Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 13 (1927)
- Issue
- 19 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 19 im&cm Seite 139 ״eine herrschsüchtige, nur um ihre eigene Macht und um ihren eigenen Vorteil besorgte, käufliche und gekaufte klerikale Gruppe, die eine parlamentarische Vertretung überhaupt nicht wollte, die sich vielmehr im Dienste und über Befehl der Feinde des jüdischen Volkes die Zer- Störung der politischen Selbständigkeit des jüdischen Volkes zum Ziel gesetzt hat“. Die Teilnehmer an dieser Sitzung kamen sich bei der Annahme dieser Resolution offensichtlich ganz als das ״jüdische Volk“ vor, das da ״verkauft“ wurde an die ״Feinde des jüdische Volkes“, in deren Mitte sie' nicht eine Minute länger bleiben wollen, als ihnen in einem stammesgenössischen zionistischen Staate Garantien dafür geboten werden, ein Parlarnentsmandat ohne Hindernisse von seiten der ״klerikalen“ ״Verräter“ zu erlangen. Dr. Margulics hat noch Größeres geleistet! Er veröffentlichte diese Resolu tiou in der ״Selbstwehr“ und in der Bratislavacr ״Jüdischen Volkszeiturtg“, der alten, noblen Freundin der Orthodoxie Er überschrieb sogar seinen Artikel wie. ein fertiger Staatsanwalt seines ״jüdischen Volkes“ mit ״Koloman Weber vor Gericht!“ Da war Dr.• Singer natürlich übertrumpft, denn das war schon geradezu heldenhaft! So waren denn auch damit aus der Reihe der vielen anonymen zionistischen Ansclnvärzern der ׳ orthodoxen Rabbiner endlich zwei Männer mit ihren Namen hervorgetreten und damit, ״greifbar“ geworden. Eigentlich drei, denn auch der verantwortliche Redakteur der ״Selbstwehr“ war mit dem Namen bekannt. Man nahm an, sie, die mutigen und heldenhaften Kämpfer für ein ״jüdisches Volk“ in der tschechoslowakischen Republik, würden ״vor Gericht“ gerne für ihre Worte einstehen und tat ihnen den Gefallen, sie zu belangen. Schon in den Vorerhebungen gab der ״Selbstwehr“- Redakteur Moritz M a n d e 1 an, er sei ein armer Schlucker, der die Artikel nur veröffentlichte, weil ersonst sein Brot verloren hätte. Man ließ den Bedauernswerten laufen und beschränkte die Anklage auf seine Brotgeber. Diese würden doch ganz gewiß nicht auskneifen. In der Vorerhebüng versuchte zwar Dr. Singer mit einer advokatisohen Klügelei, die Anklage von sich fernzuhalten. Die Richter hätten aber für diese Sorte von Mannesmut kein Verständnis. Auch er mußte also auf andere Ausflüchte sinnen. Bei der Verhandlung vor dem Kmetengerichtc in Prag wurden die Angeklagten von Dr. Lebenhart und Dr. Angelo G 0 1 d s t e i n verteidigt. Dr. W e 1 w a r t h und Dr. Keller vertraten die Kläger. Die Vorschläge des Vorsitzenden zum gütlichen Ausgleich hatten keinen Erfolg. Darauf lehnte D r. Singer di e Verantwortung für die i h m zur L a s t gelegten b e- 1 e i d i g e n d e n Ä'eußeruhgcn ab. Er habe solche Behauptungen, wie sie ihm in der ״Selbstwehr“ in den Mund gelegt wurden, niemals au f ge s t e 111 und auch niemals g e g 1 a at b t. Er werde unschuldig bezichtigt mit Aeußerungen, die ihm — der frommen Unschuld — vollständig fernliegen. Für die ״Selbstwehr“ sei nicht er verantwortlich. Diese Zeitung habe die ihm fälschlich zugeschriebenen Aeußerungen ohne seine Kenntnis und ent- ' gegen seinen Intentionen zu seinem größten Verdruß veröffentlicht und er wisse gar nicht, weswegen er nun die Verantwortung tragen solle. Nach diesem etwas ver- Späteren Rückzug Dr. Singers blieb den Klägern nichts, übrig, als den auf Dr. Singer bezüglichen Teil der Anklage zurückzuziehen, da ihnen seine Äeüßeruhgen 1 t'1 de r Tat nur aus der nunmehr in s o 1 c h sonderbarer Weise vor Gericht desavouierten Mitteilung seines Leiborganes bekannt war en. Dr. M a r g_u 1 i e s leugnete auch vor Gericht seine Aeußerungen und Veröffentlichungen nicht ab. Er erklärte sich sogar bereit, den Wahrheitsbeweis zu erbringen. In Wirklichkeit hielt er bloß eine zionistische Propagandarede, wie sie nach den Wahlen von jedem zionistischen Schreier gehalten wurde. Seine Taktik batte zum Ziele, die Verhandlung auf ein Nebengeleis zu schieben. Er tat so, als ob belanglos wäre, ob seine Behauptungen über die Kläger zutreffen oder nicht. Er brachte einen Doktor Salomon aus Uzhorod zum Zeugen vor, der gehört haben will, daß außer Marek Ungar, der auch von Dr. Margulies als vollwertiger Kandidat der zionistischen ,Jüdischen Partei“ anderkannt wurde, noch andere Leute zur Bestreitung der Wahlkosten Gelder angenommen haben sollen, ohne zu behaupten, daß es die Kläger oder andere verantwortliche Parteiführer gewesen seien. Als׳ der Angeklagte sah, daß dieses Drehen und Wlinden ihm nicht viel nützen werde, bat er um Verschiebung der weiteren Verhandlung, weil er entdeckt habe, daß in den Akten eine tschechische U e b e r s e t z u n g des i n k ri m i nie r t e n A r tik e 1 s nicht• enthalten sei. Diesem Verlangen mußte das Gericht entsprechen trotz Widerspruchs der Kläger. So sehen die großen Zionistenführer aus, wenn sie sich verantworten sollen! Das ist der wahrheitsgemäße Verlauf der Gerichts- Verhandlung. Die Leser werden daraus auch ersehen, wie falsch die zionistischen Berichte im ״Prager Tagblatt“ und in der '״HjWvW«(!?1(״?ifl#‘®,>&.,״ —WM——————MM»——i—MMMM!»MIHMMIM IsUefers .«■—mtUM Boa Ttentnske Tepllte ist seityl. Mai im Betrieb. Für erstklassige Küche und solide Bedienung vorgesorgt Die ״Hagada“ und die ״Aguda“. 'S Vorbemerkung: fn der Pcssach-ffemmer einiger zionistischer ,Zeitungen in der Slowakei erschien gleichzeitig ein gleichlautender Artikel mit der Ueberschrift ״Hagada- Aguda“ von Dr. Josef Löwy. Aus der mehrfachen Veröffentlichung ist zu schließen, daß diesem Artikel vom zionistischen Standpunkt große Bedeutung beigemessen wird. Darin wird in der Tat zum soundsovieltemnale der Versuch gemacht, auf Grund der bei den Zionisten längst schon zur Uebung' gewordenen falschen Zitate unter Herbeizichung, der Autorität Rabbi Samson Rafael Hirschs זצ״ל der Orthodoxie und ihrer Agudo eins am Zeug zu flicken. Obgleich es sich nicht lohnt, jedes zionistische Pamphlet einer Widerlegung zu würdigen, wollen wir die nachfolgenden Ausführungen eines treuen Mitarbeiters mit einigen Kürzungen zum Abdruck bringen, um auch an diesem Beispiele zu zeigen, mit welchen Mitteln die Leser zionistischer Zeitungen in bezug auf alles, was das historische Judentum angeht, hinters Licht geführt werden. Die Redaktion. In den antiorthodoxen Blättern ist eine Abhandlung über die Pessach Hagada erschienen, welche, wie nicht anders denkbar, voller Haß gegen die Orthodoxie und die Agudo ist. Es ist eine alte Wahrheit, daß derjenige, der nur um Haaresbreite von der Tradition seiner Mutter, seiner Ahnen abweicht, allmählich gänzlich vom ortho■ doxen Judentum abfällt. Und um seinen ersten Schritt zu rechtfertigen, wenn er etwas gelernt hat, geht er daran, die Aussprüche unserer Großen zu seinen Gunsten falsch zu deuten. Viele Leute, welche sich gerne für fromme Juden halten — wenn es genug ist, sich für Juden zu 11 a 11 c n, ohne als Juden zu leben —: jubeln solchen Leuten Beifall zu, denn er hat ja ״klipp und klar“ bewiesen, daß s i e die wahren Juden sind und nicht die strenggläubigen Agudisten. Es verletzt sein jüdisches nationales Her.z, daß die ״Jüdische Presse“ 1n Nr. 9, Seite 66, folgendes schreibt: ״Die jüdische Gemeinschaft wurde als die lebendige Rechtsnachfolgen!! der am Sinai gestifteten, im heiligen Lande vorübergehend staatlich organisierten und im Jahre 7CPin allen Ländern der Erde zerstreuten religiösen Einheit betrachtet.“ Soweit wird zitiert, aber weiter steht noch etwas, was wohlweislich nicht zitiert wird: ״deren einzige Gesamtheitsaufgabe nichts anderes als die Erkenntnis und Erfüllung der geoffenbarten religio• sen Lehre (Thora) war und blieb. Religion war an• erkanntermaßen die einzige Nationalaufgabe des historischen jüdischen Volkes.“ Ein schreckliches Verbrechen, jammert der Artikel- Schreiber, die ״J. P.“ sagt: ״religiöse Einheit“ und wagt angeblich nicht, /,Volk“ zu sagen; sogar Hirsch sagt immer, daß G-tt nicht eine religiöse Einheit, sondern ein ״V 0 1 k“ von den Kindern .Jisroels geschaffen. Nachdem der Artikelschreiber sich selbst auf die Autorität von Hirsch beruft, so will ich ihm .nur mit Hirschs Worten, widerlegen, denn er hat Hirsch unrichtig zitiert., t . In חורב Kap• 96, § 608, schreibt Hirsch folgendes: ״Auch als Jisroel sich noch: auf einem Boden vereinigt sah, nannten sie sich nicht deshalb עם (ein Volk), weil ein gemeinsamer Boden sie alle trug: denn einzig unter allen Völkern der Erde war der Landesbesitz und' die daraus hervorgehende Staatseinrichtung für Jisroel nicht Ziel, sondern Mittel zur besseren Erfüllung seiner ״Jisroelspflichten“, die Thauro war nicht des Staates halber, sondern der Staat der Thauro halber da und nur diese Thauro, die Ijdee gemeinschaftlicher Träger e i n e s geistigen Berufes zu sein, einigte die Einzelnen zu einem menschengeseil־ schaftlichen Verein, im Innern zu ״Om“, eigentlich Gesell■ schaft, uneigentlich Nation, nach außen zu ״Gau.j“ (גוי) zu einer Körperschaft, Volk. Und auch nachdem von seinem’ Boden fern, Jisroel sein äußeres Statsband zerrissen sieht, nennen sich die Zerstreuten Jisroels ״Om“, eine Nation, nicht im Züriickblick auf einst gemeinschaftlieh besessenen Boden, nicht im Hinblick auf die Zukunft, in der ans einst G-tt wieder dort vereinigen werde, sondem im Bewußtsein: auch in der Gegenwart gemeinsame Träger einer ewigen Idee, einer ewigen Lebensaufgabe, einer von G-tt gesetzten Lebensbestimmung zu sein, die in Jisroel über Staatsleben stand und steht und• die darum den Staatsruin überdauerte.“ Demnach ist das jüdische Volk nichts anderes als eine organisierte religiöse Einheit. Und nur derjenigeäst tatsächlich;ejn, jüdischer NäticnaHst,:der die einzige.. Aufgabe der jüdischen' Nation erfüllt‘lind das ist: ein t'h 0rt ä t r eue s' Le b en zu führe n. Und ׳das ist das ,Ziel und Bestreben der Agudisten., Folglich sind die Agudisten die wirklichen jüdischen Nationalisten, aber nicht die ״Zionisten“ und ihr Anhang. Diese können zwar ״Nationalisten“ sein,.aber jüdische nicht, denn sie haben das einzige Ziel der jüdischen Nation schon längst über Bord geworfen. . עבדים הינך wir waren in מצרים diese sind aber ...auch, heute Knechte der fremden Ideen und Anscliaunngen. denn Führer der Ziofesten haben öffentlich erklärt, daß sie das Judentum assirnilieren, die jii'aisclie Religion sekularisieren wollen. Mag das vielleicht , auch ״Nationalismus“ heißen, aber jüdischer durchaus nicht! Es ist wohl walir, daß unsere Väter am Berge Sinai ihre Kinder als Bürgen bestimmten und G . .hat dies angenommen. Aber nicht jene . Kinder, welche von der Tradition abgewichen sind und die Eltern erziehen wollen, sondern jene Kinder, welche von den Eltern in Treue zur Tradition ,und zu einem thoratreuen Leben erzogen würden. Unsere Väter sind nicht darum in der Wüste gesjQrbejb yfeil §i(e. nicht, die , Freiheit wollten,'1;sorij3efp. w$l sie den Begriff der Freiheit' faTscK ge'de'üt'et haben. Sie verstanden unter Freiheit, sich zu befreien von den Pflicliteri der Thora. Wir müssen unsere Kinder erziehen und sie belehren über den großen ,Wer,t der Freiheit. .שאיו.לך בן חוריי אלא מי שעוסק בתלמיד תורה ״Der ist frei, der ein thoratreues Leben führt,“ denn er hat die Kraft, das Gute zu tun und das Schlechte zu lassen., . Darum müssen wir zu jeder Zeit als wahre Mitglieder des, jüdischen Volkes, ein, thgr.atreues Leben führen und unsere Kinder zum traditionellen überlieferten Judentum erziehen, daß sie die Autorität der Thora auf sich nebtrien. Öas i§t das Haüptprpgramm der Agudo; diese Lehren gifrf uns auch die H a g ö'cfo. 23. Nissan 5687. H. L. Dr. med. Emanuel Fried Rachel Katz Oradea (Großwardein) Debrecen Verlobte _5687 חוה״מ פסח_ Theresie Deutsch Denes Grünzweig Frauenkirchen Györ (Raab) Verlobte. Die Zeire Emane Jisroel in Bratislava wünschen ihrem verehrten Leiter Herrn Desider Ungar zu seiner Vermählung mit Fräulein Mariska _Knttner herzlichst מזל טוב. Die Jugendorganisation der Agudas Jisroel in der Slowakei gratuliert herzlichst ihrem verdienstvollen Vorsitzenden Herrn Desider Ungar, Bratislava, zu seiner Vermählung mit Fräulein Mariska Kuttrier, Guta. Die Agudas Jisroel-Frauen- und Mädchengruppe in Bratislava gratuliert der bewährten Vorkämpferin der Agudaidee, Fräulein Betty Rothschild in Zürich herzlichst zu ihrer Verlobung mit Herrn Viktor Wreschner, Breslau. Wir gratulieren herzlichst unserem Freunde, Herrn Samuel Soffer ׳ ג״י anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Ella Wosner. י Salomon Engel, Gerson Fleischmann, Dunajska Streda. KONKURS In der aut. orth. isr. Kultusgemeinde Komarno ist die stelle eines שרב מומחהא ירא שמים מרבים der auch ein vorzüglicher בעל תפלה ובעל קורא sein muß, mit dern Jahresgehalt von tsch. K 18.000, halber שחיטה die zirka tsch. ׳K 3000 abwirft, freie Wohnung und sonstigen Nebenemolumenten, sofort zu besetzen. Reflektierende, die קבלות von drei anerkannten orth. Rabbinern besitzen, mögen ihre Kopien nebst Angabe ihres bisherigen Wirkens Alters, Familienstandes und Zuständigkeit an den gefertigten Vorstand einsenden. Nur!Berufene werden zum Pröbevortrage zügelassen und die Reisespeseh nur den Akzeptierten vergütet. David Raab, _Präses der ant. orth. isr.!Kultusgemeinde, Komarno. KONKURS Es wird hierorts für sofortigen * Antritt ein tüchtiger Lehrer gesucht, der נ״ ך : חמוש ורש״ י in ״deutscher“ Sprache unterrichten kärim Betreffender hat auch das Gemeindenotariat zu versehen. Gehalt laut Uebereinkommen. Offerten sind zu richten an Herrn Dr. Artur Altstock, Gemeindepräses. D 6 b s i n a, 2. M ä i 1927. Orth. isr. Kuitusgemeinde. Kultusbeamter einer jüdischen Großgemeinde sucht für seinen Sohn, der bei einer Wiener Textilfirma sein Fach erlernt hat und Stenotypis't ist, sprachgewandt, eine passende Stelle, eventuell auch in anderer Branche. 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