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Jüdische Presse · 1927-06-03 · 22 (3.6.1927) · page 5

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Journal
Jüdische Presse
Volume
13 (1927)
Issue
22 (3.6.1927)
Date
1927-06-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 22 Seite 155 _ JUP18CHE PRESSE_ Tätigkeitsbericht der Adas Jisroel vom Jahre 1926. Erstattet vom Vorstände. Nach längerer. Unterbrechung ist es dem Vor- I Stande der Adas Jisroel wieder gegönnt, in ordnungs- | mäßiger Weise nach Ablauf eines Verwaltungsjahres über die Tätigkeit während desselben Bericht zu erstatten. Die Anforderungen, die an die Adas Jisroel hinsichtlich ihrer mannigfachen Leistungen auf dem gesamten Gebiete des jüdischen Lebens unserer Wiener Judenschaft im allgemeinen und unserer קהלה im besonderen gestellt werden, wachsen von Jahr zu Jahr, und es bedarf der Aufbietung aller Kräfte und der ■ Anspannung der größten Energie, ganz besonders in dieser Krisenzeit, um den übernommenen Pflichten gerecht zu werden. Rabbinat — Thoraförderung. Die Aufgaben, die dem Rabbinate der Adas Jisroel gestellt sind, nehmen fortwährend an Umfang und an Intensität zu. Die הוראה wird nicht nur von allen wahrhaft jüdischen Kreisen Wiens, sondern auch von der Judenschaft außerhalb Wiens, in Oesterreich und auch im Auslande, stetig in Anspruch' genommen. Unter der unmittelbaren Leitung, oder unter Aufsicht und Anregung der Mitglieder des Rabbinates werden im ב׳ח׳כ׳נ׳ס und נ׳ה׳מ׳ד und außerhalb derselben zahlreiche regelmäßige שיעורים und gelegentlich thoraverbreitende Vorträge gehalteil, deren G. s. D. reichlicher Besuch jedes jüdische Herz nur sehr erfreuen kann. Von vielen Seiten wird ein weiterer, vielgestaltigerer Ausbau unserer Vortragseinrichtungen gewünscht. Im Interesse der Verbreitung und der Vertiefung echt jüdischen Geistes in weiteren verschiedenen Kreisen ist die Ausführung solcher Pläne zu erwägen. Die Jesode Thora wurde im abgelaufenen Jahre von 256 Knaben und von 130 Mädchen, zusammen von 386 Kindern besucht. Dieselben erhielten in 9 Abteilungen für die Knaben und in 6 Abteilungen für die Mädchen in wöchentlich , 148 Unterrichtsstunden von 5 Lehrern Unterricht. Die oberste Abteilung hat ganztägigen Unterricht und bereitet ihre Schüler zum Besuche einer Jeschiwah vollständig vor. Der Kindergarten wird von 117 Kindern besucht und von 2 Lehrerinnen und einer Hilfslehrerin geleitet. So befriedigend die Lehrerfolge der Schule sind, so bedauerlich ist die finanzielle Lage derselben: Bloß 25 Schüler bezahlen das ganze Schulgeld. Die übrigen sind teilweise oder gänzlich von der Bezahlung des Schulgeldes befreit. Der Gesamteingang an Schulgeld beträgt in der Jesode Thora S 6504.20; im Kindergarten S 3723.31. Das Gesamterfordernis der Schule ist S 40.737.18. Es muß also trotz der namhaften Subvention der Adas Jisroel nahezu die Hälfte des Erfordernisses durch Beiträge und Spenden — die natürlich hauptsächlich aus unserem engsten Kreise stammen — aufgebracht werden. Die Talmud Thora, der ja bekanntermaßen eine vollständige Bürgerschule angegliedert ist, erfreut sich einer stets wachsenden Beliebtheit. Man weiß es z\1 würdigen, daß dort die besten Unterrichtserfolge mit der Pflege wahrhaft jüdischen Denkens vereint werden. Wir müssen Mittel und Wege suchen, um unser Schulwesen dauernd in diesem Geiste zu erhalten, auszugestalten und zu vervollständigen. Als Thoraförderung muß auch angeführt werden, daß die Adas Jisroel fleißigen, unbemittelten Jünglingen, die an Jeschiwohs dem Thorastudium obliegen, Stipendien verleiht, und daß dem Vereine Tiferes Bachurim Unterstützungsbeiträge zugewendet werden. Approvisionierung. י Der Bedarf an Fleisch unserer Schechitah wächst. Wir müßten daher an die Vermehrung der Anzahl unserer Schochtim denken. Am Ende des Jahres wurde ein diesbezüglicher Konkurs verlautbart; sobald ein geeigneter Bewerber gefunden ist, wird er bestellt werden. Derzeit haben wir 4 Fleischverschleißstellen im II., 2 im VI, eine im IX., eine im X. und eine im XX. Bezirk. Gesuche um die Uebernähme der Hasehgachah von weiteren Fleischbanken werden gewiß — nach der sorgfältigsten Prüfung, wenn die notwendigen Voraussetzungen gegeben sind — bewilligt. Wurstr und Selchwarenerzeugung (3 Firmen) sind ebenso wie im Vorjahre unter Aufsicht. Mit Rücksicht auf die Bequemlichkeit der kaufenden Bevölkerung wurden einzelne Verkaufsstellen der Aufsicht unterstellt. Es sei besonders darauf verwiesen, daß diese Verkaufsstellen in den jeweiligen Verlautbarungen immer einzeln angeführt werden, und die rituelle Aufsicht derselben ist durch eine besondere, im Geschäfte angebrachte Ankündigung kenntlich gemacht. Nachdrücklichst muß aufmerksam gemacht werden, daß die Ankündigung, daß irgendein Händler Ware aus einer unter Aufsicht der Adas Jisroel stehenden Fabrik beziehe, durchaus keine Gewähr für das Kaschruth bietet. Einem seit Jahren vielfach geäußerten Wunsche wurde im abgelaufenen Jahre Rechnung getragen.!Im Herbste wurde die im Hause, II., Große Schiffgasse 10, neuerbaute Gefliigelschächtstelle dem Gebrauche übergeben. Dieselbe entspricht sowohl den peinlichsten hygienischen Anforderungen, wie dem Bequemlichkeitsbedürfnis der Bevölkerung. Es sind regelmäßige Schächtstunden bestimmt, so daß allen Forderungen in dieser Hinsicht entsprochen ist. Die Kontrolle der Geflügelhändler wird in der bisherigen Weise geübt, und die Verbraucher müssen darauf sehen, nur die in den jeweils verlautbarten Listen angeführten 'Händler als verläßlich zu betrachten. Die Milchversorgung war im abgelaufenen Jahre klaglos. Es gelang, den Milchpreis wesentlich herabzusetzen, so daß die Milch, die aus den unter der Aufsicht der Adas Jisroel stehenden Molkereien bezogen wird, nicht erheblich teurer ist, als andere Molkereimilch. Auch in der Butterversorgung ist ein erfreulicher wesentlicher Erfolg zu verzeichnen. Am Schlüsse des Jahres wurde durch einen Vertrag die Belieferung unserer Lebensmittelhändler mit verläßlicher Koscherbutter — beste Teebutter — sichergestellt. Jedes Paket trägt die Marke der Adas Jisroel. Bei Erzeugung der Mazzoth fordern wir selbstverständlich in erster Linie, daß sämtlichen, und den allerstrengsten Forderungen in bezug auf Kaschruth vollkommen entsprochen werde, und daß sie in bezug auf die Qualität an erster Stelle stehen. Trotz dieser Eigenschaften ist der Wettbewerb mit anderen, auf Gewinn abzielenden Unternehmungen wegen des Preises schwer. Diese unsere grundsätzlichen Forderungen einerseits, andererseits die entfernte Lage der Bäckerei, sowie der Umstand, daß unsere mehr als 20 Jahre alte maschinelle Einrichtung durch neuere, Vorrichtungen überholt sind, erhöhen verhältnismäßig die Gestehungskosten. Es ist daher das Bestreben berechtigt, und die Verwaltung der Adas Jisroel wird sich der Pflicht nicht lange entziehen dürfen, diesbezüglich den notwendigen Wandel zu schaffen und wird trachten müssen, die' zu diesem Zwecke erforderlichen Barmittel aufzubringen. Während andere Gemeinden aus der selbständigen Erzeugung der Mazzoth einen namhaften Gewinn erzielen, ergab das Mazzothgeschäft für uns einen namhaften Fehlbetrag. Das bei Erzeugung der Schmurehmazzoth erzielte Ersparnis — wir erzeugten wie in den letzten Jahren das Schmurehmehl in eigener Regie — hat diesen Schaden einigermaßen gemildert. Trotz des materiellen Mißerfolges wurden im Jahre 1926 um S 4395.76 (gegen S 3022.70 im vorhergehenden Jahre) für die Pessachbeteiligung verausgabt. Von den beiden der Aufsicht des Rabbinats unterstellten Weiß- und Schwarzbäckereien ging eine in anderen Besitz über, weshalb die weitere Hasehgachah für dieselbe entfiel. Ferner untersteht nach wie vor eine Konditorei der Aufsicht des Rabbinates. Bezüglich der Gastwirtschaften, die, der Haschgachah unterstehen, ist seit dem vorigen Jahre keine Aenderung eingetreten. Fürsorge. Ebenso wie in allen Gemeinden haben auch bei uns zahlreiche Vereinigungen חברות die Pflege der verschiedenen Arten von Gemilüth-Chesed und Thoraförderung übernommen. Die Männer und Frauen, welche diese Vereine leiten, verdienen den innigsten Dank für ihre hingebungsvolle gemeinnützige Tätigkeit im Dienste der leidenden Brüder und zur Hebung des Ansehen unserer ק ה ל ה und die Adas Jisroel erfüllt eine gebieterische Pflicht, wenn sie diese Vereine nach Tunlichkeit fördert. Der jüdische Verein ״Einheit“, der für ein ganz geringes Entgelt vielen Glaubensbrüdern in würdiger Weise den Mittagstisch deckt, muß besonders in Ansehung der dort bestehenden Mittelstandsausspeisung als soziale Anstalt bezeichnet werden. Seit mehr als 3 Jahrzehnten wirkt der vom seligen'Prof. Hoffmann begründete Verein Tomech Ewjonim sehr verdienstvoll. Mit einem Jahresaufwand von S 3658 erhielten an Sabbat- und Festtagen, Personen, zumeist kränkliehe, aus den Krankenhäusern entlassene, unentgeltliche Mahlzeiten. Viele Familien erhielten während der Winterszeit Holz- und Kohlenbeiträge. Der Krankenhausverein, dessen ganz hervorragende humanitäre und ethische Bedeutung die Anerkennung der verschiedenen ärztlichen Autoritäten findet, versorgte mit einem jährlichen Aufwand von S 18.000 Kranke im Spital mit Koscherkost. Bei diesem Anlasse sei auch dankend :und rühmend der ,liebevollen Tätigkeit unserer Mädchengruppe gedacht, die die Kranken und Siechen in den Spitälern;und Versorgungshäusern besucht, sie durch Hebenswürdigen Trost und Liebesgaben erfreut. Unermüdlieh und aufreibend ist die Tätigkeit unseres Frauen- Vereins, der in zahllosen Fällen durch Rat und Tat Hilfe und Trost brachte. Der Verein Tiferes Bachurim hat dadurch, daß er 26 Wiener Kinder als בהורי חמד auf Jeschiwohs mit einem Jahresaufwand von mehr als S 13.000 unterstützte, der Wiener :glaubenstreuen Judenschaft unschätzbare Dienste geleistet. Unsere Liebe und unsere Hoffnung ist und bleibt die Jugendgruppe, eine auserlesene Kämpferschar für alle heiligen Aufgaben des Judentums. Die Mittel, welche die Leistungen dieser und ׳auch manch anderer äußerst •wohltätig wirkender Vereinigungen (z. B. Mathan Basesser u. v. a.) benötigen; werden nahezu ausschließlich in unserem Kreise aufgebracht; die Wohltaten derselben kommen allen — gleichviel ob Nah- oder Fernstehenden —in gleicher Weise ׳zugute. Die Adas Jisroel hat!im abgelaufenen Jahre den verschiedenen Vereinen S 20.018 (gegen S 19.300 im vorhergegangenen Jahre) an Subventionen ausbezahlt. Außerdem gelangten (abgesehen von der vorhin erwähnten Pessachbeteiligung) S 2495.40 (gegen S 1706.78) zur Verteilung an Arme. Brautausstattungsbeiträge wurden S 1800 (gegen S 1870) im vorhergegangenen Jahre) ausbezahlt. Bereits während des abgelaufenen Verwaltungsjahres drängten die Verhältnisse dazu, auch diese Ausgaben mit den Einnahmen in Einklang zu bringen und bei den Zuwendungen das strengste Maß anzulegen. i Mitglieder. Wie im Vorjahre muß auch für dieses Berichtsjahr der Eingang an Mitgliedsbeaträgen als betrübend gering bezeichnet werden. Die Einsicht, daß es moralische Pflicht eines jeden Jehudi ist, das Gedeihen und ׳die Erhaltung der gemeinsamen Institutionen nach Kräften zu fördern, bricht sich nur ׳sehr langsam Bahn. Der für Mitgliedsbeiträge eingegangene Betrag von S 7488 ist beschämend niedrig, und es wäre die Sache aller, die wahrhaftes Interesse am Erstarken des glaubenstreuen Judentums haben, grundsätzlich in ihren Kreisen für die Behebung dieses Mangels zu wirken. Der Ueberbiick über die Liste der Mitglieder weckt in •uns neuerlich den tiefen Schmerz über die herben Verluste, die das abgelaufene Jahr uns brachte. Tiefe, brennende Wunden sind es, die der Tod unserer Kehillah schlug. Wir gedenken des ehrwürdigen und herzlich geliebten Ehrenpräsidenten und Ehrenmitgliedes, des Herrn Markus Bondi. Ein Sprosse einer hochangesehenen Familie, in der seit jeher תורה und יראה als höchste Zierde galt, trat er als junger Mann in die ersten Reihen der Kämpfer für das überlieferungsfreue Judentum und bis in sein höchstes Alter blieb er den Idealen seiner Jugend treu. Sein Wirken, seine bestrickend liebenswürdige Persönlichkeit, seine sprichwörtliche Bescheidenheit haben uns im Leben vorangeleuchtet und werden in der Erinnerung uns Führer sein. Bernhard Klein, Sohn und Enkel von תלמידי חכמים ואנשי מעשה, der uns in der Blüte seiner Jahre verlassen mußte, hat als wirklicher בהן צדק ein Leben, das der תורה und יראה gewidmet war, geführt. Mit ehrlicher! Begeisterung und wahrhafter Liebe war er stets im Dienste des überlieferten Judentums; er war ein 'lieber, treuer Berater im Vorstände, dessen Stimme wir schmerzlich vermissen werden. Nicht minder schmerzlich beklagen wir die vielen treuen Mitarbeiter, die in so großer Zahl uns ׳entrissen wurden. Wir alle haben sie gekannt, und brauchen die Tugenden eines jeden ■einzelnen nicht erst zu rühmen: Aron Chalfen, Alois Dukes, Isidor Eichenbäum, Julius Fischer, Samuel Frankel, Leopold Gold- ן stein, Josef Griinwald, Baruch Scholem Lanner, | Osias März, Israel Moschkovitz, Josef Nagel,

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