Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 23 (10.6.1927)
- Date
- 1927-06-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 JÜDISCHE PRESSE Seite 163 Erfüllung zu verschaffen, in nicht einmal neuer Form auf. Dort sitzt man zu Gericht über den Sabbat, den Jomkippur, die jüdische Religion insgesamt. In Odessa hat man sich in den ersten Apriltagen den ziemlich ernst gedachten Aprilscherz geleistet, in einer öffentlichen Disputation über die Milo zu verhandeln. Die Sache» war vom Verein ״Freunde des jüdischen Kindes“ gut arrangiert und mit allen Künsten der Regie im großen Theatersaale in Szene gesetzt. Tausende aus der jüdischen und nichtjiidischen Bevölkerung 1kamen, um Zeuge des Schauspieles zu sein, wie Juden und Nichtjuden, Berufene und Unberufene, sich über Wert und Unwert des auf uns von Vater Abraham überkommenen Zeichens des Gottesbundes herumstreiten. Von radikaler Seite erhoffte man sogar von dieser öffentliehen Veranstaltung das Zustandekommen, eines Staatsgesetzes, das nach Hadrianischem Muster bei schwerer Strafe die Beschneidung verbietet. Der Ausgang der Sache war kläglich genug für die Einberufer und all die radikalen Spekulationen ihrer Gesinnungsfreunde. Neben zwei christlichen Wissenschaftlern, die gegen die Milo zeugten, ließen sich natürlich auch junge Vertreter des roten Terrors die Gelegenheit nicht entgehen, gegen die Religion in den bekannten Redewendungen des ״Ernes“ herzuziehen und die Milo als eine vom Fanatismus gebotene Grausamkeit abzulehnen. Darauf kamen aber zwei Fachmänner zu Worte, der in ganz Rußland berühmte Chirurg Professor Jakob Silberberg und der Frauenarzt Professor Himmelfarb. Beide wiesen auf Grund ihrer ärztliehen Erfahrung und mit unwiderleglichen Wissenschaftliehen Belegen nach, was die Milo für die Gesund- und Reincrhaltung des Menschen bedeutet. Es blieb Herrn Rabbiner Glücksberg nur noch übrig, die religiöse Seite der Frage zu beleuchten, und die Niederlage der Rcligionsfeinde war voll. Diese Niederlage findet in der Odessacr politischen Presse ihren Ausdruck in ernsten Mahnungen an die jungen Himmelsstürmer, den nutzlosen Kampf gegen die Religion aufzugeben, zumindest sich nicht anzumaßen, mit billigen politischen Phrasen der Straße gegen heilige Ueber- Zeugungen, die den Lebensodem eines Volkes bilden, anzustürmen. Es war nicht leicht, den Kreml zu nehmen, aber immerhin waren die Mauern iMenschenwerk und daher einnehmbar, an den Bastillen durch Jahrtausende geheiligter Gottesgesetze werden sie sich ohne Nutzen für Land und Staat den Schädel einrennen. (״Der Israelit.“ Erfolgreiche Arbeit der Londoner Agudas Jisroel. London. (AJPB.) In der letzten Zeit ist auf allen Gebieten der Agudatätigkcit eine erhöhte Aktivität zu verzeichnen. Besonders erfolgreich war die Durchführung der Keren Hathora-Biichsenaktion in allen Stadtteilen von London. Dank den Bemühungen des Hilfssekretärs Mr. S. Kaufmann ist ein Lescsaal eingerichtet worden, wo jetzt sämtliche orthodoxen Zeitungen aufliegen. Auch werden jetzt Anstrengungen gemacht, um ein orthodoxes Organ zu schaffen. Redakteur S. Schönfeld,. Antwerpen, befindet sich seit einigen Wochen in London, um mit seinen reichen Erfahrungen auf diesem Gebiete dem Gründungskomitee behilflich zu sein. Vorige Woche gelang es ferner, eine Zeirc Agudas Jisrocl-Gruppe zu gründen. Bei der Gründungssitzurig waren in Vertretung des Agudavorstandes -Rabbiner Färber und Harry Goodmann anwesend. Die Sitzung hat Herr Kaufmann eröffnet. Nach mehreren Referaten wurde eine provisorische Leitung gewählt, die aus folgenden Herren besteht: Obmann Herr Frost, Sekretär Turner, Kassier Landau, ferner die Ausschußmitglieder Adler, Berger, Kaufmann, Schönfeld (ein Sohn des Rabbiners der Adas Jisroel-Gemeinde Dr. Schönfeld), Löw und Spira. Es wurde nach der Konstituierung beschlossen, gemeinsame Gemoroschiurim abzuhalten und eine Bibliothek zu schaffen. Sitzung des Jewish Board 0! Deputies in London ׳(JTA.) In der jüngsten Sitzung des Deputiertenausschusses •der englischen Juden wurde die Frage der Teilnahme der englischen Juden an der Jewish Agency erörtert. Herr A. E. d’Avigdor Goldsmid, der Präsident des Board, erwiderte auf eine diesbezügliche Anfrage, daß der inzwischen verstorbene frühere Präsident des Board, Henriques, sowie Herr Laslci im Jahre 1924 an einer Sitzung des in Frage stehenden vereinigten Komitees teilgenommen!hatten. Man kam jedoch überein, die ganze Angelegenheit so lange unentschieden zu lassen, bis die Frage der Teilnähme der amerikanischen Judenheit an der Jewish 'Agency entschieden sein werde. Der Board of Deputies befaßte sich sodann mit dem Bericht des Fremdenkomitees, der zu dem Schluß kommt, daß es zwar gegenwärtig nicht an der Zeit sei, eine Milderung des Fremdengesetzes zu erlangen, daß aber das Komitee nach wie vor die Meinung vertritt, es widerspräche der Geschichte und der Tradition Englands, den Punkt I des Alians Restriction Act >0111 Jahre 1919 permanent bestehen zu lassen. Diese Vorschrift sollte höchstens noch fünf Jahre bestehen dürfen. Mr. Joseph, Prag, wandte ein, der Board habe nicht das Recht, das Bestehen der Fremden-Bill für den gegenwärtigen Augenblick anzuerkennen. Der Board hätte die ״Pflicht, gegenüber der Regierung die Ansicht zu vertreten, daß diese Bill nicht länger bestehen darf. Die Bill wurde vor sieben Jahren mit dem Ziele der Milderung der Arbeitslosigkeit eingeführt. Bis jetzt hat das Bestehen der Bill keinerlei praktische Bedeutung gehabt. Die jetzt dem »Parlament neuerdings vorliegende Bill bedeute, daß Eng- .!and aufhört, ein Asyl zu sein und daß es den Geist der ׳britischen Politik und ihre besten Traditionen verläßt Nach einer erregten Diskussion wurde diese Frage an das Komitee zur nochmaligen Berichterstattung zurückgeleitet. Herr Lucien Wolf unterbreitete den Bericht des Joint Foreign Committee (Komitee für auswärtige jüdische Angelegenheiten) und führte dabei aus, er bedauere, feststellen zu müssen, daß in den Verhandlungen mit der rumänischen Regierung, betreffend eine bessere Behänd- Jung der Juden in Rumänien kein Fortschritt erzielt worden ist. Das Komitee setzt die Anstrengungen fort, eine befriedigende Lösung zu erreichen. Der. Untersuchungsausschuß in Genf wird sich in kurzer Zeit mit der vom Joint Foreign Committee vor drei Monaten überreichten Petition, betreffend die Abschaffung der Schutz- und Rechtlosigkeit der rumänischen Juden zu befassen haben. Die rumänische Regierung weigert sich fortgesetzt, irgend etwas zu unternehmen, das den verdammenswerten antisemitischen Anschlägen und der gefährlichen Propaganda Einhalt gebieten könnte. Der letzte jüdische Student hat bereits die Universität in Klausenburg (Transsylvanien) •verlassen müssen. Die Neuregelung über das Baccalaureat däßt es als sicher erscheinen, daß es .׳bald keinem Juden gefingen würde, einen akademischen Grad zu erreichen. Einbringung einer Bill gegen das betäubungslose Schächten im englischen Unterhaus. (JTA.) Herr Noel Buxton, der frühere Minister für Landwirtschaft, hat im Unterhaus eine Bill eingebracht, nach welcher das betäubungslose Schlachten von Tieren verboten sein soll. Die Bill macht die Anwendung des sogenannten Modells 9 b für jedes Schlachthaus obligatorisch. Sollte dieser Vorschlag zum Gesetz erhoben werden, so würde die jüdische rituclle Schichtung ohne vorangegaugene Betäubung verboten sein. Herr Boxton führte an, daß bereits 200 Ortsbehürden das Modell 9 b als obligatorisch eingeführt haben, der Portschritt gehe ihm aber zu langsam vonstatten und er fordere ein in ganz England geltendes Gcsetz.״Herr Buxton sprach sich gegen alle Vorschläge, die Juden von der Beobachtung der Bill zu befreien, aus und führte als Beispiel die Schweiz an. wo das jüdische rituelle Schächten überhaupt verboten ist. Der Halberstädter Verband für eine orthodox-jüdische Akademie. (JTA.) Der Landesverband gesetzestreuer Synagogengemcinden in Halbcrstadt hat sich vor kurzem mit der in Frankfurt begründeten Simultanakadcmic befaßt und diese Akademie als Bildungsstätte für gesetzestreue jüdische Lehrer grundsätzlich abgelchnt. Wie der ״Israelit“ mitteilt, sind für diese Entschließung ähnliche Motive maßgebend gewesen, wie sie auch die kirchlichen Behörden der preußischen Katholiken bestimmt haben. ״Wir halten“, schreibt der ״Israelit“, ״die geistige Atmosphäre der sirnultanen Akademie nicht, für geeignet, die Heranbildung geschlossener jüdischer Erzieherpersönlichkeiten zu fördern... Die Orthodoxie ist überzeugt, daß es ohne allzu starke Inanspruchnahme von Staatsmitteln in absehbarer Zeit möglich sein muß, eine orthodox-jüdische Akademie, die nur für Juden bestimmt ist, in Anlehnung an Köln und Bonn zu schaffen, und es wäre gefährlich, die Erreichung dieses Zieles durch die Hinnahme von Halbheiten zu gefährden.“ Delegiertentag, des deutschen Misrachi. (JTA.) Am 15. und 16. Mai fand in Berlin der diesjährige Delegiertentag des .Misrachi statt. An der Tagung nahmen 36 Delegierte, die die Gruppen Berlin, Breslau, Chemnitz, Frankfurt a. M.. Hamburg, Köln, Königsberg, Leipzig, Mannheim, München, Wiesbaden und die anderen Misrachiortsgruppen vertraten, teil. Der Vorsitzende des Zentralbureaus, Dr. Oskar Wolfsberg-Berlin, eröffnetc die Tagung und wies auf deren Wichtigkeit kurz vor dem Kongreß hin. Dr. Martin Rosenbliith begrüßte die Tagung namens der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. In das Präsidium wurden gewählt: Dr. A. Loeb-Berlin, Dr. Rabin-Breslau, Alexander Adler-Hamburg. Der Referent für das Erziehungswerk Dr. R a b i n legte eine Resolution vor, daß der deutsche Misrachi bei der Zionistischen Weltorganisation auf eine V e־r s t ä n d i g u n g mit der A g u d a hinwirken solle unter gegenseitiger Unterstützung und Förderung in bezug auf das gesetzestreue hebräische Schulwerk in Palästina. Die polnische Regierung und die religiösen und kulturellen Forderungen der Juden. Der neuernannte Unterrichtsminister Dr. Dobrucki empfing die Vertreter der jüdischen Presse und sprach sich' ihnen gegenüber über die Beziehung der Regierung zu den jüdischen nationalen, religiösen und kulturellen Forderungen aus. Der Minister betonte, er werde die liberale Politik seines Vorgängers, des Vizepräsidenten *Bartel, fortsetzen und die jüdischen Forderungen allmählich erfüllen. Es soll eine normale einheitliche und demokratische Organisation der jüdischen Gemeinden ganz Polens geschaffen werden. Er habe in einer Verordnung die Bestimmungen des Pil sudski-Dekrets wegen der Organisat i o n jüdischer Gemeinden in den 0 s t g ebieten erweitert und auch auf Galizien ausgedehnt. Die jüdischen Gemeinden werden ihren rein religiösen C 11 a r a k t e r b e i b ehalten. Die Regierung beabsichtigt, einen obersten religiösen Rat zu schaffen, der alle jüdischen Gemeinden der Republik repräsentieren soll und dem jene Funktionen obliegen sollen, die die einzelnen Gemeinden nicht ausüben können. Betreffs des jüdischen Schulwesens erklärte der Minister, daß die Regierung die jüdischen Schulen mit polnischer Unterrichtssprache ohne jeden Rückhalt subventionieren wird. Aber auch die Schulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache werden entsprechend den Vorschriften über die Schulen der nationalen Minderheiten subventioniert werden. Die Laxe der Juden in der polnischen Armee. Bei Behandlung des Militärbudgets der Budgetkommisison besprach Abg. Kirschbraun die Lage der Juden in der polnischen Armee. Die Soldaten im allgemeinen, insbesondere die jüdischen, werden durch nichtqualifizierte Offiziers- Pädagogen schikaniert. Noch immer sind die gewissen Geheimzirkulare, die die Rechte der jüdischen Soldaten beschränken, nicht aus der Welt geschafft, obwohl sie offenbar einen Verfassungsbruch bedeuten. Der Redner verlas Tagebuchnotizen jüdischer Soldaten, aus denen hervorgeht, daß Juden in der Armee oft schweren Peinigungen ausgesetzt sind. Ein jüdischer Soldat, der am S a b b a 11 a g eine Geldquittung nicht unterschreiben wollte, wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ich frage, fuhr der Redner fort, warum in Frankreich der Jude Bakanowski Flottenminister werden konnte, während in Polen ein Jude nicht einmal einfacher Matrose sein kann. Der Vizekriegsminister, General Konaszewski erwiderte auf die Ausführungen Kirschbrauns, sollten antisemitische Geheitnzirkulare existieren, so werden sie zurückgezogen werden. Im übrigen werden Peinigungen von Soldaten, mögen diese welcher Nation immer angehören, an schuldigen Offizieren strengstens geahndet. Der Militärreferent Kostsziakowski erklärte, die Juden in der polnischen Armee erfüllten ihre Verpflichtungen in der besten Weise. Die Gemeinderatswahlen in Wilna. Schaffung eines orthodoxen Wahlblocks. Wilna. (AJPB.) Die Gemeinderatswahlen in Wilna finden am 19. Juli d. J. statt. Obwohl das orthodoxe Organ ״Das Wort“ mehrere Male für die Schaffung eines jüdischen Einheitsblocks eingetreten ist, haben es die radikalen Gruppen zuwege gebracht, daß ein jüdischer Block mit Ausschluß der Orthodoxie geschaffen wurde. Als Antwort auf diese Vorgangsweise wurde von Agudas Jisroel die Schaffung eines orthodoxen Einheitsblocks in die Wege geleitet. Bisher haben sich bereits alle orthodoxen Bethäuser angeschlossen. Mit Misrachi werden noch Verhandlungen gepflogen. Rzeczow. (AJPB.) Dr. L. Deutschländer, Direktor der Keren Hathora-Zentrale, weilte am 25. Mai in Rzeczow, um mit dem Präsidenten des ׳Zentralrates der Agudas Jisroel, Oberrabbiner Lewin, zu konferieren. Krakau. (AJPB.) Anläßlich der Plenarsitzung des Schul- und Verwaltungsrates von Bees Jakob fand im großen Versammlungssaale unter Vorsitz von Sejmdeputat כשר Kill mn Igjg| Verbürgt reines Fett aus Kokos« nüssen. Die Kokosnüsse werden bei der Kunerolwerke A. G., Wien» Atzgersdorf, gepreßt und die Er״ zeugung steht bis zur Verpackung des fertigen Fettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrah״ biners S. Ehrenfeld zu Mattersburg* Kunerol kann daher von jedem Streng״ gläubigen ohne Bedenken zur Zuberei״ tung der Speisen verwendet werden. Stempel ein großes Massenmeeting statt, an welchem Oberrabbincr Lewin, Rzeczow, und Wolly S. Jacobson, Hamburg, sprachen. Jüdische Ein- und Auswanderung in Palästina. (JTA.) Im Verlaufe des Monats März kamen 228 Juden ins Land: gleichzeitig wanderteri 588 Juden aus. Im Februar zählte man 220 Einwanderer gegen 329 Auswanderer, darunter 280 ׳ Juden. Im Jänner 1927 wunderten 181 Personen ein und 536 aus. Lord Plumers Ferien. (JTA.) Der britische Oberkommissar für Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, hat eine Reise nach England angetreten, wo •er seinen Urlaub verbringen wird. Colonel Symes, der Chefsekretär der Palästinaregierung, wird ihn während seiner Abwesenheit vertreten. Ein neues Memorandum der Agudas Jisroel an die Mandatskommission. (JTA.) Die Weltorganisation Agudas Jisroel hat durch die Palästinaregierung im Namen der aschkenasischen Gemeinde Jerusalems eine Petition an die Mandatskommission des Völkerbundes gerichtet, deren Inhalt sich ausschließlich auf die Gemeindeordnung in Palästina bezieht. Es werden Einwendungen gegen gewisse Teile des Gesetzentwurfes betreffend die Organisation jüdischer Gemeinden in Palästina vorgetragen. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sind auf Initiative der Führer der Agudas Jisroel in Palästina Besprechungen zwischen Agudavertretern einerseits und dem W:aad Leumi sowie dem jüdischen Kommunalrat anderseits eingeleitet worden mit dem Ziele, in der Angelegenheit der Verordnung über die jüdischen Gemeinden Palästinas zu einer Verständigung zu gelangen. Sollten die Besprechungen, wie man . auf beiden Seiten hofft, zu einem Resultat führen, so wird die Regierung sofort die Verordnung über die Organisation der jüdischen Gemeinden in Kraft setzen. (Eine offizielle Bestätigung obiger JTA,- Meldung konnten wir bis zur Drucklegung dieser Nummer nicht erhalten. D. R.) Der 25-Millionen-DoIlar-Drive des ״Joint“ fast beendet. New-York. (J. T. A.) Herr David A. Brown, der Präsident des United Jewish Campaign des Joint Distribution Committee, teilt mit, daß die vom Joint in den Vereinigten Staaten eingeleitete Kampagne!zur!Aufbringung von 25!Millionen Dollar für jüdische Hilfs- :und Aufbauzwecke' in der Alten Welt voraussichtlich schon in den nächsten Wochen beendet sein wird. Nach den bis heute im!Hauptbureau der Kampagne eingelaufenen ׳Nachrichten sind •bereits rund zwanzig ׳Millionen Dollar gezeichnet worden. Der Drive wurde formell ׳im Herbst 1925 eröffnet. Die erste größere Aktion begann aber erst Anfang 1926. Mehr als 2500 Gemeinden haben sich im Jahre 1926 an dem Duve beteiligt. Man erwartet, daß bis zum Abschluß der Kampagne jede Stadt!in den Vereinigten Staaten mit einer Bevölkerung von mindestens 5000 Personen an dieser Aktion teiigenorrmen haben wird. Nur 30 Prozent der jüdischen Kinder in Amerika werden in Religion unterrichtet. (JTA.) Der Nationalrat für jüdisches Erziehungswesen hielt hier unter dem Vorsitz von Dr. Isaak G. Berkson seine zweite Jahresversammr. 11111g ab. Dem Bericht war zu entnehmen, daß es in den Vereinigten Staaten rund 800.000 jüdische Rinder im schulpflichtigen Alter gibt, von denen aber 'nur 30 Prozent jüdischen religiösen Unterricht erhalten. Die Juden der Vereinigten Staaten bringen gegenwärtig 7 Millionen Dollar jährlich (im Durchschnitt 30 Dollar, per Kind) für jüdischen Unterricht auf. Abermals Klagen der Sowjetpresse über den wachsenden religiösen Einfluß. (JTA.) Die jüdischen kommunistischen Zeitungen bringen fortgesetzt Artikel und Korrespondenten gegen den ״jüdischen Klerikalismus“, der immer stärkeren Einfluß auf die jüdischen Massen gewinnen soll. Im Kreise Krementschug, teilt die Charkower jiddische Tageszeitung ״Der Stern“ mit, haben die jüdischen religiösen Gemeinden in der letzten Zeit eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet, 11m die breiten Schichten der arbeitenden Judenschaft unter ihren Einfluß zu bringen, sie in ״unterirdische“ religiöse und philanthropische Hilfsgesellschäften zu organisieren. Die armen Juden werden mit Sabbatbroten, Lichtern, Mazzoth und Brennholz versorgt. In dem Städtchen Semionowke (Kreis Krementschug) wurde eine Jeschiwah organisiert, in der 100 Jünglinge, die mit allem versorgt werden, dem Talmud-Studium obliegen. Die jüdischen Gemeinden wenden sich an die Behörden mit dem Ersuchen, die Gründung von Kommissionen zu genehmigen, die die jüdischen Bäckereien, Fleischhallen, Schächthäuser und Wurstfabriken überwachen sollen. An der Spitze dieser Kommissionen soll überall der Ortsrabbiner stehen. Die Zeitungen führen aus, man müsse dem konterrevolutionären Einfluß dieser religiösen Elemente energisch entgegenarbeiten. Die jüdischen Kommunisten werden ermahnt, ihre parteiische und Sowjetarbeit in jiddischer Sprache zu führen, um nicht die arbeitenden Massen an die Religiösen verlieren zu müssen. Möge, so schließen die Artikel, die Nepp-Bourgeoisie allein ihre religiösen Funktionäre erhalten.