 bis 60 Groschen für das Schiffschulfleisch mehr als die anderen koscheren Fleischhauer in der Stadt. Fleischhauer und Vorstand haben die hohen Fleischpreisc mit der angeblich besseren «Qualität des Fleisches verteidigt. ׳Den Gemcindemitgliedern fehlt aber der Glaube an diese bessere Qualität, denn es wurden Fragen laut, warum es kein billigeres Fleisch, eventuell sogenannter ׳schwächerer Qualität gibt. Ganz grotesk mutete es an. daß der Vorsitzende dem Vertreter der Fleischhändler seinen Dank aussprach, als er die Fleischpreisc verteidigte, wie wenn es Aufgabe des Vor- Standes wäre, die Höhe des Fleischpreises zu verteidigen. Es wurden Stimmen laut, daß die Adas Jisroel eine Fleischbank in eigener Regie errichte, damit sie hiedurch preisregulierend einwirke oder *zumindest zwei bis drei neuen Fleischbänken die Konzession gebe, damit die offene Konkurrenz den ׳Preis nivelliere. Die Zeit, die doch alle Wunden heilt, dürfte hier auch eine Aendcrung bringen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeindemitgliedcr erlauben es heute nicht mehr, daß sie außer den «Ritual- Spesen, die sie, im ׳Bewußtsein ihrer jüdischen Pflicht gerne tragen, noch eine ungemein hohe Abgabe an die Fleischverkäufer separat leisten. Wiir hörten sehr wenig in der Debatte über die Jessod Hathora und Talmud Thora und wie man die zu deren Erhaltung notwendigen Summen aufbringt. Es wird die materielle Tragkraft der einzelnen Mitglieder Ökonomischer verwendet werden müssen. Vielleicht wird sich der Vorstand aufraffen,!daß er die Mehrpreise für das Koscherfleisch eben für die thoraverbreitenden Institutionen verwendet. Es harren mannigfache ' wichtige Aufgaben der Leitung der Adas Jisroel. Es müßte eine Basis für die Kooperation aller konservativen Bethausvereine geschaffen werden, damit man mit vereinten Kräften den notleidenden Thora-Anstalten in den diversen Bezirken aufhelfe, neue Talmud Thoras errichtet werden, die Sehemiras Schabos propagiere und werktätig fördere, den «konservativen Geist in unseren «Reihen neu belebe, damit nicht hunderte und aberhunderte Kinder konservativer Eitern dem traditionellen Leben untreu werden. Wir hofften, daß die Leitung der Adas Jisroel an die Lösung dieser Aufgaben schreiten wird. Der Vorstand müßte mit allen zur Verfügung stehenden geistigen und materiellen Kräften gegen den Indifferentisrnus ,der konservativen Kreise für die Neubelebung des traditionstreuen Gedankens kämpfen. ׳Inzwischen, wie die «Budgetdebatte zeigt, stört nur der Hunger nach Fleisch, bezw. nach billigerem Fleisch den angenehmen Winterschlaf.!Es harren wichtige Aufgaben der Lösung... * Die Generalversammlung der Adas Jisroel. Am 16. d. fand im Turnsaale der Talmud-Thoraschule die «Generalversammlung der Adas Jisroel unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Zur festgesetzten Stunde eröffnete der Vorsitzende Obmannstellvertreter Herr ׳ Dr. R e iniger die Versammlung. Er dankte den Erschienenen dafür, daß sie trotz der vorgerückten Jahreszeit in der großen Hitze sich eingefunden haben, um ihr Interesse an den Arbeiten der Adas Jisroel zu bekunden. Er gedachte der heimgegangenen Mitglieder; zunächst würdigte ׳er die Verdienste des verstorbenen Ehrenpräsidenten und «Ehrenmitgliedes Herrn Markus ׳Bondi und des Vorstandsmitgliedes Bernhard Klein sowie der verstorbenen Mitglieder Julius!Fischer, Osias!März, «Mosche Porges, Dr. ßela Rosenthal, die sich vielfach im öffentlichen Leben betätigten, sowie der «Herren Aron Chalfen, Alois Dukes, Isidor Eichenbaum, Samuel Frenkl, Leopold Goldstein, Josef Grünwald, Baruch Scholem Lanner, Israel Moschkovitz, Josef Nagel, Josef Samek, Karl Schön, Armin Schreiber, Tobias Schetiirer, Maximilian Weiß und «Michael Weiß, die in ihrem Kreise ihre Anhänglichkeit an die Adas Jisroel bewiesen haben. Die Versammlung hört den Nachruf stehend an. Der Vorsitzende führte dann aus, daß die Adas Jisroel ihre Aufgabe stets so auffaßte, daß sie alle ihre Arbeiten und Einrichtungen nicht nur für «die eigenen Mitglieder, sondern der großen Allgemeinheit zur Verfügung stellte, was aus dem Bericht zu ersehen ist. Er widmet warme Worte der Begrüßung den verschiedenen Vertretern der Bethäuser und Vereine, welche das gleichgerichtete Ziel als treue Mitarbeiter der Adas Jisroel verfolgen. «Ferner begrüßte er den Vertreter der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Josef Tic ho. Als ׳Berichterstatter über die Tätigkeit «nahm Herr Pappenheim das Wort. Er dankte zunächst den Vertretern der ׳Kultusgemeinde und den ihm gleichgesinnten Mitarbeitern im ,Kultusvorstande für die Förderung der religiösen Interessen der g 1 a u b e n streuen Judenschaft, wodurch ein besseres Verhältnis zu dem Vorstande der Kultusg e m e «i n «d e sich-ent wickelt. Er besprach darauf die Tätigkeit der Adas Jisroel nach den verschiedenen Zweigen. Zur Thoraförderung gehört zunächst die reichhaltige Tätigkeit auf dem Gebiete der Horaah seitens des Rabbinates, die von der gesamten glaubenstreuen Judenschaft Wliens ständig :in allen Fragen «des jüdischen Lebens in Anspruch genommen wird. Er verweist auf die zahlreichen Schiurim und Vorträge, die täglich an mehreren Orten und zu verschiedenen Stunden des Tages so- , wohl von den «Mitgliedern des Rabbinates als auch von änderen ׳Mitgliedern «der Adas Jisroel au den verschiede- , ‘|1en Orten gehalten und zahlreich besucht werden. Die Jesode Thora, eine blühende Unterrichtsanstalt, die yon fast 400 Kindern besucht wird, bringt es zustande, daß alljährlich etwa 40 Kinder zum Besuche einer Jeschiyvoh reif herangebildet werden. Das Gesamterfordernis derselben ist fast 401 Millionen Kronen. Bloß 25 Kinder l’ezahlen das volle Schulgeld. Die Entwicklung der Talm u d - T h o r a s c h u 1 e, eine vollständige Knaben- und Mädchen-Volks- und -Bürgerschule, ist eine befriedigende. :2pur Thoraförderung gehört auch die Tätigkeit des Vereines ffif■eres Bachurim, der 26 Wiener Kindern die Mög- Kchkeit bietet, an Jeschiwohs sich äüszubilden. Bezüglich $er Awodah glaubt der Referent nicht sprechen zu müsrsen, da das Wesen und die Art unseres Gottesdienstes hinlänglich bekannt sind. ..;■ .v , ,:׳/־. Daß die Schechitah in jeder Beziehung an Umfang zunimmt, liegt daran, daß die rituelle Aufsicht und Kaschruth unserer Institutionen das absolute Vertrauen aller glaubenstreuen Juden in der ganzen Welt genießt. Sehr bedeutend sind die Leistungen in bezug auf Gemiluth Chesed aus unseren Kreisen, welche von verschiedenen Vereinen besorgt wird. Dankbar rühmt' er die Tätigkeit des Vereines E i n 11 e i t. der sowohl durch die allgemeine Küche als auch besonders durch die Mittelstandskiiehe eine lebenserhaltende Wohltat der Wiener Judeuschaft ist. Der Verein T o m c c h E w j o 11 i m verwendet S 4000 jährlich für die unentgeltliche Verköstigung von Armen an Sabbat- und Festtagen; «der Krankenhausverein verausgabt S 18.000 für die Verköstigung von Kranken in den Spitälern. Der Frauen verein hat ein Budget von S 38.000 zur Unterstützung der notleidenden Familien, Wöchnerinnen und Kranken. Allen diesen Vereinen gebührt der herzlichste Dank. Die Adas Jisroel selbst hat an Subventionen für Vereine mehr als S 20.000 verausgabt, ferner verwendete sie etwa S 4500 zur Pessachbcteilutig und S 1800 für Brautausstattung. Aus den Bethausspenden kamen ferner S 4200 an verschiedene Vereine zur Auszahlung. Alle diese «Beträge und noch viel mehr wurden aus unserem engsten Zirkel aufgebracht und kamen den weitesten. Kreisen zugute. Es bedurfte der größten Anstrengung, um das eigene Budget der Adas Jisroel von S 220.000 aufzubringen! (Es stellte an die Opferwilligkeit der Mitglieder die größten Anforderungen und nur die Begeisterung und Anhänglichkeit unserer Mitglieder konnten in dieser krisenhaften Zeit diesen Aufgaben gewachsen sein. Herr Kassaverwalter Stern bespricht die cinzclnen Posten des «Rechnungsabschlusses und verweist, daß die Adas Jisroel eine große Anzahl von Institutionen, nicht nur für die eigenen Mitglieder, sondern für alle Juden in Wien, die wahrhaft religiös leben wollen, zu erhalten hat. Es ist darum Pflicht eines «jeden, darauf hinzuwirken, daß der Betrag für Mitgliedsbeiträge reichlicher bedacht wird.!Herr Figdor «beantragt namens der Revisoren die Erteilung «des Absolutoriums. In der sich daran schließenden Debatte treten die Herren Michael Figdor, Geza Braun und Emanuel Lamm für die Wiedereinrichtung des Chores ein; letzterer bedauert auch die niedrige Ziffer des «Einganges von Mitgliedsbeiträgen. Herr Gustav Pappenheim meint, daß bei dem gefestigten religiösen Sinn Meschorrerim. die nicht streng religiös leben, nicht erwünscht seien. Herr H e r z k a bespricht Approvisionierungsfragen. Herr Siegmund Ster 11 ebenfalls. Herr Lederer wünscht die endgültige Regelung der Friedhofsordnung dahin, daß eine Abteilung für streng religiöse Personen geschaffen werde, auf welchem keine deutschen Inschriften, keine Beisetzungen usw. geduldet werden. Vorstandsmitglied L e i t n e r gibt Aufklärungen und Vor- Standsmitglied Fuchs sagt, daß alle Anregungen vom Vorstande gewissenhaft geprüft und dankbar angenommen werden. Herr Otto Stern regt an, daß nach deutschem Muster der Chor aus freiwilligen «Mitgliedern zu bilden sei. Herr Pappen heim bespricht zusammenfassend die vorgebrachten Anregungen «und!bei der darauf folgenden Ab- Stimmung wird das Absolutorium mit Stimmeneinhelligkeit angenommen. Der Vertreter «der Kultusgemeinde. Herr Dr. T i c 110, spricht in warmen Worten den Dank und ־«die Anerkennung des Kultusvorstandes für die hervorragenden Leistungen der Adas Jisroel aus. Der Antrag des Vorstandes, vertreten durch Herrn Leitner, bezüglich «des Mitgliedsbeitrages den Beschluß vom vorigen Jahre zu bestätigen, wird angenommen. Bei der vorgenommenen Ergänzungswahl wurden 83 Stimmen abgegeben. Gewählt erscheint Herr Sandor Adler. Zu Revisoren werden gewählt die Herren Bernhard H 0 f b a u e r, Siegmund F i g d 0 r, Artur S p u t z. Herr Isidor Frommer dankt dem Vorsitzenden für die musterhafte Leitung «der Versammlung. Derselbe hebt hervor, daß die Adas Jisroel stets darauf bedacht sein muß, im engen Anschluß und in inniger Verbindung mit den anderen gleichgesinnten B«ethausvereinen •für die Gesamtheit der glaubenstreuen Judenschaft zu arbeiten. Wlir folgen!dabei der Führung unseres ehrwürdigen Rabbi, der in diesem Jahre das dritte Jahrzehnt seiner hiesigen Tätigkeit beendet. Unter seiner «Führung und durch seine «Grundsätze ist die Adas Jisroel im ׳Innern erstarkt und nach außen an Ansehen gewachsen. Unter seiner Führung wollen wir noch weiter von Erfolg zu Erfolg schreiten. Sind Brathühner rituell einwandfrei? Ein Gutachten vom Oberrabbiner der Adas Jisroel S. Eliw. R. S. Fürst in Wien. Qb!durch «Bmtmaschinen künstlich «gezüchtetes Geflügel tin einem riLhuell ,ge«fähr׳ten Haushalt Verwendung!finden darf, wird in ׳gelehrten talimuidischen Kreisen von jenem Zeitpunkt «an diskutiert, da ׳die Brutmasohihien «dank der modernen Technik in größerem Maße der Natur, beziehungsweise der Menschheit zu Hilfe kommen. Die Diskussion über diese Frage bewegte sich aber zunächst auf theoretischem Gebiete. Praktisch zumindest kam diesen akademischen Erörterungen kaum eine Bedeutung zu. Wahrscheinlich aus dem Grunde, weil an unseren Märkten nur im allerseltensten Fall durch Brutmaschinen gezüchtetes Geflügel in Verkehr kam. Vor einigen Wochen bemächtigte sich dennoch der streng jüdischen Bewohner im zweiten und zwanzigsten« Bezirk «eine bedspielslase Aufregung. Eines Sabbats schwirrten plötzlich «wilde Gerüchte van Beth- ,HamidrasCh zu Beth-Hamtidrasch, van ־ Klaus zu Klaus, daß Freitag am Kanmeliterrniarkt — ׳ln diesem ׳Zusammenhang!kommt ihauptisächliich «nur dieser ׳Marktplatz ln!Betracht — durch «Brutmaschinen ׳gezüchtetes Geflügel in Verkehr gebracht wurde. Da!man!über die rituelle Zulässigkeit dieser Bruthühner im Zweifel war, ist es nicht wunderzunehmen, daß jene, die es mi׳t den rituellen Vorschriften peinlich ernst nehmen, lin diesem zweifelhaften •FaiLle die Speisen lieber unberührt (ließen. In den Klausen kannte!man an diesem T:a«ge heftig «debattierende!Gruppen ■beobachten. Zwei!große talmudiische «Kapazitäten haben sidh!in den «letzten״ Jahrzehnten! «irtit der rituellen Zulässigkeit des durch Brutmaschinen gezüchteten!Geflügels (beschäftigt. Der ■berühmte Rabbi von Brzerzan ׳wies!die Zulässigkeit dieses Geflügels einwandfrei ׳häöh," der dicht Jniirider berühmte Buczaczer und später Tarnawer Raw neigte eher «zu einem Verbot. Die Lehrmeinungen dieser beiden Koryphäen wurden eifrig ausgelegt, gedeutelt, amgewendet, bald fanden sich einwandfreie Zeugen, die ■zu berichten, wußten, daß auch der Tarnower Raw seine Bedenken gegen die rituelle Zulässigkeit «der Brutliiihmcr a׳u«fgegeben und sich restlos der Meinung des Brzerzaner Raw anschloß. Eine endgültige Beruhigung «konnte aber nur durch «die Ent- Scheidung des Rabbinats der Adas Jisroel erzielt werden, das die rituelle Zulässigkeit des durch ßrutmaschinen gezüchteten Geflügels, abgesehen von den «Halachischen Quellen, auch auf Grund von Gutachten weltberühmter Fachinstitute für einwandfrei erklärte. Die zwei Hauptfragen, die hier lin Betracht kommen, 0׳b dieses!künstlich gezüchtete «Geflügel •eine «Lebensdauer •von zumindest zwölf!Monaten erreicht und ob es!zeugungsfähig!ist, werden durch die!wissenschaftlichen Gutachten .in eindeutiger Weise entschieden. Da sicherlich weite!Kreise an dieser «Frage ,interessiert sind, bringen Wir die «Frage des Rabbinates der Adas Jisroel wie •die!Antworten!der Fach- Institute «hier i׳m Wortlaut zum Abdruck: Z. 365 ex 1927. Wien, am 30. Mai 1927. An das Bundesminfsterium für Land- und Forstwirtschaft W i e n. «Das Unterzeichnete Rabbinat ersucht höflichst um die Mitteilung, ob die durch die Brutmaschirie künstlich ausgebrüteten Hühner in biologischer Hinsicht den anf natürlichem Wege ausgebrüteten Hühnern gleichwertig sind. Hauptsächlich wird auf die Mitteilung Gewicht gelegt, ob solcherart ausgebrütete Hühner zeugungsfähig sind und welche Lebensdauer dieselben haben. Die Beantwortung dieser Fragen ist für das verantwörtliche Rabbinat aus rituellen Gründen von eminenter Wichtigkeit. Im Vorhinein bestens dankend, mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung Das Rabbinat der Adas Jisroel: gleichlautend wurde abgesandt an: Hochschule für «Bodenkultur, Abt. Physiologie, Tierärztliche Hochschule. Nachfolgende •Antworten sind auf diese Anfrage ein gelaufen: 1. iBundesministerium für Land- .und Forstwirtschaft ZI. 19.787-7/1927 An das Rabbinat der Adas Jisroel (Schiffschul) in W i e n. ln «Erledigung der dortigen Zuschrift vom. 30. Mai 1927, ZI. 365, gibt das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft bekannt, daß künstlich durch Brutmaschinen ausgebrütete «Hühner sich in keiner Weise von natürlich ausgebrüteten Hühnern unterscheiden. Insbesondere ist die Zeugungsfähigkeit vollkommen normal entwickelt und die «Lebensdauer gleich jenen von Glucken ausgebrüteten Hühnern. 2. Juni 1927. Für den Bundesminister: Dr. ׳Liebscher. 2.!Physiologisches Institut der Hochschule für!Bodenkultur .Wlien, am 2. Juni 1927., Wien, XVil'IJ., s. Z. 365 ex 1927. Prof. Dr. «Robert Stigler. An Jas Rabbinat der Adas Jisroel. Mit großem Vergnügen beantworte ich Ihre werte Anfrage bezüglich der künstlichen Htihnerbrut.!Da die An- Wendung derselben nur dapn einwandfrei ist, wenn die Experimentatoren über eine bedeutende Erfahrung verfügen, so leg ich meiner Antwort die Aeußerung zweier •hervorragender Geflügelzüchter zugrunde, namens Dürigen und Wieninger, deren Werke die neusten Ergebnisse der «Geflügelzucht enthalten. Die auf Ihre werte Anfrage bezügliehen Stellen füge ich in der Abschrift bei. Ich stehe Ihnen bezüglich physiologischer Auskiinfte jederzeit gerne zur Verfügung als Ihr in Hochachtung ergebenster «Prof. Dr. Robert Stigler. Beilage: Scholle-Bücherei, 107. Bändchen, G. Wieninger, ״Die Gefliigelzucht des Landwirtes und des Kleintierzüchters“, S. 39, 1925.' 1״Die künstliche Brut, die schon «seit mehr als 3000 Jahren in China, Japan und Aegypten betrieben wird, ist!bei richtiger Durchführung der natürlichen gleichwertig. Die veraltete Ansicht, daß künstlich erbrütete Kücken schlecht schlüpfen, sich schwieriger aufziehen lassen und daß die Junghühner schlechtere und keine befruchteten Eier legen usw., ist längst widerlegt, «und wer dies jetzt noch behauptet, macht sich lächerlich. S. 40: Der «Erfolg der natürlichen sowie der künstlichen Brut ist bei einer 75prozentigen «Befruchtung der Eier durchschnittlich 70 bis 75 Prozent der befruchteten oder 50 bis 60 Prozent der unterlegten Eier.“ •י'־,' .3 ' •־•' 'י ' -■ Tierärztliche Hochschule Lehrkanzel fiir Tierzucht •in Wien. und Geburtshilfe. Vorstand 0. ö. Prof. Dr. med. vet. Karl Keller. Betrifft Hiihnerausbrütung. ad ZI. 365 ex 1927. Wien, den 1. Juni 1927. An ■das ehrwürdige Rabbinat der Adas Jisroel (Schiffschul) Wien, II. .Auf Ihre werte Anfrage vom 30. V. 1. J. ZI. 365 ex 1927, "beehre ich mich, Ihnen mitzuteilen, daß ■die m(t ,Brutapparat ausgebrüteten Hühner in biologischer Hinsicht den auf natürliche Wleise ausgebrüteten Hühnern gleichwertig sind, daß sie dieselbe Lebenskraft und die normale Zeugungsfähigkeit besitzen. Wird die‘ künstliche Beb'fütüfig^techhls'cK nicht richtig äusgeführt, so stirbt die Frucht noch innerhalb der «Eierschale ab ׳und das Huhnchen schlüpft also überhaupt nicht aus: Um in dieser A!n-

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