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Jüdische Presse · 1927-06-24 · 25 (24.6.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
25 (24.6.1927)
Date
1927-06-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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(Zur Naturgeschichte der Opposition.) I. ׳׳ Heiße Sonne am Nilufer und unter den sengenden Strahlen ein geknechtetes Volk. Grausame Fronvögte mit Peitschen und Stacheln; ein Mann gebückt unter der Last von Ziegelsteinen. Da kommt ein Jüngling vom Königshoi und sieht, wie ein Vogt unbarmherzig auf den erliegenden Mann einschlägt. Alles rings umher bleibt stumm, wortlosdumpfe Ergebung ins traurige Geschick. Doch in dem Jüngling wallt das Levitenblut auf, der Vogt fällt. Der Jüngling hieß Moses. Tags darauf; Zwei Israeliten, die kein Wort der Gegenwehr gegen ägyptische Grausamkeit, kein Wort des Mitgefühls mit Leidensgenossen gefunden hatten, in Streit und Zank. Stritten um Tod und Leben, und unter ihren Füßen flog der Staub, als wären es glühende Funken. Mit ernster Mahnung trat Moses vor sie. Aber da hättet ihr ein Wunder sehen sollen, vergessen War der Streit, und der Mut, der den Fremden gegenüber so glänzend — versagt hatte, dem Stammesgenossen gegenüber erwachte er zur vollen Höhe und fand Ausdruck in einer Frage (Wer und was bist du denn eigentlieh?) und in einer mehr oder minder versteckten‘Drohung einer Denunziation. — Die beiden ״Männer“ nießen Dathan und Abiram. II, (Derselbe Ort. Moses hatte im Aufträge des AUmächtigen zu Pharao gesprochen, Pharao hatte höhnisch mit einer Mehrbelastung des armen Volkes geantwortet. Da drang in das Ohr Moses und Arons die feine Rede; ״Ihr seid uns die rechten Erlöser; habt uns schlechten Dienst erwiesen.“ Die Männer, die also sprachen, hießen Dathan und Abiram. UI. Am Ufer des Meeres, der wogenden, schillernden Fluten ein erlöstes Volk. Aber hinter ihnen dräuend in Verfolgung begriffen Roß und Reisige. Da kam bängliches Zagen in das Volk, das sich im knurrenden Murren Luft machte. Endlich traten zwei Männer vor Moses und sprachen also: ״Wir haben dir es doch gleich gesagt, laß uns, wo wir sind, was hast du da wieder gemacht; erlöst zum grausamen Tod in der Wüste?“. Die also sprachen, hießen Dathan und Abiram. IV. Dürrer Sand der Wüste, doch auf diesem Sand wunderbares Brot — Manna vom. Himmel. Und Moses sprach zum Volk: Lasse keiner etwas übrig bis zum kommenden Morgen. Da wisperten zwei Männer zu einander: Fällt uns gar nicht ein, uns so kommandieren zu lassen. Weiß der Himmel, was der Moses da wieder für heimliche Absichten hat. Wir sind schlauer und heben uns ein großes ׳Quantum auf! Freilich waren es am anderen Morgen ekelhafte Würmer, aber die Herren von der Op- Position hatten doch ihr Mütchen gekühlt, hatten doch gezeigt, welch freie, selbständige ״Individualisten“ sie waren. Hatten auch sicher dem einen oder anderen imponiert und hatten es erreicht, daß kleine Geister auch vor damals doppelt undankbarer Sabbatschändung nicht zurückschrecken. Was fragten die Herren nach dem tiefen Seelenbild eines Moses? Hießen ja Dathan und Abiram. V. Ein weinendes Volk; ratlos stand es der Lage gegenüber, welche durch den Bericht der Kundschafter geschaffen war. Jetzt blühte der Weizen der Opposition. Jetzt konnte endlich die verhaßte Führerschaft der religiösen Autorität gebrochen werden. Nur geschickt die Segel nach dem Wind der ״Volksseele“ kehren, und vor gar nichts 2uriickschrccken, selbst1 vor einer neuen Auflage des goldenen Kalbes nicht. Heißa, jetzt gilt es, jetzt oder nie. ״Wir werden eine andere Führung uns geben, eine andere Gottheit und mit dieser werden wir nach Aegypten zuriiekkehren.“ Der Putsch mißlang, die ihn in Szenq setzten, hießen Dathan und Abiram. VI. So etwas verschmerzt man nicht so leicht. Nach Rache schrie es in der Brust der Opposition. Und auch dafür schien ihnen endlich die Stunde gekommen. Endlich, endlich zeigte sich eine wohllöbliche Opposition in der ganzen Nacktheit ihrer rein persönlichen Interessen. Ist es nicht fast selbstverständlich, daß Dathan und Abiram die Gefolgschaft Korachs bildeten? Zwar waren Korachs Bestrebungen etwas anders geartet, aber der ״Block“ wurde gebildet, der Block gegen die ״Geistlichkeit“. Da kam ein Bote von Moses zu Dathan und Abiram, sie zu einer Besprechung zu bitten. Aber da hättet ihr etwas hören können! ״Fällt uns gar nicht ein. Wir sind nicht so dumm, uns blendest du nicht mit deiner schwarzen Binde. Wiir beugen uns nicht deinem Joche. Hast uns immer mit eitlen Versprechungen abgespeist. Wir kommen nicht.“ — Noch einmal versucht es Moses, die Opposition aufzuklären, aber vergebens; trotzig stellten sich Dathan und Abiram selbstbewußt in den Kreis der Ihrigen und in finsterem Trutz versanken sie unversöhnt, iingesiihnt. P. K. Die Budgetdebatte. Zur Generalversammlung der Adas Jisroel. Von Spectator. Getreu unserem ׳Grundsatz, stets auch die Opposition zu Worte kommen zu lassen, geben wir den Ausführungen des kritischen ״Spectator“ Raum, obwohl wir der Ansicht sind, . daß er — uns ist ״Spectator“ als •altes Schiffschulmitglied bekannt — seine Bemerkimgen besser und wirksamer bei der Generalversammlung selbst hätte Vorbringen können. Vielleicht würde er dann über das Niveau derselben anders denken. D. R. In jeder Körperschaft ist die Bilanzdebatte das Spiegelbild des Niveaus der Gesamtheit bezüglich jener Ideen, für die sie sich zusammengeschlossen hat. In den Parlamenten sind Etat-Budgetdebatten die interessantesten. ׳Ihr Gehalt zeigt das Maß des Interesses der einzelnen ׳Kreise an der Aufrechterhaltung und dem Aufbau des Staatsgebäudes. Von dieser Warte betrachtet, zeigt die stattgefundene Budgetdebatte der Adas Jisroel kein besonders erfreuliches Bild. Es wurde kein einziges neues Moment in die Debatte geworfen. Die einzelnen Redner haben nur verschwommen und ungenau ihr® Kritik an der •Gemeindegebarung ausgeübt. Der objektive Beobachter konnte nur eine Minderung der Interessennahme für die Agenden der Adas Jisroel konstatieren. Zwei Fragen beherrschten die Debatte. Die eine des Tempelchors, die zweite der ominösen Fleischfrage Soweit man der Debatte entnehmen konnte, verhält es sich mit der Frage der Bestellung eines Chors folgend: Die Majorität des Vorstandes ist für den Chor. Ebenso die Majorität der Tempelbesucher. Es zeigte sich nur, daß ein Teil der Gemeindemitglieder, die gar nicht im Tempel beten und die sich gerne den Namen ״Beth Hamidrasch־ Partei“ beilegen, gegen die Bestellung eines Chors sind. Objektiv genommen soll hier die Majorität der Tempelsitzmieter entscheiden, ob ein Chor bestellt werde. Bei der Behandlung der Fleischfrage gingen die Wogen der Debatte ein wenig höher. Der oppositionelle Redner bemängelte, daß die ׳Eingänge für die Haschgacha PERU CKEKF-UÄTS PERÜCKENERSATZ Der Name des führenden Hauses in der Perückenfabrikation OTHNIAR SCHIFF NUR WIEN, 1. KKRNTNERRIRG 6 Ois-A-vis Hotel Bristol) 1§11P w garantiert 11׳ ■ / für die allermodernsten, in Qualität besten PERÜCKEN, SCHEITEL und TRANS■ Ver y p \ FORMATIONEN, die im Tragen vom eigenen Haar nicht zu unterscheiden sind. ז 1 MIT HAUBE 826•- KEINE FILIALEN! TELEPHON Nr. 51-3*92 KEINE FILIALEN 1 OHNE MAUBE S 20-

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