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Jüdische Presse · 1927-06-10 · 23 (10.6.1927) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
23 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expGdie par l’editeur. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS Redaktion «. Administration: Wien,!!.,Leopolds* gaose 26, 1. Stiege, 1. Stock. ־־־ Tel. 45-4*94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint Jeden Freitag. — Redaktionsschluss:?Sr Artikel Sonntag, *fir Nachrichten Montag. Abonnementspreise 1 Ganzjährig: Fßr Oesterreich S 14 Tschechoslowakei tschech. K. 70, Einzelnummer öst. Gr. 40, das übrige Ausland 2 Dollar. Zahlungen för Oesterreich: PostsparkassenamtWicn, Konto Hr. 13.458; t&r Polen: Postsparhassenamt Warschau, Konto Nr, 190.409; für Ungarn: Postsparkassenamt Budapest, Konto Nr. 50.170; iür Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag! Konto Nr. 53.386; für Jugoslawien: Postsp.*Amt Agram, Ko. N. 40.217; für die Schweiz: Postscheckkonto Zürich VIII. 4117; für Deutschland: Postscheckkonto Berlin Nr, 122.619 ■r. 23 win-Bratiaian, 10. Juni 1027 ,rein p'D ,ביה דנודפרעססבורג י 13. Jahrg. Die fünfzehnte Wiederkehr des Tages von Kattowitz. Jeder ernste Mensch in unseren Reihen wird die 15jährige Wiederkehr des Tages von Kottowitz so feiern, daß er Antwort auf eine beträchtliche Zahl ernster Fragen sucht. Sicher ist eine gewisse Hochstimmung der Seele der Grundzug des Erinnerungstages, denn niemand wird es leugnen, daß der Tag von Kattowitz ein geschichtliches Ereignis war und daß 11 a c 11 mehr als hundert- Jähriger Pause die Orthodoxie wieder zu einem beachtenswerten und beachteten Faktor im öffentlichen Leben der Juden- ..heit auf dem ganzen E t־ d e 11 r u 11 d g e w o r d e n ist. Das ist ein Erfolg, der sieh in Zahlen und Daten schwer ausdrückcn läßt, so wie cs bei jedem Axiom der Fall ist, das schlechthin zu einem unveräußerlichen Teil des Bewußtseins geworden ist. Sicher ist eines festzustellen: das E i n a n d e r s u e h e n ist stark, das E i n a 11 d c r f i n d e 11 häufig geworden. Natürlich ist cs schwer, mit dem Rcstbestand früherer Vorurteile, die sich hemmend zwischen Ost und West aufgetiirmt hatten, restlos aufzuräumen, aber es sind eben nur noch Restbcständc. Die Einheit im Ziele ist Gegenstand allgemeiner Anerkenntnis, die Einheit im Wege ist durch die Aguda mächtig gefördert worden. Auch in bezug auf die Ideologie ist Wesentliches geleistet. Der Inhalt des jüdischen V o 1 k s b c g r i f f e s ist geläutert und allenthalben würdig vertreten worden. Das V׳e r a 111 w o r t- 1 i c h k e i t s g e f ii 111 ist erwacht und allüberall ist die heilige Thora wieder in den Mittelpunkt des E rz i c 11 u 11 g s p r 0 g r a m 111 e s gestellt, allüberall ist das Bestreben zutage getreten, dein Herzenswunsch der Frauenwelt innerhalb der Orthodoxie gerecht zu werden und sic zu ertüchtigen, als Eckpfeiler des jüdischen Hauses in demselben eine Welt der Wahrheit und Schönheit aufzubauen. Freilich erhebt sich daneben die schmerzliche Frage nach dem Grund der Tatsache, daß noch nicht alle thoratreuen Kreise den Weg zu der Fahne der Aguda gefunden haben. Aber auch hier ist eine erfreuliche Wendung zu konstatieren. Es gibt schlechterdings keinen einzigen Kreis, der nicht die Existenz eine r Aguda, d. h. eines Zusammen- Schlusses der Orthodoxie für notwendig hielte. Wenn es tiefernste, nachdenkliche Menschen gibt, die unsere Aguda noch nicht als Idealform dieses Zusammenschlusses zu erachten imstande sind, so erwächst der Aguda daraus die unabweisbare Aufgabe, sich diesem Ideal immer mehr und mehr zu nähern und es so jenen Menschen zu ermöglichen, i n unseren Reihen zu arbeiten. M i t uns haben sie das bereits von Fall zu Fall getan. Es ist sicher zu hoffen, daß die nächste Kenessio Gedaulo eine Heerschau der gesamten Orthodoxie wird. Der zweite noch nicht erfaßte Kreis ist die große Gruppe der sephardischen Juden. An und für sich ist innerhalb dieser Gruppe das Bedürfnis nach einem Zusammenschluß über die Kehilla hinaus noch nicht sehr stark erwacht, zwar gehören in Jerusalem eine stattliche Anzahl sephardischer Juden zu der Aguda oder arbeiten mit ihr Hand in Hand. Es ist das Problem der nächsten!Arbeitsperiode, auch in diesen Kreisen festen Fuß zu fassen. Gerade das Selbstverständliche des religiösen Lebens, das dort die Signatur des Judentums ist, wird die Lösung des Problems bedeutend erleichtern. Der Angelpunkt dieser Tätigkeit muß und wird die Agudaorganisation in Palästina sein, der auch der nahe und ferne Osten leichter zu* sanglich ist. ' Unter schweren Kämpfen ist seit Kattowitz auch der Weg beschritten worden, durch die Vermittlung der Presse zu den Juden zu sprechen. Trotz der Bescheidenheit ihres Umfanges hat sich die Agudapresse eine geachtete Stellung erkämpft, sie ist unabhängig und objektiv. Am schwersten war es, den Weg zu den thoratreuen Kreisen zu finden, welche die Notwendigkeit und vielleicht auch nur die Möglichkeit eines selbständigen Gebildes der Orthodoxie nicht erkennen. Aber immerhin darf ausgesprochen werden, daß auch innerhalb dieser Gruppe seit Kattowitz das Verständnis für unser Wollen bedeutend gewachsen ist. Viele materielle Not ist in diesen!5 Jahren über die Judenhcit hinweggebraust. Erst dann, wenn die Ökonomische Lage so gebessert ist, daß die materielle Grundbedingung eine wesentliche Aenderurig erfahren hat, wird auch die Aguda, von des Tages Sorgen unbeirrt, in geistiger Auseinandersetzung alle thoratreuen Einzelpersönlichkciten erfassen und umfassen können. Aus dieser Einheit wird dann dem Urgcbilde der jüdischen Organisation, der Kehilla, reines, reiches, volles Leben Zuströmen. Der Thora die Position zu erobern, die sie noch im IS. Jahrhundert fast unbestritten inuehatte, das ist und bleibt das höehste Ziel der Agudas Jisroel. u. Von e i 11 c m unbefangenen Beobachte r. Wer die Lage der Wiener Orthodoxie, wie sic noch vor zwei oder drei Jahrzehnten war, in Erinnerung ־ hat und den vorliegenden Bericht der Adas Jisroel ansieht, wird wohl zugestchen, daß ein sehr erfreulicher Fortschritt, wie er nie geahnt war, zu verzeichnen ist. Die Wiener Orthodoxie ist im Innern festgefügt und genießt hohes Ansehen nach außen. Diese Ent- Wicklung der Dinge ist wohl zunächst eine Frucht der Verhältnisse, aber auch nicht zum geringen Teile ein Erfolg der zielbewußten Arbeit der Adas Jisroel, die alles, was sie für die Erstarkung der Orthodoxie vollbrachte, nicht engherzig für sich allein leistete, sondern alle Erfolge und Errungenschaften allen Orthodoxen ohne Unterschied zukommen ließ. Sie ist tatsächlich der lebendige und lebenspendende Mittelpunkt für die ganze Wiener Ortho- Julius Krupnik Wien, VII., Kaiserstraije 111-113-115 Telephone 32-4-62, 34-4-29 größtes SpezIailKius Oesterreichs f mM (תחת השגחת הרב ר׳ ישעי פורסם שיפשוהר) Erzeugt unter Aufsicht Sr. Ehrvvürdeu Herrn Oberrabbiner Jesaia Fürst (Adas Jisroel; U e b e r a 11 erhältlich! doxie und auch als solcher anerkannt. In der Tat verstummen auch allmählich die Klagu über Engherzigkeit, und die Beschwerden über Zurücksetzung der östlichen Brüder werden nur von Elementen erhoben, die den Frieden stören und an der Schwächung der wahren Orthodoxie Interesse haben. Daß aber doch noch manches zu bessern ist, wird jeder zugeben. In der alten Kehilloh ist bei allen das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Einheitlichkeit lebendig und wirksam, während in unserer Wiener Kcheilloh die Struktur der Entstehung noch immerzu deutlieh zu sehen ist. Jeder fühlt sich immer noch zu sehr als Neutracr, Taniovcr, Prcßburger etc. Das Streben, das Pflichtbewußtsein, hier in Wien ein Wiener Jeliudi mit den anderen zu sein, kennt mau noch nicht. Man soll bestrebt sein, durch Erziehung zu einem neuen Lokalpatriotisrnus, zu einer neuer! Hcimatliebc, in der hiesigen jüdischen Gemcinschaft neue schöpferische Kräfte zu wecken. Das wirk* liehe Gefühl der Zusammengehörigkeit als Glieder der Wiener Kehilloh wird erst die Opferwilligkeit ermöglichen, die notwendig ist, um große Werke von dauerndem Werte zu schaffen. Nicht nur im Bethaus, im Bcth-Hamidrasch, auch gesellschaftlich muß man einander näherkommen, ein persönlich herzlicher Verkehr muß augeregt werden, damit man eine einheitliche Gemeinschaft bilde. Zunächst würde dies befruchtend auf die Fürsorgetätigkeit wirken. Die Adas Jisroel und mit ihr die gesamte Wiener orthodoxe Judenschaft könnte an die Aufgabe gehen, eine gegenseitige soziale Förderung im größeren Stile ins Werk zu setzen. Man könnte an den Versuch gehen, durch die Organisation einer systematischen Kredithilfe wirtschaftlich Schwache zu stützen und ehrlich Strebenden zur Grün- 'düng ihrer Erwerbsniöglichkeit zu verhelfen. Je größer der Kreis derer ist, die sich zusammenfinden, desto besser. Und darum muß der im Berichte der Adas Jisroel schüchtern angedeutete Wunsch nach einem innigen Zusammen Schluß der orthodoxen Bet 11 ausvereine nur recht bald der Verwirklichung näher-• gebracht werden. Eine solche systematische, feste Organi7 satiou müßte eine Fülle vo'n Segen für alle, in den verschiedenstcii Beziehungen, bringen. Wie nötig wäre es, wenn der Unterricht in den verschiedenen Wiener orthodoxen R e li g i 0 n s s c h 111 e n, Talmud T h 0 r a s und B i b e 1 s c h u 1 e n etwas einheitlicher g e s t a 11 e t würde! Wenn die Fachleute nach Beurteilung der Lage doch gewisse gemeinsame Gesichtspunkte bei der Leitung und Einrichtung der Schulen zur Durchführung bringen könnten. Es wäre ein Austausch und gegenseitige Aushilfe der Lehrkräfte möglich und könnte Erfolge von dauerndem Werte zeitigen. Auch sonst müßte eine solche zusammenfassende Einrichtung den Bethäusern und deren Angestellten nur Vorteile bringen, die immer der Großbetrieb vor dern Kleinbetrieb hat. Es ließe sich das alles erzielen, ohne die Autonomie der einzelnen Bethäuser im geringsten zu stören. Ganz besonders wichtig wäre aber die Schaffun«: einer gemeinschaftlichen Vertretung der orthodoxen Bethäuser, damit die Orthodoxie in der Gemeinde selbst sich diese Stellung und Selbständigkeit erringt, die sie notwendig hat lind von der es in der letzten Zeit leider so ruhig geworden ist. Vielleicht erinnern sich die älteren Herren noch der Zeit, in der die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Orthodoxen als unabänderliches Credo galt. Diese Ueberzeugung ist doch noch nicht gänzlich aufgegeben worden. Wenn das Ziel einmal erreicht werden soll, muß die Vereinigung der orthodoxen Bethäuser vorher zur Wirklichkeit werden. Es wäre ־ein Erfolg für all« Juden Wiens und Oesterreichs. ln der ganzen Welt berühmt r Perücfeenschöpfungen Wien, I., Kämtnerrmg 6, Tel. 51-362־ P 1HllllH1lJ11llJllll1iJ1Hlw1J111111J11₪l1lj|11u11111^|fegcnüber dem;;Hotel Bristol iiiiiiiiiin....... wo man Perücken und Transformationen kllllmcftAm DHAknn trotz der gediegensten Qualität und sorgfältigsten Ausführung zu DllllgSlwSll rlGISGil

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