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Jüdische Presse · 1927-06-17 · 24 (17.6.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
24 (17.6.1927)
Date
1927-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zfeftaagesi vom Verieger vessewML1 Journal cxpödie par I’editedfc! f.M* ßfciaktlon n. Administration t Wien, II., Leopoldsgaase 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. 45-4-94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss: Ffir Artikel Sonntag, tür Nachrichten Montag. Abonnementspreise! Ganzjährig! Für Oesterrelcb S 14 Tschechoslowakei tschecb. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Znhlnngea für Österreich: PostsparkasaenamtWien, Konto Nr. 13.458; für Polen: Postsparkassenamt Warschau, Konto Nr. 190.409; für Ungarn! Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 53,386; fürJugos!awien:Postsp.-Amt Agram.Ko.N. 40.217; für die Schweiz! Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr, 122.CI9 MBjifnamwnBca^aMBMMMaaMiaMwmMMA^iagaFJM 81b». 24 MisH«BFtti88avflf 17. Juni 1027 *rfelh p'D.T ב״ה p sind seit 1870 die besten Fabrik: Wien, XV., Staglgasse Nr. 10. Telephon 38-419־ Filiale: V1I., Burggasse Nr. 17. Telephon 32-380־ כשר (תחת השגחת הרב ר׳ ישעי פורסט שיפשוהל) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroelj Ueberall erhältlich! Sorgfältigste. Lieferung in plombierten Säcken von 1 Sack 50 kg angefangen franko Haus, ebenso in Fuhren und Waggons Kohlen- und Koksgroßbandiung Wien, II., Taborstraßo 9 Fernsprecher Nr. 41-0-22 Nordbahnrutschen 3. Kohlenhof Nr. 372376־ Automatisches Ausschalten des elektrischen Lichtes Freitag abends Zahlreiche Referenzen Zu beziehen inklusive Montage äußerst billig nur bei Ingenieur Bernhard Schmied, Wien, IB. Hollandsftr. 7 für die Dame Wien, m, Kaiserstraije 111-113-115 Telephone 3229־34-4 ,62־4־ Gut ist das Land, gar sehr gut! Also sprachen Josua und Kalcb, als Uebercifer und Verkennung das Vertrauen des Volkes in sein ihm vorheißeres Land erschüttert hatten. Das Land ist gut, ob man es aber als gut sicht, das kommt auf die Einstellung an, die man zu dem Zusammenhang hat, welchen das Wort des Allmächtigen zwischen des Volkes Tun und des Landes Gedeihen schuf und schafft. Man kann sich diesen — sagen wir einmal dogmatischen — Gesichtswinkel gar nicht klar genug vor Augen halten, wenn man zu allen heutigen Palästinafragen die richtige Stellung sucht. Da spricht und hört; man so. viel von einer derzeitigen wirtschaftlichen Depression im Heiligen Lande. Da ist es historisch interessant, festzustclle'a, daß sich aus den Begebenheiten alter Zeiten eine ‘ gleiche Erscheinung feststcllen läßt. Auch damals in den Zeiten Nehcmias und Esyas war eine Periode des Wiederaufbaues Palästinas. Und siehe da, auch damals eine Periode einer furchtbaren Wirtschaftliehen Katastrophe. Dreiste Spekulation hatte Unzählige in das Proletariat gedrängt, Orgien der Expropriation waren gefeiert worden. Aber es gelang, das Gewissen des Volkes zu erwecken und es ward c׳in wunderbarer Ausgleich der Liebe und der Hingabe getroffen. Dies war freilich ein ganz ungewöhnlicher; unerhörter Weg. Wie groß muß der Führer gewesen sein, dem es gelang, in kurzen Worten alle zu überzeugen, daß jeder in dem anderen den Helfer am Werke zu erblicken und nicht das Objekt eines wirtschaftlichen Experimentes. Vielleicht liegt in dieser Erkenntnis das ganze Geheimnis des Wiederaufbaues. Man kann und darf die sonst geltenden Normen wirtschaftlicher Entwicklung nicht unbesehen auf das Land Palästina übertragen wollen. Man muß auch diese Tätigkeit im Geiste der Th,ora anfassen. Nicht nur in der Hinsicht, daß bei dem Aufbauwerke Gq-. bote der Thora nicht mißachtet werden, nein,; auch positiv muß die Thora, ihr Wort, ihre Lehre, ihre Norm, ihr Weg bei der Lösung der wirtschaftlichen Probleme ins Auge gefaßt werden, für das Verhältnis zum Boden und seinem Ertrage, für das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehrner, für die Beziehung zwischen den Banken und ihren Klienten. ״Der Ewige mit uns“ darf nicht bloß der Ausdruck einer Hoffnung sein, cs muß vielmehr dieses Wort bewiesen werden durch Tat im Geiste des Wortes des Ewigen. Dann und nur dann wird das Land seine Güte, seine sehr große Güte beweisen und glückliche Menschen werden beglückend der Welt neue Bahnen wirtschaftlichen Gedeihens weisen. Das Privilegium der Radaubrüder. Es wäre eine lächerliche Uebertreibung, zu behaupteil, daß die jüngsten Skandalszenen an der Wiener Universität, die endlich zum Einschreiten des Bürgermeisters von Wien führten, etwas Neues gebracht oder auch nur eine Steigerung der an dieser Hochschule seit einigen Jahren •hefmisohen Exzesse bedeutet hätten. Nein, die schändlichen Ausschreitungen, die sich an der Wiener Universität mit peinlicher Regelmäßigkeit wiederholen, trugen immer dasselbe Gepräge. Es waren immer wieder hakenkreuzlerische Studenten, die, einen Mißbrauch mit der Universitätsautonomie treibend, unter antisemitischen Schlagworten die infamsten Krawalle inszenierten, jüdische und sozialistische,Studenten und. Studentinnen mit Knütteln überfielen und blutig schlugen. Keinem der Radaubrüder war bisher auch nur ein Haar gekrümmt worden, die hohen Unfversitätsbehörden haben selbst die nachträglichen zarten Rügen für die schmachvollen Exzesse so wunderbar zu stilisieren gewußt, daß man aus ihnen ebenso gut eine Zurechtweisung für die Mißhandelten als für die Raufbolde hcrauslesen konnte. Der Unbefangene konnte aus der Geschichte der Wiener Universitätsskandale beinahe zu der Erkenntnis gelangen, daß die berühmte vielgefeierte akademische Freiheit im Grunde genommen darin bestehe, daß eventuell eine von nichtswürdigen Hetzern aufgcrciztc Horde die Freiheit habe, ungestraft Dinge zu verüben, die außerhalb der Räume der Univcrsität verübt, gesetzlich schwer geahndet werden müßten. Die ()Öffentlichkeit war auch wirklich nicht mehr ferne von der Vermutung, Lernfrciheit an den Wiener •Hochschulen heiße so viel, daß privilegierte Raufbolde, die sicher nichts lernen, auch lernbegierige Studenten am Lernen hindern dürfen. Also auch die jüngsten Skandalszenen an der Wiener Universität haben nichts Neues gebracht. Wieder haben die Universitätsbehörden fast alles unterlassen, was zu ihrer Vermeidung hätte führen können und abermals hatte man den Eindruck, daß die Skandalmaehcr in dem beruhigenden Gefühle, ihre Knüttel über sozialistische und jüdische Studenten und Studentinnen niedersausen ließen, für das Anzengrubers Steinklopfcrhans gilt: ״Es kann dir nichts gesclieh’n, es kann dir nichts goscheii’11.“ Wie sollten sich auch die Hakenkrcuzler nicht wohlgcborgen unter eiern Schutze eines Rektors fühlen, der einen! Robert Körber, dem berüchtigten Rädelsführer bei so vielen gelungenen Hochschulexzcssen, die Erlaubnis zur Abhaitimg eines Vortrages über den Numerus clausus im Festsaalc der Universität erteilte, weil dem Herrn Rektor, ״die volle Gewißheit“ mangelte, daß das Thema des Vortrages und der Vortragende selbst eine aufreizende Wirkung hüben könnte. Allerdings störte kein jüdischer und kein Sozialist!- scher Student den Vortrag des Herrn Körber. Wohl aber hielten es die Hakemkreuzler für selbstverständlich, daß sie den nächsten Vortrag, den der Herr Rektor schändenhalber einem sozialistischen Studenten gestatten, mußte, mit den Rufen ״Juden hinaus“ begrüßten. Der Vortragdes sozialdemokratischen Studenten mußte abgebrochen werden, aber das hakenkreuzlerische Programm wurde austandslos mit den üblichen Mißhandlungen mißliebiger Studenten •und Studentinnen zu Bilde geführt. Mitwirkende bei der Exekution dieses nationalistischen Programms waren auch diesmal, wie schon. so oft, hochschulfremdc Individuen, die, mit Eisenstangen und eisenbeschlagencn Latten ausgerüstet, ihre Aufgaben erfüllten. Der Herr Rektor hat dann natürlich wieder nach alter, schöner Gepflogenheit seine Mißbilligung allen Schuldtragenden ausgespro'chen. Wie' schwer sich speziell die Hakenkreuzler durch diese Kundgebung getroffen fühlen, kann man schon daraus ersehen, daß sie sich auch diesmal nicht entblöden, sich die Rolle der Provozierten und Verfolgten zurechtzulegen, die ‘ samt ihrm idealen Führer Körber schutzlos dem Terror der bösen Sozialisten und Juden ausgesetzt sind. . Nun hat der Bürgermeister von Wien in seiner Eigenschaft als Landeshauptmann von Wien den Zeitpunkt gekommen erachtet, dem schmachvollen Zustande, daß dank einem alten,י längst veralteten Privilegium verbrechcrische Handlungen, weil sie auf. dem Boden der Universität begangen werden,. einer •. anderen Beurteilung unterliegen müssen, ein 'Ende ״ zu" 'beroiten. Darf in PERÜCKENERSATZ MIT HAUBE S 26— \4w0tm₪m₪m₪₪₪mmm Der Name des führenden Hauses in der Perückenfabrikation PERÜCKEN ERSATZ g OTHIViJIgl SCHIFF MUR mm,!. 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